Bildung - Gesundheit - Ernährung - Geborgenheit: Mit dieser Vision startete im Jahr 2007 der Verein "Hilfe für Menschen im Kongo e. V." seine Arbeit. Dank Spenden und engagierten Helfern konnte die Organisation Kinderhäuser, ein Gesundheitszentrum und Schulzentrum errichten.
Die Demokratische Republik Kongo ist flächenmäßig der zweitgrößte Staat Afrikas, mit rund 100 Millionen Einwohnern. Die Mehrzahl lebt in größter Armut und 8 % aller Kinder unter fünf Jahre sind unterernährt. Um die Menschen im Kongo und ganz besonders die Kinder zu unterstützen, gründeten Dr. Christine Hauskeller und Jürgen Hauskeller im Jahr 2007 den Verein "Hilfe für Menschen im Kongo e. V." Bereits im März 2005 gaben sie 15 Mädchen, die auf der Straße lebten, in einer Wellblechhütte einen Platz, wo sie etwas zu essen bekamen und lernen konnten.
Über die Jahre ist der Verein stark gewachsen und zählt heute fast 250 Mitglieder. Mehrere Projekte in Kinshasa und Maluku konnten umgesetzt werden. Dazu gehören zwei Kinderhäuser, ein Schulzentrum für 850 Kinder sowie das "Centre hospitalier et maternité" (CHM) in Maluku. Der Träger der Projekte ist die ONGD "Hospice des enfants abandonnés" ASBL (H.E.A.) in Kinshasa.

"Die größte Herausforderung ist die große Armut der Kinder und Familien in Maluku", berichtet Hauskeller. Es gibt keine Krankenversicherung und alle medizinischen Behandlungen müssen vorher und bar bezahlt werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung in der Demokratischen Republik Kongo liegt bei 55 Jahren und die Sterblichkeit bei unter Fünfjährigen beträgt 10 %. Aber auch die allgegenwärtige Korruption sei ein großes Problem, berichtet Hauskeller. Nicht zuletzt stelle die Sprache eine Hürde dar: Die Amtssprache ist Französisch. Insgesamt werden im Kongo aber vier Nationalsprachen - Lingala, Suaheli, Kikongo und Tshiluba - und 200 weitere Sprachen gesprochen. "Die französische Sprache ist hier ein wichtiges verbindendes Element", sagt Hauskeller.
Vom Kinderhaus zum Gesundheitszentrum
Das älteste Projekt von "Hilfe für Menschen im Kongo e. V." ist das Kinderhaus "Bomoyi" in Kisenso. Das Grundstück, auf dem das Haus steht, erwarb der Verein im Juli 2006 und im September desselben Jahres erfolgte die Einweihung mit der Aufnahme der ersten 15 Mädchen. Die Kinder erhalten eine Vollversorgung mit Nahrung und Kleidung sowie eine medizinische Betreuung und Schulbildung.
Das zweite Bauprojekt war der Bau des Schulzentrums "Elikya na biso" in Maluku. Möglich wurde dies, nachdem der Verein von deutschen Freunden in Kinshasa im Jahr 2010 ein Grundstück in Maluku erhalten hatte. Am 13. Oktober 2014 wurde die Grundschule mit der Einschulung von 51 Kindern feierlich eröffnet. 2016 erfolgte der Weiterbau, sodass Schüler der ersten bis sechsten Klassen eingeschult werden konnten. 2018 wurde mittels einer großzügigen Spende eines deutschen Rentnerehepaars der Kindergarten gebaut.
Das Gesundheitszentrum "Nzoto mpe motema" in Maluku ist ein weiteres Projekt, das der Verein im April 2019 ins Leben rief. Der Name "Nzoto mpe motema" bedeutet übersetzt "Leib und Seele." Die komplette Einrichtung - von Möbeln über Medizintechnik bis hin zu Medikamenten - wurde gespendet und in zwei Seecontainern von Deutschland nach Maluku transportiert. Zurzeit arbeiten vier Ärzte (in Chirurgie, Geburtshilfe und Pädiatrie), neun Schwestern, Krankenpfleger und Hebammen, zwei Laboranten, zwei Apothekerinnen sowie zwölf nicht medizinische Angestellte in der Verwaltung und im Pflege-, Reinigungs- und Wachdienst.
Pandemie erschwert Vereinsarbeit
"Die COVID-19-Pandemie hat die Arbeit des Vereins erheblich erschwert", sagt Hauskeller. Im Kongo waren alle Schulen längere Zeit geschlossen und die rigorosen staatlichen Sicherheitsbestimmungen wurden streng überwacht. Eineinhalb Jahre musste der Verein auf die regelmäßigen Flüge nach Kinshasa verzichten. Damit mussten wichtige Vorhaben verschoben werden und es fehlte in dieser Zeit der intensive Informationsaustausch vor Ort. Mittlerweile sind Flüge aber wieder möglich und im Sommer dieses Jahres waren die Hauskellers wieder vor Ort im Kongo im Einsatz.
So können Sie helfen.
Der Verein sucht medizinisches Personal, das sich im Krankenhaus in Maluku engagieren möchte, vor allem in der Fortbildung des medizinischen Personals dort.
Alle Engagements sind ehrenamtlich und werden nicht vergütet. Die Kosten für Visa und Flüge werden von den Mitfliegenden übernommen.
Infos: https://hilfe-im-kongo.de/
Spenden:
Hilfe für Menschen im Kongo e.V.
Sparkasse Altenburger Land
IBAN DE70 8305 0200 1200 0027 99
BIC HELA DEF1 ALT
"Viele Kinder sterben zu Hause".
Dr. Nsikulu Matuvanga Patrick ist leitender Arzt im Centre Hospitalier et Maternité (CHM) "Nzoto mpe Motema" in Maluku. Im Interview berichtet er über seine Arbeit und erläutert, woran es besonders fehlt.

An welchen Krankheiten leiden die in Ihrem Krankenhaus behandelten Kinder?
Dr. Nsikulu Matuvanga Patrick: Im Allgemeinen kommen die Kinder mit den in unseren Breiten typischen Tropenkrankheiten zu uns, unter anderem parasitäre Erkrankungen wie Malaria, Madenwürmer und Filariose, HIV sowie bakterielle Erkrankungen wie Typhus, Meningitis und Tuberkulose. Die Kinder leiden zudem häufig an schwerer Unter- und Mangelernährung. Auch Anämien und hämolytische Erkrankungen wie die Sichelzellerkrankung kommen vor. Außergewöhnliche Fälle umfassen Stoffwechselerkrankungen, angeborene Fehlbildungen und Tumorerkrankungen.
Wie behandeln Sie die Kinder?
Patrick: Antibiotika kommen bei bakteriellen Erkrankungen zum Einsatz, Antiparasitika bei parasitären Krankheiten. Doch alle diese Erkrankungen haben häufig noch Begleiterscheinungen, die auch unbedingt einer Therapie bedürfen, etwa Fieber, Anämie, Diarrhö und Austrocknung. Weiterhin gibt es einen psychotherapeutischen Ansatz zur Familienunterstützung bei schweren Krankheiten, etwa bei Krebs oder bestimmten unheilbaren Krankheiten.
Wie viele Patienten können Sie pro Tag maximal behandeln?
Patrick: Im Durchschnitt behandeln wir 20 Patienten ambulant pro Tag, in Stoßzeiten aber auch mehr. Im Schnitt sind fünf erwachsene und vier pädiatrische Patienten bei uns stationär untergebracht. Unser Krankenhaus verfügt über 30 Betten, inklusive der Notaufnahme, der Geburtsstation und dem Isolierzimmer für hochinfektiöse Patienten.
Wann müssen Sie Kinder in ein anderes Krankenhaus verlegen?
Patrick: Wir verlegen die Kinder, wenn es der Zustand nicht mehr erlaubt, die Behandlung bei uns fortzusetzen - sei es mangels einer ausreichenden Laborausstattung, wenn pädiatrische Reanimationsgeräte oder bestimmte Spezialkenntnisse in der Notfallpädiatrie fehlen. In der Umgebung von Maluku gibt es kein Krankenhaus. Wenn nötig, verlegen wir Patienten in das Universitätsklinikum in der Innenstadt von Kinshasa, 80 km entfernt.
Welches sind besondere Herausforderungen bei Ihrer Arbeit?
Patrick: Wir sind mit vielen logistischen und materiellen Schwierigkeiten in der pädiatrischen Intensivpflege konfrontiert, besonders in der Neonatologie und Säuglingswiederbelebung. So fehlt es an Laborerfahrung in pädiatrischen Abteilungen und das Angebot an erreichbaren Ärzteschulungen ist ungenügend. Etwa ein Drittel der kongolesischen Bevölkerung leidet an Krankheiten, für die - aufgrund fehlender finanzieller Mittel - kein Zugang zu einer hochwertigen Versorgung möglich ist. Die große Armut, Unterernährung, Arbeitslosigkeit und soziale Instabilität machen die Bevölkerung anfällig für zahlreiche Krankheiten, die nicht behandelt werden können. Viele Kinder sterben zu Hause, weil die Familien nicht wissen, in welchen Fällen und wie sie Zugang zu unserem Krankenhaus in Maluku bekommen können.
Zudem erschweren die fehlende Krankenversicherung und Kostenübernahme die Abläufe in der Gesundheitsversorgung, trotz der Bemühungen des Staates.
An was fehlt es dem Krankenhaus besonders, um die Patienten zu versorgen?
Patrick: Es fehlt besonders an einer modernen pädiatrischen Reanimationsausrüstung, an Inkubatoren für Frühgeborene, einer Fototherapie und an einem Programm für die Kostenübernahme für Kinder aus armen Familien oder schwierigen Lebensverhältnissen. Außerdem benötigen wir dringend Ärzteschulungen, um den Umgang mit pädiatrischen Reanimationsgeräten zu lernen.
Wie hat die Pandemie Ihre Arbeit beeinflusst?
Patrick: Wir haben einige COVID-19-Fälle bei uns aufgenommen. Es ist uns aber gelungen, mithilfe von Hygienemaßnahmen eine weitere Verbreitung zu verhindern. Derzeit befinden wir uns in der Stabilisierungsphase, wir bekommen nur noch Patienten mit milderen Formen von COVID-19, die wir dann dem Gesundheitsamt von Maluku anzeigen und zuweisen.
Das Interview führte Dr. Miriam Sonnet
