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. 2021 Apr 22;43(4):8–9. [Article in German] doi: 10.1007/s35139-021-0589-3

Lehrkräfte sorgen sich um Prüflinge

Stefanie Hüthig 1,
PMCID: PMC8060052

Wie allgemeinbildende Schulen kämpfen auch Berufsschulen mit starken Einschränkungen durch Corona. Zudem ist unsicher, was Bank-Nachwuchskräfte in der Prüfung unter der neuen Ausbildungsordnung erwartet.

Nein, niemand konnte ahnen, dass die Umsetzung der reformierten Ausbildung zum Bankkaufmann beziehungsweise zur Bankkauffrau mit einer Pandemie zusammenfällt. Und freilich stellt die Situation alle beteiligten Parteien, ob Auszubildende, ausbildende Institute, Berufsschulen oder Prüfungsverantwortliche, vor große Herausforderungen. Allerdings dürften diese Gedanken Azubis, die 2020 ihre Ausbildung in einer Bank oder Sparkasse begonnen haben, wenig weiterhelfen. Sie müssen die erste Prüfung nach der neuen Ordnung unter größerer Unsicherheit als ihre Vorgänger und Nachfolger absolvieren. Und das, obwohl Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung in die Endnote einfließt und es nicht mehr wie früher bei der Zwischenprüfung heißt: "Dabei sein ist alles."

Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass die Aufgabenstelle für kaufmännische Abschluss- und Zwischenprüfungen (AkA) keine Musterprüfung herausgibt, sondern lediglich die Veröffentlichung von Musteraufgaben vorsieht (siehe Bankfachklasse 3/2021, Seite 4). Mittlerweile konkretisierte der AkA-Fachausschuss Bankkaufmann/Bankkauffrau auf erneute Anfrage der Bankfachklasse: "Zeitnah werden für Prüfungsbereiche aus Teil 1 und Teil 2 der gestreckten schriftlichen Abschlussprüfung - nicht für den Prüfungsbereich "Wirtschafts- und Sozialkunde" - gemäß den Vorgaben der aktuellen Ordnungsmittel jeweils eine Musteraufgabe veröffentlicht." Diese Aufgaben, heißt es in der Stellungnahme weiter, entsprächen in Form und Aufbau den Aufgaben einer Abschlussprüfung.

Lehrkräfte wie Michael Bäumler, Diplom-Handelslehrer aus Weiden in der Oberpfalz, Mitglied im örtlichen IHK-Prüfungsausschuss und Bankfachklasse-Autor, verweisen darauf, dass die Befürchtung, die methodisch-formelle Gestaltung der Prüfung nicht zu kennen, selbst bei guten Schülern zu Unsicherheiten oder sogar Ängsten und damit gegebenenfalls zu schlechteren Ergebnissen führen könne. Rudolf Rathner, Berufsschullehrer in Bocholt, fügt hinzu: "Viele Auszubildende kommen mit den Formulierungen der Industrie- und Handelskammer in den Prüfungsaufgaben nicht sofort zurecht. Deshalb ist es hilfreich, dies vorher einüben zu können." Er verweist auf die Reform der Ausbildung zum/zur Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement 2015. Damals veröffentlichte die AkA eine Musteraufgabe für Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung und mehrere Musteraufgaben für Teil 2, sogar für den Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde.

Als Autor von Prüfungstrainings in der Bankfachklasse und von Büchern zur Prüfungsvorbereitung für Bankazubis bei Springer Gabler arbeitete Rathner in den vergangenen Wochen und Monaten auf Basis der bis dato vorliegenden Informationen, etwa der Verordnung und dem Prüfungskatalog. Er hält es für wahrscheinlich, seine Inhalte zur Prüfungsvorbereitung nachjustieren zu müssen, wenn die ersten Klausuren gelaufen sind.

Max Lindenberg, Oberstudienrat und Bildungsgangleiter Bank an den Berufsbildenden Schulen Wechloy der Stadt Oldenburg, bedauert unter anderem das späte Erscheinen des AkA-Prüfungskatalogs im Dezember 2020. "So konnten wir ihn kaum bei der Unterrichtsplanung für das erste Lehrjahr berücksichtigen", erklärt er. Die AkA plante selbst, den Prüfungskatalog deutlich früher herauszugeben. In den online verfügbaren IHK-Prüfungs-News 06/20 vom Mai vergangenen Jahres hieß es, der Prüfungskatalog werde "voraussichtlich im Sommer 2020 veröffentlicht". Grund für die Verzögerung der Vorbereitungen und damit auch des Katalogs waren laut AkA die Einschränkungen durch Covid-19.

Zur Verspätung des Prüfungskatalogs kommt eine weitere Divergenz zwischen Unterrichtsaufbau und Lehrmaterial. "Wie an vielen anderen Berufsschulen auch werden bei uns aus organisatorischen Gründen schon Inhalte des zweiten Ausbildungsjahres im ersten Ausbildungsjahr unterrichtet. Das bei uns eingeführte Schulbuch für das zweite Ausbildungsjahr erscheint aber erst kurz vor den Sommerferien 2021", berichtet Lindenberg. Verschärft wird die Situation noch durch die Corona-bedingten Einschränkungen. "Die Schüler*innen werden bei uns im Blockmodell unterrichtet. Dabei hat der erste Block am 11. Januar begonnen und ist Mitte März geendet. Wir befinden uns seit Mitte Dezember in der Distanzlehre und haben unsere Schüler*innen damit noch nie gesehen!" Zum Glück, so Lindenberg weiter, habe sein Haus ein gut funktionierendes Learning- Management-System.

Ausbildende zeigen sich zurückhaltend bis entspannt

Die Unsicherheit, mit der vor allem ihre 2020er Azubis umgehen müssen, beschäftigt freilich auch Banken und Sparkassen. Auf die Anfrage zur Causa Musterprüfung bat ein Ausbilder die Bankfachklasse um Verständnis, dass er sich "zu diesem gerade kontrovers diskutierten Thema im Augenblick nicht äußern" möge. Katrin Messerschmidt, Ausbildungsleiterin der Frankfurter Volksbank, sieht der gestreckten Abschlussprüfung positiv entgegen. "Unsere Auszubildenden werden mit Vorbereitungsseminaren durch die Ausbildungsgemeinschaft Frankfurter Volksbanken, einer überbetrieblichen gemeinsamen Ausbildungseinrichtung von genossenschaftlichen Kreditinstituten der Region Rhein-Main, durch Fachseminare und Inhouse-Trainings optimal auf die IHK-Abschlussprüfung vorbereitet. Statt mit alten oder Musteraufgaben zu lernen, halten wir es aus didaktischer Sicht sinnvoll, unseren Auszubildenden die Möglichkeit zu geben, das Gelernte direkt in der Praxis umzusetzen. So gehen wir sicher, dass die Auszubildenden den theoretischen Stoff auch beherrschen und anwenden können", sagt sie und argumentiert: "Wenn eine Aufgabe nur etwas anders gestellt ist als die Aufgaben, mit denen geübt wurden, hilft auswendig gelerntes Wissen oftmals nur bedingt weiter."

Bei aller Kritik, ob an dem Ausbleiben der Musterprüfung oder den späten Informationen, gilt, dass sich die Ausbildungsreform auch auf die Arbeit des AkA-Fachausschusses auswirkt - und er setzt sich aus Ausbilder*innen und Lehrer*innen der einzelnen Bundesländer zusammen. Die parallele Erstellung der Prüfungen nach neuer und alter AO (siehe Kasten oben) sei "mit einem nicht unerheblichen Mehraufwand verbunden", erläutert Bernd Schmidt, Diplom-Handelslehrer und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der AkA. Einen Aufwand habe auch die Entwicklung des Prüfungskatalogs aus den Ordnungsmitteln dargestellt. Dessen Erarbeitung, so Schmidt, "geht nur mit zahlreichen zusätzlichen Fachausschusssitzungen und einem entsprechenden zeitlichen Vorlauf vor der ersten Prüfung. Parallel zu der Arbeit während der Sitzungen investieren die Fachausschussmitglieder viel Zeit in die Vor- und Nachbereitung der Sitzungen".

Kompakt.

  • Die erste Prüfung nach neuer Ausbildungsordnung (AO) findet im Herbst 2021 statt.

  • Statt einer Musterprüfung gibt es nur zwei Musteraufgaben zur Veranschaulichung der neuen Prüfungslogik.

  • Lehrkräfte kritisieren die Unsicherheit, die neben den Corona-bedingten Einschränkungen dadurch entstand, dass Informationen zur neuen AO und entsprechende Lehrmaterialien auf sich warten ließen.

  • Die Ausbildungsreform sorgt für Mehrarbeit beim zuständigen Fachausschuss.

Übergangszeit zwischen alter und neuer Ausbildungsordnung.

Seit August 2020 absolvieren angehende Bankkaufleute ihre Ausbildung nach der neuen Ausbildungsordnung (AO). Parallel dazu lernen einige Jahrgänge noch nach dem alten Muster. Das bedeutet eine Übergangszeit und ein Nebenher verschiedener Prüfungslogiken:

  • Erste Teil-1-Prüfung nach neuer AO: Herbst 2021

  • Letzte Zwischenprüfung nach alter AO: Herbst 2021

  • Erste Teil-2-Prüfung nach neuer AO: Winter 2021/2022

  • Letzte Abschlussprüfung nach alter AO: Sommer 2023

Quelle: IHK-Prüfungs-News 06/20, 6. Mai 2020, Aufgabenstelle für kaufmännische Abschluss- und Zwischenprüfungen


Articles from Bankfachklasse are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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