COVID-19 bleibt eine heimtückische Krankheit, die nicht nur bei älteren und chronisch kranken Menschen tödlich verlaufen kann. Trotz medizinischer Fortschritte sind die Möglichkeiten der Therapie begrenzt. Prävention ist weiter die wirksamste und wichtigste Maßnahme, wie beim DGIM-Talk betont worden ist.
"Impfen bleibt der Königsweg aus der Pandemie": Da waren sich die diskutierenden Ärzte und Ärztinnen beim DGIM-Talk der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) einig. Denn eine richtig gute Therapie gibt es bisher nicht, sagte Prof. Christoph Lübbert, Leipzig, und zeigte Möglichkeiten und Schwachstellen der Behandlung auf.

Die Medikation bei COVID-19 hängt vom Stadium der Erkrankung ab. In der Frühphase mit dominierender Atemwegsinfektion habe man mit monoklonalen Antikörper-Präparaten inzwischen relativ wirksame Medikamente, um schwere Verläufe zu verhindern.
"Antikörper-Präparate besser nutzen!"
Lübbert ermutigte Ärzte, solche Präparate verstärkt einzusetzen: Von den vom Bundesgesundheitsministerium im Frühjahr beschafften 200.000 Einheiten seien bisher nur etwa 3.000 abgerufen worden. Eine Alternative in frühen Krankheitsphasen ist Remdesivir, das allerdings nach Studiendaten nur die Klinikaufenthalte verkürzt, aber nicht die Sterberate senkt.
In der späten Krankheitsphase mit überschießender Immunreaktion kommt Dexamethason zum Einsatz, mit dem sich die Sterberate auf der Intensivstation um 40% senken lässt. Als weitere Medikamente in dieser Phase werden IL-6- und JAK-Inhibitoren eingesetzt. Hinzu kommt in allen Krankheitsphasen die Antikoagulation mit Niedermolekularem Heparin.
Trotz all dieser Maßnahmen bleibt die Sterberate bei schweren COVID-Verläufen weiterhin hoch. Die große Unsicherheit, angesichts nicht belegter Therapien das Richtige zu tun, zeigt das Beispiel von Ex-US-Präsident Donald Trump. Dieser war mit Remdesivir sowie mit dem Antikörper-Cocktail Casirivimab/Imdevimab und kurzfristig auch mit Sauerstoff behandelt worden. Zusätzlich habe er aber viele Substanzen ohne Wirksamkeitsbelege erhalten: den Säureblocker Famotidin, Vitamin C, Zink, ASS und Melatonin.
Keine gesicherten Therapien gegen Long-COVID
Der Arzt wies auch auf die bisher geringen Möglichkeiten hin, gegen die Spätfolgen der Krankheit wie Fatigue und Muskelschwäche vorzugehen. Von Long-COVID geht man aus, wenn die Symptome mindestens acht Wochen nach Krankheitsbeginn anhalten.
Beobachtet werde die Bildung von Autoantikörpern gegen Interferone, was die Immunabwehr schwächt. Eine Therapie gegen schwere Long-COVID gibt es bisher nicht, lediglich eine stationäre Reha sei denkbar.
All diese Probleme lassen sich in der großen Mehrheit der Fälle durch Prävention mit Abstandsregeln, Masken und Impfschutz verhindern. Davon müssen mehr Menschen in Deutschland überzeugt werden. Nur bei ganz wenigen Patienten ist dabei die Impfung gegen COVID-19 kontraindiziert, wie Prof. Ulf Müller-Ladner, Bad Nauheim, betonte: Dazu gehören Menschen mit ausgeprägter Immunschwäche oder Patienten nach Organtransplantation.
Eine laufende immunsuppressive Therapie bei Rheuma sei kein Argument gegen eine Impfung. Handlungsempfehlungen, wie sich Immunsuppressiva dabei am besten mit Impfungen abstimmen lassen, hat die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie zusammengestellt [1].
1. Zschr Rheumatol 2021; online 26. Juli
