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. 2021 Oct 14;8(5):68–69. [Article in German] doi: 10.1007/s41964-021-0814-4

Besser gewappnet

Sabrina Zeike 4196470561001,, Holger Pfaff 4196470561002,
PMCID: PMC8514263

Für die Prävention etwa gegen Pandemien ist in Betrieben künftig die Förderung der Resilienz mitentscheidend. Wie krisenfest Unternehmen sind, offenbarte auch die Corona-Krise.

Die Corona-Krise hat auf allen Ebenen der Gesellschaft tiefgreifende Veränderungen ausgelöst. Doch sie ist nur eine der vielen Zeiterscheinungen, die in Unternehmen neue Krisen und weiteren Wandel auslösen können. Zu den anderen Erscheinungen, die gravierende Veränderungen in Unternehmen heraufbeschwören, zählen die Digitalisierung, die Globalisierung und der Klimawandel. Der Begriff Resilienz stammt vom lateinischen Wort "resilere" und steht für "zurückspringen" oder "abprallen".

Bei der Frage, warum manche Unternehmen besser durch die Krise kommen als andere, spielt das Thema der organisationalen Resilienz eine zentrale Rolle. Im Krisen-Management sollte es neben der Bewältigung aktueller Schieflagen darum gehen, sich bestmöglich auf künftige Kalamitäten vorzubereiten. Unternehmen sollten gezielt Resilienz-Faktoren stärken, um dies zu erreichen. Hierzu gilt es, verschiedene Ebenen zu beachten: die Resilienz des Individuums, des Teams und der Organisation als Ganzes.

Zur individuellen Resilienz: Sie umfasst die Widerstandsfähigkeit einer Person oder eines Individuums gegenüber belastenden Lebensumständen. Der Gegenbegriff zur Resilienz ist die Vulnerabilität, die Verwundbarkeit oder Verletzlichkeit. Resilienz wird aus diesem Grund auch oft als psychische Robustheit, Widerstandskraft oder Unverwundbarkeit bezeichnet.

Resiliente Teams reagieren sogar positiv auf Krisen

Zur Resilienz des Teams: Sie zeigt sich darin, dass Gruppen auf Krisen sogar positiv reagieren. Sie schaffen es, neben der Bewältigung der Routinearbeit auch Innovationen voranzutreiben. Resiliente Teams rücken in der Krise näher zusammen, während weniger resiliente Teams unter Druck zu zerfallen drohen. Es liegt nahe, dass die Resilienz der Gruppe auch von der ihrer einzelnen Mitglieder abhängt. Doch die Leistung eines Fußball-Teams ist auch nicht nur die Summe der Einzelleistungen aller Spieler. Zu den Faktoren, die die Leistung im Team wesentlich verbessern, zählt das im Team vorhandene Beziehungs- und Sozialkapital. Besonders hoch ist die Resilienz des Teams, wenn die Mitglieder sozial und emotional zusammenwachsen und eine handlungsfähige Einheit bilden. Konkret heißt das: Die Gruppe hat ein Wir-Gefühl entwickelt, verhält sich untereinander solidarisch und unterstützend, geht zielorientiert vor und zeigt sich anpassungsfähig. Resiliente Teams verfügen über eine hohe Vertrauenskultur und bilden gemeinsame Normen und Werte aus.

Zur Resilienz der Organisation: Sie umfasst nach der Definition von Prof. Erik Hollnagel aus dem Jahr 2019 vier Fähigkeiten: die Antizipation zukünftiger Entwicklungen (ability to anticipate), die Identifikation von gefährdenden Veränderungen außerhalb und innerhalb der Organisation (ability to monitor), die Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse (ability to respond) sowie die Fähigkeit, aus vorangegangenen Ereignissen zu lernen (ability to learn).

Vier Fähigkeiten für Unternehmen, um sich widerstandsfähig aufzustellen

Unternehmen, die sich diese vier Fähigkeiten aneignen können, haben bessere Chancen, eine Krise erfolgreich zu bewältigen, und sind künftig für Krisen besser gewappnet. Da Unternehmen Kollektive darstellen, ist davon auszugehen, dass sich die Resilienz eines Unternehmens aus der Summe der individuellen Resilienz und der Team-Resilienz ergibt. Teams sollten als soziale Systeme betrachtet werden. Es gibt Faktoren, die Unternehmen über die individuelle und Team-bezogene Resilienz hinaus widerstandsfähig machen. Dazu zählen Strukturen und Prozesse, die ein Unternehmen benötigt, um in Krisen handlungsfähig zu sein.

Für die erfolgreiche Bewältigung und Prävention von Krisen ist ein Ansatz auf allen drei Ebenen erforderlich. Zur Förderung der Individuen können Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung beitragen. Dabei sollte die Stärkung an der physischen und psychischen Gesundheit ansetzen. Dazu gehören konkret Maßnahmen zur gesunden Ernährung, zur Entfaltung körperlicher Aktivität oder zur Stärkung der mentalen Gesundheit wie Achtsamkeits-Trainings.

Seit der Covid-19-Pandemie haben Angebote zum gesunden Verhalten im Homeoffice an Bedeutung gewonnen. Die mentale Widerstandfähigkeit stärkt zudem eine gesundheitsfördernde Gestaltung der Arbeit selbst. Unternehmen können übrigens schon viel bewirken, wenn sie die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen durchführen.

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Zur erfolgreichen Krisenbewältigung sollten Teams die innere Geschlossenheit und den sozialen Zusammenhalt der Gruppe stärken. Dazu eignen sich Team-Entwicklungsmaßnahmen zur Stärkung des Team-Gedankens, des Wir-Gefühls, der Vertrauenskultur und des gemeinsamen Werteverständnisses. Darüber hinaus benötigen Teams zum Meistern von Krisen flexible Strukturen, in denen sie reagieren können. Genügend Ressourcen, um Ideen und Strategien umzusetzen, sind außerdem vonnöten. Gelerntes ist in einem strukturierten Wissens-Management festzuhalten.

Für die organisationale Resilienz besteht ein wichtiger strategischer Schritt darin, notwendige Strukturen und Prozesse zu schaffen, sodass Einzelne und Teams effizient auf veränderte Herausforderungen eingehen können. Krisenstäbe sind einzurichten, die über Entwicklungen informieren und Ressourcen zur erfolgreichen Krisenbewältigung bereitstellen.

Die wesentlichen strategischen Schritte zum Aufbau resilienter Unternehmen beschreibt Erik Hollnagel, der als führend auf dem Gebiet der kognitiven Systemtechnik gilt und sich unter anderem mit Mensch-Maschine-Systemen befasst, in seinem englischsprachigen Beirag "How resilient is your organisation?", der hier online verfügbar ist:

https://core.ac.uk/reader/47749630

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Das Autorenduo besteht aus den Gründern und Gesellschaftern der Vivalue Health Consulting GmbH, die Unternehmen dabei unterstützt, die Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit ihrer Beschäftigten langfristig zu verbessern und zu erhalten. Sabrina Zeike (im Bild oben) ist Vivalue-Geschäftsführerin, promovierte Gesundheitswissenschaftlerin und Expertin auf dem Gebiet der Personal- und Organisationsentwicklung.

Holger Pfaff (Foto unten) ist Professor der Universität Köln und lehrt Versorgungsforschung, Gesundheitswissenschaft und Organisationsentwicklung.

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Springer Professional.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Treier, M.: Betriebliches Gesundheitsmanagement 4.0 im digitalen Zeitalter, Wiesbaden 2021 www.springerprofessional.de/link/19296494

Pfaff, H., Zeike, S.: Controlling im betrieblichen Gesundheitsmanagement, Wiesbaden 2019 www.springerprofessional.de/link/17555120

Contributor Information

Sabrina Zeike, Email: thorsten.garber@springernature.com.

Holger Pfaff, Email: thorsten.garber@springernature.com.


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