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. 2021 Aug 6;22(4):11–12. [Article in German] doi: 10.1007/s15202-021-4731-5

Bewegungsstörungen: Was am meisten plagt

Thomas M Heim 1,
PMCID: PMC8325985

Nicht motorische Symptome wie Fatigue, Schlafstörungen oder Depressivität sind bei Bewegungsstörungen wie Parkinson-Krankheit und Dystonien häufig. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich, oft sogar mehr als die motorischen Defizite.

Fatigue ist ein häufiges und belastendes Symptom der Parkinson-Krankheit," erklärte Dr. Daniel van Wamelen, Parkinson Foundation Centre of Excellence, King's College Hospital, London. Trotzdem werde dieses Symptom in der Routineversorgung oft übersehen. Die Betroffenen erwähnten es van Wamelen zufolge in der Regel nicht von sich aus. Wichtig sei daher, gezielt danach zu fragen und es von anderen nicht motorischen Symptomen wie Schläfrigkeit oder Depression abzugrenzen, die zwar häufig mit Fatigue assoziiert seien, aber eine andere therapeutische Herangehensweise bräuchten. Wirksamkeitsbelege zur medikamentösen Behandlung Parkinson-assoziierter Fatigue lägen laut van Wamelen für Rotigotin, Rasagilin und Modafinil vor. Invasive Parkinson-Therapien wie die tiefe Hirnstimulation hätten sich ebenfalls als wirksam erwiesen. Zu anderen nicht medikamentösen Verfahren, etwa Bewegungs- einschließlich Tanztherapie, gebe es erste vorläufige Hinweise auf therapeutischen Nutzen.

Long-COVID bei Parkinson: Meist dominiert die Fatigue

Fatigue ist nach einer durchgemachten SARS-CoV2-Infektion ein häufiges Symptom. Van Wamelen zitierte eine internationale Onlinebefragung unter rund 3.700 von einer COVID-19-Erkrankung Betroffenen, deren Krankheitssymptome mindestens vier Wochen lang anhielten. Noch ein halbes Jahr später war Fatigue ein zentrales Symptom. Mehr als drei Viertel der Befragten waren davon betroffen [Davis HE et al. medRxiv 2020.12.24.20248802].

Zwei erste Fallserien mit insgesamt 37 an Parkinson- und COVID-19-Erkrankten bestätigen, dass Fatigue in dieser Konstellation als Symptom dominiert und im Verlauf der Infektion zunimmt. Mehr als 80 % der Betroffenen entwickelten ein Post-COVID-Syndrom, mit Fatigue als dem häufigsten nicht motorischen Symptom [Antonini A et al. Mov Disord 2020;35:905-8, Leta V et al. Mov Disord 2021;36:1287-9]. Weitere Studien müssten, so van Wamelen, nun zeigen, ob die in der Behandlung der Parkinson-Fatigue etablierten Therapien auch bei der Kombination Parkinson und COVID anschlagen.

Schlafstörungen als primäres Symptom einer Dystonie

Bei Dystonien, ob idiopathisch, Parkinson-bedingt oder anderer Ursache, sind nicht motorische Symptome oftmals diejenigen, die die Lebensqualität der Betroffenen am stärksten beeinträchtigen. Dr. Lisa Klingelhöfer, Spezialambulanz Bewegungsstörungen, Neurologie, Universität Dresden, berichtete aus einer deutschen Fallkontrollstudie mit 61 von idiopathischer zervikaler Dystonie Betroffenen [Klingelhoefer L et al. J Neural Transm 2021;128:305-14]. Die häufigsten nicht motorischen Symptome in dieser Kohorte waren Schmerz, Insomnie und Verlust von Selbstvertrauen aufgrund von Stigmatisierung. Vielfach betroffene Domänen im Dystonia Non-Motor Symptoms Questionnaire (DNMSQuest) waren unter anderem Fatigue/Schlafstörungen, Sensibilitätsstörungen/Schmerzen, Beeinträchtigungen bei Alltagsaktivitäten, Störungen des emotionalen Wohlbefindens, des Selbstwertgefühls und der Kognition (Abb. 1) [Klingelhoefer L et al. J Neural Transm 2021;128:305-14].

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Viele der genannten Beschwerden seien Folgen der motorischen Störung, führte Klingelhöfer aus. Manche könnten aber auch als primäre Symptome der Dystonie auftreten. Bei Schlafstörungen treffe das vermutlich zu. Dafür spreche die geringe Assoziation zur Schwere der motorischen Symptome, das Nichtansprechen auf die Botulinumtoxin-Therapie und auch die unabhängig von der motorischen Aktivität gestörte Schlafarchitektur.

Symptomspektrum bestimmt die Therapie

Klingelhöfer riet, bei Dystoniebetroffenen nicht motorische Symptome sorgfältig zu evaluieren, etwa mithilfe des DNMSQuest. Zwar gebe es zu vielen dystoniebegleitenden Beschwerden, etwa Schlafstörungen, noch keinen anerkannten Therapiestandard. Das individuelle Beschwerdespektrum weise aber oft den Weg zum Therapieerfolg. Beispielsweise gebe es vorläufige Hinweise, dass der kurzwirksame Benzodiazepinrezeptoragonist Zolpidem nicht nur Schlafstörungen, sondern auch die motorischen Symptome der Dystonie lindert [Badillo SPJ et al. Front Neurol 2019;10:779]. Zur Behandlung von Schlafstörungen bei Dystoniebetroffenen, die zu Angst und Depressivität neigten, empfahl Klingelhöfer wiederum einen Therapieversuch mit Mirtazapin.

7. Congress of the European Academy of Neurology, Case-based workshop CBW01 EAN/MDS-ES - The unknown that we should know, 19.6.2021


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