Patienten mit chronisch-lymphatischer Leukämie (CLL) tragen in der Regel mehrere Risikofaktoren für einen schweren Verlauf nach Infektion mit Sars-CoV-2. In einer Studie wurden Fallsterblichkeit und Überlebenschancen dieser Patienten untersucht.
COVID-19 könnte bei Patienten mit CLL besonders schwer verlaufen, weil bei ihnen in der Regel mehrere Risikofaktoren zusammenkommen: das Alter, die Erkrankung selbst sowie die behandlungsbedingte Immunsuppression. Eine internationale multizentrische Arbeitsgruppe hat daher das Outcome von CLL-Patienten mit Covid-19 genauer analysiert, vor allem auch im Hinblick auf angewendete CLL-Therapien.
Im Rahmen der retrospektiven Studie wurden die Daten von 941 Patienten mit CLL und bestätigter COVID-19-Erkrankung ausgewertet. Die Fallsterblichkeit lag für Patienten mit einem schweren COVID-19-Verlauf bei 38,4 %. Dabei wurde ein schwerer Verlauf definiert als Hospitalisierung mit benötigter Sauerstoffzufuhr oder Behandlung auf der Intensivstation.
Das Mortalitätsrisiko war höher für ältere Patienten (Hazard Ratio [HR] 1,03) und für jene, die unter Herzinsuffizienz litten (HR 1,79).
Darüber hinaus war das Gesamtüberleben im Falle eines schweren Verlaufs für alle Patienten, die sich zur Zeit ihrer COVID-19-Erkrankung in aktiver Krebstherapie befanden, ungünstiger als für Patienten, die gerade nicht in behandelt wurden (p < 0,001). Unbehandelte Patienten hatten zudem ein niedrigeres Risiko zu sterben (HR 0,54).
Dabei ergab sich auch ein ungünstigeres Outcome, wenn Patienten separat nach Therapien analysiert wurden (BTKi ["Bruton'styrosine kinase"-Inhibitor]; Venetoclax, Chemoimmuntherapie oder Anti-CD20-Antikörper). Patienten, die ihre BTKi-Behandlung während der COVID19-Erkrankung fortsetzten, erging es nicht signifikant schlechter als solchen, die die Behandlung stoppten.
Eine Fortsetzung der Behandlung schadet Patienten also offenbar nicht und hilft zugleich, die CLL unter Kontrolle zu halten. Aktuelle Empfehlungen betonen deshalb, dass keine Unterbrechung der Therapie im Fall einer Sars-CoV-2-Infekton indiziert ist.
Fazit: Alter, Herzschwäche sowie eine aktuelle CLL-Therapie sind signifikante Risikofaktoren für das Gesamtüberleben von CLL-Patienten. Patienten ohne Therapie hatten insgesamt bessere Überlebenschancen als solche, die sich in Behandlung befanden oder zuvor eine Therapie gegen ihre CLL bekommen hatten.
Chatzikonstantinou T et al. COVID-19 severity and mortality in patients with CLL: an update of the international ERIC and Campus CLL study. Leukemia. 2021;35(12):3444-54
