Wann wird es einen Impfstoff gegen HIV geben? Zur Zeit läuft eine Phase-III-Studie mit einer tetravalenten Vakzine, die offenbar eine gute Schutzwirkung bietet.
Versuche, einen Impfstoff gegen HIV zu entwickeln, sind bislang an der hohen Mutagenität des Lentivirus gescheitert. Derzeit läuft eine Phase-III-Studie mit einer tetravalenten Vakzine, die offenbar zu einer deutlich breiteren Immunantwort führt als bisher getestete Strategien. Die Vakzine basiert auf dem gleichen Adenovirus-Vektor (Ad26) wie ein bereits zugelassener Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Zu Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs liegt bereits eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-I/IIa-Studie vor, die Dr. Lindsay Baden und Kollegen an elf Zentren in den USA sowie einer weiteren Einrichtung in Ruanda (Ostafrika) durchgeführt haben [1].
An der Studie teilgenommen haben 201 HIV-negative Personen. 98% der Teilnehmer entwickelten nach der Impfung sowohl funktionale humorale als auch zelluläre Immunreaktionen gegen HIV-1. Das teilweise euphorische Echo in den sozialen Netzwerken ist jedoch nach Ansicht von HIV-Therapeuten verfrüht. So steht der Wirksamkeitsnachweis in Form eines Schutzes vor HIV-Infektion noch aus. Nach PD Dr. Christoph Spinner, München, müsste sich die neue Strategie auch erst als konkurrenzfähig zur bereits zugelassenen Präexpositionsprophylaxe (PrEP) erweisen.
1. Lancet HIV 2020; 7(10)e688-e698
