BWK-Bundesverband.
Anmerkungen und Neues bei der DIN-Normungsarbeit
Auch die Frühjahrssitzung 2021 des Beirats zum Normenausschuss Wasserwesen (NAW) beim DIN fand als Web-Konferenz statt. Der BWK vertritt in diesem Beirat die Ingenieure der Wasserwirtschaft.
Einige Punkte aus der Normungsarbeit des NAW sowie generell aus der Arbeit von DIN und ISO sollen, da von allgemeinem Interesse, nachfolgend kurz betrachtet werden.
Weitere Informationen, insbesondere zu spezifischen Normungsbereichen, wie immer unter www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/naw.
Mitgliederentwicklung beim DIN
Vor den Sachthemen ein kurzer, durchaus beachtenswerter, Blick auf die Mitgliederentwicklung beim DIN.
In den letzten 4 Jahren ist die Mitgliederzahl um nahezu 50 % gestiegen. Sicherlich mehr als nur ein Indiz für die Zunahme des Bedarfs an Normung und der Bedeutung der Normungsarbeit insbesondere auch im Hinblick auf ein rechtssicheres Arbeiten für uns Ingenieure. Siehe hierzu auch weiter unten den Hinwies auf die Möglichkeit der Probemitgliedschaft.
EU-Trinkwasserrichtlinie
Im Januar wurde die neue EU-Trinkwasserrichtlinie veröffentlicht.
Eine verbesserte Grundlage zur Sicherung einer durchgängigen Trinkwasserqualität soll dabei u. a. die darin enthaltene, risikobewertungsbasierte, auf Prävention ausgerichtete, Strategie der Prozesskontrolle "vom Brunnen bis zum Zapfhahn" bieten.
Neben den - für die EU neuen - Festlegungen von Parametern, die in der deutschen Trinkwasserverordnung schon seit Jahren durch Grenzwerte geregelt sind, wurden auch für Deutschland neue Parameter aufgenommen. Diese sollen u. a. die Zukunftssicherheit bei fortschreitendem Klimawandel gewährleisten. Für weitere Parameter wurden Grenzwerte, gegenüber der deutschen Trinkwasserverordnung durch Senkung, angepasst. Gerade letzteres, so zeichnet sich bereits heute ab, wird sicherlich zu Kommentaren und Diskussionen der betroffenen Kreise führen.
Asbest in Anhaftungen
Die Bedeutung der Bestimmung von Asbest in Feststoffen nimmt in der Praxis stetig zu. Asbestnachweise sind z. B. oft entscheidend für die Wahl von Verwertungswegen für Baumaterialien, Bodenaushub etc. Gerade im Bauschutt sind häufig Abfälle oder Reste von Produkten enthalten, die Asbest enthalten, wie z. B. Farbanstriche, Dichtmaterialien oder Kleber.
Es ist erklärtes Ziel der Normungsarbeit, für die Art und Weise der Bestimmung von Asbest, alle Möglichkeiten der Vereinheitlichung für Nachweisverfahren und Grenzwerte - insbesondere auch über Matrixgrenzen hinweg - auszuschöpfen.
Covid 19 - Analysen im Abwasser
Voraussichtlich im April 2021 wird beim DIN und Umweltbundesamt ein gemeinsamer Arbeitskreis zum Thema "Analysen von Covid 19 und anderen Viren im Abwasser" gegründet. Die Vorbereitungen hierzu laufen. Zurzeit bereits in Arbeit ist als erster Schritt die Abstimmung und Vereinheitlichung der Fachterminologie.
Für alle an diesem Thema Interessierten sei, neben der Möglichkeit der Mitarbeit beim DIN, in diesem Zusammenhang auch auf ein im Januar gestartetes DWA-Projekt im Auftrag des BMBF zum Aufbau einer Kommunikationsplattform zum Thema "Abwassermonitoring zur Bestimmung des SARS-CoV-2-Infektionsgrades der Bevölkerung" - CoroMoni - hingewiesen.
Europäische Bauproduktenverordnung - BauPVO
Immer noch ist keine klare Zukunftsaussicht für die Überarbeitung und Anpassung der europäischen BauPVO festzustellen. Die Mitgliedstaaten lehnen das bislang vorgesehene Vorgehen nach wie vor mehrheitlich ab. Die europäische Normung (Überarbeitungen, neue Normen) in diesem Bereich ruht.
Mikroplastik/Mikrokunststoffe
Am 24. Februar 2021 wurde ein Gemeinschaftsarbeitsausschuss des NAW und des FNK (Normenausschuss Kunststoffe) zur "Analytik von Kunststoffen und synthetischen Polymeren in umweltrelevanten Matrizes einschließlich Biota" gegründet. Die Bedeutung dieses Gemeinschaftsausschusses zeigt u. a. auch die Tatsache, dass an der Gründungssitzung über 60 Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Ländern, Wirtschaftsverbänden, Geräteherstellern, Laboren, NGOs, Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen teilnahmen. Als Obmann des Ausschusses wurde Dr. Claus-Gerhard Bannick (UBA) gewählt.
Der Gemeinschaftsausschuss soll Normen und Standards erarbeiten, welche die Analytik von Kunststoffen im Makro-, Mikro- und Nanobereich sowie weiterer synthetischer Polymere in umweltrelevanten Matrices regeln, beginnend bei der Probenahme und -aufbereitung bis hin zu ökotoxikologischen Wirkungstests.
Die relevanten zu beachtenden Matrices sind u. a. alle Wasserarten (einschließlich Trinkwasser), Böden, Schlämme, Abfälle, sowie Biota.
Der Anwendungsbereich der Normen wird sich auch auf die Überwachung des Erfolgs von Maßnahmen zur Herstellung eines guten Umweltzustands, hier im Wesentlichen bezogen auf den Schutz und Zustand des Wassers, des Bodens und der durch diese betroffenen weiteren Schutzgüter (z. B. menschliche Gesundheit, Pflanzen, Tiere) erstrecken. Der Gemeinschaftsausschuss verfolgt bei der Entwicklung von Normen und Standards dabei immer einen grundsätzlich horizontalen, matrixübergreifenden Ansatz.
Klimawandel - Climate Change
Im Dezember 2021 wurde seitens CEN beschlossen, ein eigenes technisches Komitee "Climate Change" einzurichten. Das Komitee wird beim DIN im Normenausschuss Grundlagen des Umweltschutzes - NAGUS gespiegelt.
Als wesentliche Zukunftsaktivität wird auch im NAW die Befassung mit Auswirkungen von Klimaänderungen und Möglichkeiten des Schutzes vor diesen Auswirkungen gesehen.
Derzeit wird dazu der aktuelle Stand innerhalb der verschiedenen Normungsbereiche erfasst und bewertet. Im Anschluss daran soll im zweiten Halbjahr 2021 der Fokus auf der Entwicklung der Zukunftsziele liegen.
Hintergrund und Grundlage dieser Aktivitäten ist das UN - Sustainability-Development-Goal (SDG) 13 "Maßnahmen zum Klimaschutz - Climate Action".
Kreislaufwirtschaft - Circular Economy
Als ein weiteres der strategischen Zukunftsziele wurde beim DIN die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) identifiziert. Hierzu wurde ein Fachbeirat "Circular Economy" in der DIN-Koordinierungsstelle Umweltschutz gegründet und die Normenausschüsse aufgefordert, sich entsprechend zu beteiligen. Die ersten konstituierenden Sitzungen u. a. mit einem designierten Vertreter des NAW haben stattgefunden.
Brexit
Die vom CEN per Resolution festgelegte Normen-Übergangsfrist, welche hinsichtlich der CEN-Normen sowie der britischen BSI-Normung die Sicherung der weiteren Gültigkeit festlegt und damit Rechtssicherheit gibt, wurde bis zum 31. Dezember 2021 verlängert. Dies bedeutet, dass BSI weiterhin wie ein Mitglied des europäischen Wirtschaftsraumes hinsichtlich der Normengültigkeit gewertet wird, damit aber auch weiterhin aktiv an der Normungsarbeit teilnimmt.
Probemitgliedschaft
Für alle, die sich näher mit den DIN-Gremien befassen möchten, bietet DIN jetzt eine Probe-Mitgliedschaft an. Damit kann u. a. auch als Gast in einem Normenausschuss mitgearbeitet werden. Für nähere Informationen: www.din.de/de/mitwirken/din-mitgliedschaft/kmu/gleich-anmelden-und-din-entdecken--688858
70 Jahre Normenausschuss Wasserwesen
Da das Jubiläum 70 Jahre NAW aus bekannten Gründen nicht gefeiert werden konnte, hat DIN, zur Würdigung der Leistungen im NAW, eine sehenswerte Jubiläums-Webseite ins Netz gestellt: www.naw-jubilaeum.de
Es lohnt sich, zumal nicht nur trockene Fakten aufgelistet werden, sondern die im NAW agierenden Personen vorgestellt und Geschichten um die Geschichte der Normungsarbeit im Wasserwesen in großer Zahl das bisher Geleistete illustrieren.
… und wie immer auch dieses Mal
Zum Schluss der Hinweis, doch einfach einmal auf den DIN-Seiten oder denen des NAW zu stöbern:
www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/naw
Peter Kiefhaber
Landesverband Nordrhein-Westfalen.
Zum 80. Geburtstag von Dieter Klähn
Am 6. Mai 2021 hat der langjährige Geschäftsführer des BWK Landesverbandes NRW e. V. seinen 80. Geburtstag begangen. Der BWK gratuliert herzlich.
Geboren ist Dieter Klähn am 6. Mai 1941 in Minden. Nach der Mittleren Reife ging er zum Studium an die Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen in Siegen, wo er 1965 seinen Abschluss machte. Nach einer anschließenden Bundeswehrzeit beim Pionierbataillon Barme von 1965 - 1967 folgte der Eintritt in den Dienst der Staatlichen Wasserwirtschaftsverwaltung des Landes NRW mit Stationen beim Staatlichen Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft (StAWA) in Hagen, dem Regierungspräsidenten Arnsberg und dem STAWA Düsseldorf. Dort war er als Fachgebietsleiter für Oberirdische Gewässer tätig.
In seiner Freizeit hat er zudem an der Universität Braunschweig ein viersemestriges Fernstudium belegt, das von der DVWK seiner Zeit angeboten wurde. Mit diesem Fernstudium, konnte er sein Fachwissen u. a. in Hydraulik, Hydrologie und Ökologie auffrischen und neue Kenntnisse gewinnen.
Gleichzeitig war Dieter Klähn nebenberuflich für einige Jahre als Verbandstechniker des Wasser- und Bodenverbandes Norf-Stommeler-Bruchverband mit Sitz in Neuss-Norf tätig. Besonders zu nennen sind dort die wasserwirtschaftlichen Projekte "Überleitung von Sümpfungswässern aus dem Gillbach ins Verbandsgebiet" und die Gewässerumbaumaßnahmen zur ökologischen Verbesserung einiger Verbandsgewässer.
1989 wurde Dieter Klähn ins Umweltministerium des Landes NRW versetzt. Zu seinen Aufgaben gehörte u. a. die Mitarbeit zur Erarbeitung von Richtlinien, Merkblättern, die zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie erforderlich wurden. Dazu kam u. a. die Bearbeitung von Bürgereingaben, Petitionen und Landtagsanfragen. Die Gewässerunterhaltungsrichtlinien sowie die Finanzierung wasserwirtschaftlicher Maßnahmen waren neu aufzustellen, bzw. zu aktualisieren. Dazu kam die Bewirtschaftung, Verwaltung und Zuweisung von Finanzierungshilfen.
Bereits im Studium in Siegen ist Dieter Klähn 1963 in den BWK eingetreten. 1989 wurde er dann beim Landeskongress in Münster zum Geschäftsführer des Landesverbandes NRW gewählt. Diese Funktion hatte er von 1989 - 2003 und nochmals von 2007 - 2011 inne. Insgesamt 18 Jahre als Geschäftsführer mit u. a. 18 Landeskongressen mit namhaften Referenten zu aktuellen Themen der Zeit. In dieser Zeit wurden zudem 3 Bundeskongresse in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Bezirksgruppen mit viel Erfolg organisiert.
1990, nach dem Fall der Mauer, hatte der damalige Bundesgeschäftsführer Horst Schelp sehr schnell BWK-Landesverbände in den Neuen Bundesländern gegründet und die damaligen 5 Landesverbände in den alten Bundesländern gebeten, Partnerschaften mit den neuen Landesverbänden zu bilden. So kümmerte sich der Landesverband NRW um die neu gegründeten Landesverbände Brandenburg und Sachsen. Gleichzeitig verabschiedete das Land NRW ein Förderprogramm und beauftrage den BWK Landesverband NRW, in diversen Fortbildungen bei der Erarbeitung zur Gründung von Wasser- und Bodenverbänden und bei der Aufstellung von Satzungen und Haushaltsplänen, behilflich zu sein. Mit diesen immer gut besuchten Veranstaltungen, die in Dresden und Chemnitz stattfanden, konnte eine gute Hilfestellung geleistet werden.

Im Jahre 2003 wurde Dieter Klähn dann in den Ruhestand versetzt. Auf Bitten des Vorstandes des Wasser- und Bodenverbandes der Mittleren Niers in Grefrath war er aber noch für eine Übergangszeit als kommissarischer Geschäftsführer des Verbandes tätig.
Aufgrund seiner Verdienste um den BWK wurde er bereits 2004 zum Ehrenmitglied des Landesverbandes NRW ernannt und ihm im Jahre 2011 zudem als Erstem im gesamten BWK die Goldene Ehrennadel verliehen.
Sein BWK Landesverband NRW dankt für das jahrelange, ehrenamtliche Engagement und wünscht Dieter Klähn eine schöne Feier im Kreise seiner Familie und für das neue Lebensjahrzehnt alles Gute und viel Gesundheit für alle kommenden Aktivitäten und Pläne.
Christian Sustrath
Wir brauchen Eure Unterstützung!
Liebe BWK'lerinnen und BWK'ler,
wie Ihr alle wisst, finden durch die aktuelle Situation keine oder wenige Präsensveranstaltungen statt.
Dennoch würden wir uns sehr freuen, wenn Ihr uns von Eurer Arbeit im BWK berichtet. Berichtet uns von Online-Veranstaltungen, Jubiläen, Geburtstagen etc.
Macht die GRÜNEN SEITEN lebendig, ergänzt wird diese Präsenz durch die soziale Medien wie Facebook (www.facebook.com/BWK.Umwelt).
Deshalb schickt uns Artikel zu (pressestelle@bwk-bund.de).
Wir freuen uns auf kurze und prägnante Artikel, ebenso auf längere Versionen. Gerne mit Bildern, die die Artikel bereichern.
Eurer Team Öffentlichkeitsarbeit BWK-Bund
Landesverband Brandenburg und Berlin.
5. BWK-Webseminar Geotextilien im Wasserbau - Gefahr für die Umwelt?
Nachdem diese ursprünglich schon einmal im Jahr 2020 geplante Fortbildungsveranstaltung pandemiebedingt mehrfach verschoben werden musste, wurde sie nun als Online-Seminar organisiert und durchgeführt. Schon bei den Anmeldezahlen zu den ursprünglichen Terminen wurde klar, dass das Seminarthema auf großes Interesse stoßen würde, was die letztlich über 90 Anmeldungen aus dem gesamten Bundesgebiet auch bestätigten. Hierin lag auch eine gewisse Herausforderung für den veranstaltenden Landesverband, zum einen die Teilnehmerzahl, auf der anderen Seite 5 Referenten und schließlich eine Seminardauer von 5 Stunden, aufgeteilt auf 6 Fachvorträge. Zur Vorbereitung wurden mit den Referenten Technik-Checks vereinbart, die mit einer kurzen Einweisung in das System verbunden waren und aus Furcht, dass ein großer amerikanischer Softwarekonzern ausgerechnet während des Seminars seine Updates auf den Hostrechner schickt, waren Backup-Rechner vorbereitet. Trotzdem wurde eine kurze Unterbrechung nötig, weil es ausgerechnet dem letzten Referenten aufgrund neuester Datenschutzeinstellungen unmöglich gemacht wurde, sein Mikrofon zu benutzen. Also wurde ein herkömmliches Telefonsignal in das Seminar übertragen, was gewisse qualitative Einschränkungen zur Folge hatte. Doch nun zum Seminar selbst.
Geotextilen und Geokunststoffe werden als Trennlage, Dichtung oder Stabilisierung eingesetzt. Häufig kommen geotextile Materialien in Kontakt mit Wasser und Boden, was die Frage aufwirft, ob die Verwendung von Geotextilien oder Geokunststoffen nachteilige Auswirkungen auf die Schutzgüter haben kann und welche Möglichkeiten es gibt, den Einsatz von Geokunststoffen zu reduzieren oder zu vermeiden.
Die zur Beantwortung dieser Fragestellungen konzipierte Vortragsfolge wurde mit einem Beitrag von Herrn Dipl.-Ing. Norbert Kunz von der BAW Karlsruhe begonnen. In diesem ging es darum, zu zeigen, auf welch vielfältige Art Geotextilien im (Verkehrs-)Wasserbau verwendet werden, welche Funktionen sie erfüllen müssen und wie sie diese Funktionen erfüllen. Allein im Jahr 2015 wurden an Bundeswasserstraßen 380.000 m² Geotextilien eingebaut, um Deckwerke und Steinschüttungen filterstabil gegen die hydraulischen Belastungen aus Schiffsverkehr herzustellen.
Am Beispiel erodierter Böschungen wurde gezeigt, weshalb filterstabile Bauweisen nötig sind und was geschieht, wenn Filter und Deckschichten instabil ausgeführt werden. Daran anschließend wurden die Regelbauweisen vorgestellt, die an Bundeswasserstraßen anzuwenden sind. Im Vergleich von Korn- zu Textilfilter wurde gezeigt, wieso sich Geotextile Filter gegenüber Kornfiltern an Wasserstraßen durchgesetzt haben und welche Vorteile ihre Verwendung mit sich bringt.
Herr Dr. Franz-Georg Simon, BAM Berlin, stellte anschließend das Forschungsprojekt ERA.Net RUS EI-GEO — Environmental Impact of geosynthesis in aquatic systems vor, das eigens aufgelegt wurde, um die Alterung von Geotextilien zu untersuchen und zugleich zu prüfen, ob sich Prozesse finden lassen, die eine Lösung von Mikropartikeln aus Geotextilien belegen. Dieses Forschungsprojekt war als wesentlicher Beitrag zur Risikobewertung der Anwendung von Geokunststoffen im Wasserbau angelegt und sollte die bei einer beschleunigten, künstlichen Alterung von Geotextilien eintretenden Effekte untersuchen und dokumentieren. Die dazu durchgeführten Laboruntersuchungen wurden durch Felduntersuchungen und -studien ergänzt.
Das Projektgebiet des Forschungsprojektes ERA.Net RUS EI-GEO liegt an der Kurischen Nehrung, wo Feldstudien an Küstenschutzbauwerken erfolgten, deren Ziel es war, den Zustand dort verwendeter Geokunststoffe zu erfassen und mit den Ergebnissen der Laboruntersuchungen abzugleichen. Tatsächlich wurden Geokunststoffreste gefunden, die aber auf unsachgemäßen Einbau und nicht auf Alterungsprozesse zurückzuführen waren. Schwerwiegender war das gehäufte Auffinden von Resten der Kunststoffummantelungen von Gabionen und Steinnetzen, die offenbar nur eine geringe UV- und Alterungsbeständigkeit aufwiesen.
Im Labor der BAM wurde durch eine Kombination aus mechanischer, chemischer und mikrobiologischer Beanspruchung ein beschleunigter Alterungsprozess am Geotextil herbeigeführt und anschließend das Auswaschverhalten sowie die ökotoxikologischen Auswirkungen von Auswaschungen auf die Meeresumwelt untersucht. Für die Alterung wurden Autoklaven verwendet, wo die Geokunststoffe Wassertemperaturen von 80 Grad und einem Sauerstoffdruck von 50 bar ausgesetzt werden. Anschließend folgen Zugversuche oder Untersuchungen der Molmassen sowie der Stabilisatorengehalte, um die erreichbaren Alterungszeiten zu bestimmen. Bei den an den Geotextilien durchgeführten Auslaugversuchen wurde keine Ökotoxizität festgestellt.
Das nachfolgende Referat hielt Herr Dipl.-Ing. Christoph Hessing, der als technischer Produktmanager bei der Huesker Synthetic GmbH tätig ist. Nach einem kurzen Exkurs zu den Einsatzgebieten von Geokunststoffen, stellte er die unterschiedlichen Arten von Geotextilien und die grundlegenden Herstellungsmöglichkeiten vor. Im Anschluss ging er auf den Lebenszyklus von Geokunststoffen und den Umweltauswirkungen während der einzelnen Phasen ein. Für die meisten Geokunststoffe gibt es mittlerweile Umweltproduktdeklarationen, die über den gesamten Lebenszyklus die Umweltauswirkungen bewerten und beschreiben.
In Bezug auf das Thema des Seminars, ist das Mikroplastikpotential eines Geotextils, also der Teil des Materials, der zu Mikroplastik werden kann, von besonderer Bedeutung. Typische Gründe für ein hohes Mikroplastikpotential sind mechanische Belastung sowie chemische und photochemische Degradation. Bei fachgerechter Planung und Verwendung geht das Mikroplastikpotential gegen Null.
Jährlich werden weltweit ca. 1 Mio. t Geotextilien produziert, davon entfallen ca. 300 t auf Anwendungen des Verkehrswasserbaus in Deutschland mit, verglichen mit anderen Bauweisen, durchaus positiven Umweltauswirkungen. So führt die Verwendung geotextiler Kunststoffe gegenüber mineralischen Systemen zu deutlich geringeren Bodenbewegungen, spart dadurch Transporte und kann durchaus positive Auswirkungen auf die Umweltbilanz von Bauvorhaben nach sich ziehen.
Nach der Lunchpause sprach Herr Dr. Christian Dietrich von der BfG Koblenz über die Analytik von Schadstoffen und die Freisetzung von Schadstoffen und Mikroplastik aus Geotextilien. Im ersten Teil seines Vortrags ging es vor allem darum, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Eindruck davon zu vermitteln, welche Analysen durch die BfG durchgeführt werden können, welche Geräte verwendet werden und wie die Nachweisführung erfolgt. Dann wurde die Bedeutung von Nachweisgrenzen und Blindwerten bei der Bewertung von möglichen Mikroplastikausträgen aus Geotextilien erläutert. So ist es denkbar, dass Stoffe unterhalb der Messgrenzen freigesetzt werden, oder dass Stoffe messtechnisch nicht erfasst oder falsch zugeordnet werden, weil an deren Stelle Hintergrundbelastungen gemessen werden.
Im Anschluss stellte Herr Dr. Dietrich Ergebnisse bisher durchgeführter Untersuchungen vor. So wurden bei den Analysen der BfG im Eluat geringe Mengen Antimon und ein UV-Filter nachgewiesen. Diese Stoffe wiesen keine Ökotoxizität und stellten keine Belastung dar, waren aber Fremdstoffe, die bei den Laborversuchen freigesetzt werden konnten.
Im abschließenden Fachvortrag stand die Frage im Vordergrund, welche Alternativen an Stelle von geotextilen Filtern möglich sind. Herr Dipl.-Ing. Frank Spundflasch, Landesamt für Umwelt Brandenburg, stellte zunächst Vor- und Nachteile von Geokunststoffen gegenüber. Anschließend erläuterte er, wie bei korrekter Bauausführung und einer fachgerechten Abdeckung der Geokunststoffe Nachteile vermieden werden können. Anhand von Negativbeispielen wurde dann aufgezeigt, dass bereits bei der Planung von Sicherungsbauweisen darüber mit entschieden wird, ob Geokunststoffe fachgerecht eingebaut werden können.
Als Alternative zu Geokunststoffen stellte er Matten aus biologischen Materialien vor, wie z. B. aus Kokosfasern. Diese Systeme haben bisher jedoch nur eingeschränkte mechanische und filtertechnische Eigenschaften und sollten deshalb nur dort Verwendung finden, wo Setzungen oder Umlagerungen zugelassen werden können oder sogar erwünscht sind. So bieten z. B. Jutematten bis zur Durchwurzelung von Böschungen einen ersten Erosionsschutz. Im Anschluss wurden verschiedene Ausführungsvorschläge für den Ersatz von Geokunststoffen aufgezeigt, wie mineralische Filter oder Sicherungsbauweisen aus Flechtwerken, Spreitlagen, Pfählen und Faschinen. Schließlich wies Herr Spundflasch darauf hin, dass bei der Auswahl geeigneter Systeme nicht nur die Materialien zu beurteilen sind, sondern auch deren Verpackungen, die häufig aus Kunststoffen bestehen.
Parallel zu den Vorträgen lief im Chat eine lebhafte und durchaus kontroverse Diskussion mit einer Vielzahl von Nachfragen an die Referenten.
Jeannette Riedel
Landesverband Niedersachsen-Bremen.
Institut für Angewandte Abfallwirtschaft in Suderburg erweitert das Angebot
Das Institut für Angewandte Abfallwirtschaft und Stoffstrommanagement - Suderburg e. V. (IFAAS) bietet seinen Mitgliedern, ebenso wie Nicht-Mitgliedern, seit vielen Jahren Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zu aktuellen Fragestellungen und Aufgaben der Abfallwirtschaft an, bei denen insbesondere rechtliche, technische sowie analytische Aspekte der Abfallwirtschaft thematisiert werden. Das regelmäßig stattfindende Suderburger Abfall-Seminar (SAS) wird beispielsweise als staatlich anerkannte Fortbildungsveranstaltung gemäß Deponieverordnung (DepV), Entsorgungsfachbetriebeverordnung (EfbV), Anzeige- und Erlaubnisverordnung (AbfAEV) und Abfallbeauftragtenverordnung (AbfBeauftrV) angeboten und richtet sich als Folgelehrgang im Sinne dieser Verordnungen speziell an Personen, die für die Leitung und Beaufsichtigung von Deponien verantwortlich sind, aber auch an sonstige Beschäftigte im Bereich der Entsorgungswirtschaft sowie beratende Ingenieure (vgl. WuA 01-02/.2020).
Aufgrund diverser Anfragen wurde das Weiterbildungsangebot des IFAAS ab diesem Jahr um Fortbildungen für verantwortliche Personen (Leitung und Beaufsichtigung) erweitert. Die erste Veranstaltung dieser Art findet am 3. Juni 2021 statt. Darüber hinaus werden dieses Jahr Seminare für Abfallbeauftrage sowie zu den Schwerpunkten Deponiebetriebe, Entsorgungslogistik und Anlagebetriebe angeboten. Sämtliche Seminare werden wegen der derzeitigen Umstände online durchgeführt. Die Mitglieder des BWK profitieren von Fortbildungen zu reduzierten Konditionen.
Ergänzende Informationen finden Sie unter: www.ifaas.de
Andreas Persy
Fortbildungsangebot des BWK.
| Veranstaltungen von Mai - November 2021 | Änderungen sind aufgrund von Coronabeschränkung möglich. | ||
|---|---|---|---|
| Zeit und Ort | Thema der Veranstaltung | Veranstalter | |
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27. Mai 2021 Online |
Pegelwesen in der Wasserwirtschaft |
BWK-Landesverband Nordrhein-Westfalen |
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8./9. Juni 2021 Dresden |
Dresdner Grundwassertage 2021: Wasserwirtschaft im Zeichen von Klima- und Strukturwandel |
DGFZ - Dresdner Grundwasserforschungszentrum e. V. BWK-Landesverband Sachsen |
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12. Juni 2021 Jena |
12. Forum Hochwasserrisikomanagement |
BWK-Bundesverband UniWasser GmbH https://uniwasser.com/de/12-forum-zum-hochwasserrisikomanagement.html |
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16. Juni 2021 Online |
Das Junge Forum im Gespräch - Water supply, disposal and problems of droughts of the rural city Montague (Califorina, USA) |
BWK-Landesverband Nordrhein-Westfalen |
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|
22. Juni 2021 Mühlberg/Elbe |
Baustellenbegehung: Hochwasserschutzarbeiten im bebauten Bereich |
BWK-Landesverband Brandenburg und Berlin |
|
|
24. Juni 2021 Online |
Pegelwesen in der Wasserwirtschaft |
BWK-Landesverband Nordrhein-Westfalen |
|
|
7. September 2021 Ecosero |
29. Neubrandenburger Kolloquium |
BWK-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern |
|
|
7. September 2021 Schwedt |
Baustelleninformation: Deichbau LK Uckermark, Polder B, Bauwerk "Am Wrech" Ersatzneubau der ehemaligen Kahnschleuse als Dreifeldwehr |
BWK-Landesverband Brandenburg und Berlin Bezirksgruppe Potsdam |
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|
16./17. September 2021 Dessau-Roßlau |
36. Bundeskongress: Daseinsvorsorge Zukunft Wasser |
BWK-Bundesverband |
|
|
12. November 2021 Rostock/Warnemünde |
9. BWK-Küstentag |
BWK-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern |
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