Nur ein Viertel der Rheumapatienten wie auch der Rheumatologen in Deutschland sehen die Digitalisierung ihres Versorgungsalltages skeptisch, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.
Deutschlands Rheumatologen können sich im Versorgungsalltag die stärkere Einbindung digitalgestützter Angebote wie indikationsspezifische Gesundheits-Apps oder auch rezeptierfähige Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) vorstellen. Letztere müssen im DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistet sein, um sie zulasten der Krankenkassen verordnen zu können.
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) verweist in einer aktuellen Mitteilung auf eine gemeinsame Studie der Arbeitsgemeinschaft Junge Rheumatologen (AGJR) und des Bundesverbandes der Patientenorganisation Deutsche Rheuma-Liga, wonach seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie Patienten mit Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis wie auch Rheumatologen vermehrt digitale Gesundheitslösungen nutzten. An der nicht repräsentativen Online-Umfrage beteiligten sich 299 Rheumapatienten und 129 Rheumatologen aus Deutschland. Das Durchschnittsalter der Patienten (fast 80 % Frauen) betrug 49 Jahre. Bei den Ärzten nahmen fast gleichviel Männer wie Frauen teil, drei Viertel arbeiten an einem Krankenhaus, ein Viertel sind niedergelassen. Wie die Studie nahelegt, hat Corona neben dem psychotherapeutischen und hausärztlichen auch diesen fachärztlichen Versorgungsbereich ins Digitalfieber versetzt.
90 % der Patienten sind dabei
Rheumapatienten müssen ihren Gesundheitsstatus, ihre Medikation sowie deren Wirkung regelmäßig überprüfen und dazu meist einen Rheumatologen konsultieren. Aus Sorge vor einer Ansteckung mit COVID-19 haben viele Patienten während der Pandemie verstärkt digitale Gesundheitsanwendungen genutzt, beispielsweise Videosprechstunden zur Verlaufskontrolle. Laut Studie gaben 90 % an, in der Lage zu sein, digitale Gesundheitslösungen in Anspruch zu nehmen. Lediglich knapp 3 % verneinten dies kategorisch.
Jeder vierte Patient, aber auch jeder vierte Rheumatologe ist nach eigener Aussage skeptisch, was den Einsatz digitaler Gesundheitslösungen beim Management rheumatischer Erkrankungen angeht. "Vor allem virtuelle Monitoringmöglichkeiten wie die Videosprechstunden wurden als sinnvoll erachtet, weil sie zeit- und ortsunabhängig stattfinden können und damit mehr Flexibilität bieten", verdeutlichte AGJR-Sprecher Dr. Martin Krusche von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité in Berlin, der auch als korrespondierender Autor der Studie fungiert.
Informationsdefizit beklagt
Als Haupthindernis für die Nutzung digitaler Gesundheitslösungen nennen 58,5 % der Patienten und 41,9 % der Ärzte mangelnde Informationen über nützliche und verfügbare Tools. 42,1 % der Patienten beklagen mangelnde Benutzerfreundlichkeit, und 23,2 % der Ärzte vermissen einen Nutzennachweis, der eben nur bei den offiziellen DiGA gegenüber dem BfArM zu erbringen ist. Weniger als 10 % der Befragten in beiden Gruppen - 0,7 % der Patienten und 8,5 % der Ärzte - betrachten digitale Gesundheitslösungen als negativ für das Verhältnis zwischen Arzt und Patient.
Auf Nachfrage konnte die DGRh noch nicht darlegen, wie häufig ihre Mitglieder bisher "Vivira" rezeptiert haben, die bisher einzige, ins DiGA-Verzeichnis des BfArM aufgenommene DiGA, die bei Patienten mit bestimmten rheumatologischen Indikationen infrage kommt.
1. Kernder A et al. Digital rheumatology in the era of COVID-19: results of a national patient and physician survey. RMD Open 2021; 7:e001548. doi:10.1136/rmdopen-2020-001548

