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. 2022 Oct 4;23(5):14. [Article in German] doi: 10.1007/s15202-022-5511-6

Kognitive Probleme vor allem bei COVID-19-Anosmie

Thomas Müller 1,
PMCID: PMC9529327

Bei älteren Menschen ist nach COVID-19 offenbar nicht nur die Schwere der Erkrankung und ein Aufenthalt auf der Intensivstation für kognitive Defizite relevant, gefährdet sind auch Personen mit persistierender Anosmie.

Ein schwerer COVID-19-Verlauf mit Aufenthalt auf einer Intensivstation und künstlicher Beatmung macht den Überlebenden noch lange zu schaffen, auch anhaltende kognitive Defizite und ein beschleunigter kognitiver Abbau mit erhöhtem Alzheimer-Risiko wurden bei solchen Personen beschrieben. Da die Pandemie jedoch erst vor zwei Jahren begonnen hat, lässt sich eine erhöhte Demenz-Rate nach einem schweren Verlauf bislang nicht klar belegen. Ein Team um Dr. Bryan James vom Rush Alzheimer's Disease Center in Chicago hat daher in präpandemischen Versicherungsdaten geschaut, wie sich ein Intensivmedizinaufenthalt auf die Demenz-Rate älterer Menschen auswirkt. Sie werteten Angaben zu rund 3.800 zunächst noch demenzfreien Menschen zwischen 1991 und 2018 aus. Im Laufe von knapp acht Jahren musste etwa ein Viertel auf einer Intensivstation behandelt werden, ein weiteres Viertel war bereits zuvor schon intensivmedizinisch therapiert worden, so die Ärztinnen und Ärzte um James auf dem AAIC, dem Internationalen Alzheimer-Kongress in San Diego.

Wie sich zeigte, war die Demenz-Rate in diesem Zeitraum bei Personen mit intensivmedizinischer Erfahrung um zwei Drittel höher als bei solchen ohne - sofern Alter, Geschlecht, Ethnie und Bildung berücksichtigt wurden. Nahm das Team weitere bekannte Demenz-Risikofaktoren in die Rechnung auf, etwa kardiometabolische Begleiterkrankungen, ergab sich ein mehr als verdoppeltes Risiko für eine Demenz nach einer intensivmedizinischen Behandlung. Die hohe Zahl von intensivmedizinisch betreuten älteren COVID-19-Erkrankten vor Augen, sei dies ein alarmierendes Resultat. Es müsse nun dringend herausgefunden werden, was genau das Demenz-Risiko bei Intensivpatienten erhöhe.

Anhaltender Geruchsverlust ist ein Warnzeichen für kognitive Defizite

Eine weitere auf dem AAIC vorgestellte Studie kommt zu dem Schluss, dass die Schwere der Erkrankung aber nicht gänzlich die kognitiven Probleme der Genesenen in den Monaten nach der Infektion erklärt. Für das Team um Prof. Gabriela Gonzalez-Aleman von der Universidad Católica Argentina Santa María de los Buenos Aires ist eine Anosmie ein präziserer Indikator für kognitive Long-Covid-Probleme.

Die Forscherinnen und Forscher haben bei 865 zufällig ausgewählten älteren Personen aus dem Norden Argentiniens (Durchschnittsalter 65 Jahre) nach Risikofaktoren für kognitive Defizite geschaut. 84 % hatten eine nachgewiesene SARS-CoV-2-Infektion, die mindestens drei, maximal sechs Monate zurücklag. Alle unterzogen sich einer Batterie von kognitiven Tests; rund zwei Drittel zeigten funktionelle kognitive Defizite, bei der Hälfte davon waren diese stark ausgeprägt. Die Ergebnisse ließen sich in mehrere charakteristische Cluster zusammenfassen: In einem hatten die Betroffenen keine altersunüblichen Defizite - hier fanden sich vor allem Menschen ohne COVID-19 oder solche mit geringen Symptomen. Darüber hinaus gab es Cluster mit Defiziten in einzelnen kognitiven Domänen wie Gedächtnis, Exekutivfunktion, Aufmerksamkeit und Sprache - hier waren oft Personen mit moderatem Verlauf zu finden. Schließlich definierte das Team um Gonzalez-Aleman auch Cluster mit Multidomänendefizite - das waren häufig Personen mit schwerem Verlauf, aber überproportional häufig solche mit persistierender Anosmie. Wurde die Anosmie berücksichtigt, war die Schwere der Krankheit kein signifikanter Risikofaktor mehr für kognitive Probleme. Danach wäre also vor allem bei anhaltender Anosmie mit kognitiven Problemen zu rechnen - unabhängig von der Schwere des Verlaufs.

Alzheimer's Association International Conference, Juli 31 - August 4, 2022, San Diego. Session COVID-19 and the brain: Data from ongoing studies aimed to better understand the neurological sequalae.

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