Skip to main content
Springer Nature - PMC COVID-19 Collection logoLink to Springer Nature - PMC COVID-19 Collection
. 2021 Dec 15;18(12):6–8. [Article in German] doi: 10.1007/s11298-021-2264-z

Medizin

Redaktion Facharztmagazine 1,
PMCID: PMC8670872  PMID: 34924908

Kann Yoga Synkopen lindern?

Forscher randomisierten 55 Patienten mit rezidivierenden vasovagalen Synkopen in zwei Gruppen: Die einen absolvierten zusätzlich zur Standardtherapie ein spezielles Yoga-Training, während die anderen lediglich die Standardbehandlung erhielten. Nach einem Jahr waren in der Interventionsgruppe durchschnittlich 0,7 Synkopen und Präsynkopen aufgetreten, während es in der Kontrollgruppe 2,5 waren. Im Interventionsarm blieben 43% der Patienten frei von Ereignissen, im Kontrollarm waren es nur 16%. Auch bezüglich der Lebensqualität zeigten sich signifikante Verbesserungen in der Trainingsgruppe.

https://doi.org/10.1016/j.jacep.2021.09.007

Multimorbide besonders gefährdet.

COVID-Tod trotz Impfung

Auch vollständig gegen COVID-19 geimpfte Menschen können an der Infektion sterben. Welche Patientengruppen hauptsächlich betroffen sind, untersuchten Wissenschaftler aus Schottland.

In Schottland starben insgesamt 0,007% der voll Immunisierten (236 Menschen) an COVID-19. Das mittlere Alter der Verstorbenen lag bei 79,5 Jahren, 61,8% waren Männer. Zum Untersuchungszeitpunkt am 18. August 2021 waren in Schottland 73,6% der Bevölkerung (3.273.336 Menschen) vollständig geimpft. Bei 230 (97%) der Verstorbenen wurde mindestens eine weitere Todesursache zusätzlich zu COVID-19 aufgeführt. Durchschnittlich 2,9 Todesursachen (außer COVID-19) wurden auf den Totenscheinen vermerkt, die Spanne reichte von einem bis acht weiteren Sterbegründen. Die häufigsten Todesursachen waren chronische Herzerkrankungen, chronische Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung und Vorhofflimmern. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt das Risiko, trotz Impfung an SARS-CoV-2 zu sterben, mit der Anzahl der chronischen Erkrankungen: Männer und Frauen mit mehr als fünf Komorbiditäten hatten ein zehnmal höheres Risiko zu sterben als Menschen ohne Vorerkrankungen. Männer waren 2,7-mal gefährdeter als Frauen. COVID-19-bedingte Todesfälle unter den vollständig Geimpften seien extrem ungewöhnlich, fassen die Autorinnen und Autoren ihre Ergebnisse zusammen. Am häufigsten sterben Menschen, die älter als 75 Jahre sind und zahlreiche Komorbiditäten vorweisen.

https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)02316-3

Hypoglykämien schwächen Herzkraft.

Um zu prüfen, ob schwere Hypoglykämien bei Typ-2-Diabetikern mit einem erhöhten Herzinsuffizienzrisiko in Zusammenhang stehen, haben Wissenschaftler rund 9.200 Probanden über median drei Jahre in einer Studie begleitet. Bis zum Ende der Beobachtungszeit war bei 249 Probanden eine Herzinsuffizienz diagnostiziert worden. Für Probanden mit schweren Hypoglykämien ließ sich ein höheres Erkrankungsrisiko feststellen als für Probanden ohne hypoglykämische Episoden. Wenn die Hypoglykämien ärztlich behandelt werden mussten, stieg es um 68%, ansonsten um 45%.

https://doi.org/10.1210/clinem/dgab794

Ohne Medikamente.

Diät kann Morbus Crohn in Remission bringen

Um bei aktivem Morbus Crohn eine Remission zu induzieren, sind offenbar nicht immer Medikamente erforderlich: In einer Pilotstudie wurde sie bei der Mehrzahl der leicht bis mittelschwer erkrankten Erwachsenen mit einer spezifischen Auslass-Diät erreicht.

graphic file with name 11298_2021_2264_Fig1_HTML.jpg

Mediziner präsentieren erstmals Daten, denen zufolge Erwachsene mit aktiver Erkrankung von einer spezifischen Diät profitieren. In der Studie kamen unter Crohn's disease exclusion diet (CDED) mit oder ohne zusätzliche enterale Ernährung 60% der Erwachsenen in Remission, bei 50% blieb die Remission längerfristig bestehen. Bei der CDED wird z.B. der Konsum von tierischen und gesättigten Fetten und von glutenhaltigen Getreiden reduziert, bei erhöhter Zufuhr von Obst, Gemüse und resistenter Stärke. Die Teilnehmer der Studie hatten eine leichte bis mittlere Krankheitsaktivität. 20 Patienten wurden der CDED zusammen mit partiell enteraler Ernährung (CDED plus) und 24 der alleinigen CDED zugelost; die Beobachtungszeit betrug 24 Wochen. Nach sechs Wochen erreichten 63% aller Patienten eine klinische Remission, 68% mit CDED plus und 57% mit CDED, die Differenz war statistisch nicht signifikant.

https://doi.org/10.1016/S2468-1253(21)00299-5

Leukämiepatient mit Heiserkeit und Stridor.

Was engt den Luftweg ein?

15 Monate nach erfolgreicher Stammzelltransplantation berichtet ein Leukämiepatient über fortschreitende Dyspnoe und Heiserkeit. Die Laryngoskopie zeigt eine Umfangsvermehrung im Glottisbereich. Der Knochenmarkbefund ist jedoch negativ. Woran sollte man bei dieser Konstellation denken?

graphic file with name 11298_2021_2264_Fig2_HTML.jpg

Ein 59-jähriger Mann stellt sich mit Heiserkeit und Atemnot beim HNO-Arzt vor. Die Symptome hätten schon vor zwei Monaten begonnen und würden sich seitdem verschlimmern. Das Besondere an diesem Fall: Der Mann ist Krebspatient, bei ihm wurde eine akute myeloische Leukämie (AML) diagnostiziert, die aber seit einer allogenen Stammzelltransplantation vor 15 Monaten in Remission zu sein scheint. Gerade vor zwei Wochen habe eine Knochenmarkbiopsie einen negativen Befund ergeben, berichtet der Mann.

Bei der körperlichen Untersuchung finden sich keine Auffälligkeiten. Aber: Zur Abklärung einer Diarrhö habe man ihn vor Kurzem untersucht und dabei eine chronische gastrointestinale Graft-versus-Host-Reaktion festgestellt. Konnte das die Ursache für die Stimmstörung sein?

Neoplasie am rechten Stimmband

Bei der umgehend durchgeführten Laryngoskopie stieß man auf eine umfangreiche Neoplasie am rechten Stimmband. Diese überspannte die hintere Kommissur, schränkte die Beweglichkeit beider Stimmbänder stark ein und hatte den Atemweg auf Höhe der Glottis eingeengt.

Um den Atemweg zu sichern, wurde am wachen Patienten ein Tracheostoma angelegt. Die Umfangsvermehrung wurde mikrolaryngoskopisch biopsiert. Bei der histologischen Aufbereitung zeigten sich diffuse Zellinfiltrationen mit unregelmäßigen Kernkonturen und vesikulärem Chromatin sowie prominente Nukleoli.

Aufschlussreicher war die immunhistochemische Färbung: Diese war negativ für die Marker CD3, CD20 sowie für Keratin. Positiv fiel dagegen der Befund für CD43 aus - ein Hinweis auf ein hämatolymphoides Geschehen. Der Nachweis von CD7 schließlich legte ein AML-Rezidiv nahe, welches mithilfe von Next-Generation Sequencing über den Nachweis einer spezifischen Mutation bestätigt werden konnte.

Es handelte sich, so Brennan McMichael und Kollegen, Ann Arbor, um ein isoliertes extramedulläres Myelosarkom, welches sich in diesem Fall auf den Kehlkopf beschränkte. An so etwas müsse man denken, wenn bei einem Leukämiepatienten trotz negativer Blut- und Knochenmarkbefunde weitere Neoplasien auftreten. Diese könnten sich als einzelne oder auch multiple Läsionen darstellen und praktisch jedes Organsystem betreffen. Am häufigsten finde man solche Myelosarkome in Weichgeweben, Knochen, Peritoneum, Lymphknoten sowie im Gastrointestinaltrakt. Der HNO-Bereich sei dabei eher die Ausnahme.

Therapie mit Bestrahlung und Tyrosinkinase-Inhibitor

Im vorliegenden Fall war eine chirurgische Exzision nicht möglich. Die Ärzte entschlossen sich daher zu einer lokalen Strahlentherapie, mit der die Funktion des Kehlkopfs erhalten werden konnte. Ergänzt wurde dies durch eine Therapie mit einem Tyrosinkinase-Inhibitor. Auf diese Behandlung sprach der Tumor an, er bildete sich im Folgenden restlos zurück. Das Einzige, was bei einer Nachuntersuchung neun Monate später noch an das Myelosarkom erinnerte, war eine leichte Einschränkung in der Beweglichkeit des rechten Stimmbands.

https://doi.org/10.1001/jamaoto.2021.2448

Auch ohne Rauchen.

Junge Dauerhuster sind spätere Infarktkandidaten

Bei chronischen Atemwegssymptomen im jungen Erwachsenenalter droht langfristig nicht nur der Lunge Schaden. Die Beschwerden sind auch in Hinblick auf kardiovaskuläre Erkrankungen und Tod im mittleren Lebensalter ein ungünstiges Zeichen.

In der CARDIA-Studie wurden Erwachsene im Alter zwischen 18 und 30 Jahren über einen Zeitraum von 30 Jahren untersucht. 4.612 Teilnehmer hatten bei Studienbeginn und zwei Jahre später einen Fragebogen zu Atemwegssymptomen wie Husten/Auswurf, Giemen oder Atemnot beantwortet. Nach 30 Jahren war bei 6,2% eine kardiovaskuläre Erkrankung diagnostiziert worden, 8,2% waren gestorben. Das Risiko für beide Endpunkte stieg mit der Zahl chronischer Atemwegsbeschwerden. Teilnehmer mit drei oder vier solcher Beschwerden hatten im Vergleich zu asymptomatischen Teilnehmern ein um 97% höheres Risiko für Herzinfarkt, PAVK, Schlaganfall oder kardiovaskulär bedingten Tod und eine um 75% höhere Mortalität.

https://doi.org/10.1016/j.chest.2021.10.029


Articles from CME (Berlin, Germany) are provided here courtesy of Nature Publishing Group

RESOURCES