Abstract
Hintergrund
Zur Reduktion des Risikos einer SARS-CoV-2-Infektion gelten in Gesundheitseinrichtungen bundesweit besondere Hygieneregeln. Trotz des von der Politik vorgegebenen Ziels einer möglichst flächendeckenden Durchführung von Tests zur Detektion von a‑ bzw. präsymptomatischen SARS-CoV-2-Infektionen im stationären Bereich ist ein äquivalentes Screening mit Antigenschnelltests für die ambulante medizinische Versorgung bisher noch nicht etabliert. Die Akzeptanz der erforderlichen Hygienemaßnahmen sowie eines solchen Screenings mit den erforderlichen Wartezeiten und Unannehmlichkeiten ist bei den hiervon betroffenen Patienten nur unzureichend untersucht.
Zielsetzung
Es wurde eine standardisierte, anonyme Befragung von Ambulanzpatienten zur Akzeptanz der erforderlichen Hygienemaßnahmen sowie zur Teilnahme an Screeninguntersuchungen mittels Antigenschnelltests durchgeführt. Außerdem wurde die Bereitschaft zur Durchführung einer SARS-CoV-2-Impfung erfragt.
Ergebnisse
Es wurden 195 (37 %) der 534 erhaltenen Fragebögen von rheumatisch sowie 339 (63 %) von orthopädisch erkrankten Ambulanzpatienten im Zeitraum vom 07.–15.12.2020 ausgefüllt. Es zeigte sich jeweils eine hohe Akzeptanz für den vorgeschriebenen Mund-Nase-Schutz (475 von 534 Patienten [89 %]) und die Maßgabe, derzeit auf eine Begleitperson zur Einhaltung der Hygieneregeln in den Wartebereichen zu verzichten (450 Patienten [84 %]). Auch die Durchführung eines verpflichtenden, kostenlosen Antigenschnelltests und die damit in Kauf zu nehmende Wartezeit von 15–20 min vor dem Krankenhaus wurde von einer großen Mehrheit der Patienten (428 von 534 Patienten [80 %] bzw. 449 Patienten [84 %]) unterstützt. Es bestand bei über der Hälfte der Befragten eine Impfbereitschaft („ja sofort“ 137 [26 %], „ja vielleicht“ 142 [27 %] der 534 Patienten), wobei signifikant (p < 0,05; Chi2-Statistik) mehr männliche, mehr rheumatisch erkrankte und mehr ältere Patienten (> 60 Jahre) einen Impfwunsch angaben.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz von COVID-19-Hygienemaßnahmen inklusive eines Eingangsscreenings mittels Antigenschnelltest bei Ambulanzpatienten.
Schlüsselwörter: SARS-CoV‑2, COVID-19-Antigenschnelltest, Patientenbefragung, Rheumatische Erkrankungen, Impfung
Abstract
Background
To reduce the risk of SARS-CoV‑2 infections, special hygiene measures apply to all German healthcare facilities. Despite the national goals and the existence of comprehensive testing for the detection of asymptomatic or presymptomatic SARS-CoV‑2 infections in all inpatients, no equivalent screening with rapid antigen tests has yet been established for outpatients. The acceptance of such screening with associated waiting times and inconvenience for affected patients has been insufficiently investigated.
Objective
We performed a self-administered anonymous survey of outpatients on their willingness to comply with the hygiene requirements, to undergo rapid antigen screening tests for asymptomatic/presymptomatic infections with SARS-CoV‑2 and to receive SARS-CoV‑2 vaccination.
Results
From 7 to 15 December 2020, 534 patients completed the survey, 195 (37%) from rheumatism and 339 (63%) from orthopedic outpatient clinics. Most patients accepted wearing a mouth-nose covering (475/534, 89%) and attending clinics without an accompanying person to prevent overcrowding of the waiting areas (450/534, 84%). A large majority (428/534 patients, 80%) accepted mandatory screening with rapid antigen tests and the associated waiting time of 15–20 min outside the hospital (449/534, 84%). More than half of the responders reported willingness to receive a SARS-CoV‑2 vaccination (yes, immediately 137 (26%), yes, maybe 142 (27%) patients), with significantly (p < 0.05) more male, more rheumatic and more patients older than 60 years indicating a wish to be vaccinated.
Conclusion
The results revealed a high acceptance of COVID-19 hygiene measures including initial screening by rapid antigen testing.
Keywords: SARS-CoV‑2, COVID-19 testing, Surveys and questionnaires, Rheumatic diseases, Vaccination
Hintergrund und Fragestellung.
Aufgrund der im Vergleich zu den Sommermonaten seit Herbst 2020 stark zunehmenden SARS-CoV-2-Infektionszahlen wird vom Robert Koch-Institut (RKI) wie auch der Bundesregierung bzw. Bayerischen Staatsregierung empfohlen, das Ansteckungsrisiko in Gesundheitseinrichtungen durch konsequent einzuhaltende Hygieneregeln sowie ein systematisches Screening von Patienten und Mitarbeitern zur Identifikation von a‑ bzw. präsymptomatischen Virusträgern zu reduzieren [1, 2]. Entsprechend diesen Empfehlungen sollen alle stationär behandelten Patienten einem PCR-Screening unterzogen werden. Bei COVID-19-symptomlosen Besuchern und Personal sowie bei ambulant behandelten Patienten sollen zur Schonung der begrenzten PCR(Polymerase-Kettenreaktion)-Testkapazitäten und aufgrund der raschen Verfügbarkeit der Ergebnisse präferenziell Antigenschnelltests eingesetzt werden. Diese werden als sog. Point-of-Care-Diagnostik durchgeführt, liefern innerhalb von 15 min ein Ergebnis und weisen in ersten Studien im Vergleich zur PCR-Testung eine akzeptable Sensitivität und Spezifität auf [3–5].
Trotz des von der Politik vorgegebenen Ziels einer möglichst flächendeckenden Umsetzung der Teststrategie im stationären Bereich ist ein solches Screening mit Antigenschnelltests für die ambulante medizinische Versorgung in den meisten Einrichtungen und Praxen aufgrund des hohen Personal- und Materialbedarfs und der hierfür zum Teil noch ungeklärten Kostenübernahme bis zum Jahresende 2020 noch nicht etabliert worden. Außerdem ist bisher die Akzeptanz eines solchen Screenings mit den erforderlichen Wartezeiten und Unannehmlichkeiten bei den hiervon betroffenen Patienten nur unzureichend untersucht.
Vor diesem Hintergrund wurde eine standardisierte Befragung von Ambulanzpatienten durchgeführt und die Bereitschaft zur Einhaltung der erforderlichen Hygienemaßnahmen sowie zur Teilnahme an Screeninguntersuchungen mittels Antigenschnelltests evaluiert. Außerdem wurde die Bereitschaft zur Durchführung einer SARS-CoV-2-Impfung erfragt.
Studiendesign und Untersuchungsmethoden.
Eine anonyme Befragung mit einem Multiple-Choice(MC)-Fragebogen wurde bei Patienten der rheumatologischen und orthopädischen Hochschulambulanz des Asklepios Klinikums in Bad Abbach (assoziiert mit der Universität Regensburg) durchgeführt. Der kurze, nur eine DIN A4-Seite umfassende Fragebogen enthielt 7 zu bewertende Aussagen mit je 5 Antwortkategorien: „Ich bin allgemein besorgt, dass ich mich mit dem neuen Corona-Virus anstecken könnte.“ (Ja, sehr/Ja, etwas/Ich weiß es nicht/Nein/Nein, gar nicht); „Ich bin in Sorge, dass ich mich heute bei meiner ambulanten Behandlung anstecken könnte.“ (Ja, sehr/Ja, etwas/Ich weiß es nicht/Nein/Nein, gar nicht); „Dass ich einen Mund-Nasen-Schutz (Maske) im Krankenhaus/in der Ambulanz tragen, muss finde ich …“ (Sehr gut/Gut/Ist mir egal/Schlecht/Sehr schlecht); „Ich habe Verständnis dafür, dass derzeit keine Begleitpersonen bei Ambulanzbesuchen gestattet sind, damit die Abstandsregeln in den Wartebereichen eingehalten werden können.“ (Ja, sehr/Eher schon/Ich weiß es nicht/Eher nicht/Nein, gar nicht); „Wie wäre es, wenn jede Patientin/jeder Patient vor ihrem/seinem Ambulanzbesuch kostenlos mit einem COVID-19-Antigenschnelltest getestet würde und nur bei negativem Ergebnis das Krankenhaus betreten werden darf.“ (Sehr gut/Ist o.k./Ich weiß es nicht/Ist nicht gut/Lehne ich ab). „Eine Wartezeit von 15–20 min vor dem Krankenhaus, bis das Ergebnis des Schnelltests vorliegt, wäre für mich …“ (Kein Problem/Akzeptabel/Ich weiß es nicht/Schlecht/Nicht zumutbar); „Sobald ich eine Impfung gegen das neue Coronavirus angeboten bekomme, werde ich mich impfen lassen.“ (Ja, sofort/Ja, vielleicht/Ich weiß es nicht/Eher nicht/Nein). Zusätzlich wurden das Geschlecht und das Alter in 5 Kategorien abgefragt.
Die Befragung wurde an 6 Ambulanztagen (7.12.–14.12.2020) vor und am Tag der Einführung eines Patientenscreenings (15.12.2020) mittels Antigenschnelltest auf eine unerkannte Infektion mit SARS-CoV‑2 durchgeführt. Es wurden nur vollständig ausgefüllte Fragebögen in die Auswertung aufgenommen. Die Datenverarbeitung erfolgte unter der Verwendung der statistischen Software SPSS (Vers. 26, Fa. IBM, Ehningen, Deutschland), für Vergleiche einzelner Kategorien wurde die Chi2-Statistik auf dem Signifikanzniveau von p < 0,05 verwandt. Es erfolgte zusätzlich eine getrennte Auswertung für rheumatologische und orthopädische Patienten, für Patientinnen und Patienten, sowie für das Alter (≤ 60 und > 60 Jahre).
Ergebnisse.
Von den 547 abgegebenen Fragebögen waren 534 (98 %) vollständig ausgefüllt und gingen somit in die Auswertung ein. Es wurden 195 (37 %) Fragebögen von rheumatologischen sowie 339 (63 %) Fragebögen von orthopädischen Ambulanzpatienten beantwortet, wobei 454 (85 %) der 534 Fragebögen vor Einführung des Eingangsscreenings mit dem Antigenschnelltest und 80 (15 %) Fragebögen am ersten Tag des Eingangsscreenings ausgefüllt wurden. Insgesamt beantworteten 320 (60 %) Patientinnen und 214 (40 %) Patienten mit folgender Altersstruktur den Fragebogen (Alter „≤ 20 Jahre“: 33 Patienten [6 %], „21 bis 40 Jahre“: 116 Patienten [22 %], „41 bis 60 Jahre“: 207 Patienten [39 %], „61 bis 80 Jahre“: 162 Patienten [30 %], „> 80 Jahre“: 16 Patienten [3 %]).
Die Befragten gaben bezüglich einer allgemeinen Sorge, sich mit SARS-CoV‑2 zu infizieren, an: „Ja, sehr“ 89 von 534 Patienten (17 %), „Ja, etwas“ 225 Patienten (42 %), „Ich weiß es nicht“ 41 Patienten (8 %), „Nein“ 114 Patienten (21 %), „Nein, gar nicht“ 65 Patienten (12 %). Hierbei waren Patienten der Rheumatologie signifikant (p < 0,001) häufiger besorgt („Ja, sehr“ und „Ja, etwas“ 138 [70 %]) als Patienten der Orthopädie (176 [52 %]). Ebenfalls waren Patientinnen signifikant (p = 0,015) häufiger besorgt als Patienten („Ja, sehr“ und „Ja, etwas“ 201 Patienten [63 %] vs. 113 Patienten [53 %]) und ältere Patienten (> 60 Jahre) signifikant (p = 0,002) häufiger als jüngere Patienten („Ja, sehr“ und „Ja, etwas“ 124 Patienten [70 %] vs. 190 Patienten [53 %]).
Bezüglich einer Sorge, sich „heute im Rahmen der ambulanten Behandlung“ mit SARS-CoV‑2 anzustecken, gaben die Befragten an: „Ja, sehr“ 21 Patienten (4 %), „Ja, etwas“ 93 Patienten (17 %), „Ich weiß es nicht“ 58 Patienten (11 %), „Nein“ 264 Patienten (49 %), „Nein, gar nicht“ 98 Patienten (18 %). Es bestand bei dieser Frage kein signifikanter Unterschied zwischen Patienten der Rheumatologie und Orthopädie und zwischen weiblichen und männlichen Patienten. Ältere Patienten (> 60 Jahre) zeigten sich jedoch signifikant (p = 0,007) häufiger besorgt als jüngere Patienten („Ja, sehr“ und „Ja, etwas“ 51 Patienten [29 %] vs. 63 Patienten [18 %]).
Die Tab. 1 führt die Ergebnisse der 534 ausgewerteten Fragebögen nicht stratifiziert und in relevanten Untergruppen bezüglich der Akzeptanz von Hygienemaßnahmen zur Prävention von COVID-19 auf. Es zeigte sich jeweils eine hohe Akzeptanz für die verpflichtende Vorgabe, einen Mund-Nase-Schutz (Maske) zu tragen und derzeit auf eine Begleitperson zur Einhaltung der Hygieneregeln verzichten zu müssen. Auch die Durchführung eines Antigenschnelltests und die damit in Kauf zu nehmende Wartezeit von 15–20 min im Freien vor dem Krankenhaus wurde von einer großen Mehrheit der Patienten (428 Patienten [80 %] bzw. 449 Patienten [84 %]) befürwortet bzw. als akzeptabel eingeordnet.
| Gesamt | Fachrichtung | Geschlecht | Alter | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Rheumatologie | Orthopädie | Weiblich | Männlich | ≤ 60 Jahre | > 60 Jahre | ||
| (n = 534) | (n = 195) | (n = 339) | (n = 320) | (n = 214) | (n = 356) | (n = 178) | |
| Dass ich einen Mund-Nasen-Schutz (Maske) im Krankenhaus/in der Ambulanz tragen muss, finde ich … | – | N. s. | N. s. | p = 0,005a | |||
| Sehr gut | 60 % (318) | 62 % (120) | 58 % (198) | 63 % (202) | 54 % (116) | 56 % (199) | 67 % (119) |
| Gut | 29 % (157) | 32 % (62) | 28 % (95) | 28 % (89) | 32 % (68) | 30 % (105) | 29 % (52) |
| Ist mir egal | 8 % (41) | 5 % (10) | 9 % (31) | 5 % (17) | 11 % (24) | 10 % (36) | 3 % (5) |
| Schlecht | 2 % (13) | 2 % (3) | 3 % (10) | 3 % (9) | 2 % (4) | 3 % (11) | 1 % (2) |
| Sehr schlecht | 1 % (5) | 0 % (0) | 2 % (5) | 1 % (3) | 1 % (2) | 1 % (5) | 0 % (0) |
| Ich habe Verständnis dafür, dass derzeit keine Begleitpersonen bei Ambulanzbesuchen gestattet sind, damit die Abstandsregeln in den Wartebereichen eingehalten werden können | – | p = 0,001 | N. s. | N. s. | |||
| Ja, sehr | 57 % (302) | 66 % (129) | 51 % (173) | 58 % (186) | 54 % (116) | 55 % (197) | 59 % (105) |
| Eher schon | 28 % (148) | 26 % (50) | 29 % (98) | 25 % (81) | 31 % (67) | 29 % (103) | 25 % (45) |
| Ich weiß es nicht | 5 % (26) | 2 % (3) | 7 % (23) | 5 % (16) | 5 % (10) | 5 % (18) | 5 % (8) |
| Eher nicht | 8 % (43) | 6 % (11) | 9 % (32) | 8 % (26) | 8 % (17) | 8 % (27) | 9 % (16) |
| Gar nicht | 3 % (15) | 1 % (2) | 4 % (13) | 3 % (11) | 2 % (4) | 3 % (11) | 2 % (4) |
| Wie wäre es, wenn jede Patientin/jeder Patient vor ihrem/seinem Ambulanzbesuch kostenlos mit einem COVID-19-Antigenschnelltest getestet würde und nur bei negativem Ergebnis das Krankenhaus betreten werden darf? | – | N. s. | N. s. | p = 0,010 | |||
| Sehr gut | 38 % (201) | 42 % (81) | 35 % (120) | 39 % (124) | 36 % (77) | 39 % (140) | 34 % (61) |
| Ist o.k. | 43 % (227) | 42 % (81) | 43 % (146) | 42 % (134) | 44 % (93) | 38 % (135) | 52 % (92) |
| Ich weiß es nicht | 10 % (55) | 12 % (23) | 9 % (32) | 11 % (34) | 10 % (21) | 11 % (38) | 10 % (17) |
| Ist nicht gut | 5 % (26) | 4 % (7) | 6 % (19) | 5 % (15) | 5 % (11) | 6 % (22) | 2 % (4) |
| Lehne ich ab | 5 % (25) | 2 % (3) | 7 % (22) | 4 % (13) | 6 % (12) | 6 % (21) | 2 % (4) |
| Eine Wartezeit von 15–20 min vor dem Krankenhaus, bis das Ergebnis des Schnelltests vorliegt, wäre für mich … | – | N. s. | N. s. | p = 0,014 | |||
| Kein Problem | 43 % (231) | 44 % (86) | 43 % (145) | 39 % (125) | 50 % (106) | 39 % (137) | 53 % (94) |
| Akzeptabel | 41 % (218) | 42 % (82) | 40 % (136) | 43 % (136) | 38 % (82) | 44 % (156) | 35 % (62) |
| Ich weiß es nicht | 5 % (28) | 5 % (10) | 5 % (18) | 6 % (20) | 4 % (8) | 5 % (18) | 6 % (10) |
| Schlecht | 8 % (42) | 8 % (15) | 8 % (27) | 9 % (28) | 7 % (14) | 9 % (32) | 6 % (10) |
| Nicht zumutbar | 3 % (15) | 1 % (2) | 4 % (13) | 3 % (11) | 2 % (4) | 4 % (13) | 1 % (2) |
N. s. nicht signifikant
aUnterschied statistisch signifikant (p < 0,05) mittels Chi2-Statistik. Angaben in Prozent (Anzahl in Klammern)
Am ersten Tag der Einführung des Antigenschnelltestscreenings kam es durch logistische Anlaufprobleme zum Teil zu erheblichen Wartezeiten von 20 bis zu 60 min außerhalb des Krankhauses (Außentemperatur 3 °C, kein Niederschlag) bis zum Zutritt zur Ambulanz nach Erhalt eines negativen Ergebnisses. Trotzdem wurde diese Maßnahme allgemein und auch die hierfür unumgängliche Wartezeit von den Patienten signifikant häufiger positiv bewertet als vor der Einführung dieses Screenings: „Sehr gut“ oder „Ist o.k.“ 75 Patienten (94 %) vs. 353 Patienten (78 %), p < 0,001, für den Einsatz eines Schnelltests, „Kein Problem“ oder „Akzeptabel“ 77 Patienten (96 %) vs. 272 Patienten (82 %), p = 0,018, in der Bewertung einer Wartezeit von 15–20 min.
Zuletzt wurde die Bereitschaft für die Durchführung einer SARS-CoV-2-Impfung erfragt. Es zeigte sich trotz der zum Zeitpunkt der Befragung noch fehlenden Zulassung eines entsprechenden Impfstoffes in Deutschland eine relativ hohe Impfbereitschaft bei den Ambulanzpatienten („ja sofort“ 26 % der Patienten und „ja vielleicht“ 27 % der Patienten), wobei signifikant mehr Patienten der rheumatologischen Hochschulambulanz, männliche Patienten sowie ältere Patienten (> 60 Lebensjahre) einen raschen Impfwunsch angaben. Die Tab. 2 fasst die Ergebnisse zur Impfbereitschaft gegen SARS-CoV‑2 zusammen.
| Gesamt | Fachrichtung | Geschlecht | Alter | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| – | – | Rheumatologie | Orthopädie | Weiblich | Männlich | ≤ 60 Jahre | > 60 Jahre |
| – | (n = 534) | (n = 195) | (n = 339) | (n = 320) | (n = 214) | (n = 356) | (n = 178) |
| „Sobald ich eine Impfung gegen das neue Coronavirus angeboten bekomme, werde ich mich impfen lassen.“ | – | p < 0,001 | p = 0,026 | p < 0,001 | |||
| Ja, sofort | 26 % (137) | 35 % (68) | 20 % (69) | 21 % (68) | 32 % (69) | 19 % (66) | 40 % (71) |
| Ja, vielleicht | 27 % (142) | 25 % (48) | 28 % (94) | 28 % (88) | 25 % (54) | 23 % (83) | 33 % (59) |
| Ich weiß es nicht | 21 % (111) | 24 % (47) | 19 % (64) | 24 % (76) | 16 % (35) | 25 % (88) | 13 % (23) |
| Eher nicht | 12 % (66) | 11 % (21) | 13 % (45) | 12 % (37) | 14 % (29) | 14 % (51) | 8 % (15) |
| Nein | 15 % (78) | 6 % (11) | 20 % (67) | 16 % (51) | 13 % (27) | 19 % (68) | 6 % (10) |
Unterschied statistisch signifikant (p < 0,05) mittels Chi2-Statistik. Angaben in Prozent (Anzahl in Klammern)
Diskussion.
Um das Transmissionsrisiko für SARS-CoV‑2 in Gesundheitseinrichtungen zu reduzieren, gelten bundesweit besondere Hygienemaßnahmen, die auf Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sowie den länderspezifischen Vorgaben basieren. Neben vorgeschriebenen Basismaßnahmen wie das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes, Einhalten von Abstandsregeln und konsequenter Händedesinfektion wird in vielen Kliniken, Gesundheitszentren und Praxen auch ein strenges Eingangsscreening durchgeführt. Hierzu gehören eine Temperaturkontrolle sowie die standardisierte Abfrage von Risikofaktoren für eine SARS-CoV-2-Infektion vor dem Betreten der Einrichtung. Mit der breiten Verfügbarkeit von SARS-CoV-2-Antigenschnelltests wird die Implementierung dieser Testverfahren als Point-of-Care-Diagnostik in das Eingangsscreening möglich und könnte zukünftig auch weitverbreitet bei ambulanten Patienten zum Einsatz kommen. Ein solches umfassendes Eingangsscreening bedeutet allerdings einen erheblichen Mehraufwand für die durchführenden Einrichtungen, und bisher liegen nur wenige Daten zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen und der Akzeptanz bei den betroffenen Patienten vor.
Die Ergebnisse der vorliegenden Befragung zeigen allerdings ein großes Interesse der betroffenen ambulanten Patienten an der Umsetzung von Hygienemaßnahmen und Durchführung von Screeninguntersuchungen. Dies wird zunächst durch die sehr hohe Quote an vollständig ausgefüllten Fragebögen von 98 % widergespiegelt, was die besondere Relevanz dieses Themas reflektiert. Zudem besteht nur bei einer Minderheit der befragten Patienten keine bzw. eine geringe Sorge für eine Infektion mit SARS-CoV‑2, wobei sich das größere Risikoempfinden bei den Patienten der rheumatologischen Hochschulambulanz durch die zugrunde liegenden Erkrankungen und notwendige immunsuppressive Therapien erklären lässt. Trotzdem findet sich eine breite Akzeptanz für die Hygienebasismaßnahmen wie das Tragen des Mund-Nase-Schutzes bei allen ambulanten Patienten, und nur für die Einhaltung der Abstandsregeln durch Verzicht auf eine Begleitperson konnte eine signifikant höhere Bereitschaft bei den Patienten mit rheumatischen Erkrankungen beobachtet werden.
Ein Schwerpunkt der Befragung zielte auf die Akzeptanz eines SARS-CoV-2-Schnelltests als obligater Teil des Eingangsscreenings ab. Zwar sind in den bisher vorliegenden Studien die Antigentests nur an Kollektiven symptomatischer COVID-19-Patienten und gegenüber dem Goldstandard der PCR-Testung evaluiert worden. Trotzdem wird der Einsatz dieser Point-of-Care-Diagnostik zunehmend auch bei asymptomatischen Personen als Bestandteil des Eingangsscreenings zur Steigerung der Sicherheit von Patienten und Mitarbeitern in Gesundheitseinrichtungen gefordert. Die Auswertung der vorliegenden Daten zeigt einen sehr hohen Akzeptanzgrad für diese Diagnostik bei den hiervon betroffenen Ambulanzpatienten, die sich mit großer Mehrheit für die Umsetzung dieser Eingangsdiagnostik aussprechen und auch die damit verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Überraschenderweise war sogar eine signifikant höhere Zustimmung zur Durchführung des SARS-CoV-2-Antigenschnelltests bei der Patientengruppe festzustellen, bei der diese Diagnostik als obligater Bestandteil des Eingangsscreenings tatsächlich durchgeführt worden war. Diese Daten dokumentieren eindrucksvoll den Patientenwunsch für die Durchführung der SARS-CoV-2-Antigenschnelltests zur Steigerung der Patientensicherheit im ambulanten Versorgungsbereich.
Auch wenn zum Zeitpunkt der Befragung noch keine SARS-CoV-2-Impfung in Deutschland zugelassen bzw. verfügbar war, wurden die Ambulanzpatienten nach der generellen Impfbereitschaft befragt. Die Auswertung zeigt, dass ein relevanter Anteil der Ambulanzpatienten eine Impfung durchführen lassen würde. Die Impfbereitschaft nahm hierbei mit dem individuellen Risiko für einen potenziell schweren Verlauf von COVID-19 zu, wobei insbesondere die Patienten der rheumatologischen Ambulanz, Männer und ältere Patienten > 60 Jahre einen konkreten Impfwunsch angaben.
Diese Ergebnisse liefern eine wichtige Orientierung hinsichtlich der Akzeptanz von Hygienemaßnahmen, Screeninguntersuchungen und Impfungen zur Reduktion des Risikos für eine SARS-CoV-2-Infektion bei Ambulanzpatienten. Die Aussagekraft wird allerdings durch den engen Befragungszeitraum, die monozentrische Studiendurchführung sowie die besondere Patientenpopulation limitiert. Zudem kann die inzwischen verfügbare SARS-CoV-2-Impfung möglicherweise zu einer Änderung bei der Bewertung der einzelnen Fragen durch die Patienten führen. Diese Ergebnisse sollten deshalb als Basis für eine größere multizentrische Studie verwendet werden.
Schlussfolgerung.
Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz von COVID-19-Hygienemaßnahmen inklusive eines Eingangsscreenings mittels Antigenschnelltest bei den Patienten einer rheumatologischen und orthopädischen Hochschulambulanz.
Interessenkonflikt
B. Ehrenstein, T. Schwarz, M. Fleck und F. Günther geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Footnotes
Zur besseren Lesbarkeit wird nur ein Genus verwandt. Selbstverständlich besteht Geschlechterneutralität (m, w, d).
Literatur
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- 3.Cerutti F, Burdino E, Milia MG, et al. Urgent need of rapid tests for SARS CoV-2 antigen detection: evaluation of the SD-Biosensor antigen test for SARS-CoV-2. J Clin Virol. 2020;132:104654. doi: 10.1016/j.jcv.2020.104654. [DOI] [PMC free article] [PubMed] [Google Scholar]
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