Liebe LeserInnen und KollegInnen,
vor Ihnen liegt die letzte Ausgabe des 1. Coronajahrganges – dies war der einleitende Satz meines Editorials vor 2 Jahren. Richtig müsste es jetzt also lauten: Vor Ihnen liegt die letzte Ausgabe des 3. Coronajahrganges.
Wir haben Ihnen innerhalb dieser neuen Zeitrechnung immer wieder, so aktuell wie für Periodika möglich, Aspekte der Akupunktur und chinesischen Medizin im Zusammenhang mit der pandemischen Erkrankung aufgezeigt. Dies vor allem durch unsere Rubrik News unter der Ägide von A. Wiebrecht, dem ich an dieser herausgehobenen Stelle meinen herzlichsten Dank bekunden und tiefen Respekt zollen möchte. Dies ist leider nicht ohne Anlass, da er diese Aufgabe nach vielen Jahren des Engagements nicht mehr fortführen möchte. Daher mein Ruf in die Leser:innenschaft: Wo versteckt sich seine Nachfolgerin? Angesichts der hohen Zahl von Publikationen in unserem Interessenfeld – siehe den notorischen Studienzähler auf unserer Titelseite – eine wahrhaft wesentliche Aufgabenstellung!
Seinerzeit, Ende 2020, hatte ich Ihnen angekündigt, dass wir ergänzend zu den News rund um die Akupunktur die einschlägigen Nachrichten zu den Möglichkeiten der chinesischen Medizin und den Erfahrungen im Mutterland des Virus als eigenständige Rubrik unserer News gefasst haben, verbunden mit der Hoffnung, dass sich die Notwendigkeit einer solchen Rubrik alsbald verlieren möge. Der Verlauf war anders, die Verläufe waren anders.
Titelte die Ärztezeitung am 31.08.2022: „Das rätselhafte Phänomen Long-COVID“, gefolgt von der Schlagzeile „Patienten mit Long-COVID haben Anzeichen einer Autoimmunerkrankung“ am 22.09.2022, setzte die Presseagentur Gesundheit am Folgetag, dem 23.09.2022 mit der Meldung nach: „ME/CFS: Hilflosigkeit im System“.
Daher sehen wir ähnlich wie die Kolleg:innen in der amerikanischen Zeitschrift Medical Acupuncture in ihrer Ausgabe vom Juni 2022 die Notwendigkeit, dem protrahierten Verlauf der Covid-19-Erkrankung, dort unter der Überschrift „Long Haulers“, in der vorliegenden Ausgabe einen Schwerpunkt zu widmen. Das Projekt wurde eine Chefsache, der Unterzeichner schritt ans Werk. Erfreulicherweise ist es nicht nur gelungen, interessante erste Erfahrungen und instruktive Fallberichte zu den verschiedenen Methoden der chinesischen Medizin zusammenzutragen, sondern auch die Grenzen eines Klassifikationsansatzes nach Krankheitsentitäten aufzuzeigen. Vor dem Hintergrund der vielfältigen und unspezifischen Symptome und daraus resultierend bislang nur unscharfen Definitionen erscheint eine am leiblichen Erleben und den Phänomenen orientierte Medizin wie die chinesische Medizin zumindest im derzeitigen Stadium der Erkenntnis besonders geeignet, handlungsleitende Einordnungen zu entwickeln. Allerdings: Angesichts der ausufernden Vielgestaltigkeit des Krankheitsbildes, der gedanklichen Ausgangspunkte, der konzeptionellen Einordnungen und der therapeutischen Lösungsansätze bestand die Berechtigung auf ungewöhnliche Wege. Die Kolleg:innen aus den USA setzten auf erweiterten Einsatz: ein Editorial, 2 Gast-Editorials sowie das Editorial eines Senior Editor. Die deutsche Zeitschrift für Akupunktur beschritt einen schmaleren und doch anspruchsvollen Handlungspfad: eine Einführung aus integrativer psychiatrischer Sicht mit dem Gast-Editorial von T. Heise.
C. Chiu teilt anhand ihrer Darstellung über einige Fälle zur Anwendung des Lasers Erstaunliches mit, das manchem gestandenen Trigger-Akupunkteur lieb gewordene Lehrsätze erschüttern könnte.
Auch die Rubrik „Wissenschaft für die Kitteltasche“ hat diesmal Pause
Unser Ex-Chefredakteur und Krimiautor T. Ots verzichtet diesmal auf seine Kolumne, die Erkenntnisse zur Krise haben ebenso wenig wie unser Projekt „Die andere Seite“ relevanten Nachhall in der Leserschaft gefunden. Auch die Rubrik „Wissenschaft für die Kitteltasche“ hat diesmal Pause, der „Journal Club“ aber nicht. J. Fleckenstein stellt Ihnen eine Bayes-Netzwerk-Analyse zu einer zentralen Akupunkturindikation im deutschen Gesundheitswesen vor, dem chronischen unspezifischen Lenden-Becken-Hüft-Schmerz, vulgo: Rückenschmerz. Der Erkenntnisgewinn liegt vor allem darin, eine solche Analyse kennenzulernen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine stimulierende Lektüre. Falls diese überschwellig ausfallen sollte: Leserbriefe per E‑Mail sind ab sofort portofrei!
Mit herzlichen kollegialen Grüßen
Ihr
Jürgen Bachmann
Interessenkonflikt
J. Bachmann gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
