Daten der offenen Phase-IIIb-Verlängerungsstudie ALITHIOS bestätigen die Sicherheit und Wirksamkeit von Ofatumumab (Kesimpta®) in der Therapie der aktiven schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) über eine Beobachtungsdauer von bis zu vier Jahren.
Der Einsatz hochwirksamer Therapien im frühen Erkrankungsstadium kann einen langfristigen Vorteil für Patientinnen und Patienten mit MS bedeuten, wie die retrospektive Analyse des MSBase-Registers gezeigt hat [He A et al. Lancet Neurol. 2020;19(4):307-16]. Beim AAN-Kongress 2022 vorgestellte Daten über einen Behandlungszeitraum von bis zu vier Jahren bestätigten dies nun auch für den frühen Therapiebeginn mit dem Anti-CD20-Antikörper Ofatumumab [Hauser SL et al. AAN 2022 Oral session. S14.004; Hauser SL et al. AAN 2022. Poster P5.004], berichtete Dr. Daniela Rau, niedergelassene Neurologin in Ulm. Bei den Teilnehmenden, die in den Zulassungsstudien ASCLEPIOS I und II [Hauser S et al. N Engl J Med. 2020;383(6):546-57] randomisiert worden waren, konnte unter Ofatumumab als Ersttherapie eine signifikante Risikoreduktion der Behinderungsprogression um 46 % (p = 0,044) beobachtet werden.
Eine ausführliche Beratung auf Grundlage der Empfehlungen des krankheitsbezogenen Kompetenznetzes MS [Qualitätshandbuch MS/NMOSD 2021] sei für alle Patientinnen im gebärfähigen Alter relevant, so Rau. Prinzipiell sei eine Behandlung mit Ofatumumab mit dem Stillen vereinbar. Der Wiederbeginn der Therapie solle aber wegen der erhöhten Übertragung von IgA- und IgG-Antikörpern durch das Kolostrum nicht in den ersten Tagen nach Geburt stattfinden.
Hinsichtlich der Sicherheit hätten sich in den Daten keine neuen oder unerwarteten Signale gezeigt, erklärte Rau. Die IgG-Serumspiegel seien bei den Teilnehmenden über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg stabil (> 10 g/L) geblieben. Auch der mediane IgM-Spiegel habe sich während des Betrachtungszeitraums im Normalbereich (> 0,7 g/L) bewegt. Insgesamt sei kein Zusammenhang zwischen etwaig erniedrigten IgG-/IgM-Spiegeln und schwerwiegenden Infektionen festgestellt worden. Die Inzidenz für maligne Neubildungen sei nicht erhöht gewesen.
Die Häufigkeit und die Schwere einer Infektion mit SARS-CoV-2 unter einer Therapie mit Ofatumumab entsprächen jenen der Gesamtbevölkerung, erläuterte Rau. Eine Zwischenanalyse der multizentrischen, offenen, prospektiven KYRIOS-Studie [Ziemssen T et al. AAN 2022, Poster] zeige erste Ergebnisse einer Vakzinierung mit mRNA-Impfstoffen unter einer laufenden Therapie mit dem B-Zell-depletierenden Anti-CD20-Antikörper. Die zelluläre T-Zell-Immunantwort werde nicht negativ beeinflusst. Gleichzeitig komme es bei allen Patientinnen und Patienten zu einem Anstieg der neutralisierenden Antikörper gegen das Neoantigen (Abb. 1). Die Daten zeigten, dass die Boosterung während laufender Therapie mit Ofatumumab die Antikörperlevel auf ein mit der Kontrollgruppe (erst Booster, dann Ofatumumab) vergleichbares Niveau bringe. Dementsprechend habe eine Booster-Impfung keinen negativen Einfluss auf die Serokonversion nach einer Vakzinierung, schlussfolgerte die Neurologin.
Virtuelles Pressegespräch: "Navigieren im MS-Kontinuum: Daten-Update zu Ofatumumab und Siponimod", 27.4.2022; Veranstalter: Novartis

