Risikopatienten können stark vom Influenzaschutz profitieren. In einer Studie wurde belegt, dass eine Influenza-Impfung direkt nach einem Herzinfarkt die Sterberate in den nächsten zwölf Monaten senkt. Impfen in der Klinik - etwa direkt nach einem Herzinfarkt - sorgt dafür, dass der Schutz auch wahrgenommen wird.
Seit Oktober wird wieder gegen saisonale Influenza geimpft. Das darf auch in Pandemiezeiten nicht vergessen werden. Im Fokus des Grippeschutzes sind besonders Menschen mit Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen sowie über 60-Jährige, aber auch medizinisches Personal und Personen aus Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr.
Die Grippe-Impfung ist wichtig, und man sollte sich nicht von den Erfahrungen aus dem vergangenen Winter blenden lassen. Damals war aufgrund der allgemeinen Maßnahmen zum Infektionsschutz wie Maskentragen und Lockdown die Grippewelle ausgeblieben. Dass dies wieder der Fall sein wird, ist trotz neuer COVID-19-Rekorde eher unwahrscheinlich. Influenza ist als Risikofaktor für Myokardinfarkt und Apoplex besonders gefährlich. Daher sollten v. a. Menschen mit hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse konsequent geimpft werden, zu denen bekanntlich ja auch Diabetiker gehören. Hinweise zum Nutzen gibt eine Kohortenanalyse (Diabetes Care. 2020; 43: 2226).
Weniger Klinikaufenthalte, weniger Todesfälle
In der Studie haben sich Forscher um Daniel Modin vom "Herlev and Gentofte Hospital" der Copenhagen University Daten von über 240.000 Personen mit Diabetes und ohne kardiovaskulären Vorerkrankungen aus der Zeit von 2007-2016 angeschaut.
In diesen Jahren lag bei den Teilnehmern die Influenza Impfquote bei 24 bis 36 %. Nach Herausrechnen von Störfaktoren ergab sich bei Ungeimpften im Vergleich zu Geimpften eine signifikant niedrigere kardiovaskuläre und auch Gesamtsterberate. Aber auch Krankenhausaufenthalte aufgrund akuter Diabeteskomplikationen wie Ketoazidose, Hypoglykämie oder Koma waren in der Geimpften-Gruppe signifikant seltener. Allerdings: Eine solche Beobachtungsstudie kann nicht beweisen, dass die Grippe-Impfung ursächlich die Komplikationen auch verhindert hat. Dazu sind randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudien zum Effekt der Impfungen nötig.
Diese Kriterien erfüllt die IAMI-Studie ("Influenza vaccination After Myocardial Infarction") (Circulation. 2021;144:1476-84.). Darin haben Forscher um den Kardiologen Prof. Ole Frøbert von der Örebro University in Schweden prospektiv untersucht, ob bei Herzinfarkt-Patienten eine Grippe-Impfung direkt nach dem Ereignis in der Klinik die langfristige Prognose verbessert. 2.571 Patienten aus acht Ländern nahmen teil. Von Oktober 2016 bis März 2020 wurden je etwa die Hälfte von ihnen direkt nach Herzinfarkt nach dem Zufallsprinzip entweder mit dem jeweils aktuellen Influenza-Impfstoff oder mit Placebo geimpft. Der primäre Endpunkt setzte sich aus Gesamtmortalität, Myokardinfarkt oder Stent-Thrombose zusammen. Dieser trat binnen zwölf Monate nach Impfung bei 61 Patienten (5,3 %) in der Verum- und 91 in der Placebogruppe (7,2 %) auf. Das entspricht einer statistisch signifikanten Risikoreduktion um relative 28 %.
Wurden die sekundären Endpunkte wie Gesamtmortalität oder kardiovaskuläre Mortalität separat analysiert, ergaben sich ebenfalls signifikante Reduktionen um jeweils relative 41 Prozent. Bei der Subanalyse der Myokardinfarkte ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Bedingt durch die COVID-19 Pandemie war die Studie vorzeitig gestoppt worden.
Impfen in Kliniken wäre auch in Deutschland sinnvoll
Diese Daten zeigen eindeutig, dass bei Personen mit einem hohen kardiovaskulären Risiko die Grippeimpfung lebensverlängernd ist. Der pragmatische Ansatz der Studiengruppe, Patienten direkt während des stationären Aufenthaltes zu impfen, wäre auch in Deutschland sinnvoll.
Aber auch im ambulanten Bereich ließe sich die Quote für Grippeimpfungen sicher deutlich steigern. Menschen mit Diabetes mellitus oder KHK sind in einem hohen Prozentsatz in den jeweiligen DMP eingeschrieben. Sie werden somit regelmäßig ambulant gesehen. Wenn ihnen ohne Terminvereinbarung die Grippeimpfung angeboten wird, würden die meisten diese auch wahrnehmen.
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