Selbst ist der Patient.
Die Gesundheitsförderung und Prävention ist eine verpflichtende Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. "Was wir gerade bei chronischen Erkrankungen unbedingt brauchen, ist die Bereitschaft des Patienten, selbst etwas für sich zu tun", sagte Dr. Anke Böhm, Sommerfeld/Kremmen. Beispiel Osteoporose: Außer Übungsprogrammen und Elektrotherapie zur Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung sei eine Bewegungstherapie mit Eigengewicht empfehlenswert, so die Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin. Wenn möglich und zumutbar sollte es sich um High-Impact-Sportarten wie Aerobic handeln. Denn Schwimmen oder Radfahren erhöhen nicht die Knochenmasse. Gut geeignet bei Osteoporose ist auch ein Funktionstraining. Dieses beinhaltet u.a. die Sturzprophylaxe, Gleichgewichtsschulung und Koordinationsförderung. Geeignete Trainingsgruppen finden sich über das Netzwerk von Osteoporose-Selbsthilfegruppen. (tm)
127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM); Wiesbaden, 17.-20. April 2021
Zweites Malignom.
Patientinnen, die schon eine Brustkrebsdiagnose erhalten haben, schweben in erhöhter Gefahr, an Zweitmalignomen zu erkranken. Welche Rolle dem BMI dabei zukommt, hat eine Studie mit 6.481 Patientinnen untersucht. Demnach stieg das Risiko für ein zweites Primärmalignom um 7% je Zunahme des BMI um 5 kg/m2. Betrachtete man nur die Adipositas-assoziierten Malignome, erhöhte sich das Risiko um 13%. Das Risiko für eine zweite primäre Brustkrebserkrankung lag um 11% höher.
E-Zigarette als Einstieg .
Noch ist man uneins, wie E-Zigaretten in Bezug auf das Suchtpotenzial bei Jugendlichen einzustufen sind. In einer großen longitudinalen US-Studie wurde nun an 15.826 Teilnehmern untersucht, inwiefern der Konsum von E-Zigaretten im Alter von 12-14 Jahren mit einem Zigarettenkonsum jenseits des 19. Lebensjahres assoziiert war. Wie zu befürchten, ist das Risiko für späteres tägliches Zigarettenrauchen um das Dreifache erhöht, wenn bereits als Teenager E-Zigaretten ausprobiert wurden.
Pierce JP et al. Pediatrics 2021;147:e2020025122
Venenzugänge bei Kleinkindern.
Die Neuanlage venöser Zugänge ist bei Säuglingen und Kleinkindern besonders heikel. Insofern sollte im Interesse der Kinder für eine möglichst lange Haltbarkeit der Zugänge gesorgt werden. Eine Studie aus Melbourne verglich nun bei 72 Kindern zwischen ein und 17 Jahren die Haltbarkeit kurzer (Standard)-Venenkatheter von 2,5 cm Länge Gmit solchen von 6-15 cm Länge. Die mittlere Dauer der intravenösen Therapie lag bei durchschnittlich 5,1 Tagen. Kurze Katheter versagten signifikant häufiger. Die längeren hatten eine höhere durchschnittliche Lebensdauer (median 4,7 vs. 3,5 Tage).

Qin KR et al. Pediatrics 2021;147:e2020000877
Notfälle in der Luft.
Medizinische Notfälle in Flugzeugen haben zugenommen - auch aufgrund immer mehr reisefreudiger Senioren. In einer Metaanalyse wurde jetzt untersucht, was die häufigsten Zwischenfälle sind. Ein Forscherteam um Israel Junior Borges de Nascimento von der Bundesuniversität von Minas Gerais in Belo Horizonte wertete dafür 18 Studien mit Daten von rund 1,5 Milliarden Passagieren aus. Elf der 18 Studien berichteten über die Gesamtinzidenz medizinischer Notsituationen in Flugzeugen. Mit niedriger Evidenz zeigt die Analyse, dass auf eine Million Passagiere rund 18 medizinische Notfälle und 0,21 Todesfälle kommen. Am häufigsten waren Synkopen, gastrointestinale Ereignisse und respiratorische Beschwerden. Auch neurologische Ereignisse traten häufig auf. Etwas seltener kam es zu kardiovaskulären Ereignissen, genauso wie zu Unfällen. Diese waren vornehmlich durch aus Fächern herabfallende Gepäckstücke oder verschüttete Heißgetränke bedingt. Insgesamt waren Synkopen mit etwa 5,5 Ereignissen auf eine Million Passagiere der häufigste Zwischenfall. Am seltensten waren Herzstillstände mit 0,09 Ereignissen pro Million Flugreisender. (js)
Do Nascimento IJB et al. The global incidence of in-flight medical emergencies: A systematic review and meta-analysis of approximately 1.5 billion airline passengers. Am J Emerg Med 2021
Anhaltende Folgen.
In der einer Studie zu Long-COVID mit 73.000 ehemaligen Corona-Patienten mit milden bis moderaten Symptomen wird eine deutlich höhere Belastung der Betroffenen durch pulmonale, kardiale, neurologische und neuropsychiatrische Störungen sowie eine um fast 60% erhöhte Sterblichkeit sichtbar. Auch das Risiko, in den ersten sechs Monaten nach der Erkrankung auf ambulante Versorgung angewiesen zu sein, ist um 20% erhöht.
Al-Aly Z et al. Nature 2021
Auch Genesene impfen.
Bei COVID-19-Genesenen kann eine Einmalimpfung die Immunität gegen SARSCoV-2 deutlich verstärken. Nach einer Studie könnten die Geimpften auch vor den Varianten B.1.1.7 und B.1.351 geschützt sein, die Immunität bei Personen ohne frühere Corona-Erkrankung fiel nach der 1. Impfung deutlich schwächer aus.
Reynolds C J et al. Science 2021
Risikofaktor Hypertonie.
Eine US-Studie, in der Daten von mehr als 900.000 COVID-19 Patienten ausgewertet wurden, zeigt: 64% der behandlungsbedürftigen Fälle stehen in Zusammenhang mit Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz. Allein 26,2% der schweren Verläufe sind auf Hypertonie zurückzuführen.
O´Hearn M et al. JAHA 2021
Auditiv wird gut gelernt.
In Nordirland wurde im Mai 2020 an einer Universität bei 298 Studierenden der Krankenpflege im ersten Ausbildungsjahr eine Vorher-Nachher-Interventionsstudie durchgeführt, bei dem ein einstündiger Podcast zum Thema Delirium zum Einsatz kam. Vor und nach der Intervention wurden die Studierenden zu ihrem Wissen über Delirium befragt. Anschließend wurde ermittelt, wie sicher und vertraut sie sich hinsichtlich Symptomatik, Ursachen und Therapie eines Deliriums fühlen. Abgerundet wurde die Studie mit einer Evaluation des Podcasts als Lehrmittel durch die Studienteilnehmer*innen. Dabei stellte sich heraus, dass der Podcast sowohl das Wissen zu Delirium als auch die Sicherheit im Umgang mit diesem Syndrom signifikant erhöht. Damit kann der Einsatz eines Podcasts als Lehrmittel als ein voller Erfolg angesehen werden. Die Herstellung des Podcasts dauerte nur sechs Stunden und wurde mit einer kostenlosen Audiobearbeitungssoftware produziert. Zwei reale Fallbeispiele, eins über ein hypoaktives und eins über ein hyperaktives Delirium, starteten die Lernsequenz.
Podcasts - ein gutes Element der digitalen Lehre
Die Fallbeispiele eigneten sich gut, über die Tonlage des Erzählens und mit den durch sie erzeugten Vorstellungsbildern Emotionen zu erzeugen und das Delirium eindrucksvoll zu veranschaulichen. Hintergrund der Studie ist, dass ein Delirium beim Patienten oft unentdeckt bleibt und dies im schlimmsten Fall tödlich enden kann.
Podcasts genießen gerade in der digitalen Lehre eine besondere Bedeutung, da zu lange Bildschirmarbeit die Augen schädigen kann. Viele Studierende fanden allerdings einen 60-minütigen Podcast zu lang, denn üblicherweise dauern Podcasts lediglich 20 Minuten. Den Forscher*innen durchaus bewusste Mängel der Studie sind, dass es pandemie-bedingt keine Kontrollgruppe gab und dass durch die häusliche Bearbeitung nicht klar wurde, ob die Fragebögen zeitnah zum Hören des Podcasts ausgefüllt wurden, so wie es eigentlich hätte sein sollen.
Mitchell G et al. (2021) Evaluation of a delirium awareness podcast for undergraduate nursing students in Northern Ireland: a pre-post-test study. BMC Nursing 20:20.
Kommentar: Die Lehrenden in der Krankenpflege sind über jeden Hinweis dankbar, den Fernunterricht abwechslungsreicher zu gestalten, denn sowohl mit den leidlichen Arbeitsaufträgen zur Buchlektüre, die von den Schüler*innen nicht selten mit copy & paste erledigt werden, als auch mit den Videomeetings, während derer die Teilnehmer*innen auch mal eine Mahlzeit zubereiten, gelangt man schnell an seine didaktische Grenzen. Podcasts sind daher eine erfrischende Abwechslung und auch im deutschen Sprachraum stehen Podcasts zum Thema Pflege und Gesundheit zum Hören bereit. Allerdings ist das Sample bei dieser Studie mit 298 Pro-band*innen zwar sehr groß, aber nicht breit gestreut. Überdies steht die Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf hiesige Verhältnisse in Frage, da in Nordirland das Studium der Regelzugang zur Pflege ist, während in Deutschland bereits nach zehn Schuljahren eine generalistische Pflegeausbildung aufgenommen werden kann. Hier sollten Anschlussstudien testen, ob Podcasts auch bei den deutschen Generalisten funktionieren.

