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. 2022 Oct 15;75(11):48–49. [Article in German] doi: 10.1007/s41906-022-1957-6

Wissenschaft Aktuell

PMCID: PMC9568928  PMID: 36267101

Blutdruckdifferenz korreliert mit KHK-Grad.

Inter-Arm-Differenzen (IABPD) im Blutdruck bis 10 mmHg systolisch sind normal, bei einer fortgeschrittenen Atherosklerose sind die Unterschiede aber oft größer. Einer Studie (n=110) nach könnte die Höhe der systolischen IABPD ein Maß für die Ausprägung der Koronarobstruktion sein. Die simultane Blutdruckmessung an beiden Armen ergab bei 48 % der Patienten eine erhöhte IABPD (> 10 mmHg). Das Ausmaß der koronaren Obstruktion wurde anhand eines Angiogramms mittels Gensini-Score geschätzt. Am häufigsten wurden eine instabile Angina (53 %) oder ein NSTEMI (28 %) diagnostiziert. "In unserer Untersuchung hatten die Blutdruckunterschiede eine starke positive Korrelation mit dem KHK-Schweregrad", so die Autoren. Sie hoffen, dass dies "die Awareness erhöht, den Blutdruck wie empfohlen beidseitig zu messen - vor allem bei KHK-Patienten".

Das S, Iktidar MA, Das J, et al. Inter-arm blood pressure difference as a tool for predicting coronary artery disease severity. Open Heart 2022;9:e002063

Risiko für neurologische Krankheiten erhöht.

Seit Beginn der Pandemie mehren sich die Hinweise, dass nach einer COVID-19-Erkrankung die Risiken für neurologische und psychiatrische Krankheiten erhöht sind. Ein Team um Prof. Paul Harrison, Oxford, hat nun in einer großen Beobachtungsstudie gezeigt, dass die dabei gesteigerten Risiken etwa für Demenz, Psychosen oder Krampferkrankungen bis zu zwei Jahre nach COVID-19 bestehen können. Das Risiko für Angststörungen und Depressionen sinkt hingegen zwei Monate nach COVID-19 wieder auf Normalniveau. Analysiert wurden Daten von 1,3 Millionen SARS-CoV-2-Betroffenen.

Lancet Psychiatry 2022; online 17. August.

Verringert Vitamin-D3-das Frakturrisko?

Verringert eine regelmäßige Vitamin-D-Supplementierung wie von vielen erhofft das Frakturrisiko? Nein, das legen zumindest die Ergebnisse der bislang größten Studie zum Thema nahe. Menschen im mittleren Alter, die täglich 2.000 IU Vitamin D3 einnahmen, hatten nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 5,3 Jahren nicht weniger Frakturen als Placeboempfänger. Dies galt auch für die 20 % der insgesamt 25.871 Teilnehmenden, die zusätzlich noch 1,2 g Kalzium am Tag einnahmen. Auch bei separater Betrachtung der Nicht-Wirbel-Brüche und der Hüftfrakturen gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Vitamingabe und Placebo.

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Der Rat der Autoren: "Die Leute sollten aufhören, Vitamin-D-Supplemente einzunehmen, um ernsthafte Krankheiten zu vermeiden oder ihr Leben zu verlängern."

LeBoff MS et al. N Engl J Med 2022; doi:10.1056/NEJMoa2202106

Paradox: Wärme kann Fieber senken.

In einer Übersichtsarbeit hat das Team um Prof. David Martin von der Uni Witten/Herdecke Hinweise darauf gefunden, dass Wärmeanwendungen bei Fieber helfen können. Zunächst erscheint es paradox, Wärme zuzuführen, während die Körpertemperatur steigt. Jedoch sind hydrotherapeutische Wärmeanwendungen wie warme Fußbäder oder Körnerkissen in den Regionen des Nahen Ostens und Asiens üblich. Die vorliegenden Daten zeigen teilweise, dass nach diesen Wärmeanwendungen die Körpertemperatur sinkt. Die meisten hier untersuchten Studien nennen dabei Temperaturen um die 40° Celsius. "Wir vermuten, dass Wärmeanwendungen den Körper in der energieintensiven und unangenehmen Phase des Fieberanstiegs entlasten. Schließlich muss der Patient oder die Patientin so weniger Wärme selbst produzieren, um den Infekt zu bekämpfen", resümiert Prof. Martin. Diese Entlastung kann dazu führen, dass man sich trotz Fieber etwas wohler fühlt und das Fieber nicht weiter steigt.

Krafft HS, Raak CK, Martin DD. Hydrotherapeutic Heat Application as Support in Febrile Patients: A Scoping Review. J Integr Complement Med. 2022 Aug 26

Nicht nur Diabetes ...

Jugendliche mit Typ-2-Diabetes haben ein hohes Risiko für Folgekrankheiten. In einer US-Studie war jeder Zweite mit Mitte 20 an Nephropathie erkrankt, jeder Dritte an Neuropathie und jeder Siebte an einer Retinopathie. In Deutschland gibt es etwa 1.000 Jugendliche mit Typ-2-Diabetes, pro Jahr kommen 200 hinzu.

NEJM 2021; 385:416

Depressionen erhöhen Post-COVID-Risiko.

Bis zu 10 % der mit SARS-CoV-2 Infizierten entwickeln nach überstandener Akut-erkrankung ein Post-COVID-Syndrom. Erhöht wird dieses Risiko durch bestehende Depressionen oder Angststörungen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Essen und der Universität Duisburg-Essen. Sie untersuchten 171 Patient*innen mit Post-Covid.

Von den über 200 Post-COVID-Symptomen liegen viele im Bereich des Nervensystems, darunter sind Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, "Gehirnnebel" oder Kopfschmerzen. Woher kommen die Symptome? Um das zu klären, haben die Forscher die Betroffenen auch psychologisch untersucht. Dabei zeigte sich: Psychiatrische Vorerkrankungen wie eine Depression oder eine Angststörung erhöhen das Risiko für Post-COVID signifikant. Außerdem waren Tests, die auf eine psychosomatische Symptomursache hinweisen, bei vielen auffällig, insbesondere bei Frauen. "Wir glauben daher, dass psychologische Mechanismen für die Entstehung des Post-COVID-Syndroms wichtig sind", bilanzieren die Autoren.

Genauer Blick lohnt sich: Man wisse seit Jahrhunderten, dass sich Stress, seelische Konflikte oder eine Depression in somatischen Beschwerden ausdrücken kann. "Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Patient*innen die Symptome nur einbilden." Eine gründliche neurologische Untersuchung lohne sich in jedem Fall: "Wir haben einige Überraschungen erlebt. So fanden wir bei Menschen, die dachten, an Post-COVID zu leiden, am Ende eine multiple Sklerose, eine Gehirnhautentzündung oder eine Migräne." (khp)

Fleischer M et al. Neurol Ther 2022; doi: 10.1007/s40120-022-00395-z

Digitale Unterstützung für belastete Familien.

Frühe Hilfen und deren Angebote basieren auf dem persönlichen Kontakt zwischen Hilfe-Erbringenden und den Familien. In einer online publizierten Studie wurden die Konsequenzen und Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen auf die familiäre Situation während der COVID-19-Pandemie untersucht. Ist eine längerfristige Betreuung von psychosozial belasteten Familien durch Frühen Hilfen möglich gewesen? Eine qualitative Studie mit Müttern von jungen Kindern, zwei Befragungen von Gesundheitsfachkräften sowie eine Befragung von kommunalen Akteur*innen, die für die Steuerung und Umsetzung der Frühen Hilfen in den Kommunen verantwortlich sind, bildeten die Grundlage für die Untersuchung.

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Telefonat statt Hausbesuch

Psychosozial belastete Familien erlebten während der Pandemie existenzielle Ängste und innerfamiliäre Konflikte schienen zuzunehmen. Die längerfristige Beratungs- und Betreuungstätigkeit wurde überwiegend vom Hausbesuch auf die digitale Begleitung verlagert. Jede zweite Fachkraft gab an, dass überwiegend Telefonberatungen anstelle von Hausbesuchen stattfanden und knapp jede vierte Befragte berichtete von vielen bzw. regelmäßigen Telefonaten. Weiterhin gaben die Befragten an, dass sich die Anzahl der Hausbesuche reduzierte und auf die dringendsten Fälle beschränkt wurde - zur Krisenintervention, bei sehr stark belasteten Familien oder zur Abklärung einer drohenden Kindeswohlgefährdung. Im Verlauf der Pandemie kehrten viele Fachkräfte jedoch zum ursprünglichen Versorgungskonzept zurück. Die "Hilfe auf Distanz" wird dennoch weiterhin ergänzend eingesetzt. Es werden Hinweise aufgezeigt, wie die digitalen Beratungsangebote die Hilfeleistungen von Fachkräften in den Frühen Hilfen erweitern können.

Renner I et al. (2021) Frühe Hilfen aus der Distanz - Chancen und Herausforderungen bei der Unterstützung psychosozial belasteter Familien in der COVID-19-Pandemie. Bundesgesundheitsblatt 1603-1610

Kommentar: Die Studie zeigt die multifaktoriellen Belastungen von Familien während der anhaltenden Kontaktbeschränkungen. Gerade Familien, die bei der Alltagsbewältigung und bei Fürsorge- und Erziehungsaufgaben auf externe Unterstützung angewiesen sind, waren maßgeblich von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen, da externe Hilfen nicht mehr im gewohnten Umfang bereitgestellt werden konnten. Die Repräsentativität der Ergebnisse kann kritisch beurteilt werden, da die Stichprobengröße der befragten Personen relativ klein gewesen ist. Die Einflüsse von soziodemografischen Faktoren wurden nicht weiter untersucht, obgleich diese auch zur Belastung in den Familien beitragen. Die Netzwerkarbeit der Frühen Hilfen war unter Pandemiebedingungen von Vorteil, denn sie konnten auf ihre bewährten, weitreichenden Strukturen zurückgreifen und diese zeitnah an die sich stetig ändernden Bedingungen anpassen. Einen Ausblick, wie neue Wege, neben digitalen Angeboten aussehen könnten, um Familien während einer möglichen nächsten Krise zu unterstützen, bleibt offen.


Articles from Pflege Zeitschrift are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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