Skip to main content
Springer Nature - PMC COVID-19 Collection logoLink to Springer Nature - PMC COVID-19 Collection
. 2021 Mar 29;21(2):19. [Article in German] doi: 10.1007/s15027-021-3495-3

COVID-19: Studie mit Colchicin wegen fehlender Wirkung gestoppt

Veronika Schlimpert 1,
PMCID: PMC7966907

Colchicin wurde als potenzieller neuer Hoffnungsträger für die COVID-19-Therapie lanciert. Nun der Rückschlag: Der Colchicin-Arm des RECOVERY-Programms wurde wegen fehlender Wirksamkeit gestoppt.

graphic file with name 15027_2021_3495_Fig1_HTML.jpg

Anfang des Jahres hatte Colchicin erst für positive Nachrichten in Sachen COVID-19-Therapie gesorgt: Bis dato nicht veröffentlichte Daten der randomisierten COLCORONA-Studie deuteten darauf hin, dass das traditionelle Gichtmittel das Risiko für eine Klinikeinweisung wegen COVID-19 um 25 %, für die Notwendigkeit einer Beatmung um 50 % und für Tod um 44 % verringern kann. Unter anderem wegen undurchsichtiger statistischer Angaben blieb die vorläufige Analyse nicht ohne Kritik. Dr. Jean-Claude Tardif von der Universität von Montréal, der COLCORONA als Studienleiter betreut, hatte in einer Pressemitteilung im Januar diese beeindruckenden Daten mitgeteilt.

Auch die im Juli letzten Jahres publizierten Ergebnisse der kleinen randomisierten GRECCO-19-Studie legten eine Wirkung von Colchicin bei SARS-CoV-2-Infektionen nahe. Die griechischen Wissenschaftler vermuteten, dass die antiinflammatorischen Effekte von Colchicin zu einer Reduktion schwerer Verläufe beigetragen haben: Eine Wirkung auf die Endozytose oder die Hemmung des Inflammasom-Signaling könnten eine Rolle spielen.

Rekrutierung gestoppt, weil Evidenz für einen Nutzen fehlt

Doch nun die Ernüchterung. In einem Statement verkünden die Studienleiter des RECOVERY-Studienprogramms Prof. Martin Landry und Prof. Peter Horby, dass die Patientenrekrutierung für den Colchicin-Arm des Programms gestoppt wurde. Auf Anraten des unabhängigen Data Monitoring Committee (DMC), berichten die beiden Wissenschaftler von der Oxford Universität.

Der Beschluss wurde am 4. März nach Prüfung der bisher verfügbaren Daten gefasst. Nach Ansicht des Komitees gibt es keine überzeugende Evidenz für einen Überlebensvorteil mit Colchicin, der eine weitere Rekrutierung rechtfertigen würde, weder in der Gesamtkohorte noch in einer präspezifierten Subgruppe.

Im November 2020 wurde ein randomisierter Vergleich zwischen Colchicin vs. Standardcare ins Programm von RECOVERY aufgenommen. Eine vorläufige Analyse von 11.162 Patientendaten ergab keinen Unterschied im primären Endpunkt - der 28-Tage-Mortaliät - zwischen der Colchicin- und der Standardcare-Gruppe (20 vs. 19 % der Patienten sind innerhalb dieser Zeit verstorben, relatives Risiko: 1,02; p = 0,63). Zur Standardcare gehörten u. a. Steroide wie Dexamethason, mit denen 94 % der Teilnehmer in beiden Armen behandelt worden sind. Die finalen Ergebnisse der Analyse sollen laut der Studienleiter "so schnell wie möglich publiziert werden".

Die anderen Arme des RECOVERY-Programmes sollen wie geplant fortgesetzt werden. Geprüft wird als COVID-19-Behandlung derzeit noch die Effektivität von ASS, Baricitinib, Antikörpercocktails und in ausgewählten Kliniken Dimethylfumarat.

Pressemitteilung des Montreal Heart Instituts: Colchicine reduces the risk of COVID-19-related complications, veröffentlicht am 22.1.2021. https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04322682 Statement der RECOVERY trial chief investigators: RECOVERY trial closes recruitment to colchicine treatment for patients hospitalised with COVID-19, veröffentlicht am 5.3.2021


Articles from Cardiovasc are provided here courtesy of Nature Publishing Group

RESOURCES