Skip to main content
Springer Nature - PMC COVID-19 Collection logoLink to Springer Nature - PMC COVID-19 Collection
. 2021 Mar 26;23(3):11. [Article in German] doi: 10.1007/s15005-021-1852-5

Verhindert ein SSRI eine klinische Verschlechterung bei COVID-19?

Michael Hüll 1,
PMCID: PMC7975237

Fragestellung: Kann der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Fluvoxamin, begonnen nach einem positiven Test für COVID-19, eine klinische Verschlechterung der Atmungssituation vermeiden?

Hintergrund: Fluvoxamin ist neben seiner Wirkung als SSRI ein Sigma-1-Rezeptoragonist und kann eventuell über diese Wirkung den Effekt einer SARS-CoV-2-Infektion abschwächen.

Patienten und Methodik: Die Studienteilnehmer wurden durch Werbung an Testzentren für COVID-19 in St. Louis/MO (USA) über die Studie informiert und über Internetseiten oder Telefon rekrutiert. Fieberthermometer, Blutdruckmessgeräte, Sauerstoffsättigungsmessgeräte und die Studienmedikation (Fluvoxamin oder Placebo) wurden per Lieferservice an die Heimadresse der Teilnehmer geschickt. Eine Sauerstoffsättigung unterhalb 92 % galt als Studienausschlussgrund, da nur gering eingeschränkte Patienten eingeschlossen werden sollten. Zweimal am Tag wurde per E-Mail oder Telefon an die Übermittlung von Temperatur und Sauerstoffsättigung, des Blutdrucks sowie einer Aussage zu Dyspnoe erinnert. Die Fluvoxamingabe wurde rasch von 50 mg auf 300 mg täglich erhöht und am 15. Studientag wieder beendet. Der primäre Endpunkt war ein Abfall der Sauerstoffsättigung unter 92 % verbunden entweder mit einer Dyspnoe oder einer Krankenhausaufnahme.

Ergebnisse: Insgesamt nahmen 152 Personen mit einem positiven COVID-19-PCR-Test innerhalb der Studie Fluvoxamin oder ein Placebo ein. Keiner der 80 Patienten in der Fluvoxamingruppe verschlechterte sich im Sinne des klinischen Endpunktes. Demgegenüber verschlechterten sich sechs von 72 Patienten in der Placebogruppe, bei denen es zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung kam. Vier von ihnen mussten deswegen stationär aufgenommen werden, einer wurde maschinell beatmet

Schlussfolgerung: Nach Meinung der Autoren können diese Daten als Hinweis auf einen möglichen positiven Effekt von Fluvoxamin gegenüber der Entwicklung eines schwereren Verlaufes einer SARS-CoV-2-Infektion interpretiert werden.

Lenze EJ, Mattar C, Zorumski CF et al. Fluvoxamine vs placebo and clinical deterioration in outpatients with symptomatic COVID-19: A randomized clinical trial. JAMA 2020; 324: 2292-300

Kommentar von Michael Hüll, Emmendingen.

SSRI sind nicht nur Wiederaufnahmehemmer

Die Erprobung weiterer Einsatzgebiete für bereits zugelassener Medikamente (Repurposing) ist eine häufig eingesetzte Strategie, um bereits von Seiten der Toxikologie gut erforschte Substanzen mit multiplen pharmakologischen Effekten für eine neue Indikation zu finden. Diese Studie mit einem vollkommen "kontaktfreien Design" (alle Endpunkte beruhen auf Angaben der Studienteilnehmer über Internet/Telefon) bietet viele Einfallstore für eine Verzerrung, sodass ihre Ergebnisse wirklich nur als geringer Hinweis auf einen möglichen positiven Effekt gegenüber COVID-19 gewertet werden können. Sie ruft aber wieder in Erinnerung, dass nicht alle SSRI gleich sind, viele eigentlich wegen ihrer Enzymblockadewirkungen in der Leber (Paroxetin, Fluoxetin, Fluvoxamin) und den daraus resultierenden Wechselwirkungen als problematisch gelten. Ob eine Bindung an den auch im Nervensystem exprimierten Sigma-Rezeptor pharmakotherapeutisch zur Behandlung von Morbus Parkinson, Alzheimer oder chronischen Schmerzen genutzt werden kann, wird präklinisch seit längerem diskutiert. Die Ergebnisse aus einer klinischen Studie mit einem weiterer Sigma-1-Rezeptoragonist bei COVID-19, Ifenprodil, werden Anfang 2021 erwartet. Auch diese Substanz hatte schon ein Vorleben als möglicher Gefäßdilatator bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK).

SpringerMedizin.de.

Psychische Belastung während der COVID-19-Pandemie

Die COVID-19-Pandemie stellt jeden vor individuelle psychische Herausforderungen. Sowohl die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus oder der Erkrankung geliebter Menschen als auch die Folgen der Hygienemaßnahmen mit Kontaktbeschränkungen bis hin zur Isolation sind sehr belastend und lassen allgemein die Entwicklung psychischer Erkrankungen befürchten. Den Artikel finden Sie, indem Sie den Titel in die Suche eingeben.

Prof. Dr. med. Michael Hüll, Emmendingen.

Klinik für Geronto- und Neuropsychiatrie, Emmendingen

E-Mail: m.huell@zfp-emmendingen.de


Articles from InFo Neurologie + Psychiatrie are provided here courtesy of Nature Publishing Group

RESOURCES