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. 2021 Mar 22;74(4):40–44. [Article in German] doi: 10.1007/s41906-021-0999-5

Digitale Kompetenzen für Lehrende und Lernende

Eva Ortmann-Welp 1,
PMCID: PMC7967103  PMID: 33746367

Abstract

Spätestens die Corona-Pandemie führte den Bildungseinrichtungen vor Augen, wie gut oder nicht so gut sie für das digitale Lehren aufgestellt sind. Home-Schooling bedeutete für einige Schulen den Versand von Arbeitsaufträgen per Mail oder Post, für andere ein medienpädagogisch hochwertiges interaktives Lehren und Lernen mit verschiedenen technischen Systemen. Gerade die Bildungsstätten, die schon vorher die Bedeutung digitaler Medien und deren Potentiale für den Unterricht und den Aufbau der Medienkompetenz der Lernenden erkannt hatten, waren für die Herausforderung des spontanen reinen Online-Lehrens gut aufgestellt. In diesem Artikel wird ein Überblick über die Potentiale, den erforderlichen Kompetenzaufbau, die Rollenänderung und die Erweiterung der Professionalität von Lehrenden gegeben, denn auch die technisch und medienpädagogisch gut aufgestellten Schulen waren bei einem Internetausfall machtlos. Zur Professionalität gehört eben auch Gelassenheit.

Keywords: Schlüsselwörter: Digitale Kompetenz, Potentiale digitaler Medien, Kompetenzaufbau, medienpädagogische Kompetenzen


Notwendige Kompetenzerweiterung für Lehrkräfte Zusätzliche Kompetenzen, Wissensarten und Rollen sind für Lehrende für die Bildung in einer digital geprägten Welt erforderlich. Grundlage ist eine offene, positive Haltung gegenüber digitalen Medien, die auch die Lernenden mitreißt, denn digitale Medien bieten zahlreiche Potentiale. Die Kenntnis dieser und das Erkennen der Bedeutung einer fundierten Digitalen Kompetenz in der heutigen Gesellschaft verringern Bedenken oder eine unbewusste Abwehrhaltung.

Unabhängig von der Corona-Pandemie ist der Aufbau einer fundierten Medienkompetenz für alle Lernenden jeglichen Alters erforderlich, insbesondere in der Berufsausbildung. Für die generalistische Pflegeausbildung hat die Fachkommission (2019) in den Rahmenplänen die Befähigung zur kompetenten Nutzung digitaler Medien und Technologien gefordert.

Digitale Kompetenzen für den Pflegeberuf

Auszubildende der Pflege sollen digitale Kompetenzen für das lebenslange Lernen aufbauen (ebd., S.36), hierzu gehört beispielsweise die Internetrecherchefähigkeit und die Beachtung medienethischer Aspekte. Ebenso sollen Auszubildende des Pflegeberufes zur Nutzung digitaler Dokumentationssysteme (z.B. elektronische Patientenakte) befähigt werden. Die Beratung, ein wichtiger Bestandteil des Pflegeberufes, soll auch die Beratung der Patienten zu Gesundheits- Apps beinhalten (ebd., S.63). Professionell Pflegende sollen online beraten und eigenständig entscheiden können, ob auch eine Televisite patientenspezifisch geeignet ist oder nicht (ebd., S.88). So ist es beispielsweise für einen dementen Patienten durchaus von Vorteil, wenn diesem ein Besuch beim Arzt oder in der Notaufnahme erspart bleibt. Die Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung (DiGAV 2020), das Digitale Versorgungs-Gesetz (2019) und das Krankenhauszukunftsgesetz (2020) fördern die Versorgung mit digitalen Gesundheitsanwendungen und die Digitalisierung deutscher Krankenhäuser und weiterer Einrichtungen. Professionell Pflegende müssen ihre berufliche Handlungskompetenz um weitreichende digitale Kompetenzen erweitern. Die Vermittlung dieser in der Aus-, Fort- und Weiterbildung ist zwingend erforderlich. Das Erkennen der Notwendigkeit des Einbezugs sowie die Kenntnis der Potentiale digitaler Medien sind die Basis für den Aufbau Digitaler Kompetenzen. Digitale Medien bieten Potentiale für den Beruf und für die Patientenversorgung, aber auch für das Lehren und Lernen.

Potentiale digitaler Medien

Häufig fragen Lehrende, was denn die Vorteile digitaler Medien gegenüber den analogen Anwendungen sind und welcher Nutzen gegeben ist. Die Ergebnisse der letzten "International Computer and Information Literacy (ICIL) Study" (2018) zeigten erneut auf, dass Deutschland international noch immer auf den letzten Plätzen rangiert, wenn es um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht geht. In den meisten Ländern ist die Quote doppelt so hoch oder höher (Eickelmann et al. 2018, S. 205 f.). Eickelmann, die durchführende Verantwortliche der ICIL-Studie in Deutschland, sieht in der Vermittlung des Mehrwerts digitaler Medien den größten Handlungsbedarf, denn nur 35% der deutschen Lehrkräfte stimmten der Aussage zu, dass die Nutzung digitaler Medien Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler unterstützen kann.

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Mit digitalen Medien sind nie dagewesene Möglichkeiten gegeben: Kommunikation und Kollaboration können zeitgleich und doch ortsunabhängig praktiziert werden. Ein grenzenloser interaktiver Erfahrungsaustausch wird auf diese Weise möglich. Lernen kann mit digitalen Medien auch selbstgesteuert, individualisiert, adaptiv, multimedial und authentisch erfolgen. Zudem können digitale Lernprogramme ein fundiertes Feedback bei der Lernsicherung geben, so dass Lehrende in ihrer Kontrollfunktion entlastet werden. Sie gewinnen dadurch die Möglichkeit, Lernende gezielter und intensiver zu unterstützen (Tulodziecki et al. 2019, S. 121 f.; Kerres 2018). Digitale Medien ermöglichen zusammengefasst eine neue Zieldimension beim Lehren und Lernen. Das SAMR- Modell nach Puentedura (2012) gibt hierzu einen hilfreichen Überblick:

Substitution - Ersatz: Die digitalen Technologien werden lediglich als Ersatz für analoge Medien genutzt. Beispiele hierzu sind: Nutzung eines Beamers zum Zeigen eines Videos anstatt eines Fernsehers mit Videorekorder. Dies führt noch zu keinen funktionalen Verbesserungen, die Repräsentation bzw. das Medium ändert sich lediglich. Allerdings kann auf dieser Ebene der Umgang mit digitalen Medien geübt werden.

Augmentation - Erweiterung: Mit dem Wechsel von einem analogen zu einem digitalen Medium ergibt sich eine Verbesserung. Hierzu zählen Grundfunktionen, wie die Rechtschreibprüfung oder das Ausschneiden und Ersetzen von Inhalten, oder Multimedia-Inhalte (textuell, auditiv, visuell), die verlinkt und eingebettet werden können. Auch das Nutzen von kooperativen Editoren (z.B. Google Docs, Padlet) bietet nun die erweiterte Option, kollaborativ an Texten zu arbeiten oder diese in einer Cloud abzuspeichern. Über Lernapps erhalten Lernende direktes Feedback. In dieser Stufe ist eine funktionale Verbesserung bzw. Erweiterung gegeben, die mit rein analogem Arbeitsmaterial gar nicht oder nur eingeschränkt möglich wäre.

Modification - Veränderung: Der Einsatz digitaler Medien ist mit einer substanziellen Veränderung der Unterrichtsgestaltung verbunden. Hierzu zählen beispielsweise die Erstellung von Videos oder Podcasts mit spezieller Software. Die Lernenden erarbeiten eigenständig Inhalte und bringen ihr Verständnis in einem Medienprodukt zum Ausdruck. Das gegenseitige Kommentieren von Blog-Beiträgen und die sich ergebene Diskussion kann zum Aufbau von gemeinsamem Wissen genutzt werden.

Redefinition - Neubestimmung: Hierzu zählen Szenarien, in denen digitale Medien Aufgaben oder Lernaktivitäten ermöglichen, die bisher nicht zu realisieren waren. Anstelle des Schreibens von Essays kann beispielsweise das digitale Storytelling gewählt werden. Hierbei handelt es sich um eine Kombination von Bildern und Videos. Dieses Produkt kann auch veröffentlicht werden. Der Austausch und das gemeinsame Lernen mit Kursen aus anderen Schulen deutschland- oder weltweit mittels kooperativer Editoren ist nun ebenfalls möglich. Interaktive Simulationssoftware oder die Erprobung von Annahmen auf der Basis eines naturwissenschaftlichen Modells, also Werkzeuge zur Visualisierung schwer verständlicher Inhalte, können ein Verstehen auf noch nie dagewesene Art erleichtern. Neue Lernwege werden auf dieser Stufe dank digitaler Medien ebenso beschritten. So verlagert beispielsweise das Konzept "Flipped Classroom" die Wissensvermittlung, die zuvor Kern des Unterrichts gewesen ist. Lernende können individualisiert die von Lehrkräften selbst erstellten und mit Übungen versehenen Videos bearbeiten und wenden dieses neue Wissen im Unterricht an, während die Lehrenden Zeit für eine gezielte Unterstützung haben.

In den beiden letzten Stufen kommt es zu einer Transformation des Lehrens und Lernens. Mittlerweile wurden auch zahlreiche Studien über den Einsatz einzelner digitaler Bildungsanwendungen und ihr Potential für die Kompetenzentwicklung oder den Lerngewinn durchgeführt. Bezüglich des Einsatzes von Forumsdiskussionen konnte mittels mehrerer Studien belegt werden, dass der Erfahrungsaustausch reflektierter, der Partizipationsgrad größer und die Aufgabenorientierung bei den Lernenden höher sind als im Präsenzunterricht. Neben der Stärkung der schriftlichen Ausdrucksweise wird auch die Argumentationsfähigkeit gestärkt (Showers, Tindall & Davies 2015; Wecker & Fischer 2014). Gerade in der generalistischen Pflegeausbildung wird der Aufbau einer Reflexionsfähigkeit zur Begründung des eigenen Handelns gefordert. Hier bieten Forumsdiskussionen für den Aufbau große Potentiale. Allerdings ist es wichtig, dass Lehrende dieses Lernangebot durch einführende Diskussionsstränge speziell vorbereiten, so dass die Diskussion angestoßen wird. Auch die weitere Begleitung und Impulsgebung durch Lehrende ist hierbei wichtig. Deutlich wird, dass beim Einsatz digitaler Medien ebenso medienpädagogische Kompetenzen erforderlich sind.

Medienpädagogische Kompetenzen

Eine Voraussetzung für die Entfaltung der Potentiale digitaler Medien ist, dass diese mediendidaktisch sinnvoll eingesetzt bzw. orchestriert werden und gerade zu Beginn eine professionelle Unterstützung durch Lehrende erfolgt, damit sich bei den Lernenden, die ebenfalls noch keine fundierte Medienkompetenz besitzen, keine unbewusste Abneigung gegen diese digitalen Bildungsmedien entwickelt (Weinberger 2018, S. 118 f.; Ortmann-Welp 2020, S.44f.).

Die Europäische Kommission hat einen Aktionsplan für digitale Bildung formuliert, um aus der Covid-19-Krise zu lernen (Europäische Kommission 2020). Neben dem verstärkten Ausbau einer digitalen Infrastruktur und der Erweiterung der digitalen Ausstattung von Bildungseinrichtungen, sollen bei Lehrenden sichere digitale Kompetenzen gefördert werden, damit hochwertige Lerninhalte erstellt sowie benutzerfreundliche Tools angewandt werden können. 2017 ist bereits der Europäische Kompetenz-Rahmen für die Digitale Kompetenz von Lehrenden (DigCompEdu) erstellt worden. Dieser ist in sechs Kompetenzbereiche mit insgesamt 22 Kompetenzen gegliedert. Über ein Check-In Tool (EUSurvey 2021) können Lehrende eine Selbsteinschätzung vornehmen und über ihre digitale Kompetenz im Unterricht reflektieren.

Zur Professionalität von Lehrenden gehört unter anderem die Aktualisierung ihrer Unterrichtsinhalte sowie sich über die verschiedenen Bildungstool-Angebote, ihren Einsatz und Nutzen auf dem Laufenden zu halten (Tab. 1). Eine Lernplattform bündelt verschiedene Darbietungs- und Aktivitäten-Tools in einem geschützten Raum, ermöglicht allerdings auch die Einbindung freier Internettools über Links. Ein Zeitplan bzw. Arbeitsauftrag für den Tag gibt einen strukturierten Überblick über die selbstgesteuerten und kooperativen Lernphasen. Je nach Bildungstool ist die Lehrende für die Impulsgebung, die Koordination und die Unterstützung gefordert.

Unterrichtsphase Geeignete digitale Medien für die Umsetzung
Relevanz der Thematik und Lernziele aufzeigen

_ Im Arbeitsauftrag zu Beginn auf der Lernplattform

_ In einem Einführungsvideo (z.B. als Datei, per Link, auf einer Lernplattform)

_ Im virtuellen Klassenzimmer

Vorwissen aktivieren

_ Forumsdiskussion mit einführenden Diskussionssträngen und Impulsgebung der Lehrenden

_ Abstimmung durchführen, Aktivität auf einer Lernplattform oder freie Tools (z.B. mentimeter.com; umfrageonline.de, oncoo.de)

_ Kooperative Editoren zur Kollaboration nutzen (z.B. Skripte, Präsentationen, Pinwände, Mind Maps, Glossare/Wikis) → Aktivitäten auf einer Lernplattform oder freie Tools (z.B. Google Anwendungen; Padlet.com; Conceptboard.com → Angebot als Link versenden)

_ Lern-Apps oder Tests auf Lernplattform zur Vorwissensaktivierung nutzen (freie Tools: Learningapps.org; quizizz.com)

Erarbeitungsphase

→ hier im Themenfeld auch digitale Anwendungen für den Beruf vorstellen (z.B. beim Krankheitsbild Diabetes die Gesundheits-Apps integrieren)

_ Medienpädagogisch aufbereitete Arbeitsmaterialien anbieten (z.B. Dateien, Internetlinks, Videos)

_ Videos mit integrierten Übungen anreichern (H5P Anwendung auf Lernplattform; Learningapps.org)

_ Forum zur Fragenklärung und Austausch

_ Zusatzangebote für Schnellleser (z.B. Internetlinks zu berufsrelevanten Internetseiten im untersten Themenfeld "Lebenslanges Lernen" auf einer Lernplattform)

Ausarbeitungsphase und Lernsicherung

_ Kooperative Editoren nutzen zur Kollaboration (z.B. Skripte, Präsentationen, Pinwände, Mind Maps, Glossare/ Wikis) → Aktivitäten auf einer Lernplattform oder freie Tools (z.B. Google Anwendungen (hier ist auch ein gleichzeitiger kommunikativer Austausch möglich, z.B. bei Googledocs und Google Präsentation); Padlet.com; Conceptboard.com → Angebot als Link versenden)

_ Erstellen von Videos oder Podcasts → Präsentieren dieser auf der schuleigenen Homepage und/oder digitaler Austausch mit anderen Bildungsstätten

_ Ein Forum (z.B. Breakout Sessions, Wonder.Me Raum) für den kommunikativen Austausch nutzen

_ Falls Einzelausarbeitung gewünscht: Aktivität "Aufgabe hochladen" auf der Lernplattform oder per Mail

_ Lern-Apps oder Tests auf Lernplattform zur Lernsicherung nutzen (freie Tools: z. B. Learningapps.org; quizizz.com)

_ Themenzusammenfassung und Klärung letzter Fragen im virtuellen Klassenzimmer oder im Forum

Ein virtuelles Klassenzimmer eignet sich für konvergente Prozesse, beispielsweise für einen Wissensinput, eine Informationsverdichtung oder -zusammenfassung. Ebenso kann eine gemeinsame Absprache mit unmittelbarer Rückmeldung erfolgen. Das intensive Schauen auf die Präsentation am Bildschirm ermüdet schnell und daher sollten häufig Pausen und Interaktionen durchgeführt werden. Eine interaktive Beteiligung ist auch hier auf vielfältige Weise möglich.

Die Teilnehmer können im Chat schreiben, auf der Folie zeichnen, Lern-Apps zur Lernsicherung durchführen (z.B. mit Learning apps.org), in Abstimmungen eingebunden werden (z.B.mentimer.com oder oncoo.de) und gemeinsam digitale Pinwände und andere Artefakte erstellen (z.B. Padlet.com, Google Präsentationen oder Conceptboard.com). Der Link zu den kostenlosen Anwendungen wird einfach in den Chat geschrieben und die Teilnehmer klicken lediglich darauf und gelangen so parallel zum Tool. Ebenso ist das Abfotografieren des in einen QR Code generierten Links zu dieser Anwendung (z.B. mit QR Code Monkey) auf der Präsentationsfolie möglich. Auch ein Austausch für die Erstellung der kooperativen Artefakte ist durch die Breakout Sessions Funktion oder durch einen separaten kostenlosen Wonder.Me Raum gegeben. Gemeinsam erstellte Pinwände oder Präsentationen können dann wieder im virtuellen Klassenraum vorgestellt werden. Für die Pausen eignen sich auch Aktivatoren, eine virtuelle Schnitzeljagd oder andere Spielchen zur Auflockerung.

Neben einem Aufbau digitaler Kompetenzen ist ebenso ein Umdenken und eine Rollenerweiterung bei Lehrenden erforderlich.

Neue Denkweisen und Rollen von Lehrenden

Häufig befürchten Lehrende beim Einsatz digitaler Medien - insbesondere bei der Durchführung von Online-Lerntagen -, dass die Lernenden nicht soviel lernen könnten wie im Präsenzunterricht. Man könne auch nicht ersehen, was Lernende machen, oder was sie vom Stoff aufgenommen haben. Doch auch im Präsenzunterricht können Lehrende trotz physischer Anwesenheit der Lernenden nicht in deren Köpfe bzw. Gedanken hineinschauen.

Konstruktivistisch orientierte Ansätze kritisieren grundsätzlich die Annahme, dass Lernprozesse von außen steuerbar seien und betonen die Wichtigkeit von fördernden Lernbedingungen (Czerwionka & de Witt 2007, S. 60 ff.). In diesem Punkt ist ein Umdenken erforderlich, denn digitale Lernräume ermöglichen ebenso die Schaffung einer sozialen Präsenz und bieten auch Kontrollmöglichkeiten für eine pädagogische Unterstützung. Allerdings sollte gerade in der Ausbildung die Selbstlernkompetenz gesteigert werden und somit auch das intrinsisch motivierte Lernen. Lehrende können beispielsweise Lern-Apps oder Tests auf Lernplattformen ohne Programmierkenntnisse erstellen; diese geben dem Lernenden dann fundierte Rückmeldungen als Lernsicherung zu einer Thematik. Je nach Einstellung kann der Test beliebig oft wiederholt werden und verhindert durch die automatische Rotation der Aufgaben und Antwortmöglichkeiten einen Memory-Effekt. Programme sind hierbei generell "geduldig", geben sofort Rückmeldungen, lassen nicht mit sich verhandeln und nehmen nichts persönlich. Lehrende können sich anschließend einen schnellen Überblick verschaffen, welche Aufgaben bei den meisten Lernenden ein Problem darstellten und dieses Themenfeld im nächsten Unterricht gezielt ansprechen. Digitale Medien schaffen Lehrenden somit Freiraum und mehr Energie für ihre Rolle als Unterstützer individueller Lernprozesse (Kerres 2018, S. 152 f.; Muuß-Merholz 2019, S. 40).

Wann Online- wann Präsenzunterricht?

Viele Lehrende ziehen Präsenzunterricht generell vor. Natürlich wäre ein Online-Seminar zur Thematik "Aromatherapie" oder "OP-Lagerungen" bei weitem nicht so gewinnbringend wie eine Präsenzveranstaltung, weil die Möglichkeiten der Selbsterfahrung nicht gegeben wären. Es gibt allerdings Themen, bei denen wiederum eine Präsenzdurchführung nachteilig ist. Themen, die sowieso eine gezielte Recherche im Internet erfordern, oder bei denen Videos zur Verdeutlichung genutzt werden, können gut an Online-Lerntagen vermittelt werden, da hier eine größere Aufgabenorientierung und Aufmerksamkeit erzielt werden kann als im Präsenzunterricht (Arnold et al. 2018, S. 193 f.).

Des Weiteren haben einige Lehrende die Sorge, dass sie sich bei der Nutzung von digitalen Medien vor den Auszubildenden bloßstellen könnten. Jungen Menschen wird generell eine hohe Medienkompetenz zugesprochen. Zahlreiche Studien belegen jedoch das Gegenteil. Zwar gehen Jugendliche unbedarfter mit digitalen Medien um und sind Technik gegenüber aufgeschlossen; die digitalen Medien werden allerdings vorrangig für Unterhaltungsaktivitäten oder den Austausch in Sozialen Netzwerken genutzt, doch kaum für eine aktive kompetente Mediennutzung oder das Lernen (MPFS 2018, S. 32 f.; Eickelmann & Gerick 2018).

So ist es ein "Miteinander- und Voneinander- Lernen": Die Lernenden helfen bei der technischen Einrichtung beim Unterricht und Lehrende vermitteln den Nutzen von Bildungstools und unterstützen beim Aufbau einer fundierten Medienkompetenz, die auch die Medienkritik beinhaltet. Es gehört auch zur Professionalität von Lehrenden, kompetent mit Einwänden von Auszubildenden umzugehen, wenn diese spontan auf Informationen aus dem Internet verweisen.

Die Halbwertzeit des Wissens wird immer kürzer und aus diesem Grund kann die Rolle des allwissenden Pädagogen heutzutage kaum mehr eingenommen werden. Auch die Gelassenheit gehört zur Professionalität heutiger Lehrender, denn bei einem Internetausfall, der in Deutschland leider aufgrund der schlechten Breitbandgeschwindigkeit häufig auftritt (Mühlroth 2020), ist das Bewahren und die Vermittlung von Ruhe die einzige und beste Möglichkeit, mit dieser Situation umzugehen. Auch hier hat die Pandemie die Erkenntnis bestätigt, dass bezüglich der Infrastruktur ein äußerst dringlicher Handlungsbedarf besteht.

Fazit.

Lehrende sollten sich als Akteure des Wandels begreifen. Sie sollten nicht auf die Nutzung digitaler Medien im Unterricht verzichten, nur weil sie glauben, nicht ausreichend medienkompetent zu sein.

Eine Erweiterung der Wissensbasis und der Handlungsfähigkeiten in Bezug auf Medien ist genauso notwendig wie eine regelmäßige Aktualisierung der Unterrichtsinhalte erforderlich ist.

Zu einem neuen Rollenverständnis der Lehrenden gehört auch eine neue Schulkultur des Miteinander- und Voneinander-Lernens.

Literatur


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