Als Erstes möchte ich die Redaktion loben, sich diesem wichtigen und brisanten Thema zu widmen. Brisant deswegen, weil man sich letztlich auch fragen muss, ob es eine Möglichkeit gegeben hätte, einen Teil dieser Fälle zu vermeiden. Und zweitens ist den Autoren zu gratulieren für ihre qualitativ hochwertigen Beiträge.
Hätte es eine Möglichkeit gegeben, einen Teil dieser Fälle zu vermeiden?
Da wäre als Erstes J. Dietzel, die sich nicht nur mit der unklaren Nomenklatur und Definitionsfrage auseinandersetzt, sondern den Finger in die Wunde legt, wenn sie auf ähnliche, nicht ausreichend gelöste oder verkannte, parallele Fragestellungen, beispielsweise auf das Chronic-Fatigue-Syndrom, verweist: Myalgische Enzephalomyelitis 1969/Chronisches-Fatigue-Syndrom 1988 (ME/CFS) sind nicht nur neuroimmunologische, sondern vielmehr Multisystemerkrankungen, deren Ursachen und Auslöser weiter und intensiver erforscht werden sollten. Dies umso mehr, als viele Fachgebiete davon betroffen sind und die volkswirtschaftlichen Kosten noch nicht gänzlich erfasst wurden. Eine Vielfalt meist unspezifischer Symptome prägt das Bild wie auch bei der Multiple-Chemikalien-Sensitivität (MCS) oder der elektromagnetischen Hypersensitivität (EHS; [1]). Bei Letzteren stellen neuere Zusammenfassungen bisheriger Forschungen [2] auch hinsichtlich einer kritiklosen Überelektromagnetisierung unserer Umwelt (5G)1 ebenso unangenehme Fragen wie bei der immer noch nicht geklärten Herkunft des Corona-Virus [3]. Dieses beinhaltete, z. B. bei künstlicher Herkunft, weitere Unvorhersehbarkeiten: neben nicht hinreichend geklärten Interaktionen der mRNA-Impfstoffe mit einem neuen Virus und seinen Mutationen schließlich auch die im vorliegenden Schwerpunktheft aufgegriffene Frage, wie wir die möglichen Langzeitfolgen am besten angehen. Langzeitfolgen, welche eventuell hätten vermieden werden können, wenn ein vorhandenes Behandlungsprotokoll2, ab dem 4.–5. Tag ohne klinische Besserung anzuwenden, besser verbreitet worden wäre. Dieses Protokoll sieht neben Ivermectin auch die Gabe von Vitaminen und Mineralien vor. Ivermectin ist ein Wurmmittel, welches in Onchozerchiasis-befallenen Ländern Afrikas mit entsprechender Dosierung dort millionenfach täglich Anwendung findet, mit der Folge wesentlich besserer Corona-Verläufe als in Nachbarländern ohne diese Krankheit und ohne die Anwendung dieses Mittels.
Ein in Deutschland angewandtes Protokoll, entwickelt nach den Forschungen zu Ivermectin aus Afrika [4], ergänzt um immunstärkende Substanzen und Therapien. Darüber noch deutlich hinausgehend berichtet uns A. Beer seine wertvollen Erfahrungen aus dem gesamten naturheilkundlichen Spektrum.
Der Artikel von U. Franke zur Neuraltherapie referiert noch einmal die möglichen immunologischen Abläufe und Symptome sowie deren Bearbeitung durch entsprechende Interventionen. Diese sollten nach Franke bezüglich Injektionsstellen und Techniken symptombezogen eingesetzt und vorher sorgfältig ausgetestet werden.
C. Thede sieht in seiner Behandlung von Long- bzw. Post-COVID-Syndromen mit chinesischer Arzneimitteltherapie ebenso die schon erwähnten Ähnlichkeiten mit der ME/CFS-Symptomatik, aber auch mit Epstein-Barr-Virus-Infektionen, die auch vielfacettige und sehr protrahierte sowie schwere Verläufe nehmen können. Disharmonien der Shaoyang-Meridiane (3E, Gb) behandelt er dabei mit Variationen des „kleinen Bupleurum-Dekokts“ (Xiao Chaihu Tang). Erfolge erfährt er besonders bei respiratorischen Symptomen, den sensorisch-mentalen Defiziten wie auch der chronischen Müdigkeit. 3 Fallbeispiele illustrieren dies eindrücklich.
C. Lazar lässt uns an dem ersten Fall von Long-COVID teilhaben, den sie mit Akupunktur angegangen ist. Wie so oft ergibt sich ein Durchbruch erst durch begleitende Änderungen im Verhalten.
F. Lozano schließlich zeigt uns auf, wie auf dem Boden der chinesischen Medizin sowohl für die Akupunktur wie auch für die chinesische Arzneimitteltherapie differenzierte Behandlungsansätze verfolgt werden können.
Post-Corona-Patienten mit und ohne Langzeitsymptomen klagen über Ängste sowie Depressionen
In meiner Praxis für Psychotherapie werden allgemeinärztliche, naturheilkundliche und TCM-Ansätze (Akupunktur, Farblichtakupunktur mit dem Raymedy-System, Qigong und Taiji Quan) holistisch integriert. So kann ich aus eigener kasuistischer Erfahrung hinzufügen, dass ja Post-Corona-Patienten mit und ohne Langzeitsymptomen über Ängste sowie Depressionen klagen, die mit therapeutischem Einsatz von Qigong- sowie Taiji-Quan-Übungen gut zu verbessern sind, abgesehen davon, dass sie bekanntermaßen auch für das Immunsystem von Segen sind [5]. Vom naturheilkundlichen Aspekt her noch zu ergänzen wäre die sehr hilfreiche Gabe von Zink hochdosiert (60 mg) sowie Vitamin K2 und D3.
Insgesamt bietet die chinesische Medizin in ihrer phänomenologischen Ausrichtung nun tatsächlich die Möglichkeit, einigen versäumten Aspekten nachzugehen, welche die klassifikatorische „Schubkasten“-Medizin nicht beantworten kann [6]. So können wir uns in eine holistische Richtung orientieren. Dafür müsste aber auch einigen unangenehmen Fragen nachgegangen werden.
PD Dr. med. Dr. phil. Thomas Heise
ist Kulturwissenschaftler wie auch praktischer Arzt, Psychiater sowie Psychotherapeut und arbeitet nach Chefarzttätigkeit in eigener Praxis mit einem ganzheitlichen Ansatz inklusive Naturheilkundeverfahren und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Er ist Gründer und Herausgeber der Fachbuchreihe „Das transkulturelle Psychoforum“ mit 20 Bänden. Autor von "Chinas Medizin bei uns", "Qigong in der VR China: Entwicklung, Theorie und Praxis und "Kulturen der Menschheit: Woher und Wohin? Transdisziplinäre Perspektiven unserer Vergangenheit". Prakt. Arzt, Naturheilverfahren, Akupunktur; FA für Psychiatrie, Psychotherapie; Ed. „Das transkulturelle Psychoforum“; Sinologe; Vicechair WPA Section „Conflict Management & Resolution“.
Interessenkonflikt
T. Heise gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Footnotes
Der 5G-Appell, inzwischen unterzeichnet von mehr als 200 Wissenschaftlern, kann hier heruntergeladen werden: https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail?newsid=1220.
Literatur
- 1.Firstenberg A. Die Welt unter Strom. Eine Geschichte der Elektrizität und ihrer übersehenen Gesundheitsgefahren. Kandern: Narayana, Unimedica; 2021. [Google Scholar]
- 2.Heise T. Unsere Gesundheit und das System. Norderstedt: BoD Im Druck; 2022. [Google Scholar]
- 3.Heise T. Corona: Das Syndrom. Über Grenzen, vergeben und schützen. Norderstedt: BoD; 2022. [Google Scholar]
- 4.Guerrero R, Bravo L, Muñoz E, Grillo Ardila E, Guerrero E. COVID-19: the Ivermectin African enigma. Colomb Med (Cali) 2020;51(4):e-2014613. doi: 10.25100/cm.v51i4.4613. [DOI] [PMC free article] [PubMed] [Google Scholar]
- 5.Heise T. Qigong in der VR China: Entwicklung, Theorie und Praxis. Berlin: VWB; 1999. [Google Scholar]
- 6.Schilling F. Long-Covid & Post-Vac. Erkennen – Verstehen – Behandeln. Tredition; 2022. [Google Scholar]

