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. 2022 Dec 1;74(12):6–10. [Article in German] doi: 10.1007/s00058-022-2984-9

Pflegepolitik in 5 Minuten

PMCID: PMC9713728  PMID: 36471786

Innovative Versorgung.

Auf dem 35. Deutschen Krebskongress (DKK) im Berliner City Cube tauschten sich vom 13. bis zum 16. November 2022 Vertreter*innen aus Wissenschaft, Medizin, Gesundheitswesen, Politik und Pflege unter dem Motto "Krebsmedizin: Schnittstellen zwischen Innovation und Versorgung" aus. "Auch wenn die Kliniken noch mit der Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie beschäftigt sind, so darf die Aufmerksamkeit für Patient*innen, die an Krebs erkranken und behandelt werden müssen, nicht nachlassen", sagte Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Ghadimi. Die Diagnose Krebs schockt Jahr für Jahr rund 500.000 Menschen in Deutschland. Durchschnittlich jeder Zweite ist hierzulande im Laufe des Lebens von einem Krebsleiden betroffen.

dkk2022.de

Ergebnisse zur Kammerversammlung.

Am 4. November 2022 wurde das vorläufige Ergebnis der ersten Wahl zur Kammerversammlung vorgestellt. Die konstituierende Sitzung soll Mitte Dezember stattfinden. 60 Sitze waren zu vergeben.

98.534 Pflegekräfte waren wahlberechtigt. An der Wahl beteiligt hatten sich rund 21.800 Pflegefachpersonen, das entspricht 22% der Wahlberechtigten. 66 Wahlvorschläge waren zur Wahl zugelassen, davon 11 Einzelkandidierende und 55 Listen.

Aktiv gestalten: Wählen konnten die Kammer-Mitglieder jeweils innerhalb ihrer Wahlgruppe - Altenpflege oder interdisziplinäre Pflege. Für Sandra Postel, Vorsitzende des Errichtungsausschusses der Pflegekammer NRW, ist die Wahl der Kammerversammlung "ein wichtiger Meilenstein für die Pflege in Nordrhein-Westfalen." Die vorgesehene Amtszeit der Kammerversammlung beträgt fünf Jahre. Am 16. und 17. Dezember 2022 soll die konstituierende Sitzung stattfinden, im Januar die Wahl des Vorstands folgen. (ne)

Mehr Aufklärung.

Diabetes zu vermeiden und die Bevölkerung besser über die Erkrankung aufzuklären, ist Ziel einer gemeinsamen Strategie, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit zusammen mit 30 Expertinnen und Experten eines Fachbeirats entwickelt hat. Dazu sollen die Kompetenzen aller in diesem Bereich tätigen Organisationen und Institutionen in einem Kooperationsnetzwerk unter dem Titel "Diabetesnetz Deutschland - gemeinsam gesünder" gebündelt werden. Geplant ist, gemeinsame Aufklärungs- und Informationsangebote zu erarbeiten, messbare Ziele für den Umgang mit Diabetes zu formulieren sowie Präventionsmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

diabetesnetz.info

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Meinung.

Christine Vogler, Präsidentin der DPR, zur ersten Kammerversammlung der Pflegekammer NRW

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Das Ergebnis zur Kammerversammlung der Profession Pflege in Nordrhein-Westfalen wurde veröffentlicht. 22,10 Prozent der Wahlberechtigten sind ihrer Verantwortung zur Gestaltung einer unabhängigen, demokratischen Selbstverwaltung der Pflegeprofession gefolgt. Mit der Kammer und der Wahl ihrer Vertreter*innen wird der Profession die Chance gegeben, die berufliche Pflege aktiv mitzugestalten. Dies im Sinne der professionellen Bedarfe wie auch der Bedarfe der kranken und pflegebedürftigen Menschen. In Nordrhein-Westfalen gehört es künftig zur Selbstverständlichkeit, dass der Berufsstand der professionell Pflegenden die Geschicke der eigenen Berufsgruppe selbst entscheiden kann. Diese sind die Expert*innen. Dank der Pflegekammer NRW wird sich der Berufsstand wie auch die professionelle Pflege- und Gesundheitsversorgung in Nordrhein-Westfalen weiterentwickeln. Das ist eine riesige Verantwortung, die endlich von den Pflegefachpersonen mitverantwortet werden darf. Und ein großartiger Umbruch, für dessen Erreichen jahrzehntelange ehrenamtliche Aufbauarbeit geleistet werden musste.

Verlieren Sie nie den Mut, die politische Teilhabe der professionell Pflegenden in NRW voranzutreiben.

Isolationspflicht entfällt.

Seit dem 16. November 2022 gibt es in Bayern wegen der veränderten Pandemie-Lage keine generelle Isolationspflicht mehr für positiv auf SARS-CoV-2 Getestete. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek betonte: "Leider hat sich die Bundesregierung bislang einer gemeinsamen Lösung in der Isolationsfrage verweigert. Deshalb gehen wir jetzt mit Blick auf die veränderte Pandemie-Lage diesen wichtigen Schritt für einen eigenverantwortlichen Umgang mit Corona voran. Grundlage dieser Entscheidung - auch im Einklang mit drei anderen Bundesländern - ist eine wissenschaftliche Bewertung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie vieler Experten." Weiter sagte der Minister, dass die Entscheidung nicht bedeute dem Infektionsgeschehen freien Lauf zu lassen. Positiv Getestete müssten außerhalb der eigenen Wohnung eine Maske aufsetzen. Und es gelte: "Wer krank ist, bleibt zu Hause." Die Isolationspflicht fällt auch in Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein:

Statement des DBfK: "Für uns steht der Schutz von vulnerablen Menschen im Vordergrund", so DBfK-Präsidentin Christel Bienstein. "Das heißt: Infizierte Mitarbeitende, Ehrenamtliche oder Besucher*innen - auch ohne Symptome - sollten nicht in die Einrichtungen, Krankenhäuser oder zu den Menschen mit Pflegebedarf nach Hause kommen. Zu diesem Schutz gehören auch engmaschige Tests in den Einrichtungen. Wer symptomatisch erkrankt ist, muss genesen und sich schonen können, um Spätfolgen der Infektion soweit möglich zu vermeiden."

stmgp.bayern.de

dbfk.de

Rationierte Pflege.

Personalmangel in der Pflege ist international ein Problem. Nicht selten zwingt er Pflegefachpersonen, Pflegehandlungen wegzulassen. Eine Studie ermittelte jetzt für Österreich, wie häufig Pflegeleistungen rationiert werden.

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Der Mangel an Pflegepersonal hat massive Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Eine neue repräsentative Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems liefert nun erstmals konkrete Zahlen für Österreich. Befragt wurden mehr als 1.000 Pflegefachpersonen auf Allgemeinstationen. Ergebnis der am 12. Oktober 2022 vorgestellten Studie: Mehr als 80% der Pflegeteams lassen regelmäßig notwendige Pflegehandlungen weg, weil sie keine Zeit haben oder zu wenig Personal. Das wirkt sich nicht nur negativ auf die Versorgung der Patienten aus. Es führt auch zu Frustration bei den Pflegekräften und erhöht deren Bereitschaft, aus dem Beruf auszusteigen.

Ein internationales Problem

Der Begriff "Missed Nursing Care" (MNC) bezeichnet das wiederholte Weglassen oder zum Nachteil für den Patienten verzögerte Durchführen von notwendiger pflegerischer Versorgung. In internationalen Studien berichten zwischen 55 und 98% der Pflegepersonen, dass sie und/oder ihr Team mindestens eine der für die Patientenversorgung notwendigen Interventionen implizit rationieren.

In ihrer MISSCARE-Austria Studie stellten die Pflegewissenschaftlerin Ana Cartaxo und ihre Ko-Autor*innen mit etwa 84% für Österreich einen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohen Anteil fest. Mit rund 68% wird auf den Stationen am häufigsten auf emotionale Unterstützung verzichtet. Aber auch Gespräche mit Patienten und deren Angehörigen (60,6%), die Überwachung von kognitiv beeinträchtigten Patienten (48,4%), die Beratung und Schulung zur Entlassung (48,1%) und die Mobilisierung von Patienten (47,6%) werden oft weggelassen. Als häufigste Gründe für Missed Nursing Care fanden die Autor*innen Multitasking, häufige Unterbrechungen, Personalmangel, einen gesteigerten Versorgungsaufwand und gesteigerte Aufnahme- und Entlassungsdynamiken, die eigene Erschöpfung sowie mangelnde Unterstützung von den direkten Vorgesetzten. Nur 3,6% der Studienteilnehmer gaben an, dass auf ihrer Station in den vergangenen drei Monaten "ausreichend" Pflegepersonal zur Verfügung stand. Die Hälfte beurteilte die Personalausstattung mit "selten", 17,4% mit "nie" angemessen.

Arbeitszufriedenheit leidet

Folgen der hohen MNC-Rate zeigen sich in der Qualität der Patientenversorgung und der Arbeitszufriedenheit bei der Pflege, so Cartaxo. Fehlende Schulung, fehlende Überwachung und fehlende Kommunikation führen zu Komplikationen wie nosokomialen Infektionen, Stürzen, Dekubitus und postoperativen Komplikationen. Und fast drei Viertel der 1.000 Studienteilnehmer*innen denken mindestens einmal im Monat daran, den Beruf zu verlassen. Notwendig wäre eine umfassende Reform des Gesundheitssystems, so Hanna Mayer, die Ko-Autorin der Studie. Elisabeth Potzmann, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankpflegeverbands (ÖGKV), sieht großes Potenzial in der Reduktion unnötiger Krankenhausaufnahmen: Die starke Krankenhauszentrierung in Österreich könnte durch eine Stärkung der vor- und nachgelagerten Strukturen deutlich reduziert werden, etwa durch spezialisierte Pflegepersonen in Primärversorgungszentren. Potzmann: "Derzeit haben wir top ausgebildete Pflegepersonen, die ihre Kompetenzen nicht voll ausschöpfen können." (vk)

An der Pflege vorbei.

"Viele digitale Lösungen werden derzeit an der beruflichen Pflege vorbeientwickelt", kritisierte DPR-Präsidentin Christine Vogler auf der Tagung "Health - The Digital Future 2022" in Berlin. Der Grund: Hauptansprechpartner und eine gesetzlich verankerte Organisationsstruktur für die berufliche Pflege, analog der von anderen Selbstverwaltungspartnern, fehlten. Die Profession Pflege müsse in die Entwicklung von digitalen Lösungen nicht nur sporadisch eingebunden sein, sondern auch systematisch in den Sozialgesetzbüchern entlang der neuen Vorbehaltsaufgaben verankert werden. Dazu bedarf es aus Sicht von Vogler neben einer Neustrukturierung des Gesundheitssystems der angekündigten Neuordnung der Heilberufe. SGB V und des SGB XI seien zusammenzuführen und Pflegefachpersonen bräuchten neue Kompetenzen.

dpr-online.de

Gerecht verteilen .

Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP) hat sein Positionspapier "Investitionskosten in der stationären Langzeitpflege neu verteilen" im Rahmen eines digitalen Fachdialogs veröffentlicht. "Die Festlegung der Investitionskosten in Deutschlands Pflegeeinrichtungen gleicht einem Flickenteppich. Wir benötigen endlich zwischen den Bundesländern harmonisierte bauliche Vorgaben und angeglichene Bewertungsinstrumente für die Berechnung von Investitionskosten", so Thomas Neeb, Geschäftsführung Johanniter Seniorenhäuser GmbH und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes des DEVAP. "Zudem müssen Bau und Unterhalt der Gebäudeinfrastruktur wirtschaftlich sichergestellt werden. Das schafft einen Beitrag zur Entwicklung einheitlicher Lebensbedingungen pflegebedürftiger alter Menschen in der professionellen Altenpflege in Deutschland."

devap.de

Neues Arbeitszeitmodell.

Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) schlägt mit der Etablierung des Flexteams "FLEX4UKW" einen alternativen Weg ein, um inländische Arbeitskräfte zu gewinnen. Diese zusätzlich eingestellten Mitarbeiter*innen können ihre Dienstpläne frei gestalten und bestimmen damit angepasst an ihre Bedürfnisse ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsumfang. Außerdem wurde für das Projekt das UKW in pflegefachlich zusammengehörende Bereiche - sogenannte Cluster - aufgeteilt. Die neuen Beschäftigten entscheiden, in welchem dieser Cluster sie arbeiten möchten. Das Ziel dabei: Die Stabilität des Dienstplanes für alle Pflegekräfte zu erhöhen. "Davon profitieren alle - sowohl die Stammteams als auch das Flexteam", betont Marcus Huppertz, Pflegedirektor am UKW. Dahinter steht ein Ansatz, der sich in den Niederlanden bereits bewährt hat. Langfristiges Ziel ist es, umgerechnet rund 160 zusätzliche Vollzeitkräfte hierfür zu gewinnen.

ukw.de

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Neuer Vorstand.

Am 5. November 2022 fand die jährliche Vollversammlung der Pflegegewerkschaft Bochumer Bund online statt. Einem Antrag des bisherigen Vorstands folgend, wurde der Vorstand neu gewählt. Neue Bundesvorsitzende wurden Nina Praceus aus Aachen und Ingo Schaffenberg aus Lübeck. Praceus: "Gemeinsam mit Euch möchte ich mich dafür einsetzen, dass die Bereitschaft in der Pflege, sich zu organisieren, weiterwächst. Wir müssen genug politische Macht in die Waagschale werfen können, damit wir unsere Arbeitsbedingungen und Löhne so gestalten können wie sie uns zustehen." Ingo Schaffenberg betonte, dass Pflegende niemanden benötigten, der für die Berufsgruppe spricht. "Denn wir sind niemandes Mündel." Praceus und Schaffenberg folgen den beiden bisherigen Vorsitzenden und Mitbegründenden Heide Schneider und Benjamin Jäger.

bochumerbund.de

Pflegelotse geehrt.

Der Pflegelotse des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), ein Suchportal für Pflegeangebote, gehört zu den besten digitalen Angeboten Deutschlands. Das ist das Ergebnis umfangreicher Verbraucherbefragungen des Wirtschaftsmagazins Focus Money und des Nachrichtensenders ntv. Für die Focus-Money-Studie wurden über 96.000 Verbraucherurteile zu Online-Portalen aus 62 Kategorien eingeholt. In der Kategorie "Pflegedienste und -heime" zeichneten die User*innen den vdek-Pflegelotsen zum zweiten Mal mit der Bestnote aus. ntv verlieh zusammen mit dem Deutschen Institut für Service-Qualität (DISQ) dem Webangebot mit dem Preis "Deutscher Gesundheits-Award 2022" bereits die sechste Auszeichnung in Folge.

vdek.com


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