Obwohl uns die neuartige „variant of concern“ B.1.1.529 (Omikron-Variante) im Vergleich zu B.1.617.2 (Delta-Variante) vor ganz neue Herausforderungen stellt, bleibt eines ganz klar: Die dreifache Impfung zur Prävention von COVID-19 mit den momentan verfügbaren mRNA-Impfstoffen bietet aktuell den besten – wenn auch im Hinblick auf die Omikron-Variante verminderten – Schutz vor Infektionen und v. a. vor Severe-acute-respiratory-syndrome-coronavirus-2(SARS-CoV-2)-bedingten Krankenhausaufenthalten. Als wahrscheinlich bekanntester Vertreter der mRNA-Impfstoffe spielt somit BNT162b2 von BioNTech/Pfizer, besser bekannt als BNT162b2, eine entscheidende Rolle im Hinblick auf die entscheidenden Drittimpfungen. Das in der Vergangenheit beschriebene erhöhte Myokarditisrisiko im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von BNT162b2 stellt bei einigen Patienten ein Hindernis für eine positive Impfentscheidungen dar und wurde in den beiden hier vorgestellten großen, retrospektiven israelischen Datenauswertungen abgehandelt.
Insgesamt wurde bei 2,5 Mio. bzw. 5,1 Mio. Personen, die zwischen Dezember 2020 und Mai 2021 zweifach mit BNT162b2 geimpft worden waren, an Tag 42 nach Erstimpfung bzw. 30 Tage nach Zweitimpfung die Inzidenz von Myokarditiden anhand unterschiedlicher Definitionskriterien (CDC vs. Brighton Collaboration) beurteilt. So konnte in 54 (0,002 %) bzw. 136 Fällen (0,003 %) Myokarditiden diagnostiziert werden, die in 76 % vs. 95 % mild, 22 % vs. 4,7 % moderat und 1,9 % vs. 0,7 % fulminant verliefen. Generell muss gesagt werden, dass mehrheitlich eine klinische Diagnose und lediglich in einem vs. 2 Fällen eine definitiv durch Endokardbiopsien gesicherte Diagnose gestellt wurde.
In der Studie von Mevorach et al. konnte im Vergleich zu einer ungeimpften Kontrollgruppe aus den Jahren 2017 bis 2019 die Risikoerhöhung des Auftretens einer Myokarditis nach BNT162b2-Verabreichung berechnet werden. Die Analyse ergab, dass sich das Risiko bei jungen Männern im Alter zwischen 16 und 19 Jahren nach Impfung am stärksten erhöht. Interessanterweise waren in der Studie von Witberg et al. – auch wenn hier keine ungeimpfte Kontrollgruppe zum Vergleich diente – ebenfalls junge Männer (zwischen 16 und 29 Jahren) diejenigen, bei denen am häufigsten eine Myokarditis aufgetreten war. In beiden Studien war das Risiko, eine Myokarditis zu entwickeln, in der ersten Woche nach Zweitimpfung am höchsten (3–5 Tage bzw. 7 Tage).
Zusammengefasst zeigt sich in beiden Studien bei jungen Männern, vor allem nach der Zweitimpfung mit BNT162b2, ein erhöhtes Risiko für das Auftreten milder Myokarditiden. Am Ende steht dem potenziellen Nutzen einer aktuellen Dreifachimpfung mit BNT162b2 (Reduktion von Krankenhausaufenthalten und schweren intensivpflichtigen Verläufen sowie im besten Fall Schutz vor Ansteckungen und vor der Entwicklung von Long- bzw. Post-COVID-Syndromen) das erhöhte Risiko einer Myokarditis gegenüber, wobei auch bei COVID-19 selbst ein erhöhtes Myokarditisrisiko besteht. Nach sorgfältiger Abwägung kann das Nutzen-Risiko-Verhältnis als positiv im Sinne der Impfung bewertet werden, auch wenn das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs bei jungen, nicht adipösen Männern ohne Vorerkrankungen als relativ gering einzustufen ist. Insbesondere Brustschmerzen, Palpitationen sowie Luftnot in der ersten Woche nach Zweit- oder Drittimpfung sollten abgeklärt werden (anhand von Vitalparametern, Herzenzymen, EKG, transthorakaler Echokardiographie etc.).