Auslöser ist Feinstaub.
In einer Studie mit Daten von mehr als 400.000 Personen fanden englische Forschende heraus, dass die Belastung mit Feinstaub das Wachstum von Zellen in der Lunge fördert, die krebsverursachende Mutationen tragen. Für das Vereinigte Königreich schätzen die Wissenschaftler, dass etwa 10% der Lungenkrebsfälle durch Luftverschmutzung verursacht werden. Weltweit könnten jährlich rund 300.000 Todesfälle durch Lungenkrebs darauf zurückgehen.
Früh- und Langschläfer entwickeln eher Demenz.
Laut einer Studie aus China sind frühe und lange Bettzeiten mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verknüpft. Den Zusammenhang zwischen Schlaf und Demenz hat ein Forschungsteam über einen Zeitraum von knapp vier Jahren bei älteren Landbewohner*innen verfolgt. Die insgesamt 1.982 über 60-Jährigen hatten 2014 und 2018 an Untersuchungen teilgenommen, bei denen sie Fragebögen zu ihren Schlafgewohnheiten beantwortet und kognitive Tests absolviert hatten. Eine Schlafdauer von mehr als acht Stunden war mit einem um 69 % höheren Demenzrisiko verbunden als eine Dauer von sieben bis acht Stunden. Wer vor 21 Uhr zu Bett ging, hatte im Vergleich zu Personen mit einer Bettzeit nach 22 Uhr ein um 117 % erhöhtes Risiko, und die Hälfte des Schlafes vor 1 Uhr zu absolvieren, verdoppelte das Risiko im Vergleich zu einem späteren Schlafzeitpunkt. (bs)
Liu R, Ren Y, Hou T et al. (2022) Associations of sleep timing and time in bed with dementia and cognitive decline among Chinese older adults: A cohort study. J Am Geriatr Soc. 70:3138-3151. doi:10.1111/jgs.18042
Riechstörung dauerhaft?
Olfaktorische Dysfunktionen gelten fast als pathognomonisch für COVID-19. Eine Studie zeigt jetzt, dass von 100 Patienten 75 bei Erkrankungsbeginn und 29 auch nach einem Jahr noch betroffen waren. Ein Risikofaktor für die Persistenz waren halluzinatorische Geruchseindrücke (Phantosmie) in der Akutphase. Die Autoren raten Langzeitbetroffenen zwecks Reha und Nachsorge einen HNO-Spezialisten zu konsultieren.
Leung JS et al. Laryngoscope 2022; doi:10.1002/lary.30391
Alle wollen "Pepper".
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt NIKA (Nutzerzentrierte Interaktionsgestaltung für kontextsensitive und akzeptable Roboter) ist nach drei Jahren abgeschlossen. Untersucht wurde, wie Roboter aussehen und sich verhalten müssen, damit sie von älteren Menschen akzeptiert werden. Als Ergebnis ist ein Repertoire an Verhaltensweisen entstanden, mit dem künftig soziale Roboter für den Einsatz in der Pflege programmiert werden können. Die Forschungspartner unter der Koordination des Wohlfahrtswerks für Baden-Württemberg untersuchten die Wirkung der Gestalt von Robotern. Dazu wurden den Bewohner*innen des Wohn- und Pflegezentrums Flugfeld in Böblingen die drei Grundtypen - menschenähnliche, tierähnliche und abstrakt aussehende robotische Systeme - vorgestellt. Die Präferenz fiel eindeutig auf den humanoiden Roboter "Pepper". Als "sozialer Roboter" ist er mit "Künstlicher Intelligenz" (KI) und Sensorik ausgestattet und in der Lage, mit Menschen in Echtzeit zu kommunizieren.

Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg
Software spart Zeit.
Ein Forschungskonsortium unter Leitung der HFH - Hamburger Fern-Hochschule untersuchte, wie eine Spracherkennungssoftware die Pflegedokumentation beschleunigen kann. Durch Spracherkennung und -steuerung lässt sich in der Dokumentationsarbeit bis zu einem Drittel der Zeit einsparen, die bislang durch die langwierigere Eingabe per Tastatur aufgewendet werden muss. Das kann die Arbeit für Pflegende spürbar erleichtern. So lautet ein zentrales Ergebnis des Forschungsprojekts Sprint-Doku. Das Projekt wurde im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert und von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) fachlich begleitet. Sind bestimmte Voraussetzungen gegeben, kann die Technologie das Personal entlasten. Dazu zählen etwa arbeitsorganisatorische Anpassungen, das Schaffen von Freiräumen im Arbeitsalltag, die Unterstützung durch Vorgesetzte sowie regelmäßige Schulungen.
Nach Informationen der Hamburger Fern-Hochschule
Missed Nursing Care.
Eine Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems/Österreich untersuchte, welche Auswirkungen der Pflegepersonalmangel auf die Patientenversorgung hat. Mehr als 1.000 Pflegende wurden dazu auf Allgemeinstationen befragt - mit dem Ergebnis, dass mehr als 80% der Teams regelmäßig notwendige Pflegehandlungen weglassen. Zu 68% wird auf emotionale Unterstützung verzichtet und 60,6% gaben an, keine Gespräche mit Patienten und Angehörigen zu führen. Das wiederholte Weglassen von notwendiger pflegerischer Versorgung wird als "Missed Nursing Care" bezeichnet. Als Gründe wurden u.a. Multitasking, Personalmangel, ein höherer Versorgungsaufwand, Aufnahme- und Entlassungsdynamiken, Erschöpfung und mangelnde Unterstützung von Vorgesetzten angegeben (ausführlich auf S. 8).
Cartaxo A et al. (2022) Die MISSCARE-Austria-Studie - Teil I. HBScience: doi:10.1007/s16024-022-00387-x
Burnout bei Ärzten.
Eine Metaanalyse mit Daten von mehr als 239.000 Ärzt*innen ergab, dass diejenigen, die über ein Gefühl des Ausgebranntseins berichten, doppelt so häufig in Vorfälle verwickelt sind, in denen die Patientensicherheit beeinträchtigt ist, wie Kollegen ohne Burnout. Betroffene waren zudem fast viermal so häufig mit ihrer Arbeit unzufrieden wie diejenigen ohne, das ergaben 73 Studien der Metaanalyse. Auch eine niedrige Professionalität und unzufriedene Patient* innen war bei ihnen mehr als doppelt so wahrscheinlich.
https://doi.org/10.1136/bmj-2022-070442
Die Attraktivität angedickter Getränke steigern.
Gibt es bei geschmacksneutralen Andickungspulvern aromatische Unterschiede? Lehnen Patient*innen mit Dysphagie angereicherte Getränke mit Andickungspulver deshalb ab, weil sie nicht schmecken? Logopäd*innen und Mediziner*innen der Fachhochschule Rostock und der Universitätsmedizin Greifswald gingen diesen Fragen nach. In ihrer Studie untersuchten sie, ob zwischen verschiedenen Andickungsmitteln Geschmacksunterschiede bestehen. An der Studie haben 37 gesunde Proband*innen teilgenommen und acht auf dem deutschen Markt erhältliche Andickungsmittel untereinander verglichen. Zur Testung wurden jeweils zwei mit Wasser angerührte Produkte einander gegenübergestellt und alle sollten dann entscheiden, welches sie geschmacklich präferierten. Bis zu sieben dieser Paarvergleiche wurden von jedem Teilnehmenden vorgenommen, somit wurden 224 Paarvergleiche durchgeführt.
Betroffene mitentscheiden lassen
Zwischen den verschiedenen Andickungsmitteln zeigten sich signifikante Geschmacksunterschiede. Unklar bleibt, ob diese sich auch zeigen, wenn anstelle von Wasser andere Flüssigkeiten wie Kaffee, Tee oder Säfte angedickt werden. Die Autor*innen empfehlen: Kommen im therapeutischen Setting Andickungspulver zum Einsatz, sollten die Betroffenen probieren können, welches Pulver ihnen am besten schmeckt. Das ist deshalb so wichtig, da die Kostanpassung durch Veränderung der Konsistenz von Lebensmitteln eine Therapiestrategie ist, um Folgeerkrankungen wie Mangelernährung und Dehydratation zu vermeiden.
Schulz S et al. (2022) Geschmacksneutrale Andickungsmittel? Ein kompetitiver Vergleich. HNO 70:588-594. doi:10.1007/s00106-022-01161-1
Kommentar: Andickungsmittel müssen Patient*innen selbst zahlen, da es kein Hilfs- oder Heilmittel, sondern eine Nahrungsergänzung ist. Es ist noch nicht einmal rezept- oder apothekenpflichtig. In einem Rechtsstreit im Landessozialgericht Baden-Württemberg (AZ: L 11 KR 4441/12) argumentierte eine gesetzliche Krankenkasse, dass der Therapierende zum Andicken von Speisen auch zu handelsüblicher Stärke greifen könne, die wesentlich preisgünstiger sei. Das Gegenargument lautete jedoch, dass ein Andickungspulver im Unterschied geschmacksneutral sei und sich dadurch alle Flüssigkeiten andicken lassen, ohne den Geschmack zu verfälschen. Diese Auffassung lässt sich hinsichtlich der referierten Studie wohl nicht mehr aufrechterhalten. Andickungspulver führen zudem zu einer finanziellen Belastung der Betroffenen. Die getesteten Pulver kosten zwischen 29 und 136 Euro/kg, wobei die besser bewerteten im höheren Preissegment zu finden sind. Man könnte meinen, dass hier ein paar Euro mehr gut angelegt sind, um die Folgeerkrankungen zu vermeiden. Es ist jedoch zu prüfen, ob Speisen, die verschiedenen Andick-Stufen entsprechen, den gleichen Effekt erzielen wie mit Andickungspulver angereicherte Flüssigkeiten, die oft an Tapetenkleister erinnern. Fruchtmus, Brei und Schaumspeisen sind preisgünstiger, duften, sehen gut aus und schmecken viel besser als ein "Stärke-Drink".

