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. 2021 Oct 19;69(10):808–809. [Article in German] doi: 10.1007/s15011-021-4764-2

"Vertragsärzte werden sich den Aufgaben stellen"

Gesundheitskongress liefert Impulse für die Zukunft

Anna Riehl 1,
PMCID: PMC8515326

KÖLN - Unter dem Motto "System am Limit - Wie sieht der Weg in die Zukunft aus?" diskutierten Experten aus Politik, Gesundheitswesen und Wirtschaft beim Gesundheitskongress des Westens Erfahrungen aus der Pandemie und zeigten mögliche Wege für die zukünftige Entwicklung des Gesundheitssystems.

Bei aller Detailkritik an vie- len einzelnen Punkten ist Deutschland insgesamt bisher gut durch die Pandemie gekommen. Einen großen An- teil daran, trägt die ambulante Versorgung. Damit zeigte die Krise, welchen enormen Wert ein leistungsfähiges Gesundheitssystem hat. Seit Beginn der Pandemie bis zum 2. Januar 2021 gab es in Deutschland 1,755 Millionen laborbestätigte COVID-19-Fälle. Von allen zu behandelnden Patienten benötigten lediglich 4,4 % eine Krankenhausbehandlung. Der große Teil der Patienten wurde ambulant versorgt. Das geht aus Zahlen hervor, die Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried vorstellte. Zu Beginn der Pandemie wurden 86 % in den vertragsärztlichen Praxen behandelt, aktuell sind es 96 % der COVID-19-Fälle.

Künftig gehe es nun um die Koordinierung der Impfungen - Auffrischimpfungen müssen von den Grippeimpfungen abgegrenzt, aber auch die noch über 20 Millionen ungeimpften Bürger müssen in die Impfkampagne einbezogen werden. Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, sieht auch hier die Vertragsärzte als wichtigste Stütze. "Die Praxen in der Regelversorgung haben gezeigt, dass sie sich trotz Mehrarbeit dieser Aufgaben stellen wollten, gestellt haben und auch weiterhin stellen werden", so Spelmeyer.

Studien zeigen, dass sich der größte Teil der nicht geimpften Personen aus zwei Gründen nicht impfen lasse. Zum einen gebe es eine Skepsis an der Sicherheit des Impfstoffes. Diese Personen haben Angst vor möglichen Neben- und Langzeitwirkungen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die individuelle Risikoabwägung. Vor allem jüngere Bürger stellten die Frage, ob die Erkrankung ein so hohes Risiko darstelle, dass die Vorteile einer Impfung überwiegen.

Um in diesen Fällen den Bürgern zu einer Entscheidung zu verhelfen, muss sich die Informationslage verbessern. Von Stillfried sieht hierzu ebenso die besten Chancen im persönlichen Arztgespräch. "95 % der gesetzlich Versicherten haben wenigstens einmal im Jahr Kontakt mit einem Vertragsarzt. Hier gibt es die Möglichkeit, in einem ärzt- lichen Gespräch auf die individuelle Risikoabwägung vor dem Hintergrund der persönlichen Krankheitssituation beratend einzuwirken."

Einen großen Schub in der Pandemie bekam auch das Thema Digitalisierung. Welche positive Wirkung der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu erwarten ist, zeigte unter anderem Prof. Petra Thürmann, Leiterin des Helios Center for Research and Innovations. In ihrem Vortrag mit dem Titel "Daten teilen heißt besser heilen" betonte sie: "Digitalisierung ist kein Mittel zum Selbstzweck, es geht nicht darum, Start-up-Companys reich zu machen." Das Ziel sei vielmehr eine bessere Gesundheitsversorgung mit dem Patientenwohl als obersten Zweck.

Dazu müssen laut Thürmann Daten systematisch erfasst werden, die nicht nur für den aktuellen Patienten, sondern auch für zukünftige Patienten zur Verfügung stehen. Chancen hierzu biete die ePA. Dabei liegen die Vorteile für den Patienten in einer besseren Gesundheitsversorgung durch zeitnahe und vollständige Informationen aller Leistungserbringer. Leistungserbringer können dementsprechend durch Vorliegen aller relevanten Informationen eine adäquate Behandlung einleiten oder chronisch und schwer Erkrankte einfacher in den Praxen koordinieren. Weiterhin würde die Gesellschaft von der Möglichkeit einer breiten und aktuellen Versorgungsforschung und Echtzeitanalysen profitieren. Hierzu müsse eine systematische wissenschaftliche Auswertung der Daten stattfinden, und das unter Berücksichtigung des Datenschutzes.

Daneben ist für Dr. Franz M.J. Pfister, CEO bei Digital Helix, Datennutzung das Fundament für den erfolgreichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin. "Wir brauchen Daten, um Algorithmen zu erstellen und die KI zu trainieren", so Pfister. Heutzutage würden acht von zehn der über 65-Jährigen an mindestens einer chronischen Erkrankung leiden. Hier stellen Pfister zufolge Daten einen Schlüsselfaktor dar, da sie erstmalig im Bereich der chronischen Erkrankungen eine kontinuierliche Diagnostik ermöglichen. Dazu dienen sogenannte digitale Biomarker, etwa in Form von kontinuierlichem Symptom-Monitoring.


Articles from Der Deutsche Dermatologe are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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