Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration in der Luft und den Corona-Infektionszahlen? Ja, zeigen die Ergebnisse einer breit angelegten Studie der TU München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München.
Demnach steigen die Infektionsraten mit SARS-CoV-2 im Schnitt um 4%, wenn die Pollenbelastung um 100 Pollen/m3 zunimmt. In manchen deutschen Städten wurden im Untersuchungszeitraum zeitweise pro Tag bis zu 500 Pollen/m3 gemessen - was insgesamt zu einem Anstieg der Infektionsraten um mehr als 20% führte. Dies galt jedoch nur für Gebiete ohne Shutdown-Maßnahmen. Bei einem Lockdown halbiert sich dieser Effekt.
Die Forscher analysierten die Daten von 248 Pollenmessstationen in 31 Ländern auf 5 Kontinenten im Zeitraum März und April 2020. Die Werte wurden in Bezug zu den täglichen Infektionsraten in den betreffenden Gebieten gesetzt, wobei weitere Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Wetter oder Ausgangsbeschränkungen berücksichtigt wurden.
Laut Studienergebnissen kann der Pollenflug - zum Teil gemeinsam mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit - im Schnitt 44% der Varianz in den Infektionsraten verschiedener Regionen erklären.
Was ist die Ursache für den Effekt? Bei Pollenflug, so die Autoren, reagiert das Immunsystem in abgeschwächter Form auf Viren der Atemwege. Üblicherweise alarmieren infizierte Zellen über Signalproteine ihre Nachbarschaft, die antivirale Abwehr zu verstärken und lösen so eine Entzündungsreaktion aus. Bei hoher Pollenkonzentration ist diese Reaktion vermindert. So kann die Zahl der Atemwegserkrankungen - COVID-19-Infektionen eingeschlossen - steigen.
Die Münchner Forscher raten deshalb insbesondere Corona-Risikogruppen, auf Pollenflugvorhersagen zu achten und Staubfiltermasken zu tragen. Aber, so ihr expliziter Hinweis: "SARS-CoV-2-Infektionen werden nicht durch Pollen verursacht, sondern durch Kontakt mit infizierten Personen."
Quelle: Damialis a et al. PNAS 2021; doi: 10.1073/pnas.2019034118

