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. 2021 Jul 28;37(3):242–248. [Article in German] doi: 10.1016/j.orthtr.2021.04.039

Rehabilitation nach COVID-19-Erkrankung

Rehabilitation in post acute COVID-19

Inga Jarosch a,b,, Andreas Rembert Koczulla a,b
PMCID: PMC8316645

Abstract

6 months following an acute infection with SARS-CoV-2 virus with a moderate or severe course of Corona Virus Disease 2019 (COVID-19), a majority of patients is still suffering from sequelae which are defined as „post COVID syndrome“ or „long COVID“. Symptoms are heterogenous and can be of respiratory, neurological, musculoskeltal, cardiovascular, mental or cognitive nature. As the virus entrance into the organism via the lungs, this organ is involved in a unique manner. As a consequence of COVID-19, abnormalities of the lungs may lead to impaired gas exchange and result in a reduced blood oxygenation, especially during exercise. In order to address the intensity and diversity of symptoms, an inpatient pulmonary rehabilitation program is recommended. Beside diagnostics and pharmaceutical optimization, the multimodal approach includes several therapeutic components like exercise training, breathing therapy and psychological counseling. According to constantly new insights into this field, therapies have to be adapted permanently. An optimal postacute care, which ideally already starts during hospital stay, targets the improvement of exercise capacity, health-related quality of life as well as a reduction of ongoing symptoms in order to optimize patients daily life self-sufficiency.

Keywords: COVID-19, SARS-CoV-2, Rehabilitation, Exercise training, Interstitial lung diseases

Krankheitsfolgen von COVID-19

Während der Infektion mit dem Sars-CoV-2 Virus entwickelt eine Mehrheit der Erkrankten Symptome, zu denen typischerweise Husten, Fieber, Atemnot, muskuloskelettale Symptome (Myalgie, Schmerz, Fatigue), gastrointestinale Symptome sowie Geruchs- und/oder Geschmacksverlust gehören. Im Anschluss an eine Corona Virus Disease 2019 (COVID-19) Erkrankung können Symptome unterschiedlicher Art anhalten oder entstehen, die je nach zeitlichem Auftreten wie folgt klassifiziert werden [1]:

  • Akute COVID-19-Erkrankung: Zeichen und Symptome von COVID-19 bis zu 4 Wochen

  • Anhaltende COVID-19-Symptome: Zeichen und Symptome von COVID-19 von 4 bis 12 Wochen

  • Post-COVID-19-Syndrom: Zeichen und Symptome, die sich während oder nach einer SARS-CoV-2-Infektion entwickeln und länger als 12 Wochen anhalten

  • Long-COVID”: Wird gewöhnlich verwendet, um Zeichen und Symptome zu beschreiben, welche die akute COVID-19-Erkrankung überdauern oder sich nach der Akutphase entwickeln. Dieser Begriff beinhaltet die Phase der anhaltenden COVID-19-Symptome und des Post-COVID-19-Syndroms (obige Definition)

In einer italienischen Kohorte von hospitalisierten Patienten zeigte sich, dass 2 Monate nach dem ersten Auftreten von Symptomen nur 12.6% der Erkrankten wieder frei von COVID-19-Symptomen war und 55% der Patienten sogar von 3 oder mehr Symptomen berichteten [2]. Zu den häufigsten Symptomen zählten in diesem Zusammenhang Fatigue (53%), Dyspnoe (43%), Gelenk-schmerzen ändern (27%) und Brustschmerzen (22%). Knapp die Hälfte der Patienten bewertete ihre Lebensqualität dadurch als vermindert. Huang et al. konnten in neueren Daten einer großen Kohorte von 1733 hospitalisierten COVID-19-Patienten zeigen, dass auch nach einem Zeitraum von 6 Monaten im Anschluss an die Akuterkrankung diverse Symptome weiterhin persistieren (vor allem Muskelschwäche/ Fatigue (63%) und Schlafstörungen (26%))[3]. Patienten mit schwereren Verläufen der Erkrankung zeigten langfristig eine stärkere Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Diffusionskapazität der Lunge. Zur Analyse der Symptomentwicklung nach COVID-19 wurden Daten einer großen Patientengruppe, bestehend aus Mitgliedern einer Facebook-COVID-Gruppe und der Lung Foundation Netherlands, ausgewertet (insgesamt n = 2113 Patienten, davon n = 345 bestätigte, n = 882 symptombasierte und n = 774 vermutete COVID-19-Erkrankungen, mittleres Alter: 47 Jahre). 112 Patienten waren aufgrund von COVID-19 hospitalisiert, 61% der Patienten hatten keine Komorbiditäten und 85% der Patienten gaben einen guten Gesundheitszustand vor der Erkrankung an. Die Auswertung ergab, dass die häufigsten Symptome (Fatigue und Dyspnoe) im zeitlichen Verlauf von der akuten Infektion bis zum Follow-up zwar seltener wurden, sie bei einem Großteil der Patienten jedoch das Follow-up 79 Tage nach Symptombeginn überdauerten (Fatigue: 95% vs. 87%, Dyspnoe: 90% vs. 71%)[4]. In einer multiplen Regressionsanalyse sagten die Faktoren Gesundheitsstatus vor der Erkrankung, Alter, Komorbiditäten und die Anzahl der Symptome während der Infektion am besten die Symptomanzahl beim Follow-up voraus. Darüber hinaus machen die Autoren auf die Gruppe der Patienten mit leichtem COVID-19-Verlauf aufmerksam: Eine Subgruppe mit leichtem Verlauf entwickelte bis zum Follow-up Symptome im Sinne eines Post-COVID-19-Syndroms. Auch Logue et al. (2020) zeigten durch die Befragung von Erwachsenen mit bestätigter COVID-19-Erkrankung, die nicht hospitalisiert waren, dass 33% der Patienten 6 Monate nach Diagnosestellung noch mind. ein persistierendes Symptom beklagten [5]. Einer Befragung des National Institute for Health Research zufolge sind vermehrt junge Menschen (inklusive Kinder) betroffen, 67% der Patienten, die Long COVID entwickelten, waren zwischen 25 und 54 Jahre alt [6].

Insgesamt werden die Post-COVID-Symptome als sehr heterogen beschrieben und betreffen respiratorische, kardiovaskuläre, neurologische, psychische und/ oder muskuloskelettale Systeme. Aufgrund des häufig auftretenden Symptoms Fatigue wird diskutiert, dass durch SARS-CoV-2 ein chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) auslöst werden kann (Symptomdauer mind. 6 Monate)[7]. Diese komplexe Multisystemerkrankung ist durch eine geringe körperliche und psychische Belastbarkeit sowie Erschöpfungszustände gekennzeichnet, für die es pathophysiologisch bislang keine überzeugende Erklärung gibt. Obwohl diese Komplikationen vermehrt bei Risikopatienten zu beobachten sind, können schwere Symptome und Verläufe auch bei jungen Personen auftreten [8].

Die Symptomhäufigkeit, -intensität und -vielfalt der Post-COVID-Symptome machen deutlich, dass COVID-19-Erkrankte, insbesondere jene mit schwereren Verläufen, eine Nachsorge nach überstandener Akutphase benötigen, um die Langzeitfolgen der Erkrankung zu reduzieren.

Pulmonale Besonderheiten nach COVID-19

Von anderen aus der Coronavirus-Familie stammenden Infektionen wie z.B. Middle East respiratory syndrome coronavirus (MERS-CoV), die dem SARS-CoV-2 genetisch ähneln, ist bereits bekannt, dass sie pulmonale Komplikationen zur Folge haben können. Ein Drittel der MERS-CoV-Erkrankten zeigten 43 Tage nach Erkrankung CT-Abnormalitäten der Lunge, die als Lungenfibrosen beschrieben wurden [9]. Das Auftreten von Fibrosen korrelierte eng mit dem Schweregrad und der Dauer der akuten Erkrankung [10], [11]. Auch bei COVID-19 gibt es Hinweise darauf, dass das Risiko für die Entwicklung oder Exazerbation einer fibrosierenden Lungenerkrankung (unterschiedliche Pathologien wie organisierende Pneumonien, nicht-spezifische interstitielle Pneumonien (NSIP), gewöhnliche interstitielle Pneumonien (UIP)) erhöht ist [12]. Da pulmonale Fibrosen durch altersbedingte, proliferatorische Prozesse begünstigt werden und das Durchschnittsalter bei SARS-CoV-2-Infektionen höher ist als das bei MERS-CoV, scheint das Risiko für eine Lungenfibrose nach COVID-19-Erkrankung ebenfalls erhöht zu sein [13]. Übereinstimmend damit fand die CovILD-Studie 100 Tage nach Symptombeginn bei 21% der COVID-19-Patienten eine weiterhin eingeschränkte Lungenfunktion mit einer reduzierten Diffusionskapazität [14]. 63% der Patienten zeigten CT-Abnormalitäten der Lunge im Sinne bilateraler Milchglastrübungen und Retikulationen im unteren Lungenlappen, die durch Lungenfunktionsmessungen nicht ausreichend abgebildet wurden. Diese Lungenschäden können für Sportler und deren körperliche Belastbarkeit im Training eine besondere Relevanz darstellen. Hier können bereits leichte restriktive Veränderungen die maximale Ventilation einschränken und die Atemökonomie deutlich reduzieren. Der dadurch eingeschränkte Gasaustausch limitiert die körperliche Leistungsfähigkeit und kann langfristig zu einer erhöhten Rechtsherzbelastung führen. Diese respiratorischen Krankheitsfolgen können durch die Messung der Diffusionskapazität der Lunge für CO sowie eine Spiroergometrie mit Blutgasanalyse diagnostiziert werden [15].

Management der COVID-19-Folgen

Zur langfristigen Wiederherstellung des Gesundheitszustandes wird von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der European Respiratory Society (ERS) eine Rehabilitation nach COVID-19-Erkrankung empfohlen [1], [16]. Diese Maßnahme kann demnach zu unterschiedlichen Zeitpunkten begonnen werden [1]:

  • Frühe Rehabilitation bereits im Akutkrankenhaus

  • Anschlussheilbehandlung (AHB) als Direktverlegung aus dem Akutkrankenhaus

  • AHB nach vorübergehender häuslicher Entlassung

  • stationäre Behandlung nach gesundheitlicher Stabilisierung

Aufgrund der Komplexität der Krankheitsfolgen und häufig vorhandener Komorbiditäten ist ein stationäres Rehabilitationssetting von Vorteil, um eine permanente pneumologisch-internistische Supervision zu gewährleisten [17]. Bei frühzeitiger AHB kann der Verlauf noch komplikationsbehaftet sein und die Betroffenen benötigen intensive pflegerische und therapeutische Unterstützung. Patienten, die intensivmedizinisch betreut wurden, weisen bei Entlassung sehr häufig Restinfiltrate und/ oder fibrosierende/ interstitielle Veränderungen mit Störungen des Gasaustausches auf [12]. Insbesondere bei Patienten mit einer bereits vor der COVID-19-Erkrankung bestehenden pneumologischen Erkrankung konnte eine ausgeprägte respiratorische Insuffizienz beobachtet werden, die mittels Langzeitsauerstofftherapie (LTOT) oder nicht-invasiver Beatmung behandelt werden muss. Auch zuvor lungengesunde Patienten zeigen unter Belastung zum Teil Entsättigungen (SpO2  < 90%), die nicht mit einer reduzierten Oxygenierung in Ruhe, Dyspnoe oder Unwohlsein assoziiert sind [16]. Diese Gegebenheiten erfordern eine engmaschige Verlaufsbeobachtung mit Funktionsdiagnostik und bildgebenden Verfahren. Um diese pneumologischen Spätfolgen umfassend zu adressieren, empfehlen Carda et al. [18] und die ERS eine stationäre pneumologische Rehabilitation (PR), wie sie für Lungenfibrose-Patienten angeboten wird [19]. PR-Einrichtungen sind aufgrund ihrer Erfahrung mit chronisch Lungenerkrankten, die ebenfalls Abnormalitäten des Gasaustauschs zeigen, besonders gut für eine krankheitsspezifische Behandlung von COVID-19-Patienten ausgestattet. Der multimodale Ansatz berücksichtigt neben den pulmonalen Folgen auch weitere Komplikationen wie z.B. Critical Illness-Polyneurophathie und -Myopathie, Dysphagie, Dekubiti mit Wundheilungsstörungen, multiresistente Keime sowie kognitive und psychische Folgen. Voraussetzungen für die Durchführung einer Rehabilitation nach COVID-19 sind [1]:

  • Die Akutsymptomatik ist seit mind. 2 Tagen abgeklungen

  • Lunge (ausreichende Oxygenierung) und Kreislauf (keine dekompensierte Herzinsuffizienz) sind so stabil, dass eine Rückverlegung in ein Akutkrankenhaus nicht absehbar ist

  • Keine Direktverlegungen aus dem Intensivbereich in die Rehabilitationsklinik

  • Keine Infektiösität (aktuelle RKI-Kriterien)

Eine Indikation für eine PR besteht auf Grundlage der „International Classification of Functioning Disability, and Health (ICF)“ in Deutschland grundsätzlich dann, wenn durch eine chronische Erkrankung der Atmungsorgane beeinträchtigende körperliche oder psychosoziale Krankheitsfolgen persistieren, die alltagsrelevante Aktivitäten und die Teilhabe am privaten, öffentlichen und beruflichen Leben einschränken. Diese allgemeine Definition ist im IX. Sozialgesetzbuch verankert und bildet auch bei einem PR-Antrag für COVID-19-Patienten die Grundlage. Eine besondere Rehabilitationsbedürftigkeit weisen jene Patienten auf, die in der Akutphase mechanisch beatmet werden mussten (ca. 5-10% der hospitalisierten COVID-19 Patienten).

Evidenz für Pneumologische Rehabilitation nach COVID-19

Das übergeordnete Ziel der PR ist die Wiederherstellung und Sicherung der Teilhabe an Beruf und sozialem Alltag sowie der Erhalt der Selbstständigkeit nach überstandener COVID-19-Erkrankung. Speziell für COVID-19 bedeutet dies, dass die PR so ausgerichtet sein sollte, dass sie Symptome der Dyspnoe und psychologische Fehlbelastungen reduziert und die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbessert [20]. Insbesondere nach langem und komplikationsbehaftetem Krankenhausaufenthalt unterstützt die PR-Maßnahme die Patienten bei der Krankheitsverarbeitung auf psychischer Ebene.

Einige retrospektive Analysen haben bereits 2020 gezeigt, dass eine (cardio-) pulmonale Rehabilitation im Anschluss an eine COVID-19-Erkrankung machbar, sicher und effektiv ist [21], [22]. Neuere prospektive Studien, insbesondere aus Deutschland und der Schweiz bestätigen diese ersten Studiendaten [23]. In einer prospektiven Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe wurden 50 Patienten bei Rehabilitationsbeginn eingeschlossen, die nach einer milden bis schweren COVID-19 Erkrankung wieder genesen waren (n = 24: 178 Tage nach mildem/moderatem Verlauf, 52 Jahre, 6MWD: 509m; n = 26: 61 Tage nach schwerem/ kritischem Verlauf, 66 Jahre, 6MWD: 344m). Die Patienten waren durch eine reduzierte forcierte Vitalkapazität (FVC), 6-Minuten-Gehstrecke (6MWD) und Lebensqualität (SF-36 Score, mentaler Summenscore) gekennzeichnet. Durch eine 3- bis 5-wöchige stationäre multimodale PR konnten die körperliche Leistungsfähigkeit, Lungenfunktion (FVC) und die Lebensqualität signifikant verbessert werden. Dies galt im Hinblick auf die körperliche Leistungsfähigkeit und Lungenfunktion sowohl für Patienten mit leichten/moderaten (6MWD: + 48m, p < 0.001, FVC: + 7,7%, p > 0.01) als auch schweren/kritischen Verläufen (6MWD: + 124m, p < 0.001, FVC: + 11,3%, p < 0.001). Der PR-Erfolg war somit unabhängig von der Schwere der vorausgegangenen COVID-19-Erkrankung. Bedingt durch das Studiendesign sind die Verbesserungen im PR-Zeitraum nicht eindeutig von der regulären Genesung abzugrenzen.[23] Eine chinesische Veröffentlichung konnte jedoch bei dem Vergleich einer Rehabilitationsgruppe mit einer Kontrollgruppe ohne Rehabilitation einen signifikanten PR-Effekt auf die Lungenfunktion und die körperliche Leistungsfähigkeit (6-MWD) nachweisen, sodass von einem guten Effekt der PR nach COVID-19 ausgegangen werden kann [24]. Eine Studie aus der Schweiz beobachtete ähnliche PR-Erfolge an einem Kollektiv, das bei Aufnahme eine im Vergleich zur deutschen Studie stärker eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit aufwies. Diese Post-COVID-19-Patienten zeigten dementsprechend größere Anpassungen der 6MWD (+180m, p < 0,001) und darüber hinaus eine signifikante Verbesserung des Wohlbefindens (Feeling Thermometer) sowie in den vom Patienten selbst eingeschätzten Alltagsfähigkeiten (Functional Independence Measurement). Die verwendete Vergleichsgruppe chronisch Atemwegserkrankter zeigte beim Vergleich mit post-COVID-19 geringere PR-induzierte Verbesserungen. Dies bezog sich sowohl auf die körperliche Leistungsfähigkeit als auch auf das Wohlbefinden und die funktionelle Alltagsfähigkeit [25].

Eine weitere Untersuchung zur Wirkungsweise pneumologischer Rehabilitation bei post-COVID-19 stellte darüber hinaus fest, dass die bei einem überwiegenden Anteil der Patienten bei Rehabilitationsbeginn deutlich reduzierte Diffusionskapazität der Lunge durch eine 3- bis 5-wöchige stationäre PR um 20% verbessert werden konnte [26].

Besondere Inhalte der post-COVID-19-Rehabilitation

Neben der zu Rehabilitationsbeginn üblichen pneumologischen Diagnostik (Bodyplethysmographie, DLCO, Blutgasanalyse) sollten aufgrund möglicher kardiovaskulärer und thromboembolischer Komplikationen internistische Diagnostiken wie z.B. Elektrokardiographie, Echokardiographie (linksventrikuläre Pumpfunktion, Abklärung pulmonale Hypertonie), Röntgen der Thoraxorgane möglich sein. Ein unauffälliges Belastungs-EKG sollte die Voraussetzung für die erste Trainingseinheit während der Rehabilitation sein. Es muss desweiteren die Möglichkeit zur notfallmäßigen Labordiagnostik (z.B. zur Bestimmung von CRP, pro-BNP, D-Dimere, Troponin, Kreatinin, Elektrolyte, Hb) und zur Initialisierung oder Fortführung einer LTOT geben. Die Einstellung der LTOT sollte in Anlehnung an die aktuellen Guidelines für unterschiedliche Anforderungen (Ruhe, Belastung, Nacht) individuell titriert und differenziert werden [27].

Um die körperliche Leistungsfähigkeit und deren PR-induzierte Veränderungen zu evaluieren, eignen sich die in der PR üblicherweise bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen eingesetzten kardiopulmonalen Leistungstests wie der 6-Minuten Gehtest, der Endurance Shuttle Walk Test oder die Spiroergometrie [28]. Messungen der Sauerstoffsättigung oder Blutgasanalysen vor und nach den Tests ermöglichen eine Aussage über die Oxygenierung des Patienten in Ruhe und unter Belastung und ermöglichen bei Bedarf die Intitialisierung oder individuelle Anpassung einer LTOT. Zur Messung der Kraftleistung eignen sich isometrische Maximalkraftmessungen des M.quadriceps [28].

Die Hygiene-Maßnahmen richten sich nach den aktuellen Empfehlungen des RKI zu “Prävention und Management in Einrichtungen des Gesundheitswesens”. Zum Zeitpunkt des Rehabilitationsbeginns sollten die Patienten ausreichende Immunität besitzen und nicht mehr ansteckend sein. Eine in einigen Fällen in der PCR noch nachzuweisende Virus-RNA darf nicht mit einer infektiösen Viruslast gleichgesetzt werden [1].

Mögliche therapeutische Inhalte einer multimodalen Post-COVID-19-Rehabilitation sind in Tabelle 1 dargestellt. Im Hinblick auf das körperliche Training nach COVID-19-Erkrankung gibt es folgende Empfehlungen:

  • Bei sehr leichten Symptomen sollte inaktives Verhalten vermieden und leichte Aktivität durchgeführt werden (≤3MET (Metabolisches Äquivalent)). Wenn die Symptome sich verschlechtern, sollten die Erholungszeiten verlängert werden. Längere anstrengende Belastungen oder hohe Intensitäten sollen vermieden werden.

  • Bei starken Halsschmerzen, Gliederschmerzen, Kurzatmigkeit, allgemeiner Fatigue, Brustschmerzen, Husten oder Fieber sollten Trainingseinheiten von > 3MET für 2-3 Wochen nach Symptomende vermieden werden.

  • Nach leichter/ moderater COVID-19-Erkrankung sollte mit einer Woche Stretching (low-level) und einer leichten Muskelkräftigung begonnen werden, bevor kardiovaskuläre Einheiten durchgeführt werden

  • Bei vorangegangener Myokarditis sollte ein Training erst dann wieder stattfinden, wenn die linksventrikuläre systolische Funktion und Biomarker für Myokardschäden im Normalbereich sind und wenn keine relevanten Arrhytmien im 24h-EKG und bei der Leistungsdiagnostik nachweisbar sind. Bei Hochleistungssport sollte die ersten 2 Jahre ein regelmäßiges Re-Assessment stattfinden.

  • Für Sportler, die im Rahmen der SARS-CoV-2-Infektion an einer Pneumonie litten und weiterhin Symptome zeigen, wird eine Trainingskarenz für mind. 4 Wochen empfohlen (bei Myokarditis: 3 -6 Monate)[15], [29].

Tabelle 1.

Mögliche therapeutische Komponenten einer Post-COVID-19-Rehabilitation [1], [2], [3].

Komponenten Beschreibung
Medikamentöse Behandlung • Fortlaufende Anpassung der medikamentösen Therapie
• Optional: Anpassung/ Initialisierung einer Langzeitsauerstofftherapie



Ausdauertraining • Fahrradergometer/ Laufband
• Dauer: 10-20 Min.
• Intensität: 60-70% der Peak Work Rate (PWR), alternativ ein Intervalltraining bei 100% der PWR (30 Sek. Belastung vs. 30 Sek. Pause)
• Häufigkeit: 5 Tage/ Woche
• Zusätzlich 2x pro Woche: Nordic walking oder Aqua Fitness (à 30 Min.)
Inline graphic Kontrolle der Oxygenierung (Pulsoximetrie, Blutgase)



Krafttraining • Unterschiedliche Krafttrainingsgeräte
• Dauer: 3 Serien à 10-15 Wdh., ca. 30 Min. pro Session
• Intensität: Provokation einer momentanen, lokalen muskulären Ermüdung
• Häufigkeit: 5x pro Woche
• Optional: Ganzkörpervibrationstraining unter Beachtung der Kontraindikationen (Inline graphic thromboembolische Ereignisse) [4]



Atemphysiotherapie • Vermittlung unterschiedlicher Techniken wie Atemökonomisierung, Hustentechniken, Mucoziliäre Clearance, Bindegewebsmassage, muskelenergiesparende Techniken (2-4x pro Woche à 30 Min.)



Activities of daily living (ADL) • ADL-Übungen mit Kleingeräten (Gewichte, Theraband etc.) (4-5x pro Woche)
• Hirnleistungstraining (Gedächtnisleistung und Konzentration)
Optional: Behandlung neurologischer Störungen wie z.B. reduzierte motorische Fähigkeiten der Hände, Gangunsicherheit



Entspannung • Qi Gong oder progressive Muskelentspannung (2x pro Woche à 30 Min.)
Patientenschulung • Inhalte: COVID-19, aktiver Lebensstil, Ernährungsberatung (ggf. Nahrungsergänzungsmittel); optional: Raucherentwöhnung, Sauerstofftherapie (2x pro Woche)



Psychologischer Support • Krankheitsmanagement
• Coping Strategien
• Einzel- oder Gruppentherapie

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Als PR-Evaluation können allgemeine patient-reported outcomes (PRO) verwendet werden, wie sie z.B. für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen etabliert wurden (Lebensqualität, körperliche Leistungsfähigkeit, Symptome etc.). Darüber hinaus gibt es ein COVID-19 spezifisches Tool, das trotz der Heterogenität der Erkrankung und ihrer Folgen einfach und reproduzierbar ist. Die “Post COVID-19 functional status scale” (PCFS) bildet den Grad der Erholung nach COVID-19-Erkrankung ab, indem sie den Einfluss der Symptome auf den funktionellen Status des Patienten erhebt [30]. Die Skala ist geeignet, um den klinischen Verlauf der Symptome zu beobachten. Die Skala kann entweder vom Patienten selbst ausgefüllt oder in Form eines Interviews abgefragt werden. Wird sie vor und nach PR erhoben, bildet sie als COVID-19 spezifisches PRO den funktionellen Teil des individuellen PR-Erfolgs ab.

Fazit

Die Mehrheit der SARS-CoV-2-Infizierten, darunter auch Erkrankte mit leichten oder moderaten Krankheitsverläufen, leidet über den akuten Krankheitsverlauf hinaus unter länger anhaltenden Krankheitsfolgen, die den Alltag der Betroffenen einschränken. Die Nachsorge der COVID-19-Patienten durch eine stationäre pneumologische Rehabilitationsmaßnahme gewinnt an Bedeutung und verdeutlicht in ersten prospektiven Studien, dass adaptierte multimodale Programme die Limitationen von COVID-19-Patienten adressieren und positiv auf den Krankheitsverlauf einwirken. Es werden laufend neue Erkenntnisse hinzugewonnen, sodass die Inhalte dieses Artikels die tagesaktuelle Sicht widerspiegeln.

Interessenkonflikt

Die Autoren haben keinen Interessenkonflikt im Hinblick auf diesen Artikel.

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