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. 2022 Jan 30;3(1):46–48. [Article in German] doi: 10.1007/s43877-021-0155-x

Wissenschaft in 5 Minuten

Tino F Schwarz 1,
PMCID: PMC8801042

Schwangere mit Beeinträchtigung .

Frauen mit körperlicher oder kognitiver Beeinträchtigung, aber auch blinde oder gehörlose Frauen, haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt. In einer US-amerikanischen Studie wurden Daten von 221.311 schwangeren Frauen analysiert: 0,9 % hatten eine Behinderung - davon 83,5 % körperlich, 4,4 % geistig - und 12,1 % waren blind oder gehörlos.

Im Vergleich zu Frauen ohne Behinderung war das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen bei Frauen mit körperlicher Einschränkung um 27 %, bei geistiger Behinderung um 49 % und bei blinden oder gehörlosen Schwangeren um 53 % erhöht. Für Thromboembolien war das Risiko um rund 500 % erhöht, für kardiovaskuläre Ereignisse um 300 %, für Infektionen um 169 %, für schwere Präeklampsie/Eklampsie um 115 %, für Fieber um 32 % und für Blutungen um 27 %. Das Risiko variierte je nach Art der Behinderung. Das Mortalitätsrisiko von Müttern mit Behinderung war rund elfmal höher als bei Frauen ohne Beeinträchtigung. Frauen mit einer Behinderung hatten auch ein höheres Risiko für Eingriffe während der Geburt; etwa war die Sectiorate um 34 % erhöht. Die Autoren vermuten, dass verantwortliche Geburtshelferinnen und -helfer diese Art der Entbindung bei Schwangeren mit Behinderung tendenziell bevorzugen würden und für die sicherere Methode hielten. Das Gesamtrisiko für eine Komplikation unter der Geburt oder im Wochenbett war bei Frauen mit Beeinträchtigungen jeglicher Art 1,4-mal höher.

Die Forscher betonen, dass schwangere Frauen mit Behinderung bei Ärztinnen und Ärzten häufig auf Ablehnung stießen. Auch würden unter anderem mangelnde Erfahrung oder eine unzureichende Ausbildung der Geburtshelferinnnen und -helfer zu einer Unterversorgung dieser Frauen führen. (nz)

Gleason JL et al. Risk of Adverse Maternal Outcomes in Pregnant Women With Disabilities. JAMA Netw Open 2021; 4: e2138414

Stillen trotz Infektion?

Sollten Mütter ihr Kind trotz einer pränatalen SARS-CoV-2-Infektion stillen? Italienische Wissenschaftler haben in einer prospektiven Studie 21 Mütter, die zum Geburtszeitpunkt SARS-CoV-2-positiv waren, und ihre 22 Kinder untersucht. Mütter und Kinder wurden nach der Geburt getrennt und bei der Entlassung aus der Klinik wurde empfohlen, zu Hause mit dem Stillen zu beginnen. Es wurde darauf hingewiesen, gewisse Vorsichtsmaßnahmen (Maske tragen, Händewaschen) einzuhalten.

In den ersten 48 Stunden waren die Blutproben von 21 Kindern negativ für SARS-CoV-2-spezifische Ig(Immunglobulin)G-, IgA- und IgM-Antikörper. Nach zwei Monaten hatten 19 Kinder immer noch keine spezifischen Antikörper im Blut; ein Kind hatte sich jedoch postpartal infiziert.

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Der Gesamt-IgA-Titer im Speichel war bei allen Kindern, aufgrund des Aufbaus der mukosalen Immunabwehr, mit der Zeit gestiegen. SARS-CoV-2-spezifische IgA- und IgG-Antikörper waren bei gestillten Kindern in deutlich höherer Konzentration vorhanden als bei nicht gestillten. Es ergaben sich keine Hinweise auf eine Virusübertragung über die Muttermilch.

Stillen empfohlen: Die Forscher empfehlen das Stillen auch im Falle einer Corona-Infektion, da Muttermilch neben Nährstoffen auch für das Spikeprotein spezifische sIgA-Antikörper enthält. Sie vermuten auch, dass die Muttermilch die mukosale Immunabwehr der Kinder stimuliert hat. (eo)

Conti MC et al. Immune Response of Neonates Born to Mothers Infected With SARS-CoV-2. JAMA Netw Open 2021; 4: e2132563

Was schützt vor SGA?

SGA ("small for gestational age"), ein Geburtsgewicht unterhalb des zehnten Perzentils, ist assoziiert mit einer suboptimalen Ernährung und einem hohen Stresspegel der Mutter. Forscher aus Spanien haben untersucht, ob sich das SGA-Risiko mit mediterraner Diät und Meditation verringern lässt.

1.184 Frauen mit Einlingsschwangerschaft in der 19. bis 23. Schwangerschaftswoche, die ein hohes SGA-Risiko aufwiesen, beendeten die Studie. 392 hatten Diät gehalten, 391 meditiert und 401 die übliche Betreuung erhalten. SGA-Geburten gab es bei 22 % (Kontrolle), 14 % (Diät) und 16 % (Meditation) der Frauen. Das Chancenverhältnis reduzierte sich signifikant um 42 % (Diät) und 34 % (Meditation) im Vergleich zur Kontrolle.

Beim sekundären Endpunkt - einer Kombination aus Frühgeburt, Präeklampsie, perinataler Mortalität, schwerem SGA (< drittes Perzentil), neonataler Azidose, niedrigem Apgar-Score oder ernster Erkrankung - ergab sich ein signifikant um 36 % (Diät) und 32 % (Meditation) reduziertes Chancenverhältnis.

Eine Empfehlung wollen die Autoren trotz positiver Erfahrungen nicht aussprechen. Da die Kontrollgruppe schlechter abschnitt als angenommen, müssten die Resultate zunächst bestätigt werden. (rb)

Crovetto F et al. Effects of Mediterranean Diet or Mindfulness-Based Stress Reduction on Prevention of Small-for-Gestational Age Birth Weights in Newborns Born to At-Risk Pregnant Individuals: The IMPACT BCN Randomized Clinical Trial. JAMA 2021; 326: 2150-60

Schärfe über die Muttermilch?

Muttermilch wird von der Ernährung der Mutter beeinflusst und schmeckt jeden Tag anders. Bisherige Erkenntnisse lassen vermuten, dass die Geschmacksstoffe in der Muttermilch auch das spätere Ernährungsverhalten beeinflussen.

Deutsche Wissenschaftler haben nun untersucht, inwiefern scharf schmeckende Substanzen aus Chili, Pfeffer und Ingwer in die Muttermilch übergehen. Dazu gaben sie stillenden Müttern ein standardisiertes Currygericht zu essen und untersuchten im Anschluss die Muttermilch auf die Scharfstoffe Capsaicin (aus Chili), Piperin (aus Pfeffer) und 6-Gingerol (aus Ingwer). Nachgewiesen werden konnte nur Piperin - bereits eine Stunde nach dem Verzehr. Jedoch lag die Konzentration 70- bis 350-fach unter der geschmacklichen Wahrnehmungsgrenze eines Erwachsenen. Die Forscher gehen nicht davon aus, dass diese geringe Schärfe von den Säuglingen wahrgenommen wird. Frühere Studien hätten jedoch ergeben, dass Piperin den TRPV1("transient receptor potential cation channel subfamily V member 1")-Rezeptor, verantwortlich für die Schärfewahrnehmung, desensibilisiere. Es sei daher möglich, dass eine häufige Aufnahme von Piperin über die Muttermilch, wenn auch in Konzentrationen unterhalb der geschmacklichen Wahrnehmungsgrenze, zu einer erhöhten Toleranz im späteren Leben beitrage.

Zu beachten sei, dass es sich bei den untersuchten Muttermilchproben um Vordermilch oder um eine Mischung aus Vorder- und Hintermilch handelte. Letztere habe einen höheren Fettgehalt, weshalb es möglich sei, dass sich das lipophile Piperin dort anreichert. (edg)

Diaye KN et al. Dietary Piperine is Transferred into the Milk of Nursing Mothers. Mol Nutr Food Res 2021; 65: e2100508

Kolonisation des kindlichen Darmmikrobioms gestört.

Die weltweite Zunahme von antimikrobiellen Resistenzen gefährdet zukünftige Behandlungsmöglichkeiten. Bei vaginalen Entbindungen erhalten 20-30 % der Schwangeren in Industrieländern Antibiotika zur Prävention einer Neugeborensepsis durch B-Streptokokken. 2-5 % der Neugeborenen erhalten wegen des Verdachts einer B-Streptokokken-Sepsis Antibiotika. Doch die perinatale Antibiotikagabe hat erhebliche Auswirkungen auf die vertikale Übertragung des Darmmikrobioms von der Mutter auf das Neugeborene.

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Der maternale Darm ist die größte Quelle für kolonisierende Bakterien des Gastrointestinaltrakts bei gesunden Säuglingen. Die Mutter-zu-Kind-Transmission des Mikrobioms während der Neonatalperiode kommt bei vaginal entbundenen Kindern wesentlich häufiger vor als nach einer Sectio. Der Mechanismus der vertikalen Übertragung ist hingegen noch unklar. Bekannt ist, dass perinatale Antibiotika den Kolonisationsprozess bei Neugeborenen schnell beeinflussen. Zur Auswirkung perinatal verabreichter Antibiotika auf die vertikale Übertragung sowie die antimikrobiellen Resistenzen gibt es bisher wenige Studien.

Antibiotika stören vertikale Transmission

In einer aktuellen Studie wurden Stuhlproben von Müttern und vaginal entbundenen Neugeborenen metagenomisch untersucht. Es wurden je zehn Mutter/Kind-Paare mit oder ohne perinataler Antibiotikabehandlung (Penicillin oder Penicillin und ein Aminoglykosid) verglichen. Die Antibiotikaverabreichung hatte eine signifikante Auswirkung auf das Darmmikrobiom der Neugeborenen. Bei denen unbehandelter Mütter konnten signifikant (p = 0,03) mehr von der Mutter übertragene Bakterienspezies nachgewiesen werden als bei den Kindern perinatal behandelter Mütter. Circa 72 % der mikrobiellen Population des Darmmikrobioms der Neugeborenen unbehandelter Mütter, das sich am dritten bis siebten Tag nach der Geburt nachweisen ließ, stammten von der Mutter. Bei der behandelten Gruppe waren es 25 %.

Die Autoren folgern, dass die perinatale Antibiotikaverabreichung die vertikale Transmission erheblich stört. Die Kolonisation des Darmmikrobioms der Neugeborenen erfolge dann größtenteils durch horizontale Transmission aus der Umgebung des Neugeborenen - mit der Gefahr der Aufnahme von nosokomialen, antibiotikaresistenten Keimen.

Li W et al. Vertical transmission of gut microbiome and antimicrobial resistance genes in infants exposed to antibiotics at birth. J Infect Dis 2021; 224: 1236-46

Kommentar: In dieser ersten kontrollierten Studie wurde die Auswirkung einer perinatalen Antibiotikatherapie auf die vertikale Transmission des Darmmikrobioms untersucht. Durch die perinatale Antibiotikatherapie kommt es zur Störung der vertikalen Transmission des Darmmikrobioms des Neugeborenen. Hierdurch besteht die Gefahr der Aufnahme von Penicillin-resistenten Pneumokokken, Ampicillin-resistenten Escherichia coli sowie Extended-Spectrum-β-Laktamasebildnern. Erst ab einem Alter von zwölf Monaten hat sich das kindliche Darmmikrobiom größtenteils normalisiert.

PDA ohne Einfluss auf Kindesentwicklung.

Die Periduralanästhesie (PDA) ist die Methode der ersten Wahl zur Schmerzlinderung unter der Geburt und wird in Leitlinien empfohlen. Dennoch haben werdende Mütter oft Bedenken, durch die PDA ihrem Kind zu schaden. Wissenschaftler haben nun retrospektiv alle Einlingslebendgeburten in Schottland zwischen 2007 und 2016 untersucht und dabei den Gesundheitszustand der Neugeborenen und den Entwicklungsstand der Kinder im Alter von zwei Jahren betrachtet.

Von den 435.281 Müttern mit Kind in Kopflage hatten 22 % eine PDA erhalten. Die Entwicklung im Alter von zwei Jahren konnte bei 220.508 Kindern analysiert werden, die an einer standardisierten Untersuchung teilgenommen hatten. Kinder, bei denen unter der Geburt eine PDA eingesetzt wurde - das waren 21 % - schnitten in keiner Domäne (Grob- und Feinmotorik, Kommunikation, Sozialverhalten) schlechter ab als andere.

Etwas weniger eindeutig waren die Ergebnisse bei Neugeborenen: Reanimation sowie die Aufnahme auf eine Intensivstation kam mit PDA etwas häufiger vor als ohne; das adjustierte Risiko war um 7 % beziehungsweise 14 % erhöht. Die Forscher vermuten, dass diese Unterschiede nicht durch die PDA verursacht waren, sondern durch die Art der Entbindung. Denn bei Frauen mit PDA war die Rate der vaginalen Spontangeburten nur knapp halb so hoch wie in der Gruppe ohne PDA (37 % vs. 79 %). Wurde der Geburtsmodus berücksichtigt, mussten die neugeborenen Kinder nach PDA sogar etwas seltener reanimiert oder intensiv betreut werden. Für die Unbedenklichkeit der PDA im Hinblick auf das Neugeborene sprach auch der Apgar-Score: Das Risiko für einen Wert < 7 nach fünf Minuten war mit PDA sogar etwas geringer als ohne. (bs)

Kearns R J et al. Association of Epidural Analgesia in Women in Labor With Neonatal and Childhood Outcomes in a Population Cohort. JAMA Netw Open 2021; 4: e2131683

Harmlos für die Mutter, bedenklich für das Kind?

Viele Schwangere drosseln ihren Kaffeekonsum. In einer aktuellen Studie kamen Forscher zu dem Schluss, dass ein moderater Konsum koffeinhaltiger Getränke im zweiten Trimenon das Risiko für Präeklampsie und Gestationshypertonie nicht erhöht. Gestationsdiabetes tritt bei Frauen mit einer täglichen Koffeinaufnahme von bis zu 100 mg sogar im Mittel um 47 % seltener auf. Auch im ersten Trimenon könnte sich die Koffeinaufnahme positiv auf den Glukosespiegel auswirken.

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Die beteiligte Kohorte war nicht groß genug, um die Ergebnisse für verschiedene koffeinhaltige Getränke separat zu analysieren. Das hat möglicherweise auch die Teststärke der Studie begrenzt. Für Gestationsdiabetes und gestörte Glukosetoleranz zusammen lagen die Raten in der 16. bis 22. Schwangerschaftswoche zwischen 4,9 % (> 200 mg Koffein/Tag) und 11,6 % (Verzicht auf Koffein). Statistisch signifikant war nur die Reduktion bei einem Konsum von 1-100 mg beziehungsweise 101-200 mg, mit einer mittleren Risikosenkung von 34 % und 45 %.

Doch was bedeutet Kaffeekonsum während der Schwangerschaft für das Kind? Die Autoren berichten über Befunde, wonach Koffein schon bei weniger als 200 mg täglich mit reduziertem intrauterinem Wachstum assoziiert ist. In einer aktuellen Metaanalyse wird sogar explizit geraten, Koffein aufgrund möglicher negativer Folgen für das Kind zu meiden. (rb)

Hinkle SN et al. Assessment of Caffeine Consumption and Maternal Cardiometabolic Pregnancy Complications. JAMA Netw Open 2021; 4: e2133401

James JE. Maternal caffeine consumption and pregnancy outcomes: a narrative review with implications for advice to mothers and mothers-to-be: BMJ Evid Based Med 2021; 26: 114-5

Herzgesundheit nach künstlicher Befruchtung.

Die assistierte Reproduktion ("assisted reproductive techniques", ART) steht im Verdacht, mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko einherzugehen. In einer Studie aus China wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen ART und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Kindern untersucht. Dafür verglich man je 382 Kinder, die mittels ART beziehungsweise auf natürliche Weise gezeugt wurden.

Der Blutdruck war bei künstlich gezeugten Kindern im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht. Zusätzlich fand sich bei den ART-Kindern eine linksventrikuläre Dysfunktion. Auch konnte eine veränderte Struktur des linken Ventrikels belegt werden. Ebenso wurde bei ART-Kindern häufiger eine linksventrikuläre Hypertrophie und ein Remodeling beobachtet. Die Unterschiede waren jeweils statistisch signifikant.

Die Autoren betonen die Wichtigkeit einer frühzeitigen Diagnose und eventueller Interventionen sowie generell einer Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit von ART-Kindern. (nz)

Cui L et al. Assessment of Cardiovascular Health of Children Ages 6 to 10 Years Conceived by Assisted Reproductive Technology. JAMA Netw Open 2021; 4: e2132602


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