Reform der Notfallversorgung .
Im November fand die 16. Jahrestagung Deutsche Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) e.V. in Kassel statt. In etwa 50 Veranstaltungen präsentierten knapp 100 Referentinnen und Referenten neueste wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die leitliniengerechte Versorgung kritisch Kranker oder Verletzter in den interdisziplinären Notaufnahmen. "Eine Reform ist überfällig, um die Bedingungen für die Mitarbeiter*innen, aber auch für die Patient*innen zu verbessern", sagte Prof. Christian Wrede, Vizepräsident der DGINA. Unter der Federführung von Wrede hat die DGINA ein Positionspapier zur Zukunft der Notfallversorgung verfasst. "Von der vierten Welle der Covid-Pandemie sind auch die Notaufnahmen und nicht-infizierte Notfallpatienten betroffen", warnt DGINA-Präsident Martin Pin. "Bei einer Überlastung der Intensivstationen müssen kritisch Kranke über längere Zeiträume in den Notaufnahmen intensivmedizinisch versorgt werden." Dadurch komme es in einzelnen Notaufnahmen immer wieder zu Kapazitätsengpässen - die Krankenhäuser können dann vorübergehend vom Rettungsdienst nicht mehr angefahren werden bzw. es kommt vermehrt zu Akut- oder Zwangsbelegungen durch den Rettungsdienst.
Schutz vor Überlastung.
Krankenhausträger, Ärzteschaft, Pflegende und Medizinische Fachangestellte sehen die rasante Ausbreitung des Corona-Virus in Deutschland mit großer Sorge. Die mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes vorgesehenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind richtig, sie reichen aber nicht aus, um der drohenden Überlastung des Gesundheitswesens entgegenzuwirken.
Forderungen: Für den Zugang zu Angeboten des öffentlichen Lebens sind bundesweit und einheitlich 2-G-Regelungen als zwingende Zutrittsvoraussetzungen zu etablieren und wirksam zu kontrollieren. Für Aktivitäten mit besonders hohem Infektionsrisiko, vor allem in Regionen mit hohen Infektionsraten, sollten Antigen-Schnelltests zusätzlich zur 2-G-Regelung (2-G+) obligatorisch werden. Das Vorhaben der Bundesregierung, eine allgemeine und für die Arbeitgeber durchsetzbare 3-G-Regel am Arbeitsplatz einzuführen, wird ausdrücklich unterstützt.
Außerdem wird die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates begrüßt, in der er die Bundesregierung auffordert, kurzfristig die Einführung einer berufsbezogenen Impfpflicht zum Schutz besonders vulnerabler Menschen in Einrichtungen des Gesundheitswesens zu prüfen. Die Unterzeichner appellieren dringend an alle Bürgerinnen und Bürger, sich impfen zu lassen. Damit schütze man sich und seine Kontaktpersonen und trage aktiv dazu bei, die drohende Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden.

Erneute Coronaprämie.
Die Landesregierung wird allen Pflegekräften in Baden-Württemberg, die aktuell und in den nächsten Wochen zur Bekämpfung der vierten Corona-Welle auf den Intensivstationen im Einsatz sind, eine Prämie in Höhe von bis zu 1.500 Euro zahlen. Eine entsprechende Vorlage der Häuser von Gesundheitsminister Manne Lucha und Finanzminister Dr. Danyal Bayaz wurde vom Ministerrat gebilligt. Die Kosten für die Prämienzahlung liegen je nach Auslastung der Intensivbetten zwischen 8,5 bis 12 Millionen Euro.
4-Punkte-Papier.
Der Deutsche Pflegerat fordert in einem 4-Punkte-Papier sofortige Maßnahmen zur Behebung des Personalmangels in der Pflege.
Erstens müssen die professionell Pflegenden, die direkt an den Patient*innen und Pflegebedürftigen arbeiten, rückwirkend für das Jahr 2021 bis zum Ende des Pflegenotstands wesentliche Steuervergünstigungen in Form eines Steuerfreibetrags von jährlich 18.000 Euro erhalten.
Zweitens benötigt der Pflege- und Gesundheitsbereich im Sinne einer wirksamen Work-Life-Balance und einer personalorientierten Wertschätzung neue Instrumente einer gerechten und zugleich refinanzierten Lohn- und Zuschlagsfindung.
Drittens ist der Gesetzgeber gefordert, für innovative Projekte, deren Löhne deutlich über bestehende Tarifverträge hinausgehen, die Finanzierung sicherzustellen.
Viertens müssen bereits bestehende Personalbemessungsinstrumente im Krankenhausbereich und in der Langzeitpflege sofort vollumfänglich umgesetzt werden.
SAT 1 und die "Herzblut-Aufgabe".
David Kögler, Pflegerische Stationsleitung Neurologie und Stroke Unit Charité Mitte und Masterstudent:

Als ich das erste Mal von dem Konzept gehört habe, Promi-Praktikanten für eine TV-Reportage-Reihe in der Pflege arbeiten zu lassen, war ich instinktiv skeptisch dem Format gegenüber. Trotzdem war mir klar, welche Möglichkeiten durch die Reichweite des Senders aus einer gelungenen Darstellung für den Pflegeberuf hervorgehen können. So könnte dieses Format auch einen Werbeeffekt haben.
Ich war positiv überrascht, dass die Teilnehmenden in einem "Crashkurs" die nötigsten Basics für die Pflege wie Hygiene, Vitalzeichenkontrolle, Grundpflege und Reanimation gezeigt bekamen. Diese wurden sogar in einer Art "Miniexamen" überprüft. Danach wurden die Teilnehmenden auf die Stationen der Helios Klinik Berlin Buch verteilt. Zusätzlich wurden ihnen auf den Stationen "Praxisanleitende" zugeteilt. Die Art der Praxisanleitung ist auch realistisch. Nichts desto trotz sind auch die gezeigten Situationen wie Übergabe, Pausen im Team oder Gespräche mit zu Versorgenden in der Regel eine realistische Darstellung des pflegerischen Arbeitsalltags und wirken selten gestellt oder künstlich. Die Länge des Praktikums von vier Wochen in allen drei Schichten macht mir Hoffnung auf eine realistische Darstellung des Pflegeberufes. Den Verantwortlichen ist sehr gut gelungen, die Teilnehmenden in für ihren Typ passende Bereiche zu "stecken". Auch finde ich die Wahl der Teilnehmenden gelungen, da alle auch die notwendigen sozialen Kompetenzen für den Pflegeberuf besitzen. Dies hilft sehr dabei, eine realistische Darstellung des Pflegeberufes zu erzielen. Somit könnte es dem Format gelungen sein, Werbung für die Profession zu machen.
Katrin Köhler, Pflegelehrerin an der BAWI Fach- und Berufsfachschulen, Masterstu-dierende an der BTU:

Zuallererst freute ich mich auf diese Reportage. Doch schnell regte sich in mir Unmut. Die Pflege als Spielwiese für Promis darzustellen und es so zu verkaufen, als ginge es um die Wertschätzung für die Profession Pflege ist doch ein Vorwand des Senders, höhere Zuschauerquoten zu erreichen.
Zwar werden die regulären Arbeitsabläufe wie das "Messen der Vitalparameter" oder das "Behilflich sein beim Waschen" als die Routineaufgaben in der Pflege dargestellt. Darüber hinaus ist es weitaus mehr, was dazu gehört: der Umgang mit Ekel, Scham, Sterben, Grenzen der Teamarbeit durch bestehende Hierarchien. Ich find es fragwürdig, dass dieses oberflächliche Format den Beruf von seiner Glanzseite zu zeigen versucht. Die Promis meinen, die Alltagsrealität kennen zu lernen, obwohl es nur die geschönte Wahrheit ist. Eine "1 zu 1-Anleitung" erfahren Auszubildende selten und man hat längst nicht so viel Zeit, wie es dargestellt wird. Dadurch, dass Promis nach einem zweitägigen Crashkurs in der Pflege arbeiten dürfen, wird zudem der Eindruck vermittelt, jeder könnte diese Arbeit machen. Ich bezweifle, dass durch eine solche TV-Serie mehr Pflegepersonal für den Pflegeberuf gewonnen werden kann. Jeder, der vor Ausbildungsstart selbst ein Pflegepraktikum absolviert, erlebt spätestens dann, was es bedeutet, unter aktuellen Arbeitsbedingungen wie Personal- und Zeitmangel, in hohem Maße pflegebedürftige Patienten zu pflegen. Dafür braucht Mann oder Frau schon mehr als Herzblut für diesen Beruf und das sage ich, die selbst Jahre in der Pflege gearbeitet hat.
Was meinen Sie?
Geht der Pflege bald die Luft aus?
Die Bundespflegekammer (BPK) blickt hoffnungsvoll auf die sich neu zu bildende Regierung. "Es ist kein Geheimnis, der Pflege geht die Luft aus. Die Profession Pflege ist seit über einem Jahr in Dauerbelastung. Viele Pflegefachpersonen wollen oder können nicht mehr. Wir müssen alles daransetzen, endlich eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen herbeizuführen", sagt BPK-Präsidiumsmitglied Dr. Markus Mai. Dabei hat er kollegiale, professionsübergreifende Unterstützung beispielsweise von DKG-Chef Dr. Gerald Gaß oder Intensivmediziner Prof. Dr. Uwe Janssens.
Kernforderungen: Die BPK hat fünf Kernforderungen formuliert, die Politiker der Gesundheits-AG gesendet, verbunden mit dem Appell, endlich mit der Pflege gemeinsam Lösungen zu suchen und nicht wieder nur über sie zu sprechen.
1. Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, das bedeutet mehr Personal und mehr Kompetenzen.
2. Wir brauchen ein Mitspracherecht auf allen Ebenen, auf denen politische Entscheidungen gefällt werden, wie zum Beispiel dem Gemeinsamen Bundesausschuss.
3. Wir brauchen eine Selbstverwaltung für die Profession, um einen kompetenten und legitimierten Ansprechpartner für die Politik zu haben.
4. Auch innerhalb der einzelnen Sektoren und Berufe im Gesundheitswesen muss ein Umdenken stattfinden: Die Profession Pflege muss - wie in anderen Ländern der Fall - auf Augenhöhe beispielsweise mit den Ärzten agieren können.
5. Wir brauchen eine Chief Government Nurse im Kanzleramt oder im Gesundheitsministerium.

