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editorial
. 2021 Dec 17;23(12):3. [Article in German] doi: 10.1007/s15005-021-2200-5

Was ist los?

Alkomiet Hasan 1,
PMCID: PMC8677337

In meinen initialen Planungen vor wenigen Wochen hatte ich überlegt, ein Editorial über neue Medikamente für unser Fach der Psychiatrie und Psychotherapie zu schreiben, die es bereits in den USA gibt und die unser Behandlungsspektrum punktuell erweitern. Ich denke an Substanzen wie Pimavanserin, Lumateperon, Valbenazin und die Fixkombination Olanzapin/Samidorphan, an Innovationen mit neuen Wirkmechanismen (z. B. TAAR1-Agonisten) oder an eine biomarkerbasierte Psychopharmakotherapie. Diese Substanzen und Prinzipien stehen uns nicht zur Verfügung, da wir oft den Anspruch haben, mit jeder Neuerung eine Revolution unserer Behandlung zu erreichen - der Weg ist jedoch ein schrittweiser. So wie wir auf einen Gipfel in den Alpen steigen, Schritt für Schritt, sollte sich unsere Pharmakotherapie verbessern.

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Lieferengpässe

Da wir jedoch immer auf den großen Wurf warten und dieser ja erforderlich ist, damit eine Arznei eine positive Nutzenbewertung erhält, stehen uns in Deutschland bereits jetzt neue Präparate nicht zur Verfügung. Keine Sorge, es geht heute nicht um das AMNOG-Verfahren, das bei aller Kritik auch wichtige Elemente enthält. Mich bewegt mehr, dass wir Lieferengpässe für Substanzen wie Venlafaxin, Agomelatin, Prothipendyl, Amitriptylin und andere haben. Über die im Dezember 2021 auf einmal wieder knappen COVID-19-Ag-Schnelltests, FFP2-Masken oder mRNA-Impfstoffe möchte ich nichts schreiben. Wie soll "das Neue" Einzug erhalten, wenn wir "das Alte" bald nicht mehr sicher nutzen können?

Verschiedene Blickwinkel

Die Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten ist unser höchstes Gut und die optimale evidenzbasierte Medizin auf Augenhöhe ist das, was sich viele von uns wünschen und tagtäglich anwenden. Einschränkungen im Gesundheitssystem sind im Moment sicher in relevanten Anteilen durch die COVID-19-Pandemie zu erklären, aber mir erscheint diese monokausale Betrachtung zu einfach. So wie wir Studien aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, sollten wir die aktuellen Entwicklungen von nicht verfügbaren Standardmedikamenten, Personalknappheit (Prof. Hüll schrieb in der Oktoberausgabe darüber) und fehlender Digitalisierung von mehreren Seiten beleuchten. Im Jahr 2018 war ich in Singapur und habe mir dort ein psychiatrisches Krankenhaus angeschaut - keine Privatklinik, ein Allgemeinkrankenhaus für die psychiatrische Versorgung. Damals dachte ich bereits, dass wir abgehängt worden sind, und ich mag mir gar nicht ausmalen, was ich denken würde, wenn ich dieses Krankenhaus heute erneut besuchen würde. Sie fragen sich warum? Auf einer Station für akut psychotische Menschen fand sich ein Unit-Dose-System, die Station war vollkommen papierlos und es gab ein kompetenzbasiertes Stufensystem, in dem klar geregelt war, wer für was zuständig ist.

Schnelle Verfügbarkeit von Innovationen

Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit, Versorgung auf dem höchsten Evidenzniveau, schnelle Verfügbarkeit von Innovationen in den Kliniken und Praxen: Das wünsche ich mir. Kaum jemand würde sich ein neues Fahrrad oder einen Computer kaufen und akzeptieren, dass die Technik zehn Jahre alt ist. Warum akzeptieren wir dies in unserer täglichen Arbeit, die wir für die Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten jeden Tag mit viel Einsatz leisten?

Sie lesen die von unseren versierten Autorinnen und Autoren kommentierten Studien in der InFo Neurologie + Psychiatrie hoffentlich Monat für Monat mit Neugier und Interesse. Und ich hoffe für uns alle, dass die darin gewonnenen Erkenntnisse und beschriebenen Entwicklungen uns hierzulande auch wirklich zur Verfügung stehen.

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