Skip to main content
Springer Nature - PMC COVID-19 Collection logoLink to Springer Nature - PMC COVID-19 Collection
editorial
. 2021 Jul 6;62(7):695–696. [Article in German] doi: 10.1007/s00108-021-01089-8

COVID-19: Lernen aus Erfahrung

COVID-19: Learning from experience

Bernd Salzberger 1,, Sebastian Schellong 2,
PMCID: PMC8258733  PMID: 34228149

graphic file with name 108_2021_1089_Figz_HTML.jpg

Über ein Jahr hält uns das „severe acute respiratory syndrome coronavirus 2“ (SARS-CoV-2) in ständiger Bewegung – ein neues Syndrom mit hoher Belastung von Ressourcen, sowohl im Gesundheitssystem als auch gesellschaftlich, mit vielen neuen Erfahrungen und Lehren, aktuell einer fast globalen Impfkampagne und einem sich weiter wandelnden Erreger.

Im Gesundheitssystem wurde die Verknappung von Ressourcen zur Behandlung anderer Erkrankungen zunehmend sichtbar

Wir hatten mehrfach berechtigte Sorgen, dass diese Belastung über die Grenzen unserer Ressourcen hinausgeht. Dies ist uns mit Glück, etwas Geschick und aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitswesens erspart geblieben. Eine der frühesten Herausforderungen war die rasche Ausweitung von Kapazitäten zum Erregernachweis. Die Kapazitäten für die notwendigen Polymerase-Kettenreaktions(PCR)-Testungen mussten in kurzer Zeit vervielfacht werden. Die dabei gemachten Erfahrungen werden im Beitrag von M. Müller dargestellt [1].

Einige Lehren aus der frühen Pandemie waren unerwartet: Eine Pandemie kann zeitweise zu einer Minderbelastung von Teilen des Gesundheitssystems führen, mit einer raschen Reduktion von Akutvorstellungen in einem Lockdown. Leichter verständlich dagegen war die Verschiebung elektiver oder nicht dringlicher Maßnahmen zur Kompensation der akuten Belastung, die ja auch rasch und flächendeckend umgesetzt wurde. In der ersten Welle im Frühjahr 2020 konnte die Mehrbelastung durch „coronavirus disease 2019“ (COVID-19) so zumindest teilweise kompensiert werden. Je länger jedoch die Pandemie anhielt, umso mehr wurde deutlich, dass diese Effekte längerfristig keine Entlastung brachten, sondern eine wachsende Hypothek für eine sich immer weiter verschiebende Zukunft wurden. Innerhalb des Systems wurde die Verknappung von Ressourcen für die Behandlung anderer Erkrankungen zunehmend sichtbar. Die Endlichkeit der Ressourcen wurde nicht durch eine rasche Überflutung der Intensivbetten, sondern vielmehr durch diese Entwicklung evident. Die Steuerung zwischen den Erfordernissen der Behandlung von COVID-19 und anderen Erkrankungen erforderte zunehmend komplexere Organisationsformen, die ansonsten im Wesentlichen bei Massenunfällen zum Einsatz kommen: Priorisierung und Triage. Bedeutung und Notwendigkeit dieser Organisationsformen für die Bewältigung einer Pandemie werden im Beitrag von M. Velichkov et al. dargestellt [2].

COVID-19 trifft in erster Linie die Lunge, die Beteiligung der Nieren bei Patienten auf der Intensivstation ist sehr häufig. Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz zeigen in vielen Situationen eine verminderte Immunantwort, so war von Beginn an eine hohe Gefährdung dieser Patienten zu erwarten. Die Herausforderungen für die Nephrologie werden im Beitrag von E. Hoxha et al. deutlich [3].

Darstellungen und Analysen der Auswirkungen der Pandemie auf die verschiedenen Fachgebiete der Medizin und Segmente in der Versorgung sind naturgemäß unvollständig – die Intensivmedizin wie auch die ambulante Versorgung sollten in dieser Ausgabe ebenfalls Platz finden. Die Bearbeitung beider Themen musste jedoch aufgrund aktueller Ereignisse zurückgestellt werden: Die Intensivmedizin hatte sich akut mit schlecht begründeten Vorwürfen und dadurch ausgelösten Feindseligkeiten auseinanderzusetzen (#DIVIGate), die ambulante Versorgung steckt – glücklicherweise – tief in der Impfkampagne.

Die bisherigen Beiträge zeigen exemplarisch eine rasche Lernkurve. Wir sind in der Medizin daran gewöhnt, Erfahrungen rasch und auch unter Druck zu sammeln, auszuwerten und anzuwenden. Wir lernen weiter in der Pandemie, die beiden Themen „Intensivmedizin“ und „ambulante Medizin“ sind nicht vergessen.

Interessenkonflikt

B. Salzberger und S. Schellong geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Footnotes

graphic file with name 108_2021_1089_Figqr_HTML.jpg

QR-Code scannen & Beitrag online lesen

Contributor Information

Bernd Salzberger, Email: bernd.salzberger@ukr.de.

Sebastian Schellong, Email: sebastian.schellong@klinikum-dresden.de.

Literatur

  • 1.Müller M. „Coronavirus disease 2019“ – „lessons learned“ für die Mikrobiologie und Labormedizin. Internist. 2021 doi: 10.1007/s00108-021-01077-y. [DOI] [PMC free article] [PubMed] [Google Scholar]
  • 2.Velichkov M, Schulze PC, Otto S. „Priorisierung und Triage“ im Kontext kardiovaskulärer Erkrankungen. Internist. 2021 doi: 10.1007/s00108-021-01079-w. [DOI] [PMC free article] [PubMed] [Google Scholar]
  • 3.Hoxha E, Suling A, Turner JE, et al. „Coronavirus-disease-2019“-Pandemie aus nephrologischer Perspektive. Internist. 2021 doi: 10.1007/s00108-021-01078-x. [DOI] [PMC free article] [PubMed] [Google Scholar]

Articles from Der Internist are provided here courtesy of Nature Publishing Group

RESOURCES