In der Pandemie werden Tumor-OPs oft aufgeschoben. Ob die Wartezeit das Outcome beeinflusst, wurde nun fürs Nierenzellkarzinom untersucht.
Um die Folgen des OP-Aufschubs beim Nierenzellkarzinom (RCC) zu eruieren, wurde das Outcome bei umgehend partial oder total nephrektomierten lokalisiertem RCC dem bei Active Surveillance (AS) oder OP mit Wartezeit ("delayed intervention"; DI) gegenübergestellt. Bei metastasiertem RCC wurden die unterschiedlichen Reihenfolgen von zytoreduktiver Nephrektomie und Target-Therapie verglichen. In die Analyse flossen die Daten von elf Studien ein.
Beim lokalisierten T1a-RCC wirkte sich ein OP-Aufschub nicht auf das Gesamtüberleben (OS) aus - weder bei den meist älteren AS-Patient*innen noch bei Patient*innen, die auf die OP warten mussten. Allerdings wiesen die Studien substanzielle Heterogenität auf und nicht alle hatten standardisierte und einheitliche AS- oder DI-Protokolle.
Für das krebsspezifische Überleben (CSS) machte eine DI jedoch einen signifikanten Unterschied; bei Aufschub der OP war die Wahrscheinlichkeit, krebsbedingt zu versterben, eineinhalb Mal so hoch wie bei sofortiger OP. Für das lokalisierte ≥ T1b-RCC gab es zu wenig belastbare Daten für eine Metaanalyse. Beim metastasierten RCC wiederum zeichnete sich ab, dass eine vorangegangene Target-Therapie, gefolgt von einer zytoreduktiven Nephrektomie versus umgekehrter Therapiereihenfolge mit einem um 39 % besseren OS verbunden war.
Auch wenn bei T1a-RCC eine verzögerte OP nicht mit einem schlechteren OS verbunden war, warnen die Forschenden vor einem möglichen Selektionsbias in den ausgewählten Studien. Vielmehr raten sie dazu, beim lokalisierten RCC umgehend zu operieren. Beim metastasierten RCC wiederum sollten angesichts des besseren OS zunächst eine Target-Therapie angewendet und erst im Anschluss operiert werden. Für eine abschließende Beurteilung brauche es aber mehr qualitativ hochwertige Studien.
Fazit: Bei einem lokalisierten T1a-RCC war ein Aufschub der OP mit einem schlechteren krebsspezifischen Überleben, aber nicht mit einem schlechteren OS assoziiert. In der metastasierten Situation profitieren die Betroffenen von einer Target-Therapie vor der OP. Angesichts des potenziellen Selektionsbias der Studien liefern die Daten keine ausreichende Evidenz dafür, dass ein Aufschieben der Operation bei lokalisiertem RCC sicher wäre. Ausgewertet wurden allerdings überwiegend Studien mit retrospektivem Design und geringen Probandenzahlen.
Chan VWS et al. Delayed surgery for localised and metastatic renal cell carcinoma: a systematic review and meta analysis for the COVID 19 pandemic. World J Urol. 2021; 39: 4295-303
