Gewitterasthma − eine neue Diagnose?
Allergien und Infekte durch Pollenflug nehmen weiter zu
Pollenflug plus Gewitter: Immer wieder wird beobachtet, dass sich bei dieser Konstellation Asthmaattacken häufen. Offenbar auch bei Personen ohne Pollenallergie.
Klimawandel fördert den Pollenflug und begünstigt so Allergien, aber auch Virusinfekte. "Wir haben es aktuell mit einer richtigen Allergieepidemie zu tun", sagte Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin des Institutes für Umweltmedizin an der Technischen Universität München, auf dem 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Umwelterkrankungen kämen "wie ein Tsunami auf uns zu", warnte die Allergologin. Es fliegen nicht nur immer mehr Sporen und Pollen, sie fliegen auch immer länger. Zudem breiten sich zuvor nicht endemische Pflanzenarten bei uns aus - "wie Ambrosia, das massive asthmatische Erkrankungen auslösen kann, auch ohne Atopie."
Ähnlich war das beim zuerst in Australien beobachteten "Gewitterasthma": Pollenflug und Gewitter trafen zusammen, und es kam zu einer "fast epidemisch auftretenden, zum Teil tödlich verlaufenden Serie von Asthmaattacken", so Traidl-Hoffmann. Bemerkenswert dabei: Die am Status asthmaticus Gestorbenen hatten gar keine Pollenallergie. Die genauen Mechanismen sind unklar. Fest steht aber, dass sich auch in Deutschland anhand von Krankenkassendaten eine Assoziation zwischen Pollenflug, Gewittern und Asthmaattacken nachweisen lässt.
Pollenflug macht noch mehr: "Wir konnten zeigen, dass Pollen die mukosale antivirale Antwort hemmen", berichtete Traidl- Hoffmann. In der Schleimhaut würden Typ-1-Interferone herunterreguliert, das begünstige nicht nur Infektionen mit Rhinoviren, die nach Untersuchungen an über 20.000 Probanden in der Pollensaison vermehrt aufgetreten waren, sondern auch solche mit SARS-CoV-2.

