Abstract
Der Beitrag bietet einen Einblick in die hessische Auswertung der JuCo-II-Studie. Dazu werden exemplarisch sechs junge Hessinnen und Hessen und ihre Lebenssituationen während der Pandemie kurz vorgestellt.
Schlüsselwörter: Kinder- und Jugendrechte, Corona, Hessen, JuCo II, Monitoring
Das Magazin „Wie geht es euch“ verbindet die hessische Auswertung der Jugend-Corona-Studie (JuCo) II mit sechs Lebensweltinterviews junger Hess_innen. Das Magazin wurde am Weltkindertag (1. Juni) allen hessischen Abgeordneten, Minister_innen und Staatssekretär_innen überreicht. Ziel war es, empirische Daten mit echten Lebenserfahrungen zu verbinden und Sensibilität herzustellen.
Amelie, Koray, Philine, Jessica, Alain und Talya sind die Namen der jungen Hess_innen, die wir im Rahmen des Magazins „Wie geht es euch“ befragen durften. Alle sechs kommen aus Hessen und erleben als junge Menschen die Corona-Pandemie. Das waren aber auch schon die einzigen Gemeinsamkeiten. Ihre Interviews durften wir neben die hessische Auswertung der JuCo II-Daten stellen.
Junge Menschen selbst befragen
Die Juco II-Studie hat der Forschungsverbund der Universitäten Hildesheim und Frankfurt durchgeführt. Während des ersten und zu Beginn des zweiten Lockdowns wurden junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren zu ihrem Wohlbefinden gefragt. Von den 7000 befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen kamen 1000 aus Hessen, weswegen eine Auswertung der hessischen Daten vielversprechend war. Im Oktober 2021 fand die dritte Befragung statt, deren Ergebnisse kurz vor der Veröffentlichung stehen.
Nicht nur Zahlen, auch echte Geschichten
Um den Zahlen und Ergebnissen der JuCo-Studie echte Lebensrealitäten, Geschichten und Erfahrungen an die Seite stellen zu können, haben wir sechs junge Menschen befragt. Dabei sind sechs sehr unterschiedliche Portraits entstanden. Sie zeigen nachdrücklich, wie umfangreich die Anpassungsleistung der Kinder und jungen Erwachsenen war. Es wird aber auch deutlich, wie verletzbar sie durch die Einschränkungen des Lockdowns und die Gefahr durch eine mögliche Erkrankung ihrer Familienmitglieder wurden.
Jessica: Zeitmangel und Glücksmomente
Den Anfang macht Jessica (18). Als Landesschülersprecherin wird sie häufig auch von den Medien kontaktiert und stellte inzwischen fest, dass „wir noch mehr nach unserer Meinung gefragt werden“ sollten. Zu Beginn der Pandemie hat sie von den Schulschließungen aus der Presse erfahren. Mittlerweile wird sie häufig als Expertin zu Konzeptgruppen, Podiumsdiskussionen und anderen Austauschen – auch vom Kultusministerium – eingeladen und soll die Perspektiven der Schüler_innen einbringen.
Jessica problematisiert in ihrem Interview stark, wie sehr junge Menschen auf ihre (Kinder‑) Zimmer begrenzt wurden, in denen nun gelernt, geschlafen und gelebt werden musste. Diese Eindrücke finden sich auch in den Ergebnissen der JuCo II-Studie. Auf das häusliche Umfeld begrenzt, wurden den jungen Erwachsenen ganz neue Verantwortlichkeiten zugeschrieben. So gaben zum Beispiel zehn Prozent der Befragten an, sich nun um Geschwister und andere Familienmitglieder kümmern und sie versorgen zu müssen. 25 % hatte bereits im Oktober/November 2020 Erfahrungen mit einer Quarantäne machen müssen, die das soziale Leben auf ein Minimum reduzierte. 36 % der Jugendlichen gaben an, dass ihnen körperliche Zuwendung und Sex fehle. Das ist eine Facette des Lebens, die in dieser Lebensphase immer relevanter wird. Während der Pandemie und den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen gab es für die jungen Menschen wenige/kaum Möglichkeiten, hier erste Erfahrungen zu sammeln. „Ich habe aber auch echt neue Freundschaften dazugewonnen“ sagt Jessica in ihrem Interview. Sie verdeutlicht damit auch den Bedeutungsgewinn von Freundschaft für viele Jugendliche und junge Erwachsene, wie auch die Daten der JuCo II zeigen. Der digitale Kontakt zu anderen nahm um 54 % zu, was nachvollziehbar ist, wenn echte Treffen nicht möglich waren.
Amelie: Ideen gegen die Langeweile
Auch Amelie (9) problematisiert in ihrem Interview die Möglichkeiten, zu Freund_innen Kontakt zu halten. Die Grundschülerin lebt mit ihrer Familie im hessischen Butzbach und hat eigentlich ein aktives Vereins- und Sozialleben. Während des Lockdowns versucht sie, sich neue Hobbies und Freizeitbeschäftigungen zu erschließen: „In Coronazeiten hab’ ich ein bisschen Nähen gelernt. Weil, ich hab’ zu meinem Geburtstag eine Nähmaschine bekommen.“ Fast die Hälfte der jungen Menschen (45,7 %) beobachten, wie Amelie, die Veränderung ihrer Freizeitgestaltung. Amelie bringt im Interview zum Ausdruck, wie sehr ihr der Kontakt zu anderen Gleichaltrigen und Tagesroutine fehlte. Einigen Notwendigkeiten der Pandemie kann sie etwas abgewinnen: „Testen ist wie popeln und macht ein bisschen Spaß (…)“ findet sie. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr die Pandemie insbesondere für jüngere Kinder, wie Amelie, bereits zur Normalität geworden ist: „Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, einkaufen oder ins Kino ohne Mundschutz. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, wie man es vorher gemacht hat.“ Wenn der März 2020 die Zeit in „vor“ und „nach“ Corona trennt, dann ist die neunjährige Amelie an der Schwelle derjenigen, die sich noch an „vorher“ erinnern.
Wie die meisten anderen Kinder und Jugendlichen auch, macht Amelie sich Gedanken um die Gesellschaft: „dass die Menschheit was gelernt hätte und jetzt besser aufeinander aufpassen würde“, wünscht sie sich. Damit deutet Amelie indirekt etwas an, was sich auch in den JuCo II-Daten wiederfindet. Viele der Befragten sind auch psychisch deutlich betroffen von der Pandemie. 18,8 % haben ihre Angst vor der Zukunft zum Ausdruck gebracht und etwas mehr als 40 % fühlen sich seit der Pandemie psychisch belastet. Ein hilfreiches, anregendes Umfeld, wie Amelie es erlebt hat und beschreibt, kann hier einen wichtigen Beitrag dazu leisten, eine solche Krise zu bewältigen.
Koray: Auf eigene Faust
„Die Zeit ist das Kostbarste, das man hat. Aber schließlich hat das Leben viel zu bieten“ sagt der 26-jährige Koray aus der Hanauer Kesselstadt. Koray hat bereits vor Corona begonnen, im Box-Club zu trainieren, der Teil des Jugendzentrums ist. Boxen wurde daraufhin für ihn zum „Safe-Place“. Koray sagt im Interview: „Der Eintritt in den Boxverein (…) war ein sehr besonderes und prägendes Erlebnis für mich. Ich war etwas perspektivlos. Der Box-Gym war immer so ein Highlight für mich; obwohl der Alltag beschissen war, hatte ich trotzdem Hoffnung in mir und konnte am Leben teilhaben.“ Mit dem Lockdown war auch die vorübergehende Schließung des Box-Clubs verbunden. Für Koray entsprechend eine große Herausforderung. Neben dem Box-Club als sozialer Raum des Aufgehobenseins und des Dazugehörens geht es selbstverständlich auch um die Möglichkeiten, sich körperlich auszupowern, die damit erstmal verwehrt waren. Knapp 45 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mussten auf ihre gewohnten Freizeitangebote verzichten. Vor dem Hintergrund dieser Doppelfunktion von Freizeitangeboten als Faktor für physisches und psychisches Wohlergehen ist die Schließung von Freizeitangeboten mehrfach kritisch zu betrachten. Werden Freizeitangebote auch als Raum für Demokratielernen und als Übungsraum sozialen Miteinanders betrachtet, dann fällt auch ein wichtiger Lernort weg.
Koray konnte jedoch auf die wichtigen Lebenserfahrungen aufbauen, die er im Box-Club gemacht hatte: Sich selbst als kompetent und wirksam erleben. „Der Boxsport ist sehr anspruchsvoll und spirituell“ sagt er, „das macht geistig und körperlich stark“. Also fand Koray Alternativen zu seinem Sport und begann, auf eigene Faust kleinere und dann längere Expeditionen und Wanderungen zu unternehmen: „Ich habe gelernt, wie man damit umgehen kann, wenn einem etwas weggenommen wird. Darauf bin ich schon mega stolz“. Auf seinen Touren baute er improvisierte Zeltkonstruktionen und bereitete sich sein Essen in der Natur zu. 18 % der Befragten in der JuCo-Studie gaben an, seit Corona mehr Zeit draußen zu verbringen und 26 % der jungen Menschen, dass ihnen Dinge wichtiger geworden sind, als Angebote die sie vorher genutzt haben. Die beiden Zahlen stimmen hoffnungsvoll bezüglich der sonst als „verloren“ betitelten Zeit während des Lockdowns. Für Koray bleibt es eine nachhaltige Lebenserfahrung. Nach dem Lockdown geht er auch wieder zum Boxen, nimmt für sich aus dieser Zeit aber auch vieles mit.
Talya (10): Die selbsteroberte Spielstraße (soll bleiben)
Talya erlebt den Lockdown und Corona als eine von mehreren Geschwistern in der Großstadt. Sie teilt sich das Zimmer in einer Wohnung und musste sich während des Lockdowns etwas einfallen lassen. Eingefallen ist ihr das eigentlich Naheliegendste. In der Messestadt Frankfurt stand während des Lockdowns die Zeit gewissermaßen still, kaum Messen konnten stattfinden, die Stadt war deutlich weniger belebt und damit auch die Straßen um das Messegelände und im Innenstadtbereich. Die Straßen waren somit nahezu frei und Talya konnte mit anderen Kindern die Zufahrtsstraße zum Messegelände zum Tennisplatz umfunktionieren. Absperrgitter wurden kurzerhand als Tennisnetze genutzt und die Seitenlinien wurden mit Kreide aufgezeichnet. Talya hat sich damit Raum angeeignet, nachdem ihr zuvor Räume genommen wurden.
Tennis war nicht das einzige Hobby, das sie für sich neu entdeckt hat. Nachdem das Masketragen zur Pflicht wurde, konnte sie das Nähen, das sie kurz zuvor gelernt hatte, nutzen, um viele Masken für Verwandte und Freund_innen zu nähen. Talya thematisiert, dass durch den Wegfall von Unterricht mehr Zeit für sie selbst da war. Das benennen auch 53,5 % der Teilnehmenden der JuCo II-Studie („Seit Corona habe ich mehr Zeit für mich“) und das ist durchaus auch eine Chance: „Weil mir so langweilig geworden ist, hab ich das angefangen. Ohne Corona hätte ich das nicht gemacht, weil ich die ganze Zeit in der Schule wäre.“
Auch das Thema Sorge um die Gesundheit ihrer Familie wird in Talyas Interview relevant. Ihre Cousine arbeitete während des Lockdowns in Israel und konnte nicht zurückfliegen. Die Cousine lebte dort alleine, das beschäftigte Talya. Auch eine Freundin aus der jüdischen Schule musste eine Weile in Quarantäne allein sein und Talya bastelte eine Karte, um ihr eine Freude zu machen. Online Kontakt zu halten ging mit beiden, der Cousine und der Freundin, wie auch mit der ganzen Schulklasse. 49,9 % der jungen Befragten trafen sich viel seltener als vorher, was sich aus den Kontaktbeschränkungen ergeben hat. 29,6 % der Teilnehmenden gaben an, sich im Freund_innen-Kreis seit der Pandemie öfter zu unterstützen. Zum Zeitpunkt der Studie war noch kein Jahr seit Ausbrauch des Virus vergangen. Das Interview fand etwa 14 Monate danach statt. Mit Erscheinen dieses Beitrags werden rund zwei Jahre vergangen sein. Die Frage nach den Folgen für soziale Kontakte durch die Pandemie ist in der JuCo III-Studie relevanter denn je.
In der Studie wurde nicht direkt nach der Sorge um andere Familienangehörige und Freunde gefragt. Jedoch wurde gefragt, ob Teilnehmende sich darum sorgten, andere mit Covid-19 anzustecken. Diese Sorge brachte Talya nicht explizit zum Ausdruck. Die Angst, andere mit der Krankheit anzustecken, betrifft laut Studie 68 % der Befragten. Vor dem Hintergrund, dass Schulen und Kitas lange unter dem falschen Verdacht standen, Treiber der Pandemie sein zu können, was auch in der Öffentlichkeit so dargestellt wurde, scheint die Sorge durchaus begründet auf Basis der Darstellung. Alleine zu sein, einsam zu sein – das sind sehr relevante Themen für Talya, die mit ihrer Familie lebt und sich auf die Machane freut (ein Sommercamp für jüdische und nicht-jüdische Kinder). Für die Zeit nach Corona wünscht sie sich daher, dass die Menschen mehr aufeinander Rücksicht nehmen. Und dass die neu gewonnene Spielstraße bleibt.
Alain (17): Stark durch und für Kinderrechte
Seit Alain 13 ist, lebt er in einer Wohngruppe. Als er damals einzog, war er der Jüngste und fühlte sich in dem familiären Umfeld sehr wohl. Inzwischen ist er Wohngruppen-Sprecher und lebt in einer separaten Wohnung nebenan. Sich um die Anderen zu kümmern und die Jüngeren zu unterstützen war Alain schon allein deshalb sehr wichtig. Das tat er auch während des Lockdowns. Besonders erinnert er sich an einen 13-jährigen Jungen, dem er nicht helfen konnte. Durch das Wegfallen der Angebote hatte dieser begonnen „Mist zu bauen“ und musste letztendlich in die Kinder- und Jugendpsychiatrie wechseln.
Für Alain ist es wichtig, dass Kinder ihre Rechte kennen. Deshalb hat er während der Pandemie beschlossen, sich mehr zu engagieren und ist nun Landesheimrat. Als solcher wurde er im Dezember 2020 von der Kinderkommission des Deutschen Bundestages zur Situation junger Menschen in Wohngruppen und Heimen angehört. Dort konnte er auf die gravierenden Missstände im Homeschooling hinweisen und den vielfachen Verstoß gegen die Rechte der Kinder auf Umgang mit ihren Familien während des Lockdowns. Viele, auch kleinere Kinder, konnten wochenlang ihre Eltern nicht sehen oder andersherum nicht in ihre Wohngruppen zurückkehren. „Das war krass, das geht nicht“ findet Alain.
Sich zu engagieren ist für Alain während der Pandemie noch bedeutsamer geworden. Etwa 20 % der bei der hessischen JuCo-Auswertung befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gaben ebenfalls an, sich seit der Pandemie mehr politisch zu engagieren. Alain findet: „Einschränkungen waren okay – man kann sich viel drüber streiten, manchmal waren sie zu viel, manchmal zu wenig. Da wäre mehr Transparenz wichtig.“ 34 % hätten sich gerne mit Ideen zur Eindämmung in die Politik eingebracht. 55,4 % wollen bei politischen Entscheidungen mitbestimmen. Alain befindet sich also in bester Gesellschaft und ist nicht nur von Maßnahmen betroffen, sondern auch, weil sein Opa an den Folgen einer Covid-Infektion verstarb.
Die Kinderrechte sind Alain gut bekannt und auch sehr wichtig. Während des Lockdowns hat Alain oft erleben müssen, dass Handyzeiten beschränkt oder Handys bei Fehlverhalten entzogen wurden. Wenn das Handy aber der einzige Draht „nach draußen“ ist, scheint diese Konsequenz unverhältnismäßig. Auch deshalb engagiert sich Alain für die Kinderrechte: „Alle müssen über ihre Rechte Bescheid wissen, um sich verteidigen zu können, wenn sie eingeschränkt werden.“ Auch Alain hat Pläne: Als Landesheimrat möchte er gerne nach Genf reisen, um der UN ein Positionspapier vorzustellen, das er gemeinsam mit anderen auf Bundesnetzwerktreffen der Interessenvertretung vorgestellt hat. Schlecht ging es ihm während der Pandemie nicht, sagt er, „weil ich anderen helfen konnte.“
Philine (14): Schritt für Schritt mutiger werden
Auch für Philine hatte Corona und der damit verbundene Lockdown viele Facetten. Für Philine sind regelmäßige Abläufe und Rituale wichtig, sie geben ihr Halt. Sie hat eine starke Sehbeeinträchtigung und besucht eine Förderschule. Durch den Lockdown und die vielen Veränderungen im Alltag wurde ihr Leben oft durcheinandergewirbelt. Für sie ist auch das Tragen der Maske keine nebensächliche Notwendigkeit: „Ich habe ein Video für die Schulleiterin aufgenommen und gesagt, dass ich das blöd finde mit den Masken. Ja. Ich finde es blöd, wenn wir Maske tragen müssen.“ Geändert hat es leider nichts, aber für Philine war das trotzdem ein wichtiger Schritt, sich zu zeigen und sich etwas zu trauen. So, wie im Jugendforum, wo Philine sich seit zwei Jahren bereits engagiert. Während des Lockdowns pausierte Philines Teilnahme an dem Projekt, das Freizeit- und Spielflächen gestaltet. Die Treffen fanden digital statt und das war für Philine sehr herausfordernd. Der Lockdown selbst war für Philine und ihre Zwillingsschwester, mit der sie sich ein Zimmer teilt, kein Problem. Eine saß in der Küche, die andere im Kinderzimmer. Und auch in der Schule konnte Philine, bis auf das Tragen der Maske, viel mitnehmen: „Ich hab’ etwas Neues gelernt: Roller fahren. Mit meiner Lehrerin.“ Die Großeltern blieben für Philine weiterhin sehr wichtig. Mit der Familie hatte man sich verständigt, dass auch während des Lockdowns weiterhin Besuche bei Oma und Opa möglich bleiben sollten. Das war für sie sehr wichtig.
Den Fragebogen der JuCo II-Studie gab es zwar auch in leichter Sprache, die Bedarfe von jungen Menschen, die nicht im Regelsystem der Schulen, der Ausbildung oder dem Studium vorkommen, konnte er aber nicht erheben. Auch Fragen zu Gewalt wurden in der JuCo II-Studie nicht gestellt.
Das Bewusstsein für heterogene Lebensrealitäten schärfen
Mit der Überreichung des „Wie geht es euch“-Magazins an die Vertreter_innen der hessischen Landespolitik soll das Bewusstsein geschärft werden, dass Kinder und Jugendliche in ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten aufwachsen. Als junger Mann in einer ländlichen Wohngruppe wie Alain, als engagierte Aktivistin wie Jessica, oder auch als Viertklässlerin in der Großstadt wie Talya. Was sie alle vereint ist, dass sie kein politisches Mandat haben, nicht wählen können und auch keine besondere Interessensvertretung haben. In Hessen hat man durch die Benennung einer Landesbeauftragten für Kinder- und Jugendrechte schon einen wichtigen Schritt getan. Ein weiterer wichtiger Schritt wird das Kinder- und Jugendrechte-Monitoring sein, das derzeit umgesetzt wird. Hessen ist das einzige Bundesland, das wissen möchte, wie gut die Kinder- und Jugendrechte umgesetzt werden. Als Konsequenz auf den Umgang mit Kindern- und Jugendlichen während der Pandemie ist das dringend notwendig – nicht nur in Hessen.
Biography
*1983; Diplom-Erziehungswissenschaftlerin; seit 2020 Landesbeauftragte für Kinder- und Jugendrechte in Hessen.
