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. 2022 Nov 23;38(4):443–448. [Article in German] doi: 10.1016/j.orthtr.2022.11.001

GOTS-JOSSM-KOSSM-Fellowship 2022

PMCID: PMC9682413

Nach einer 2-jährigen Pause bedingt durch die Covid-19-Pandemie konnte in diesem Jahr endlich wieder das GOTS-JOSSM-KOSSM-Fellowship stattfinden. Dieses wurde 1992 ins Leben gerufen und stellt ein Austauschprogramm für Ärztinnen, Ärzte und Sportwissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit den koreanischen (KOSSM) und japanischen (JOSSM) Fachgesellschaften für orthopädische Sportmedizin dar. Ziel dieses regulär alle 2 Jahre stattfindenden Programms für die GOTS-Fellows ist es, sich fachlich und kulturell mit den Gastgeberländern auszutauschen, neue Impulse zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Das Reiseziel der ersten Wochen war Südkorea, im Anschluss ging es für 2 weitere Wochen nach Japan. Im Gegenzug kommen alle 2 Jahre jeweils 2 Fellows aus Japan und Südkorea zu Besuch nach Deutschland, Österreich und die Schweiz (und Luxemburg). Aufgrund diverser Verschiebungen gab es dieses Jahr 5 Fellows: Dr. Julia Katharina Frank (Wien), Dr. Thomas Rauer (Zürich), Dr. Markus Kracke (Osnabrück). Jun.-Prof. Dr. Matthias Hoppe (Leipzig) und PD. Dr. Lucca Lacheta (München) teilten sich das Fellowship: Hr. Hoppe war in Südkorea und Hr. Laccheta in Japan dabei.

Nach individueller Flugreise nach Südkorea und herzlichem Empfang durch Dr. Lee am 18.09.22 trafen sich die 4 Fellows erstmals im Hotel in Incheon (ca. 2,9 Mio. Einwohner), einer Hafen- und Industriestadt an der Nordwestküste Südkoreas, 28 km westlich der Hauptstadt Seoul gelegen. Beim ersten gemeinsamen Abendessen begann das Kennenlernen und es wurden erste Erfahrungen mit der koreanischen Küche gesammelt. Am nächsten Tag begannen wir unsere Reise kulturell geprägt mit dem Besuch eines Volkskundemuseums in Yongin – dem „Korean Folk Village“. Dort konnten die Fellows Einblicke in die Geschichte und den historischen Alltag der Menschen in Südkorea erlangen. Am Abend wurden wir im Gil Medical Center von unserem Gastgeber in Incheon, Prof. Kim empfangen, und erhielten auf einem Symposium die Gelegenheit, uns selbst sowie ein Forschungsthema unserer Wahl vorzustellen. Anschließend genossen wir zum ersten Mal das berühmte Korean Beef BBQ mit ausgezeichnetem Wagyu-Rind und gelangten in den Genuss von koreanischem Bier und Soju, dem koreanischen Pendant zu Sake. Für den nächsten Tag waren wir zu Prof. Kim in den OP eingeladen (Abbildung 1 ). Der Fokus lag auf Schulterchirurgie und uns wurde unter anderem die in Korea weit verbreitete superiore Kapselrekonstruktion in der Variante mit einem Fascia lata-Allograft demonstriert. Es bestand Zeit zum weiteren Austausch über die in den jeweiligen Ländern unterschiedlichen Herangehensweisen. Am Abend machten wir unsere ersten Erfahrungen mit koreanischem Sashimi und anderem Seafood und wurden von Prof. Kim professionell in die Lehren der Zubereitung der „Korean Bomb“, einem Mischgetränk aus Bier und Soju, eingeweiht.

Abbildung 1.

Abbildung 1

Im OP-Saal des Gil Medical Center mit Prof Kim, Incheon.

Nächster und längster Abschnitt unserer Koreareise war die südkoreanische Hauptstadt sowie das Finanz-, Kultur- und Bildungszentrum Seoul (21.09.22-25.09.22). In Seoul leben ca. 9,8 Mio. (1/3 der koreanischen Bevölkerung) und in der Region Sudogwon ca. 25 Mio Menschen. Angesiedelt sind dort viele „High-tech“-Firmen, wie z.B. Samsung, LG und Hyundai. Dort trafen wir zunächst Prof. Ro im Seoul National University Hospital (SNUH), einem der größten Krankenhäuser Südkoreas. Prof. Ro hielt uns nach einer Demonstration einer VKB-Operation einen aufschlussreichen Vortrag zum Thema der künstlichen Intelligenz in der OP-Planung und im Klinikalltag. Nach einem kurzen Mittagessen ging es direkt weiter zum Kyung Hee University Hospital für eine weitere OP-Hospitation, bevor wir den Abend gemütlich bei BBQ im Korean Beef Village ausklingen ließen. In den nächsten zwei Tagen besuchten wir noch 3 weitere Krankenhäuser (Eulji Medical Center, Konkuk University Medical Center, Samsung Medical Center) und erlangten Einblicke in Schulter-, Knie- und Sprunggelenkschirurgie sowie Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch. Besonders eindrucksvoll war die wissenschaftliche Einführung sowie operative Demonstration des autologen Knorpelersatzes auf Basis des vom Rippen-Knorpel stammenden Knorpelzellkügelchen durch Prof. Yoon. Am Freitag, 23.09.22, waren wir als Ehrengäste zum KOSSM-Dinner eingeladen und bekamen Gelegenheit, uns dem Präsidium vorzustellen, wobei reichlich Zeit zum kollegialen Austausch bestand. Höhepunkt des Seoul-Aufenthaltes war die Teilnahme und Präsentation der GOTS-Fellows beim Herbstkongress der KOSSM (Abbildung 2 ). Im Anschluss besuchten wir einen der ehemaligen Kaiserpaläste Seouls und nach einem kurzen Abstecher in das Szeneviertel Gangnam (Abbildung 3 ) wurde der Tag durch den Besuch und ein exzellentes Abendessen im n.Grill im N Seoul Tower abgerundet. In über 200 m Höhe konnten wir während des Essens den 360°-Ausblick auf die nächtliche Seouler Skyline genießen. Einer von vielen unvergesslichen Momenten dieses Fellowships.

Abbildung 2.

Abbildung 2

KOSSM Herbst-Kongress.

Abbildung 3.

Abbildung 3

Szeneviertel Gangnam in Seoul.

Nach einem freien sonntäglichen Vormittag mit Erkundung der Seouler Innenstadt auf eigene Faust mussten wir Abschied von der Hauptstadt nehmen und machten uns auf den Weg ins südlich gelegene Daejeon („Kleinstadt“ mit ca. 1,5 Mio. Einwohnern), wo wir von unseren neuen Gastgebern unter Prof. Young Beom Joo in Empfang genommen wurden. Nach dem Besuch zweier weiterer Krankenhäuser und der Teilnahme am lokalen Treffen der Kniegesellschaft setzten wir unsere Reise nach Iksan (ca. 300.000 Einwohner; im 7. Jahrhundert Hauptstadt des Königreiches) und Gwangju (ca. 1,5 Mio. Einwohner; weiteres Handelszentrums Koreas) fort. Kulinarische Besonderheit war die Delikatesse Sannakji, auf Deutsch: Lebender Oktopus. Medizinisch eindrucksvoll war die „YR MOON Orthopedic Clinic“, ein privates Krankenhaus mit einem Schulterschwerpunkt von Prof. Moon.

Am 30.09.22 gelangten wir nach fast 2 Wochen, die uns viel kürzer vorkamen, in Busan an, dem Endpunkt unserer Koreareise. Busan ist die zweitgrößte Stadt (ca. 3.5 Mio. Einwohner) und einer der wichtigsten Seehäfen in Asien. Ein Höhepunkt zum Abschluss unserer Reise war der Besuch im farbenfrohen Gamcheon Culture Village, einem ehemaligen Arbeiterviertel, das sich im Laufe der Jahre zu einem renommierten und touristisch sehr beliebten Kunsthandwerkerviertel entwickelt hat. Insgesamt besuchten wir während der 14 Tage in Korea 6 Städte, 13 Krankenhäuser und 2 Konferenzen und erhielten somit einen intensiven Einblick in die koreanische Orthopädie, bei der wir neben vielen Gemeinsamkeiten auch einige Unterschiede in Behandlungsansätzen und Strategien feststellten, die Anlass für zahlreiche anregende Gespräche und Diskussionen waren.

Am 02.10.22 verabschiedeten wir uns von unserem Fellow Jun.-Prof. Dr. Hoppe, der wieder zurück nach Deutschland reiste, während sich die verbliebenen drei Fellows per Flugzeug auf den Weg zum Narita-Airport in Japan machten, zum zweiten Ziel der Asien-Reise. Dort trafen wir im Hotel auf PD Dr. Laccheta, sodass die Reise von Tokyo, der japanischen Hauptstadt und größtem Ballungszentrum der Welt (mit 37,2 Millionen Einwohnern) aus wieder zu viert fortgesetzt werden konnte. Unser erster Gastgeber war Yoshimura Fujimaki, u.a. Mannschaftsarzt der japanischen Skinationalmannschaft. Er holte uns vom Flughafen ab und stellte sofort die japanische Gastfreundlichkeit unter Beweis, indem er uns zunächst zu einer traditionellen Teezeremonie einlud und uns am Abend mit japanischem Sashimi und Seafood der Extraklasse vertraut machte. Am Montag durften wir im Showa University Yokohama University Hospital u.a. die Durchführung der VKB-Plastik in Doublebundle-Technik bestaunen. Nach einem kurzen Symposium verbrachten wir den Abend zusammen mit der Abteilung von Prof. Kawasaki auf dem Yokohama-Oktoberfest; ein Abend gelebter japanisch-europäischer Völkerverständigung.

Nach einem Besuch beim japanischen olympischen Komitee ging es am 04.10.2022 mit dem Hayabusa-Shinkansen (dem berühmten japanischen Hochgeschwindigkeitszug) in den Norden der Hauptinsel Honshu nach Aomori und von dort zu unserer nächsten Etappe Hirosaki (ca. 300.000 Einwohner) zu Prof. Ishibashi. Highlight des Willkommensessens war neben exzellentem Essen sicherlich die meisterliche Demonstration japanischer traditioneller Musik. Der darauffolgende Tag begann im OP mit der Demonstration einer MPFL-Rekonstruktion mittels Bracing bei einem Minderjährigen. Am 06.10. begaben wir uns in Begleitung von Dr. Kimura (zukünftiger GOTS-Fellow) in die Region Towada. Dort erkundeten wir auf mehreren Wanderungen den Fluss Oirase sowie den angrenzenden Towada-See, ehe wir in einem Berghotel abermals in den Genuss traditionell japanischer Küche kamen, um anschließend in der hiesigen heißen Quelle (Onsen) zu entspannen. Diesem traditionellen japanischen Thermalbad sollten wir auf unserer Reise noch öfter begegnen und es schätzen lernen. Der Vormittag des nächsten Tages stand im Zeichen der Geschichte und Kultur der Region mit Besuch der Sannai Maruyama, einer Ausgrabungsstätte mit Freilichtmuseum, in dem wir viel über die japanische Lebensweise aus der Jomon-Zeit (14.000-300 v. Chr.) erfuhren. Anschließend bestaunten wir im Nebuta-Museum die für das Nebuta Aomori Festival aufwendig gestalteten Festwagen. Ein eindrucksvolles Erlebnis.

Am Nachmittag ging es dann schon wieder Richtung Süden in die Präfekturhaupstadt Fukushima (ca. 300.000 Einwohner). Nach einem exzellenten Abendessen mit italienischer Küche fuhren wir am nächsten Tag per Bus in die südwestliche Region Aizu. Dort durften wir zunächst am Inawashiro-See das lokale, von deutscher Braukunst inspirierte Bier probieren, bevor es weiterging ins Morohashi-Kunst-Museum. Der Abend endete nach japanischem BBQ spektakulär mit einem Feuerwerk am Hotel. Am nächsten Tag wurden wir in die Künste und Geschichte der altehrwürdigen Samurai eingeweiht und durften unsere Fähigkeiten beim Bogenschießen unter Beweis stellen. Ruhiger ging es dann bei einer traditionellen Teezeremonie und Genuss des berühmten Matcha-Tees zu. Im Anschluss erhielten wir eine private Führung durch den Geschäftsführer der Suehiro Sake Brauerei, der uns das Geheimnis des perfekten Sake verriet, bevor wir den Abend beim traditionell japanischen Abendessen in passender Kleidung ausklingen ließen (Abbildung 4 ). Da der folgende Montag ein Feiertag war, ergab sich leider nicht die Möglichkeit, unseren Kollegen in Fukushima im OP-Saal über die Schulter zu schauen. Dafür nutzten wir nach einer Krankenhausführung die Zeit, um uns über unsere Forschung und einige aktuelle Fälle aus dem klinischen Alltag auszutauschen, ehe unsere Gastgeber ihre herausragende Gastfreundschaft bei einer Abschiedsfeier erneut unter Beweis stellen konnten.

Abbildung 4.

Abbildung 4

Takayu Onsen Kagetsu Highland Hotel nahe Fukushima.

Viertes Ziel unserer Reise war erneut Tokyo, diesmal waren wir bei Prof. Yanagishita zu Gast. Hier erhielten wir Einblicke in die Forschung zur Anwendung der hyperbaren Sauerstofftherapie bei Sportverletzungen und konnten im krankenhauseigenen Kraftraum unter physiotherapeutischer Anleitung praktische sportmedizinische Erfahrungen sammeln. Neben den Erfahrungen im Krankenhaus gab es ausreichend Zeit, Tokyo näher kennenzulernen, sei es auf einer nächtlichen Dinner-Bootfahrt oder beim Trubel an der Shibuya-Crossing, dem japanischen Time Square-Äquivalent.

Am 13.10. hieß es dann Abschied nehmen von Tokyo und wir machten uns auf in das beschauliche Nara (ca. 350.000 Einwohner, im 7. Jahrhundert zwischenzeitliche Hauptstad des damaligen Japans) im Südwesten Honshus. Diese letzte Etappe zeichnete sich durch die Gastfreundlichkeit unserer japanischen Kollegen Prof. Tanaka und Dr. Ogawa, Fellow von 2019, aus. Bei einer Fahrradtour konnten wir uns richtig verausgaben, ehe wir unsere Energiespeicher beim abendlichen Shabu shabu wieder auffüllen konnten. Nara ist berühmt für seine im Nara-Park freilebenden und den Japanerinnen und Japanern heiligen Sikahirsche. Selbstverständlich konnten wir uns diese Erfahrung nicht entgehen lassen und machten mit Dr. Ogawa deren Bekanntschaft inklusive Fütterung (Abbildung 5 ). Am Folgetag konnten wir auf einer lokalen Konferenz neben den exzellenten Forschungsthemen junger aufstrebender Ärzte der Nara Medical University unsere eigenen Forschungsthemen vorstellen. Einen besonderen Abschluss unserer Reise bildete das Abschiedsessen mit Prof. Tanaka und zahlreichen internationalen Fellows, dass uns Gelegenheit gab, neue Kontakte zu knüpfen und gebührend von Japan Abschied zu nehmen, ehe wir uns am 16.10.2022 wieder auf den Rückweg in unsere jeweilige Heimat machten.

Abbildung 5.

Abbildung 5

Besuch des Nara-Park.

Neben den vielfältigen medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen stellen doch sicherlich der kulturelle, kulinarische und persönliche Austausch das Herz dieses Fellowships da und wir möchten uns auf diesem Wege noch einmal für die überaus herzliche und herausragende Gastfreundschaft unserer koreanischen und japanischen Kollegen sowie bei der GOTS für die einzigartige Möglichkeit dieses Fellowships bedanken.

Die GOTS-Fellows 2022: Dr. Julia Katharina Frank (Wien), Dr. Thomas Rauer (Zürich), Dr. Markus Kracke (Osnabrück), Jun.-Prof. Dr. Matthias Hoppe (Leipzig) und PD Dr. Lucca Lacheta (München)


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