Adipositas und Typ-2-Diabetes gehen Hand in Hand. Strategien gegen die stark zunehmenden Krankheiten sind dringend nötig. Maßnahmen zur Prävention und Therapie standen daher auch im Fokus der gemeinsamen Herbsttagung der Deutschen Fachgesellschaften für Diabetes (DDG) und Adipositas (DAG).

Die Situation chronisch kranker Patienten mit Adipositas und Typ-2-Diabetes hat sich in der Corona-Pandemie weiter verschlechtert, wie DAG-Tagungspräsident Prof. Sebastian M. Meyhöfer, Lübeck, bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Veranstaltung von DDG und DAG betonte.
Nach Studiendaten haben die Patienten in den vergangenen 18 Monaten im Schnitt 5-8 kg zugenommen, berichtete Meyhöfer. Er erklärt dies etwa durch veränderte Ernährung und weniger Bewegung in den Lockdown-Phasen.
Folgen könnten etwa bei Adipositas eine Diabetes-Manifestation oder bei Typ-2-Diabetes eine verschlechterte Blutzuckerkontrolle sein. Hinzu kommt, dass Diabetes und Adipositas ausgewiesene Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe sind.
Doch wie können stark übergewichtige Menschen abnehmen und damit Komplikationen vorbeugen? Der Endokrinologe setzt auf die Basismaßnahmen aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Konkret heißt das mindestens 150 Minuten Bewegung in der Woche (etwa Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen) aufgeteilt in vier bis fünf Einzelepisoden.
Hinzu kommen energiereduzierte Ernährung und Verhaltenstherapie. Zu Letzterem gehört zum Beispiel eine Stressregulation, da Nahrung besonders häufig als Stresskiller eingesetzt wird.
S3-Leitlinie empfiehlt ein abgestuftes Verfahren
Dass man allerdings als Arzt adipösen Patienten momentan kaum Maßnahmen anbieten kann, betonte Prof. Jens Aberle, Hamburg-Eppendorf, bei der Veranstaltung.
Aberle verwies auf die S3-Leitlinie "Prävention und Therapie der Adipositas" der DAG, die momentan überarbeitet wird. Dort wird ein abgestuftes Verfahren mit den Basismaßnahmen sowie, falls nötig, medikamentöser Therapie und schließlich bariatrischer Chirurgie empfohlen.
Diese Maßnahmen sind in den wenigsten Fällen GKV-Leistungen. Adipositasberatung und Medikamente seien von der Erstattung weitgehend ausgeschlossen. Adipositaschirurgie ist individuell zu beantragen und werde allzu häufig abgelehnt.
Neue inkretinbasierte Antiadiposita
"Licht am Ende des Tunnels" für Patienten sieht Aberle durch neue inkretinbasierte Antiadiposita wie dem bereits verfügbaren Liraglutid. Damit könnten Patienten nach Studiendaten ihr Gewicht um 9-10% reduzieren. In Sicht sei zudem das wöchentlich zu applizierende und stärker wirksame Semaglutid 2,4 mg mit in Studien belegten Gewichtsreduktionen von 15-17%.
Dieser GLP-1-Agonist ist in den USA bereits gegen Adipositas auf dem Markt; in Europa ist die Zulassung bei der EMA beantragt. Aberle hofft, dass mit dem jetzt in Angriff genommenen Disease-Management-Programm (DMP) in den nächsten Jahren auch die Erstattung der Leistungen zur Adipositastherapie geregelt wird.
