Krebstod durch Alkohol.
Weltweit sterben pro Jahr rund 500.000 Menschen an Krebserkrankungen, die durch Alkohol verursacht wurden. Dies entspricht etwa 5% aller Krebstodesfälle. Deutschland belegt dabei nach wie vor einen der vorderen Plätze. Dies hat ein Team anhand der Studie Global Burden of Disease (GBD) der WHO berechnet. Am häufigsten stehen Leber-, Ösophagus- und Kolorektalkarzinome in Zusammenhang mit Alkoholkonsum, meist (75%) sind Männer betroffen.
Saeid S et al. Cancer 2022; doi: 10.1002/cncr.34111
Risikofaktoren im Blick.
Forscher haben auf Datengrundlage von 1,2 Millionen gegen COVID-19 Geimpfte acht Faktoren identifiziert, die einen schwerwiegenden Impfdurchbruch begünstigen. Mindestens einer dieser Faktoren lag bei jedem schwer Erkrankten vor, Patienten mit einem tödlichen Verlauf hatten größtenteils mindestens vier dieser Faktoren. Diese sind: Alter über 65 Jahre, Immunsuppression, chronische Erkrankung der Lungen, der Leber oder der Nieren, neurologische oder kardiale Krankheiten und Diabetes. Von den 1,2 Millionen erkrankten 2.246, 189 hatten einen schweren Krankheitsverlauf, 36 Patienten starben.
MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2022; online 7. Januar
Vegetarier im Vorteil.
Vegetarier und Pesco-Vegetarier haben offenbar ein geringeres Risiko an Krebs zu erkranken. Dies legt eine Auswertung der UK Biobank-Studie nahe, an der zwischen 2006 und 2010 mehr als eine halbe Million Briten teilnahmen. Analysiert wurden die Daten von 472.377 Teilnehmern, von denen in einer Nachbeobachtungszeit von 11,4 Jahren 54.961 neu an Krebs erkrankt waren.
Im Vergleich zu Fleischessern erkrankten Vegetarier zu 14%, Pesco-Vegetarier zu 10% seltener an Krebs. Das heißt: Auf 1.000 Fleischverweigerer kamen im Zeitraum von zehn Jahren 13 weniger Krebserkrankungen. Darm-, Brust- und Prostatakrebs traten bei Vegetariern und Pesco-Vegetariern um bis zu 43% seltener auf als Fleischessern.
Wiemken T.L. et al. Vaccine Volume 39, Issue 39, 15 September 2021, Pages 5524-5531
Belastete Atemwege.
Nicht nur virusgeschwängerte Aerosole hat die Coronapandemie freigesetzt, auch der Einsatz von Reinigungsmitteln hat im Büro und Home Office pandemisch um sich gegriffen. US-Forscher haben die Emissionen von Putzmitteln mit Zitrusgeruch untersucht, die Monoterpene enthalten. Ergebnis: Solche Mittel setzen organische Aerosole frei, die resultierenden Dosiswerte in den Atemwegen sind oft größer als jene, die man im Straßenverkehr inhaliert. Immerhin wirkt Lüften gegen beide Arten von Pandemien.

Rosales CMF et al. Sci Adv 2022;8:eabj9156
Optimisten leben länger.
Eine Analyse berücksichtigte zehn prospektive Kohortenstudien mit Daten von mehr als 215.000 Probanden. Unterschieden wurde zwischen Optimisten und Pessimisten. Die Frage lautete, ob in einer der beiden Gruppen mehr kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle auftraten. Die Nachbeobachtungszeiten reichten von sieben bis 40 Jahren. Sechs der berücksichtigten Studien enthielten Daten zur Gesamtmortalität der Teilnehmenden. Die Analyse ergab, dass Optimisten ein signifikant um 13% geringeres Sterberisiko hatten. In sieben Studien ging es um kardiovaskuläre Ereignisse. Für diese war das Risiko der optimistisch eingestellten Probanden signifikant um 41% niedriger als das der anderen Gruppe.
Krittanawong C. et al. 2022; doi.org/10.1111/jdv.17967
Mehr Nebenwirkungen.
Forscher*innen aus den USA und Kanada haben anhand der Daten aus dem SWOG-Cancer Research Network von rund 23.300 Krebskranken versucht zu klären, ob das Geschlecht Einfluss auf die Verträglichkeit von Therapieformen hat. Von den Teilnehmenden hatten rund 17.400 Personen eine Chemotherapie erhalten, rund 2.300 eine Immuntherapie und rund 3.600 eine zielgerichtete Therapie. Fazit: Der Anteil der Frauen, die unter Nebenwirkungen der Krebstherapie litten, lag über dem der Männer (68,6% vs. 62,2%).
doi.org/10.1200/JCO.21.02377
FSME im Vormarsch.
Wie sich die Inzidenz der FrühsommerMeningoenzephalitis (FSME) im Laufe der COVID-19-Pandemie in europäischen Ländern entwickelt hat, haben jetzt polnische Forscher untersucht. Sie verwendeten dafür Daten des European Center for Disease Prevention and Control und von Eurostat. Verglichen wurden die Inzidenzen von 2015 bis 2019 mit jenen von 2020. Zu ihren Erkenntnissen berichten die Studienautoren: "Trotz der COVID19-Pandemie und der auferlegten Restriktionen ist die Inzidenz von FSME in mehr als der Hälfte der analysierten Länder gestiegen." Deutschland gehört dazu. Lag die FSME-Inzidenz hierzulande in den Jahren 2015 bis 2019 bei 0,5 je 100.000 Einwohner, erreichte sie 2020 einen Wert von 0,85/100.000; das bedeutet einen Zuwachs um 70%. Besonders betroffen war das Bundesland Bayern.
Blick ins Baltikum: Weitaus höhere FSME-Inzidenzen werden aus den baltischen Staaten berichtet. In Litauen etwa beträgt sie 24,3/100.000. Die Länder des Baltikums haben aber auch die höchsten Impfquoten: In Lettland beispielsweise sind 53% der Einwohner gegen FSME geimpft. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Impfquote bei 3%. Der höchste Anstieg überhaupt war in Frankreich zu verzeichnen, wo die FSMEInzidenz um 250% zunahm - allerdings auf nach wie vor niedrigem Niveau (2020: 0,07/100.000). Daneben gab es zwei Länder mit signifikanten Reduktionen der Inzidenz: Polen und Estland mit Rückgängen von 42% bzw. 17%. Im Pandemiejahr 2020 seien die höchsten Inzidenzanstiege in Ländern mit verschiedenen Klimazonen festzustellen gewesen, darunter Frankreich, Bulgarien, Norwegen, Österreich und Italien, so die Autoren. (rb)
Zając Z et al. J Clin Med 2022;11:803; doi:10.3390/jcm 11030803
Mangelernährung im Alter .
Wie sollte eine Fortbildung zum Thema Mangelernährung im Alter konzipiert sein, um Mitarbeitenden in Pflegeeinrichtungen ein anwendungsnahes Basiswissen zu vermitteln und dadurch die Ernährungssituation von Pflegebedürftigen zu verbessern? Das Team des Projektes EfA - Ernährung fürs Alter der EUFH (Hochschule für Gesundheit, Soziales und Pädagogik) erstellte ein Konzept für eine zweitägige digitale Fortbildung. Diese wurde als Pilotprojekt kostenfrei angeboten und abschließend evaluiert.
Die Dozentinnen vertieften die Bereiche bedarfsgerechte Ernährung und kritische Nährstoffe im Alter sowie das Risiko von Mangelernährung bei speziellen Erkrankungen. Dabei legten sie Wert darauf, Kenntnisse zu validierten Screening-Instrumenten zu vermitteln, da zur Beurteilung des Ernährungsstatus häufig ausschließlich der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen wird und damit Mangelernährung oft unerkannt bleibt. Prävention sowie Maßnahmen beim Auftreten von Mangelernährung bildeten einen weiteren Fortbildungsschwerpunkt. Ein Einblick in gesundheitspolitische und rechtliche Aspekte rundete das Fortbildungsangebot ab.
Hoher Fortbildungsbedarf
Von den 17 angemeldeten Teilnehmenden konnte die Hälfte wegen zeitlicher, personeller Engpässe in ihren Einrichtungen nicht durchgehend dabei sein. Die Mehrheit der Teilnehmenden kam aus stationären Pflegeeinrichtungen, vertreten waren zudem Mitarbeitende aus Kliniken und ambulanten Einrichtungen. 63% hatten noch nie eine Fortbildung zu Mangelernährung absolviert. 38% gaben an, dass es in ihrer Einrichtung keine Ansprechperson zu diesem Thema gibt. Assessmentinstrumente zum Ernährungsstatus werden laut Angaben bei 37,5% der Einrichtungen der Teilnehmenden immer, bei 25% häufig eingesetzt. Die übrigen Befragten gaben an, dass Assessmentinstrumente manchmal bis nie zur Anwendung kommen. Als relevant für die eigene Einrichtung bewerteten die Teilnehmenden vor allem das Erkennen und die Prävention von Mangelernährung sowie Besonderheiten bei der Nahrungsauswahl. Obgleich die Fortbildung in rein digitaler Form stattfand, gaben die Befragten eine sehr gute Bewertung für die Didaktik; 87,5% meldeten zurück, dass sie sich aktiv an der Fortbildung beteiligen konnten. Dreiviertel der Befragten gaben an, dass sie die Inhalte und Anregungen der Fortbildung auf ihren Arbeitsalltag übertragen können.
Graeb F, Wolke R (2021) Mangelernährung bei geriatrischen Patient*innen: Risikofaktor stationäre Langzeitpflege? HBScience 12: 58 - 66
Kommentar: Die Evaluation zeigt, dass das Thema Mangelernährung für Mitarbeitende in der Pflege relevant ist, dass es einen Bedarf an entsprechenden Ansprechpersonen gibt und dass Assessmentinstrumente zu wenig bis gar nicht eingesetzt werden. Trotz großem Interesse gestaltete sich jedoch die genaue Planung der EfA-Fortbildung schwierig. Es gab häufige Absagen aufgrund von Personalmangel. Die Erfahrungen der EfA-Fortbildung zeigen auch, dass eine digitale Fortbildung didaktisch abwechslungsreich und aktivierend umzusetzen ist sowie von Teilnehmenden positiv bewertet wird. Das digitale Format ermöglicht eine distanzüberwindende, erleichterte Teilnahme, da keine Anreise nötig ist.

