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. 2021 Nov 19;23(11):38. [Article in German] doi: 10.1007/s15005-021-2143-x

Anhebung des Uratserumspiegels verzögert die Progression der Parkinson-Krankheit nicht

Günther Deuschl 1,
PMCID: PMC8601772

Fragestellung: Führt eine kontrollierte Erhöhung des Serumspiegels von Urat (Harnsäure), einem natürlich vorkommenden Antioxidans, mit dem Urat-Precursor Inosin, einem Nahrungsergänzungsmittel, zu einer Progressionsverlangsamung der Parkinson-Krankheit?

Hintergrund: Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass bei der frühen Parkinson-Krankheit diejenigen Patienten, die höhere Uratspiegel aufweisen, eine langsamere Krankheitsprogression haben.

Patienten und Methodik: In die Studie wurden De-novo-Patienten mit einer Parkinson-Krankheit eingeschlossen, wenn ihr Ausgangsuratspiegel < 5,8 mg/dl lag (Median der Normalpopulation). Weiterhin wurde ein pathologischer Dat-Scan gefordert. Die Patienten wurden 1 : 1 zu Placebo oder Inosin (3 × 500 mg täglich) randomisiert. Verblindet für den Untersucher wurde der Serumuratspiegel durch Inosin-Dosisanpassungen auf 7,1-8,0 mg/dl angehoben.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 298 Patienten randomisiert. Die Uratanhebung in der Inosingruppe war um 2,03 mg/dl höher als in der Placebogruppe. Die klinische Progression unterschied sich in den beiden Gruppen nicht. Auch keiner der zahlreichen sekundären Outcome-Parameter war signifikant unterschiedlich (u. a. UPDRS-Subscores, Behinderungsindex). Patienten in der Inosingruppe hatten weniger Nebenwirkungen, aber mehr Nierensteine (7,0 vs. 1,4 pro 100 Patientenjahre). Die striatale Rezeptordichte (DatScan) war nach 22 Monaten nicht unterschiedlich.

Schlussfolgerung: Die Gabe von Inosin in einer wirksamen Dosis kann die Progression der Parkinson-Krankheit nicht verzögern.

The Parkinson Study Group SURE-PD3 Investigators. Effect of urate-elevating inosine on early parkinson disease progression: The SURE-PD3 randomized clinical trial. JAMA 2021; 326: 926-39

Kommentar von Günther Deuschl, Kiel.

Eine wichtige Studie mit negativem Ergebnis

Die Suche nach möglicherweise nebenwirkungsarmen Substanzen oder Nahrungsergänzungsstoffen zur Progressionsverlangsamung hat mit dieser Studie ein weiteres negatives Ergebnis erbracht. Die Hoffnung war groß, dass die Uratanhebung eine Verzögerung induzieren könnte, nachdem Beobachtungsstudien sogar eine blutspiegelabhängige langsamere Progression bei höheren Uratspiegeln zeigten. Die Studie ist methodisch exzellent durchgeführt. Es wurden nur sichere De-novo-Patienten eingeschlossen, da ein positiver DatScan Einschlusskriterium war. Es wurden nur Patienten mit niedrigem Uratspiegel (kleiner als der mediane Uratspiegel der Normalbevölkerung) eingeschlossen und die Uratspiegel wurden in Bereiche angehoben, die in den Beobachtungsstudien mit langsamerer Progression verbunden waren (81 % > 7,1 mg/dl). Auch die Outcome-Parameter waren sinnvoll ausgewählt, da nicht nur klinische Kenngrößen, sondern sogar eine DatScan-Kontrolle am Studienende hinzugenommen wurde. Daher ist das Ergebnis trotz einer vergleichsweise geringen Patientenzahl aussagekräftig.

Mit diesem Ergebnis wird die Reihe von Substanzen erweitert, die NICHT zu einer Progressionsverlangsamung führen. Dazu zählen unter den Nahrungsergänzungsstoffen Coenzym Q (Atmungskette), Creatin (mitochondrialer Energielieferant), Inosin (Antioxidans) und die Medikamente Rasagilin (MAO-B-Hemmer), Pramipexol (Dopaminagonist), Pioglitazon (Insulinrezeptorempfindlichkeit) und Isradipin (Kalziumkanalblocker). Diese Studien sind von größter Bedeutung und werden zukünftig um weitere Kandidatensubstanzen ergänzt, da auf diese Weise eine mögliche Progressionsverlangsamung geprüft werden kann. Negative Ergebnisse ersparen Patienten die unnötige Einnahme von Substanzen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Günther Deuschl, Kiel.

Senior-Professor, Neurologische Klinik UKSH, Kiel, Christian-Albrechts Universität

E-Mail: g.deuschl@neurologie.uni-kiel.de

SpringerMedizin.de.

Parkinson-Therapie in der Pandemie

Der Artikel fasst Risikofaktoren für Parkinson-Patienten mit COVID-19, Behandlungsbeschränkungen und Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zusammen. Sie finden ihn unter https://go.sn.pub/5dCYwD


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