Schützt Rotwein vor Corona?
Die Frage treibt von der Leitlinienautorin bis zum Laien alle um: Wie kann man einer Corona-Infektion vorbeugen? Wir wissen bereits, dass Impfung, Maske und Abstand guten Schutz bieten. Nun stellt sich heraus, dass auch eine kluge Wahl des alkoholischen Entspannungsdrinks am Abend einen nicht unwesentlichen Einfluss auf das Risiko hat.
Neue Forschungserkenntnisse deuten an, dass Wein und Champagner sich in Bezug auf das Corona-Infektionsrisiko ganz anders verhalten als etwa Schnaps und Bier. Auf der Suche nach dem richtigen alkoholischen Getränk in Pandemiezeiten ist eine Autorengruppe tief in die Daten der UK-Biobank-Kohorte mit 473.957 Britinnen und Briten eingetaucht, deren Trinkgewohnheiten bekannt waren. 16.559 Teilnehmende hatten sich mit SARS-CoV-2 infiziert. Mit der Methode der multivariaten logistischen Regression analysierte das Autorenteam den Zusammenhang zwischen Trinkgewohnheiten und Corona-Risiko und fand folgendes:
Rotwein schützt vor der Infektion! Die Schutzwirkung beginnt bei moderatem Konsum, entfaltet sich aber erst bei wenigstens sieben Gläsern pro Woche voll. Mit der doppelten Menge ist man erst recht auf der sicheren Seite.
Regelmäßiger Input von Weißwein oder Champagner reduziert ebenfalls das Corona-Risiko. Allerdings ist die Schutzwirkung im höheren Dosisbereich nicht so ausgeprägt wie bei Rotwein.
Likörweine halten das Coronavirus bei moderatem Konsum von ein bis zwei Gläsern pro Woche in Schach. Jenseits dieser Menge geht die Schutzwirkung verloren.
Kommen wir zu den schlechten Nachrichten:
-
4.
Bier- und Cider-Trinker leben in Pandemiezeiten gefährlich. Der Konsum erhöht dosisabhängig das Infektionsrisiko, schon bei fünf Einheiten pro Woche ist es deutlich (um 28%!) erhöht.
-
5.
Schnapstrinker müssen sich ebenfalls vor dem Coronavirus vorsehen, wenn sie sich mehr als fünf Schnäpse pro Woche genehmigen.
-
6.
Heftiger Alkoholkonsum erhöht grundsätzlich das Infektionsrisiko.
17% Risikoreduktion in Bezug auf eine SARS-CoV-2-Infektion bringt der Konsum von ≥ 5 Gläsern Rotwein pro Woche. Es kommt also auf die richtige Menge und die richtige Mischung der Polyphenole an, um sich gegen Viren zu schützen.
Dai XJ, Tan L, Ren L et al. COVID-19 risk appears to vary across different alcoholic beverages. Front Nutr. 2022;8:772700s
Omikron vs. Delta (1).
Antigenschnelltests weisen die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 offenbar weniger gut nach als die Delta-Variante. Darauf deutet eine Studie hin, die die Leistungsfähigkeit von neun Tests untersucht hat. Der richtige Nachweis von Omikron erforderte eine bis zu 101-fach höhere Viruslast als der von Delta.

Osterman A. et al. Medical Microbiology and Immunology 2022; doi: 10.1007/s00430-022-00730-z
Omikron vs. Delta (2).
Eine Analyse der Sterberegister in England zeigt, dass Infektionen mit der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 deutlich seltener tödlich enden als mit der Delta-Variante. Dies gilt vor allem für jüngere Menschen und ältere Männer. Insgesamt war das Sterberisiko nach einer Omikron-Infektion im Vergleich zu Delta signifikant um 67% niedriger.
Office for National Statistics, März 2022; https:// go. sn. pub/ DBba51
An Corona verstorben - nicht mit Corona.
Die oft geäußerte, verharmlosende Vermutung, Coronatote sterben meist nicht am, sondern lediglich mit dem Coronavirus, ist von Aachener Pathologen nun entkräftet worden. Ihrer Studie zufolge fanden fast neun von zehn COVID-19-Patienten den Tod durch Komplikationen, die durch SARS-CoV-2 verursacht worden sind. Basis dieser Untersuchung waren 1.095 Datensätze des eigens für solche Analysen angelegten deutschen COVID-19-Autopsieregisters. Das Verhältnis von Männern zu Frauen lag bei 1,8 : 1. Die Todesfälle waren bei Männern mit COVID-19 gehäuft im Alter zwischen 65 und 69 Jahren sowie zwischen 80 und 84 Jahren aufgetreten. Für Frauen verlief die Infektion dagegen besonders im Alter über 85 Jahren tödlich. Als häufigste Todesursache wurde mit 52% ein diffuser Alveolarschaden im Zuge eines akuten Lungenversagens (DAD/ARDS) festgestellt worden, gefolgt von einem Multiorganversagen (18%).
Von Stillfried S et al. Lancet Reg Health Eur 2022; doi: 10.1016/j.lanepe.2022.100330
FSME im Vormarsch.
Wie sich die Inzidenz der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) im Laufe der COVID-19-Pandemie in europäischen Ländern entwickelt hat, haben jetzt polnische Forscher untersucht. Sie verwendeten dafür Daten des European Center for Disease Prevention and Control und von Eurostat. Verglichen wurden die Inzidenzen von 2015 bis 2019 mit jenen von 2020. Zu ihren Erkenntnissen berichten die Studienautoren: "Trotz der COVID-19-Pandemie und der auferlegten Restriktionen ist die Inzidenz von FSME in mehr als der Hälfte der analysierten Länder gestiegen." Deutschland gehört dazu. Lag die FSME-Inzidenz hierzulande in den Jahren 2015 bis 2019 bei 0,5 je 100.000 Einwohner, erreichte sie 2020 einen Wert von 0,85/100.000; das bedeutet einen Zuwachs um 70%. Besonders betroffen war das Bundesland Bayern.
Blick ins Baltikum: Weitaus höhere FSME-Inzidenzen werden aus den baltischen Staaten berichtet. In Litauen etwa beträgt sie 24,3/100.000. Die Länder des Baltikums haben aber auch die höchsten Impfquoten: In Lettland beispielsweise sind 53% der Einwohner gegen FSME geimpft. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Impfquote bei 3%.
Der höchste Anstieg überhaupt war in Frankreich zu verzeichnen, wo die FSME-Inzidenz um 250% zunahm - allerdings auf nach wie vor niedrigem Niveau (2020: 0,07/100.000). Daneben gab es zwei Länder mit signifikanten Reduktionen der Inzidenz: Polen und Estland mit Rückgängen von 42% bzw. 17%. Im Pandemiejahr 2020 seien die höchsten Inzidenzanstiege in Ländern mit verschiedenen Klimazonen festzustellen gewesen, darunter Frankreich, Bulgarien, Norwegen, Österreich und Italien, so die Autoren.
Zając Z et al. J Clin Med 2022;11:803; doi:10.3390/jcm 11030803
Dokumentation führt zu einer Mehrbelastung für Pflegende.
Der Dokumentationsaufwand im Pflegealltag ist hoch. Jedoch erlaubt er die Überprüfung gewählter Maßnahmen und ihre Wirksamkeit. In einer aktuellen niederländischen Studie unterscheiden De Groot und Kolleg*innen klinische und organisatorische Dokumentation und geben Einblick in Einflüsse dieser beiden Faktoren auf die empfundene Arbeitslast von Pflegekräften. Klinische Dokumentation bedeutet die Nachvollziehbarkeit direkt am Patienten durchgeführter Pflege, während organisatorische oder finanzielle Dokumentation unter anderem dem Management von Pflegeeinrichtungen dient. Zielgruppe waren Community Nurses.
Faktoren, die die Arbeitslast erhöhen
Die Verbindung zwischen Arbeitsbelastung und Dokumentationsaufwand ist bisher wenig untersucht. Zur Klärung in diesem Zusammenhang formulierter Forschungsfragen wurde eine Mixed-Methods-Studie durchgeführt, in der quantitative Daten mit qualitativen Erkenntnissen angereichert wurden. De Groot et al. stellten Fragen zur empfundenen Arbeitsbelastung und ihren Bedingungen sowie zur Nutzung elektronischer Gesundheitsakten. Die Befragung von 195 Pflegenden untersuchte, ob ein Zusammenhang zwischen Dokumentation und Arbeitslast besteht. Anschließend durchgeführte Fokusgruppen mit weiteren 28 Pflegenden erhoben tiefergehend, wie dieser Zusammenhang ausgestaltet ist.
Laut der veröffentlichten Ergebnisse empfindet mehr als die Hälfte der befragten Pflegenden eine hohe Arbeitslast aufgrund von Dokumentationstätigkeiten. Interessant ist, dass bei organisatorischer Dokumentation eine vergleichbare Arbeitsbelastung entsteht, wie bei klinischer Dokumentation doppelten Umfangs. Pflegende schätzten ihren Aufwand für letzteres auf im Schnitt acht Stunden, für organisatorische Inhalte auf ca. 3,6 Stunden pro Woche. Im Kontext elektronischer Gesundheitsakten wurde die mangelnde Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen bemängelt, welche einen zusätzlichen Aufwand für Pflegekräfte verursacht.
De Groot et al. BMC Nursing (2022) 21:34 https://doi.org/10.1186/s12912-022-00811-7
Kommentar: Die Studie von De Groot und Kolleg*innen verdeutlicht einen wichtigen Aspekt: Der Aufwand tatsächlich durchgeführter Pflege ist ungleich dem Aufwand aller Maßnahmen, die zur Pflege notwendig sind. Unter diesen Voraussetzungen sind Pflegekräfte darauf angewiesen, dass mindestens die organisatorische Dokumentation effizient ausgestaltet ist. Eine Stellschraube liegt in der untersuchten Einflussnahme elektronischer Gesundheitsakten zur Dokumentation, die sich auf weitere Gesundheitssysteme als das niederländische ausweiten lässt: Mangelnde Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen ist weiterhin ein Problem. Durch diese nimmt organisatorischer Dokumentationsaufwand zu. Welche Prozesse adäquater abgebildet werden könnten, wird in der Studie von De Groot et al. nur kurz beschrieben. Insbesondere Arbeitsweisen und -abläufe des Pflegepersonals sollten mitgedacht und berücksichtigt werden.

