Der Corona-Frust geht auf die Psyche.
Die psychischen Folgen der Pandemie sind immens: Laut einer österreichischen Umfrage ist jeder zweite Minderjährige depressiv und die Zahl der suizidal bedingten Notaufnahmen rapide gestiegen. Mehr zu diesen Forschungsergebnissen lesen Sie in unserem Schwerpunkt ab Seite 22. Erfahren Sie außerdem, was die Menopause mit Morbus Parkinson zu tun hat und welche neuen Therapiestrategien es bei Demenz und Alzheimer gibt. Viel Spaß wünscht

Alessandra Böck
Redakteurin
Online-Dossier zu COVID-19.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Springer Medizin informiert Sie kostenfrei über die wichtigen Fakten und neuesten Entwicklungen online in einem eigenen Dossier unter www.springermedizin.de/covid-19

Zudem finden Sie freizugänglich in englischer Sprache die neuesten Forschungsergebnisse unter www.springernature.com/gp/researchers/campaigns/ coronavirus
Weitere wichtige Informationsquellen:
Robert Koch Institut: Risikobewertung, Fallzahlen, Informationen zu Diagnose, etc. (www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html)
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie: Informationen zu Diagnose und Therapie von COVID-19 (https://pneumologie.de/aktuelles-service/aktuelles/?L=0)
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI): Register der Kliniken mit freien Beatmungsbetten (www.divi.de/register/intensivregister)
Bundesministerium für Gesundheit: Tagesaktuelle Informationen (www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html)
NDR Info-Podcast: Coronavirus-Update mit Prof. Dr. med. Christian Drosten (www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html)
Ärztinnen stärker durch Pandemie belastet.
Bei jungen US-Ärzten verschärft die Bewältigung der COVID-19-Pandemie die Geschlechterunterschiede, so das Ergebnis von Forschern aus Michigan. Sie haben 276 Ärztinnen und Ärzte (gut die Hälfte Frauen) zwischen 2018 und 2020 online zu Belastungen befragt. Frauen und Mütter waren im Vergleich zu Männern und Vätern wesentlich häufiger verantwortlich für die Versorgung von Kindern (24,8 vs. 0,8%) und den Haushalt (25,4 vs. 7,2%). Frauen mussten überproportional öfter von zu Hause aus arbeiten (40,9 vs. 22%) und ihre Arbeitsstunden reduzieren (19,4 vs. 9,4%). Die Frauen wiesen zudem deutlich stärker auf Belastungen durch "work-to-family"-Konflikte hin sowie auf "family-to-work"-Konflikte und Angststörungen. Auch gaben mehr Frauen depressive Symptome (5,05 vs. 3,53%) an [1].
1. JAMA Netw Open 2021; online 12. November
Ein Biomarker für Alzheimerdemenz.
Kommerzielle Bluttests auf eine Alzheimerdemenz sind noch immer nicht verfügbar, obwohl es bereits gelungen ist, Beta-Amyloid-Fragmente im Serum zu identifizieren und einen genauen Test zu validieren. Allerdings wird dabei eine für die Praxis wenig geeignete Methode verwendet, weshalb Forscher auf der Suche nach massentauglichen Verfahren sind. Beta-Amyloid scheint dafür jedoch wenig geeignet, u.a. da die Serumwerte zu gering sind. Als Alternative bietet sich der Nachweis von Tau-Protein an. Tau-Protein ist zwar nicht sehr spezifisch für Alzheimer, bestimmte Tau-Formen hingegen schon. Da die Tau-Pathologie erst bei manifesten kognitiven Defiziten einsetzt, eignen sich Tau-Tests vermutlich nicht besonders gut zur Frühdiagnostik, könnten aber die Differenzialdiagnostik erleichtern. Darauf zielt auch eine Arbeit von Neurologen um Dr. Elisabeth Thijssen vom Weill, San Francisco, ab. Ihnen gelang es, über den Nachweis phosphorylierter Tau-Formen Alzheimerpatienten von Gesunden mit einer Genauigkeit von 98% und von Patienten mit frontotemporaler Lobärdegeneration mit einer Genauigkeit von 91% abzugrenzen [1].
1. https://doi.org/10.1016/S1474-4422(21)00214-3
Schmerztherapie mit Worten.
Ein Schmerzreiz wird nicht in jeder Situation gleich empfunden. Eine Fokussierung auf das Schmerzereignis, eine negative Stimmungslage, aber auch schmerzassoziierte Wörter können unser Schmerzempfinden modifizieren, erklärt Prof. Thomas Weiß, Jena. Schmerzassoziierte Wörter aktivieren Teile der Neuromatrix des Schmerzes deutlich stärker als allgemein negativ besetzte Adjektive. Eine Venenpunktion z.B., die mit dem Wort "Achtung" angekündigt wird, empfinden die Patienten weitaus seltener als schmerzhaft, als bei Ankündigung mit dem Wort "Stich". Die Sprache kann also die Schmerzwahrnehmung klinisch bedeutsam beeinflussen. Ein Phänomen, das bei chronischen Schmerzpatienten stärker ausgeprägt ist als bei Gesunden, so Weiß. Das beschränke sich aber keinesfalls allein auf das Wort. Vielmehr sei ein solcher Effekt für alles zu erwarten, was häufig mit dem Schmerzerleben gekoppelt ist, wie z.B. der weiße Kittel des Arztes.
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