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. 2022 Aug 9;70(8):600–603. [Article in German] doi: 10.1007/s15011-022-5085-9

Nur live und in Farbe

20. DERM brachte ohne Hybridformat die Fachgruppe zusammen

Wolfgang Hardt 15011209749001,, Anna Riehl 15011209749002
PMCID: PMC9360673

FRANKENTHAL - Weniger parallele Themenstränge, größere Räume, besserer Lernerfolg: Die 20. Jubiläums-DERM lieferte - ausschließlich live - mit einem an die Coronasituation angepassten Konzept perfekte Fortbildung für die Praxis. Ein Leitthema dabei war die Digitalisierung.

Ursprünglich wie gewohnt für den März geplant, dann aber coronabedingt auf das erste Juliwochenende verschoben, bot die Jubiläumsausgabe der DERM spannende Fortbildung in sommerlicher Atmosphäre. Zwar konnte die Tagung nach einer kompletten Online-Ausgabe in 2020 und einer hybriden Form im vergangenen Jahr noch nicht an alte Besucherrekorde anknüpfen. Das kann aus Sicht der rund 850 ärztlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber durchaus als Erfolg gewertet werden. Es ging deutlich entspannter zu als in den letzten Jahren vor der Pandemie. Keine Spur von Sitzplatzproblemen bei zu spätem Erscheinen, was früher aufgrund von fünf parallelen Themensträngen kaum zu vermeiden war. Diesmal gab es nur drei. Die Folge waren größere Räume mit luftigerer Atmosphäre, auch wenn die Stuhlreihen dicht besetzt waren - wie beispielsweise am Samstagmorgen beim Thema Digi- talisierung.

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Digitale Medizin nicht in der Fläche angekommen

Dabei lieferte unter anderem Prof. Matthias Augustin, Direktor des Institutes für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), einen Überblick dazu, was im Zuge der Coronapandemie bei der Digitalisierung geht und was nicht. Demnach habe der vielfach beschworen Boost für digitale Anwendungen durch die Pandemie in Teilen der Welt zwar stattgefunden, aber nur dort, wo man ohnehin bereit dafür war. In Deutschland sei nicht einmal ein Corona-Impfregister aufgebaut worden, obwohl dies digital einfach zu bewerkstelligen gewesen wäre, wie Augustin ausführte.

Stattdessen überwiegen hierzulande nach wie vor die informellen Lösungen. So habe das digitale Fax in der Pandemie ein Revival erlebt. Auch ein Survey mit 1.500 Hautärztinnen und Hautärzten zur Frage, wie sich die digitale Dermatologie während der Pandemie verändert habe, zeigt Stagnation. Lediglich "auf basalem Niveau", so Augustin, habe es Steigerungen bei der Nutzung der Video- sprechstunde, beim digitalen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und bei telemedizinischer Nachsorge gegeben. "Die digitale Medizin ist bisher trotz Coronapandemie bei Hautkrankheiten nicht in der Fläche angekommen", fass- te der Versorgungsforscher die aktuelle Situation zusammen.

Auf der anderen Seite biete die Digitalisierung erhebliches Potenzial, wie Augustin darlegte. Es sei mühelos möglich, für alle Bereiche der digitalen Medizin - ob Telemedizin, Apps und Devices, Big Data, Künstliche Intelligenz oder Robotik - einen Vorteil für die Versorgung zu finden. Auf einem guten Weg ist die Dermatologie nach Augustins Worten bei der Bilddiagnostik, ebenso bei verschiedenen Einzelprojekten der teledermatologischen Versorgung aus dem IVDP, wie Teleship, Telewunde, Telepflege und die Gefängnisversorgung. Vielversprechend seien zudem auch Plattformen wie "OnlineDoctor", "Derma2go", "dermanostic" oder "AppDoc".

Gleichzeitig mahnte Augustin bei diesen sowie bei anderen Online-Anwendungen eine wissenschaftliche Evalua- tion an. Bislang gebe es nur Beschreibungen der Anwendungen, aber keine vergleichenden Studien, mit denen der Mehrwert von Apps gegenüber der normalen Versorgung geprüft wird. Um die Digitalisierung weiter voranzutreiben, so das Fazit Augustins, braucht es Geduld, Nachdruck, eine bundesweite Agenda zur Gestaltung der digitalen Transformation in der Dermatologie und einen stringenten Implementierungsplan für die Verfahren mit ihrem Nutzenpotenzial.

Mit agiler Führung Digitalisierung in der Praxis meistern

Für Businesscoach Marcus Lampert steht fest, dass es eines neuen Führungsverständnisses bedarf, um bei den zukünftigen, durch die Digitalisierung aus- gelösten Change-Prozessen erfolgreich im Team zusammenarbeiten zu kön- nen. Denn Digitalisierung bedeute nicht nur ein Tablet zu benutzen oder Videosprechstunden abzuhandeln, sondern solle auch immer den Menschen im Fokus haben, der diese Entwicklungen umsetzen und bedienen muss.

Lampert erinnerte daran, dass mit der Digitalisierung auf die ärztliche Arbeitswelt neue Herausforderungen zukommen. Die Themen werden komplexer und die Entwicklung neuer Tools und Mittel wird enorm beschleunigt. Dabei geraten Ärztinnen und Ärzte unter Innovations- und Kostendruck. Immer mehr Aufgaben müssen in kürzerer Zeit und oft parallel bewältigt werden. Es muss entschieden werden, ob die Tools zur Ausrichtung der Praxis passen, ob sie effizient sind, wann sie in den Praxisablauf implementiert werden können und wie oder wer sich in die neuen Mittel einarbeitet. Hinzu kommt der Wertewandel der Gesellschaft. All das muss sich mit den Anforderungen der Patientinnen und Patienten sowie der Work-Life-Balance des Praxispersonals vereinbaren lassen.

Als Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sieht der Coach agi- le Prinzipien und Werte. Dazu gehört Commitment, Respekt vor dem anderen, Offenheit für das Fremde und Neue, Fokus auf das Wesentliche und Mut, neue Ideen auszuprobieren. Eine agile Führung, soll verschiedene Aspekte und Beteiligte hierarchieübergreifend zusammenführen.

Lampert unterteilt dabei eine agile und erfolgreiche Zusammenarbeit in vier Bereiche. So müsse die Führungskraft zum einen emotional intelligent handeln und auch die Perspektive wechseln, um sich in ihr Gegenüber zu versetzen. Es gehe in erste Linie darum, zu verstehen, warum derjenige so und nicht anders handelt und ob dieses andere Vorgehen auch zum gewünschten Ziel führen kann − man muss selbst agil sein.

"Wenn ich von anderen Agilität erwarte, muss ich auch selbst dazu bereit sein, flexibel und schnell auf verschiedenen Gegebenheiten zu reagieren", betont Lampert. Dabei müsse man sich von einem fixen Mindset - ich bin so; das kann ich nicht - lösen und zu einem dynamischen Mindset - ich kann mich verändern; ich kann das ausprobieren - umdenken.

Ein weiterer Punkt sei die Beziehungspflege. Wichtig sei, mit allen Beteilig- ten auf Augenhöhe zu kommunizieren und den Dialog zu fördern. So können Lösungen für verschiedene Aufgaben gemeinschaftlich gesucht und besprochen werden. "Man braucht nicht selbst auf alles eine Antwort zu haben. Wer fragt gewinnt", so Lampert.

Als Arzt könne man sein Personal durch Fragen führen und so eine Umgebung schaffen, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst aktiv werden. Lampert zufolge seien diese oft viel näher an Themen dran, bei denen Ärzten oft der Durchblick fehle. Nicht zuletzt sollte das Team im Mittelpunkt stehen. Statistisch gesehen komme auf 200 Ärzte eine Medizinische Fachangestellte. Fachkräftemangel steht in Gesundheitsberufen auf der Tagesordnung. "Schaffen Ärzte eine Vertrauenskultur und bringen Wertschätzung ins Team, sind sie in der Praxis gut aufgestellt", sagt der Businesscoach.

Hautkrebsscreening auf dem Prüfstand

Neben der Digitalisierung gab es weite- re berufspolitisch geprägte Themen. So ging der BVDD-Landesverbandsvorsitzende von Nordrhein, Dr. Rolf Ostendorf, auf bekannte Probleme in Sachen Hautkrebsscreening (HKS) ein. Unter anderem führte er die bei der diesjährigen Nationalen Versorgungskonferenz Hautkrebs diskutierten Mängel - ins- besondere die angebliche mangelhafte Qualität - nochmals auf. Für eine genaue, strukturierte Untersuchung empfahl Ostendorf, nach einem Schema, das jeder für sich selbst wählen kann, vorzugehen. Das bedeutet, dass der gesamte Körper immer in der gleichen Reihenfolge untersucht werden sollte. Ostendorf zufolge würde in diesem Fall auch bei einer Unterbrechung während der Untersuchung keine Körperstelle vergessen werden.

Ebenso sprach der Dermatologe die Unzufriedenheit unter den Dermatologinnen und Dermatologen an. Zum einen seien sie insgesamt unzufrieden mit der Notwendigkeit, eine Fortbildung absolvieren zu müssen, um das gesetz- liche HKS abrechnen zu können. Zum anderen würde die zweistufige Systematik nicht funktionieren, da Hausärztinnen und Hausärzte oft selbst operieren oder direkt an Chirurginnen und Chi- rurgen überweisen. Außerdem fehle regelhaft eine Überweisung zum Zweitscreening, meistens würde nur die kurative Abklärung eines Verdachtsbefundes beauftragt.

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Als drittes großes Problem nannte er die schwache Evidenz des HKS. Das liege vor allem an fehlenden aussagekräftigen Studien. "Wir haben alle schon Patientinnen und Patienten in der Praxis gehabt, denen das Hautkrebsscreening das Leben gerettet hat. Das Problem besteht aber darin, dass es bis heute keine Studien gibt, die das belegen", sagte Ostendorf. Von 2009 bis 2018 nahmen mehr als 42 Prozent der anspruchsberechtigten gesetzlich versicherten Patienten nicht am Hautkrebsscreening teil. Im Jahr 2020 sank die Teilnahme weiter. Zur Ausschöpfung des Potenzials des gesetzlichen HKS und zur Optimierung der Früherkennung sei eine umfassende Qualitätsoffensive notwendig, die sowohl die Durchführung als auch die Dokumentation und damit gleichzeitig die Evaluation adressiert.

Drei neue Konzepte für bessere Versorgung ausgezeichnet.

Bereits zum zwölften Mal wurde im Rahmen der DERM der Innovationspreis Dermatologie vergeben. Die Auszeichnung des BVDD wird in Kooperation mit der Professor Paul Gerson Unna Akademie verliehen. Aufgrund der Vielzahl an zukunftsweisenden Einreichungen gab es dieses Mal eine Besonderheit: Erstmals wurden drei Projekte mit einem Preisgeld von insgesamt 9.000 Euro ausgezeichnet. Prof. Hagen Ott, Hannover, belegte mit dem Projekt "Outreach Nurse für Schmetterlingskinder" den ersten Platz, gefolgt von Dr. Sophia Bender-Säbelkampf, Erlangen, mit ihrem "Palliativmedizinischen Integrationsmodell beim Melanom". Als Drittplatzierte freuten sich über den Preis Prof. Swen Malte John und Dr. Cara Symanzik, Osnabrück, für das Projekt "CARE+eHealth", das die Versorgung von Pflegenden mit Hautekzemen während und nach der COVID-19-Pandemie unterstützt.

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