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. 2021 Dec 14;15(6):49. [Article in German] doi: 10.1007/s15034-021-3789-7

Post-COVID und Booster-Impfung - Thema besonders bei Diabetes und Adipositas

Miriam Sonnet 1,
PMCID: PMC8668263

Ein Kongress ohne Vorträge zu COVID-19 ist mittlerweile undenkbar. So gab es auch auf der diesjährigen Diabetes-Herbsttagung mehrere Sessions, die sich mit diesem Thema befassten. Neue Erkenntnisse bzw. Empfehlungen gibt es beispielsweise zu Post-COVID und der Booster-Impfung.

COVID-19 kann auch längerfristige Folgen mit sich bringen. Kürzlich wurde eine S1-Leitlinie publiziert, in der die Autoren die Begriffe Long-COVID bzw. Post-COVID-Syndrom näher definierten: Dementsprechend bezeichnet die Leitlinie anhaltende Beschwerden, "jenseits einer Zeitspanne von vier Wochen ab Infektion als Long-COVID und post-akute Folgen von COVID-19 und bei Persistenz von mehr als zwölf Wochen als Post-COVID-Syndrom" [1]. Bei rund 10 bis 20 % der COVID-Patienten kommt es laut WHO zum Post-COVID-Zustand, berichtete Dr. Isabell Pink, Pneumologin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach ihren eigenen Erfahrungen in der Ambulanz umfassen einer Auswertung von 179 Patienten zufolge die häufigsten Symptome dabei (extreme) Fatigue, Kopfschmerzen, Husten, ein Engegefühl in der Brust und Fieber.

Frauen mit erhöhtem Risiko für Fatigue

Risikofaktoren für eine akute SARS-CoV-2-Infektion sind unter anderem Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes, so die Referentin. So haben mehr als 30 % der hospitalisierten Patienten eine Adipositas und rund 20 % einen Diabetes. Bestätigt wird dies durch eine amerikanische Studie mit 5.700 aufgrund von COVID-19 hospitalisierten Patienten. Mehr als 40 % hatten einen Body-Mass-Index ≥ 30 kg/m2 und rund 30 % einen Diabetes [2].

In einer Kölner Studie wurden Prädiktoren für die Entwicklung eines Post-COVID-Syndroms untersucht [3]. Niedrige Antikörpertiter waren hier Prädiktor für Fatigue, Dyspnoe, Anosmie und Geschmacksverlust. Auch mit mittlerem Titer hatten die Patienten ein erhöhtes Risiko, Post-COVID-Symptome zu entwickeln. Entsprechend den Daten einer eigenen Analyse, die die Referentin vorstellte, hatten Frauen ein 2,9-fach höheres Risiko als Männer, Fatigue zu entwickeln. Adipositas, Krankheitsschwere und eine vorbestehende Depression boten kein Risikopotenzial für Fatigue. Es gäbe keine Laborparameter oder einfache Untersuchungen, die aktuell die Diagnose von Long/Post-COVID bestätigen oder widerlegen. Auch existiere keine kausale Therapie; die Behandlung erfolge symptomorientiert.

Ungeimpfte Adipositas-Patienten früh nach SARS-CoV-2-Infektion an große Zentren überweisen

Auch Prof. Julian Schulze zur Wiesch vom UKE Hamburg hob das erhöhte Risiko für Adipositas-Patienten in Bezug auf COVID-19 hervor. Man müsse daher besonderen Wert auf die Impfung legen, um die Gefahr für schwere Verläufe abzumildern. Auch hätten sich die therapeutischen Optionen verbessert, was gerade ungeimpften Patienten zugutekommt. Diese müssten im Fall einer SARS-CoV2-Infektion frühzeitig in große Zentren überwiesen werden, da eine rechtzeitige Antikörper-Therapie die Verläufe drastisch verbessert, so der Experte.

Allerdings deuten die Daten einer aktuellen Studie darauf hin, dass ein größerer Taillenumfang - ebenso wie Rauchen und Bluthochdruck - mit niedrigeren Antikörperantworten nach einer COVID-Impfung korrelieren [4]. Der Referent betonte aber, dass diese Aussage einer kleinen Studie entspringe und man die Daten vorsichtig bewerten müsse. Auch müsse geprüft werden, inwieweit die Unterschiede klinisch relevant sind.

Zudem weisen Studienergebnisse darauf hin, dass Diabetes-Patienten mit einer schlechten glykämischen Kontrolle schlechter auf die Impfstoffe ansprechen.

Indikation zur Booster-Impfung großzügig stellen

Eine Booster-Impfung kann die Antikörpertiter um das 10-Fache erhöhen, so der Referent weiter. Daten aus Israel zeigen, dass die Zahl von Hospitalisierungen und schweren Verläufen nach einer Dreifach-Impfung im Vergleich zu einer Zweifach-Impfung sinken [5]. Das gelte besonders für ältere Patienten sowie für solche mit Komorbiditäten wie Adipositas, so Prof. Schulze zur Wiesch. Zwischen COVID-19-Impfungen und anderen Totimpfstoffen muss den aktuellen STIKO-Empfehlungen zufolge kein Impfabstand mehr eingehalten werden.

Der Experte riet, die Indikation für eine Drittimpfung bei Adipositas großzügig zu stellen. Weiterhin sei es für Betroffene wichtig, einen guten Impfschutz im Umfeld aufzubauen und eine Influenza-Impfung vornehmen zu lassen.

Quelle: Symposium "COVID-19 und Adipositas" am 6. November 2021, bei der Diabetes Herbsttagung 2021

Literatur

  • 1.S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID; Stand: Juli 2021; abrufbar https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-027l_S1_Post_COVID_Long_COVID_2021-07.pdf (letzter Aufruf am 12. November 2021)
  • 2.Richardson S et al. Presenting Characteristics, Comorbidities, and Outcomes Among 5700 Patients Hospitalized With COVID-19 in the New York City Area. JAMA. 2020 May 26;323(20):2052-9 [DOI] [PMC free article] [PubMed]
  • 3.Augustin M et al. Post-COVID syndrome in non-hospitalised patients with COVID-19: a longitudinal prospective cohort study. Lancet Reg Health Eur. 2021 Jul;6:100122 [DOI] [PMC free article] [PubMed]
  • 4.Watanabe M et al. Central obesity, smoking habit, and hypertension are associated with lower antibody titres in response to COVID-19 mRNA vaccine. Diabetes Metab Res Rev. 2021 May 6:e3465 [DOI] [PMC free article] [PubMed]
  • 5.Barda N et al. Effectiveness of a third dose of the BNT162b2 mRNA COVID-19 vaccine for preventing severe outcomes in Israel: an observational study. Lancet. 2021 Oct 29:S0140-6736(21)02249-2 [DOI] [PMC free article] [PubMed]

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