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. 2022 Dec 6;12(6):74–75. [Article in German] doi: 10.1007/s41785-022-3732-8

Erster internationaler TDSC®-Pilotkurs in Jordanien

Axel Franke 1,
PMCID: PMC9734877

Im Auftrag des Auswärtigen Amtes (AA) führt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seit dem Jahr 2014 ein Ertüchtigungsprojekt mit den Zivil- und Katastrophenschutzbehörden in Jordanien durch, das unter anderem die Stärkung des Gesundheitswesens im Bereich MANV-Management auch unter CBRN-Einwirkung vorsieht. Initial stand hier neben der Unterstützung durch die Beschaffung von Fahrzeugen und Material, die Schulung der in der präklinischen Versorgung tätigen Kräfte des Zivilschutzes beziehungsweise Rettungsdienstes im Vordergrund. Das wurde von der Einführung eines einheitlichen präklinischen Sichtungsalgorithmus und der Weiterbildung der in der klinischen Versorgung tätigen Mitarbeitenden der Krankenhäuser im Bereich der Krankenhausalarm- und -einsatzplanung begleitet. Schon dieser Prozess wurde von der Sektion Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie der DGU fachlich begleitet.

Als nächster Schritt wurde die Optimierung der innerklinischen Abläufe und Vorgehensweisen bei einem MANV (Massenanfall von Verletzten) identifiziert. Hierfür wurde unter anderem der TDSC®-Kurs als inhaltlich zielführend erachtet, um die innerklinischen Abläufe, Prozesse und Organisationabläufe bei einem MANV zu verbessern.

Pilotkurs

Im Rahmen mehrerer Abstimmungsgespräche sowie Online-Meetings sowohl mit den Projektverantwortlichen des BBK als auch mit den jordanischen Partnerinnen und Partnern wurden die Inhalte des TDSC®-Kurses den Verantwortlichen vor Ort vorgestellt und gemeinsam für die dortigen Bedürfnisse adaptiert.

Vom 27. bis 30. Juni 2022 fand nun ein Pilotkurs in Amman statt. Das Ziel des Kurses war es, die angepassten Inhalte und das Konzept auf die Durchführbarkeit im Hinblick auf Akzeptanz, Informationsdichte, Ablauf und Verständlichkeit zu prüfen. Nach kleineren erforderlichen Anpassungen dienen die nächsten zwei Kurse zur Vermittlung der Inhalte und Rekrutierung von Instruktorenkandidaten und -kandidatinnen (Mulitiplikatoren). Diese sollen dann die zukünftigen Kurse unter Supervision und Anleitung von zwei bis drei deutschen Instruktoren selbstständig durchführen, um einen nachhaltigen Erfolg der Schulungen zu gewährleisten.

Im Auftrag des BBK wurden die Spielunterlagen, Kursinhalte und Kursmaterialien ins Englische beziehungsweise Arabische übersetzt sowie ein englischsprachiges Online-Pre-learning-Modul von der AUC entwickelt und abschließend gestaltet. Nachfolgend ein kurzer Einblick in die Ergebnisse und Erkenntnisse dieses ersten Pilotkurses.

Kurskonzept Jordanien

Der TDSC®-Kurs Jordanien (TDSC®-JOR) ist konzipiert für 16 Teilnehmende und drei Kurstage jeweils von morgens 9:00 bis nachmittags 17:00 Uhr. Alle Teilnehmenden absolvieren vier bis sechs Wochen vor Kursbeginn das online bereitgestellte Pre-learning-Modul und werden so mit den Grundlagen des diagnostischen und therapeutischen Schockraummanagements und TDSC®-Kerninhalten vertraut gemacht. Nach erfolgreicher Teilnahme werden sie zum Kurs zugelassen.

Der Kurs ist Bestandteil des Zivilschutzprojektes des BBK und wird durch das AA finanziert. Für die Teilnehmenden vor Ort ist der Kurs nicht mit Kosten verbunden. Kurssprache ist Englisch, wobei für Rückfragen Dolmetschende (Deutsch-Arabisch et vice versa) vor Ort eingesetzt werden. Die Kursinhalte fokussieren wie in Deutschland auf Sichtung, innerklinische Prozessoptimierung (Kategorisieren - Priorisieren - Disponieren - Realisieren) und die erforderlichen fachlichen Skills zur Bewältigung eines MANV.

Anders als in Deutschland spielen die Teilnehmenden nicht in Kleingruppen selbst ein Szenario als Table-Top-Simulation, sondern bearbeiten ein moderiertes Szenario in der Kursgruppe, wo die Ergebnisse und der Verlauf in der Klinik vom Spielplan für alle ersichtlich projiziert werden. Alle Kursinhalte (Vorträge, Fallszenariendiskussion, Sichtungsübung) werden evaluiert und die Präsentationen sind interaktiv und fallbasiert aufgebaut, um einen hohen Grad an Beteiligung zu ermöglichen.

Ergebnisse

Durch das Pre-learning-Modul, die Fokussierung auf Themen im Sinne des A-B-C-D-E-Schemas am ersten Tag und den engagierten Einsatz der Instruktoren konnte rasch eine Atmosphäre etabliert werden, wie man sie von einem TDSC®- oder ATLS-Kurs in Deutschland kennt. Alle Teilnehmenden waren höchst engagiert, neugierig und diszipliniert. Durchaus selbstbewusst wurden fachliche Inhalte hinterfragt und eigene vielfältige Erfahrungen eingebracht.

Der Pilotkurs fand im Al Bashir Hospital Amman statt. Das ist das größte öffentliche Krankenhaus in Amman für die Versorgung der Bevölkerung. Im Department für Notfallmedizin werden am Tag um die 1.000 Patienten gesehen. Alle Kursteilnehmenden arbeiten dort. Die Kursinhalte wurden von allen Teilnehmenden bezüglich Relevanz und Präsentation in der Evaluation mit Punkten von 1 (need to be better) bis 6 (good) bewertet.

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Am Abend des ersten Kurstages, am 28. Juni 2022, ereignete sich in Akaba ein Chlorgasunfall, weshalb der Kurs kurzfristig um einen Tag ausgesetzt werden musste. Zwei Drittel der Kursteilnehmenden wurden am Abend nach Akaba geflogen, um dort ein für die COVID-19-Pandemie auf Zeltbasis errichtetes und noch vorgehaltenes Notfallkrankenhaus (600 Betten) in Betrieb zu nehmen. Der Delegation bot dies die Möglichkeit, kurzfristig drei andere Krankenhäuser an der Grenze zu Syrien als mögliche weitere Kursstandorte zu erkunden.

Nach gesunder Rückkehr aller Teilnehmenden wurde der Schadensfall in Akaba am nächsten Tag entsprechend des TDSC®-Konzeptes interaktiv ausgewertet und der Kurs dann ungekürzt (auf Wunsch der Kursteilnehmenden) bis zum Abend vor dem Rückflug fortgesetzt.

Ein Einsatz, der sich gelohnt hat

Für alle Instruktoren war es eine interessante und beeindruckende, wenn auch anspruchsvolle, arbeitsintensive Erfahrung. Insbesondere waren das ausgezeichnete Engagement der Instruktoren und der BBK-Vertretung sowie aller Teilnehmenden des Kurses, der Mut sich auf die besonderen Inhalte und die besondere Situation einzulassen, der Schlüssel zum Erfolg. Die sehr gute Zusammenarbeit mit dem BBK, wie schon zuvor bei anderen Projekten, sei hier noch einmal besonders erwähnt.

Die Motivation der Teilnehmenden und das wertvolle Feedback zeigen, dass sich dieser Einsatz gelohnt hat. Auch wir lernen immer etwas dazu - von daher planen wir weiter. Wesentlich war aber die Erfahrung, dass sich die Inhalte und Ideen des TDSC®-Konzeptes auch unter anderen strukturellen und systemischen Rahmenbedingungen und nach entsprechender Anpassung an die Bedürfnisse vor Ort, kombiniert mit der Bereitschaft, sich auf einen anderen Kulturkreis einzulassen, erfolgreich vermitteln lassen.

Bei allen Teilnehmenden bleibt die gewinnbringende Erfahrung zurück, dass man über Grenzen hinweg, in gegenseitiger Wertschätzung und Verantwortung, gemeinsam etwas Wirkungsvolles erarbeiten und anwenden kann.

Prof. Dr. Axel Franke, Koblenz.

Leiter Sektion EKTC

Unter Mitarbeit von .

Michael Euler, Christoph Güsgen, Charlotte Hartwig


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