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. 2021 Oct 20;33(5):76–77. [Article in German] doi: 10.1007/s15014-021-3853-8

Es fehlen Arzneien, Betten und Geräte

Miriam Sonnet 1,
PMCID: PMC8520767

Laos ist von Armut geprägt. Entsprechend schlecht steht es um die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Gerade im pädiatrischen Bereich fehlt es an allen Ecken und Enden. Ein Bamberger Ärztepaar legte 2003 den Grundstein, die größte Not zu lindern.

Der Ursprung des kleinen ehrenamtlichen Vereins Kinder- und Medizinhilfe Laos e.V. liegt im Jahr 2003: Damals war Professor Volker Schöffl, Chirurg am Klinikum Bamberg, auf einer Klettertour in Südostasien unterwegs. Seine Route führte ihn auch an einer Klinik vorbei. Kurzerhand fragte er, ob die Ärzte dort Unterstützung benötigen. Seitdem fährt er jedes Jahr nach Laos, um medizinische Hilfe im Krankenhaus von Thakhek, der Provinzhauptstadt von Khamouane, zu leisten. Seit einigen Jahren unterstützt ihn dabei seine Frau Dr. Dr. Isabelle Schöffl, die sich hauptsächlich um die Versorgung von Säuglingen und jungen Patienten kümmert.

Laos gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, die Mehrheit der Bevölkerung lebt an oder unterhalb der Armutsgrenze. Vor allem die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen ist katastrophal. Es gibt nur wenige Krankenstationen, für die die Menschen lange Anreisewege in Kauf nehmen müssen. Zudem fehlt es an medizinischen Gerätschaften und qualifiziertem Personal. Meist ist nur eine Grundausstattung vorhanden und die Ärzte, vor allem Pädiater, sind sehr schlecht ausgebildet.

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Strohmatten vor der Klinik statt Krankenbett

Das Krankenhaus in Thakhek verfügt über insgesamt 100 Betten. Davon sind zehn für Kinder und vier für Säuglinge reserviert. Bei Dengue-Fieber-Ausbrüchen kann es passieren, dass 50 oder mehr Patienten auf einmal in das Krankenhaus kommen. Dann liegen die Patienten teilweise auf der Wiese vor der Krankenstation auf selbst mitgebrachten Strohmatten. Kinder können zwar meist erstversorgt, wenn nötig auch operiert und im Krankenhaus behandelt werden; für die Weiterbehandlung fehlt es dann aber an allen Ecken und Enden: Die Familie ist für die Pflege im Krankenhaus zuständig und muss diese selbst finanzieren. Eine Weiterbetreuung außerhalb vom Krankenhaus ist fast unmöglich. Chronisch kranke Kinder sind daher besonders bedroht.

Die wichtigsten Geräte endlich vorhanden

Am häufigsten sehen sich die Ärzte mit Infektionskrankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber und den auch hierzulande bekannten Infekten konfrontiert, die meist auch gut behandelt werden können. Es gibt eine Grundausstattung an Antibiotika und Infusionslösungen. Darüber hinaus ist die Palette an Medikamenten im Vergleich zu Deutschland aber stark eingeschränkt. Manche Medikamente gibt es überhaupt nicht. Zu früh geborene Kinder überleben oftmals nicht, da es an Beatmungsgeräten oder speziellen Medikamenten fehlt. Durch die Arbeit des Vereins hat sich aber einiges verbessert: Mittlerweile gibt es ein Durchleuchtungsgerät im OP, wichtige unfallchirurgische Materialien und ein Sonografiegerät für die Pädiatrie sowie ein erstes Beatmungsgerät für Säuglinge.

Wie bei vielen anderen Hilfsorganisationen verschärfte sich die Lage durch die COVID-19-Pandemie. Im vergangenen Jahr konnten die Schöffls nicht nach Laos reisen. Sie planen dies aber für Frühjahr 2022, sofern es die Lage zulässt. Problematisch ist weiterhin die Lieferung von Gütern nach Laos: Kürzlich wurde ein Container mit medizinischen Gerätschaften verschickt, der in Thailand hängen blieb. Die Hoffnung ist, dass sich alles bald normalisiert und die ehrenamtliche Hilfe wie gewohnt weiter gehen kann. Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten

So können Sie helfen.

Die regelmäßigen Besuche in Laos finanzieren die Helfer aus eigener Tasche. Alle Spendengelder werden daher nur für die medizinische Unterstützung vor Ort eingesetzt.

Spenden sind auf dieses Konto möglich:

IBAN: DE19 2905 0101 0012 4826 26

BIC: SBREDE22XXX (Sparkasse Bremen)

Verwendungszweck: "Kinder- und Medizinhilfe Laos"

Der Verein nimmt auch Sachspenden an - von Op-Tischen über Ultraschallgeräte bis hin zu Orthesen und Rollstühlen wird alles benötigt. Diese können im Klinikum Bamberg abgegeben werden, der Verein organisiert aber auch eine Abholung.

Besonders freut sich der Verein auch über die ehrenamtliche Mithilfe von Ärzten, die für ein paar Wochen in Laos mitarbeiten möchten. Bei Interesse nehmen Sie Kontakt auf über: info@medizinhilfe-laos.com

"Jeder Tag ist eine Überraschung".

Gemeinsam mit ihrem Mann fährt Dr. Dr. Isabelle Schöffl einmal im Jahr nach Laos. Sie behandelt dort täglich zahlreiche Kinder und Säuglinge. Im Interview berichtet sie über die Besonderheiten, die ihr während ihrer Einsätze begegnen.

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Mit welchen Herausforderungen sind Sie in Laos konfrontiert?

Dr. Dr. Isabelle Schöffl: Das medizinische Wissen der meisten Kinderärzte ist sehr dürftig. Sie haben zwar eine sechsjährige medizinische Ausbildung, erlernen die Besonderheiten der Pädiatrie aber in nur wenigen Monaten. Den Pflegern müssen wir teilweise beibringen, wie Reanimationen funktionieren. Die Ausstattung im Krankenhaus ist schlecht und die Arbeitsbedingungen für Ärzte und Pfleger sind mehr als schwierig. Umgerechnet bekommt ein Arzt gerade einmal 100 € im Monat. Die meisten verdienen sich zusätzliches Geld. Eine Kardiologin verkauft etwa gegenüber des Krankenhauses in der Mittagspause Nudelsuppe. Diese Armut führt zu Korruption.

Gibt es Besonderheiten im Umgang mit den Patienten?

Schöffl: Ja, definitiv. In der laotischen Bevölkerung ist der Glaube an die Naturmedizin groß und Wunderheiler praktizieren oft traditionelle Medizin. Dagegen anzukommen ist nicht leicht. Außerdem sind die Familien der festen Überzeugung, dass der Mann die Geburt seines Kindes bewältigen muss. Die Geburt findet meist zu Hause in einer Hütte statt, die Familie ist dabei, aber keiner weiß, was passiert. Die Neugeborenen sind häufig unterkühlt und kommen dann in einem sehr schlechten Zustand ins Krankenhaus. Manche schaffen es nicht. Schwierig ist für uns auch, dass die Familie des Patienten über seine Behandlung entscheidet. Selbst bei einer dringend notwendigen Operation muss erst das Familienoberhaupt befragt werden - lehnt es ab, kann die Operation nicht stattfinden. Bei kleinen Kindern ist das besonders schwerwiegend: Nur Vater und Großeltern begleiten das Kind ins Krankenhaus - mit der Mutter fehlt die Bezugsperson. Man muss aber dazu sagen, dass trotz allem Männer und Frauen in Laos gleichberechtigt sind.

Welche weiteren Probleme haben Sie in Laos beobachtet?

Schöffl: Ein Problem ist sicherlich der Einfluss der westlichen Welt. Ein Beispiel: Laotische Eltern sehen in der westlichen Werbung, dass Kinder Milch trinken. Sie glauben, dass das gut ist und geben ihren Kindern dann ausschließlich Milch - die laotischen Kinder vertragen das aber noch weniger als die Kinder hierzulande. Häufig leiden die Kleinsten auch unter Vitaminmangel, da sie von ihren Eltern nur Reis bekommen. Sie halten Gemüse für ungesund, weil es am Fluss angebaut wird. Durch den westlichen Einfluss entstehen auch Allergien, die es vorher nicht gab.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie während der Therapien konfrontiert?

Schöffl: Verbrennungen waren bislang eine große Herausforderung: Wir mussten für Hauttransplantationen auf Rasierklingen zurückgreifen, um möglichst dünne Schichten zu gewinnen. Mittlerweile haben wir ein Dermatom - was aber Strom benötigt, der nicht immer vorhanden ist. Auch gab es Tage, an denen wir kein fließendes Wasser im Op hatten. Wir mussten uns dann mit Wassern aus Kanistern behelfen. Viele Diabetiker können ihr Insulin zu Hause nicht kühlen und daher auch nicht nehmen. Zudem können wir nicht mit Prothesen arbeiten, weil es schlichtweg keine gibt. Viele Therapien, die in Deutschland alltäglich sind, sind in Laos nicht möglich.

Wie sieht ein typischer Tag aus, wenn Sie in Laos sind?

Schöffl: Jeder Tag in Laos ist eine Überraschung. Eine gewisse Routine gibt es aber: Morgens findet eine Besprechung statt, bei der der Nachtdienst an den Frühdienst übergibt. Dann gehe ich zur Visite auf die Neugeborenenstation und anschließend in die Pädiatrie. Man wird dabei aber häufig von Notfällen unterbrochen. An manchen Tagen bin ich bis 22 Uhr im Krankenhaus, an anderen wiederum nur bis 12 Uhr mittags.

Was nehmen Sie aus Ihrer Arbeit in Laos mit?

Schöffl: Ich kann mit meiner Arbeit in Laos nicht das Land retten oder das Gesundheitssystem ändern - das ist mir durchaus bewusst. Mir geht es darum, meinen Patienten zu helfen. Und das ist für mich völlig in Ordnung. Ich lerne jeden Tag sehr viel und sehe Krankheiten, mit denen ich in Deutschland nie in Berührung gekommen wäre.

Interview: Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten


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