Trotz des großen medizinischen Fortschritts in den letzten Jahrzehnten haben Infektionen ihren Schrecken nicht verloren. Gerade die letzten Jahre der durch die „coronavirus disease 2019“ (COVID-19) ausgelösten Pandemie haben uns allen wieder sehr deutlich vor Augen geführt, welche Macht Krankheitserreger über uns haben können. Es ist wichtig, dass wir uns kontinuierlich intensiv mit den Risiken schwerer Infektionen beschäftigen und darüber informiert sind, welche diagnostischen und therapeutischen Schritte wir im Fall einer schweren Infektion von Kindern und Jugendlichen ergreifen müssen.
Es ist von zentraler Bedeutung, eine schwere Infektion frühzeitig zu erkennen, richtig zu diagnostizieren und zu behandeln
Eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern unter 5 Jahren ist die ambulant erworbene Pneumonie. Insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist die Erkrankung die häufigste Ursache für die Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren und für über 900.000 Todesfälle in dieser Altersgruppe verantwortlich. Auch in Ländern mit hohem Einkommen spielt die Pneumonie im Kindes- und Jugendalter eine große Rolle. Entsprechend der Gesundheitsberichterstattung des Bundes werden in Deutschland jährlich im Mittel rund 49.000 Kinder und Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr mit einer schweren Pneumonie stationär behandelt (www.gbe-bund.de). In seinem Beitrag zu schweren Pneumonien bei Kindern und Jugendlichen fasst PD Dr. Martin Wetzke (Hannover) aktuelle Daten zu klinischen Zeichen, Diagnose und Therapie dieses wichtigen Krankheitsbildes für uns zusammen und bringt uns damit auf den neuesten Stand für den klinischen Alltag.
Trotz der Etablierung von weitreichenden Impfprogrammen gegen Pneumo‑, Meningokokken und Haemophilus influenzae B stellt die bakterielle Meningitis besonders im Säuglings- und Kindesalter nach wie vor eine schwerwiegende und lebensbedrohliche Erkrankung dar. Ebenfalls selten ist die Enzephalitis, die bei über 40 % der Erkrankten mit schweren Folgeschäden einhergeht und deren Inzidenz in den letzten Jahren zugenommen hat. „Emerging pathogens“ wie das Enterovirus(EV)-A71 oder das West-Nil-Virus (WNV) spielen dabei eine wichtige Rolle. PD Dr. Henriette Rudolph (Frankfurt) et al. gehen in ihrem Beitrag zur schwer verlaufenden Meningitis und Enzephalitis bei Kindern und Jugendlichen auf diese Entwicklung ein und erläutern, welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen veranlasst werden müssen, um die Kinder und Jugendlichen am besten zu schützen.
Eine virale Infektionskrankheit, die uns schon seit Jahrzehnten bedroht, stellt die Infektion mit dem humanen Immundefizienz Virus (HIV) dar. Unter den rund 91.000 Menschen, die in Deutschland mit einer HIV-Infektion leben, befinden sich nach Erhebung der pädiatrischen HIV-Ambulanzen rund 400 Kinder und Jugendliche. Im Unterschied zu Erwachsenen werden Kinder nahezu ausschließlich über die vertikale Transmission während der Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit infiziert. Prof. Dr. Ulrich Baumann (Hannover) et al. stellen in ihrem Beitrag zu HIV-Exposition und Infektion bei Kindern und Jugendlichen einen Patienten mit schwerem Verlauf einer HIV-Infektion vor. Sie erläutern, durch welche Prophylaxe die vertikale Transmission der mütterlichen Infektion bei Kindern verhindert werden kann und mit welcher Therapie es gelingt, HIV-positiven Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen. Mit diesem Wissen können viele Kinder vor einer HIV-Infektion geschützt oder vor einem schweren Verlauf bewahrt werden.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen dieser interessanten Beiträge und hoffe, dass sie neue und wichtige Erkenntnisse zur Bewältigung der klinischen Aufgaben für Sie beinhalten.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Gesine Hansen
Interessenkonflikt
G. Hansen gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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