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. 2021 Apr 15;33(2):55. [Article in German] doi: 10.1007/s15014-021-3704-7

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Thomas Meißner 1,
PMCID: PMC8019288

COVID-19-Risikofaktoren von Erwachsenen können nicht direkt auf Kinder übertragen werden. Selbst chronisch kranke Kinder zeigen meist einen gutartigen Verlauf, so Kinder- und Jugendmediziner.

Kinder und Jugendliche mit gut kompensierten chronischen Grunderkrankungen, deren Lebensqualität nicht oder wenig beeinflusst ist, haben nach bisherigen Erkenntnissen kein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf. Diese Aussage der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) wurde jetzt bei einer Fortbildungsveranstaltung der Deutschen Atemwegsliga noch einmal unterstrichen. Dr. Alexander Kiefer von der Kinder-Universitätsklinik Ostbayern in Regensburg berichtete bei dem Webinar über drei eigene Fälle.

So war im Frühjahr 2020 ein achtjähriges Mädchen mit gut kontrolliertem Asthma bronchiale wegen seit zwei Tagen bestehendem Husten und Durchfall in die Regensburger Klinik eingewiesen worden. Dort fiel der PCR-Test auf SARS-CoV-2 positiv aus. Trotz stabilem Zustand blieb die Patientin aus Sorge vor einer Dekompensation in stationärer Betreuung. Das bestätigte sich nicht und das Kind konnte problemlos entlassen werden.

Immunsuppression mit protektiver Wirkung?

Der zweite Fall war ein 15-jähriges Mädchen mit Zystischer Fibrose (CF), dauerhafter Immunsuppression mit Tacrolimus und Prednisolon aufgrund einer vorangegangenen Lebertransplantation, mit CF-assoziiertem Diabetes mellitus sowie chronischer Besiedlung der Lunge mit Achromobacter xylosoxidans und Pseudomonas aeruginosa. Sie kam zur intravenösen Antibiotikatherapie, die alle drei Monate stattfindet. "Die respiratorische Situation war auf niedrigem Niveau stabil", beschrieb Kiefer. Überraschend erwies sich der Coronatest als positiv. Allerdings kam es zu keiner respiratorischen Verschlechterung während des Klinikaufenthalts. Das Mädchen sprach normal auf die intravenöse Antibiose an. Die behandelnden Ärzte vermuten, dass die Immunsuppression mit Tacrolimus und Prednisolon in Bezug auf SARS-CoV-2 protektiv gewirkt haben könnten.

Bestätigt wird diese Erfahrung durch eine Erhebung aus dem europäischen CF-Register. Dort finden sich bislang 234 gemeldete COVID-19-Patienten mit Angaben zum klinischen Verlauf. Demnach verläuft die SARS-CoV-2-Infektion in dieser Patientengruppe größtenteils asymptomatisch oder mild, nur selten sind kritische Verläufe beobachtet worden - insgesamt sind laut Registerdaten fünf CF-Patienten im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben.

Es gibt jedoch stets Ausnahmen von der Regel: Kiefer schilderte weiterhin den Fall eines 14-jährigen Jungen mit Trisomie 21 und multiplen kardialen und pneumologischen Beeinträchtigungen. Er musste wegen zunehmender Atemprobleme stationär aufgenommen werden und erwies sich erst nach einigen Tagen als SARS-CoV-2-positiv. Zunächst verschlechterte sich sein Zustand bis hin zu einer ganztägigen, nicht invasiven Beatmung, dennoch erholte er sich schließlich gut.

"Risikofaktoren nicht übertragbar"

"Die Zusammenschau bisher publizierter Daten zeigt, dass die Risikofaktoren bei Erwachsenen für COVID-19 nicht auf das pädiatrische Patientenkollektiv übertragbar sind", resümierte der Regensburger Kinder- und Jugendarzt. "Insbesondere chronische Lungenerkrankungen scheinen kein Risikofaktor für einen schweren Verlauf zu sein." Laut DGKJ muss dann von einer potenziellen Gefährdung ausgegangen werden, wenn Erkrankungen vorliegen, die die Lungenfunktion, das kardiovaskuläre System oder die Nierenfunktion in "relevantem Maße" einschränkten.

Im Umgang mit chronisch kranken Kindern müssten diese Risiken individuell abgewogen werden, was unter anderem auch psychosoziale Aspekte einschließe, sagte Kiefer. Man müsse aufpassen, dass chronisch kranke Kinder keine vermeidbaren Schäden erleiden, weil geplante ambulante Kontrolltermine aus Angst vor einer SARS-CoV-2-Infektion nicht wahrgenommen würden. Dies könne zu einer Verschlechterung der Grundkrankheit führen. Andererseits sind schwere COVID-19-Verläufe bei Kindern im Alter von unter einem Jahr möglich. Auch hyperinflammatorische Verlaufsformen bei Kindern und Jugendlichen ohne Grunderkrankungen sind bereits vorgekommen.

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Articles from Pädiatrie are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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