Der Nutzen der Lungenkrebsfrüherkennung mit Niedrigdosis-Computertomografie überwiegt bei aktiven und ehemaligen Rauchern den Schaden. Vor Implementierung gilt es, eine qualitätsgesicherte Prozesskette vom Screening bis hin zur Operation zu definieren.
Das Lungenkarzinom ist weltweit der häufigste zum Tod führende Tumor. Trotz aller Therapiefortschritte ist seine Prognose weiterhin sehr schlecht. Ursache hierfür ist die meist späte Erkennung des Tumors, oft über durch Metastasen vermittelte Symptome. Demgegenüber haben Patienten in früheren asymptomatischen Stadien eine deutlich bessere Prognose.
Da das Lungenkarzinom überwiegend bei aktiven oder ehemaligen Rauchern und Passivrauchern auftritt, ist die Hauptrisikogruppe hierüber definiert. Der effektivste Ansatz, das Auftreten von Lungenkarzinom zu verhindern, wäre der Verzicht auf das Zigarettenrauchen. Leider führen politische, gesellschaftliche und ökonomische Rahmenbedingungen dazu, dass dieser Weg allenfalls halbherzig verfolgt wird.
Lungenkrebsscreening
Ein Screening soll Erkrankungen wie den Lungenkrebs in frühen, kurativ behandelbaren Stadien bei Risikogruppen erkennen. Dazu bietet sich die Computertomografie (CT) an, da sie in der Lage ist, kleinste Lungenläsionen zuverlässig zu erkennen. Die erste große randomisierte kontrollierte Studie (RCT) hierzu zeigte 2011 eine Mortalitätsreduktion mittels Niedrigdosis-CT um 20 % [1]. Damit ist die Niedrigdosis-CT zurzeit die einzige "evidente" Methode zur Erkennung von Lungenkarzinomen im Frühstadium. Das Screening mittels Niedrigdosis-CT ist in den USA inzwischen Realität und wird ausschließlich für Menschen mit hohen Lungenkrebsrisiko empfohlen.
In Europa laufen mehrere Screeningstudien. Die größte, die niederländisch-belgische NELSON-Studie [2], zeigte einen ähnlichen Benefit wie die o. g. RCT. Screeningprogramme werden derzeit in verschiedenen Ländern implementiert. In Deutschland sollen laut den Experten Risikopatienten (z. B. starke Raucher) im Alter von 55 bis 74 Jahren in dafür zertifizierten, multidisziplinären medizinischen Zentren untersucht werden. Raucherentwöhnungsprogramme, spezielle CT-Niedrigdosistechnik, Rundherdvolumetrie speziell für solide und subsolide Herde, Klassifizierung gemäß Lung-RADS [3], spezialisierte Qualitätssicherung, interdisziplinäre Befundbesprechung und Strahlendosis sind zu berücksichtigen, da diese regelmäßig anders sind als in der üblichen Krankenversorgung (▶Abb. 1). Derzeit läuft in Norddeutschland die HANSE-Studie, die die Rekrutierung bereits beendet hat (www.hanse-lungencheck.de). In Essen und Heidelberg wird seit Mitte 2022 für die Europäische "4 in the Lung Run" Studie rekrutiert (4inthelungrun.com).



Dabei steht seit den 1970er-Jahren mit der CT ein Verfahren zur Verfügung, welches das Bronchialkarzinom in einem operablen und damit oft heilbaren frühen Stadium erkennen kann. Im Jahr 1971 hatte der britische Ingenieur Godfrey Hounsfield seine seit 1949 andauernden Entwicklungen bei EMI (Electric and Musical Instruments) abgeschlossen und den ersten Menschen mittels CT untersucht [4]. Für seine Arbeiten hinsichtlich der Entwicklung dieser Methode erhielt Hounsfield zusammen mit dem südafrikanischen Physiker Allan McLeod Cormack, der wesentliche Studien über die Absorption von Röntgenstrahlen publiziert hatte, 1979 den Nobelpreis für Medizin.
Sie wird in ihren modernen Ausführungen seit Jahren leitliniengerecht in Standarddosistechnik für die Diagnose von Lungenembolien (als Angio-CT mit Kontrastmittel), interstitiellen Lungenerkrankungen, zum Staging für die Früherkennung von Pneumonien bei immunkompromittierten Patienten usw. eingesetzt. Bei der Früherkennung des Lungenkarzinoms kann die CT sogar mit besonders niedriger Röntgenstrahlung ohne Kontrastmittel als Niedrigdosis-CT (LDCT) zur Anwendung kommen (▶Abb. 2). Wichtig ist dabei die Dünnschichttechnik (incl. Speicherung der Dünnschichtbilder), der direkte Vergleich mit Voraufnahmen durch erfahrene Thoraxradiologen ggf. mit Unterstützung von minimaler und maximaler Intensitätsprojektion (minIP und MIP) und spezialisierter Auswertesoftware zur Detektion und Volumenbestimmung von Rundherden [5] und die Anbindung an ein Lungenkrebszentrum (▶Abb. 3).


Eine von Aussagekraft her ähnliche Alternative wäre die strahlenfreie Magnetresonanztomografie, die jedoch aufgrund der längeren Untersuchungszeit (> 30 min vs. < 5 min) für eine Anwendung in der Breite nicht geeignet ist.
Low-dose-Computertomografie
Die Niedrigdosis-CT wird mit der Idee durchgeführt, dass die Hochkontrastunterschiede zwischen Rundherden (ca. 50 HE) und umgebendem Lungengewebe (-800 HE) ausreichen, um diese Herde auch bei durch hohes Bildrauschen beeinträchtigter Bildqualität, wie sie bei deutlich reduzierter Strahlendosis bis hin zur Größenordnung der bei der Thoraxübersichtsaufnahme in zwei Ebenen anfallenden Dosis auftritt, zuverlässig zu erkennen. Dabei werden bewusst Nachteile wie die eingeschränkte Erkennbarkeit von Milchglasinfiltraten, Fibrose, Airtrapping, Kontrastmittelenhancement usw. (Niedrigkontrast) in Kauf genommen. Die Niedrigdosis-CT erfolgt daher stets ohne i.v.-Kontrastmittel, also in Nativtechnik (▶Abb. 2).
Angio-Computertomografie
Die Angio-CT (CTPE) ist beim klinisch relativ stabilen Patienten das Standardverfahren zur Diagnostik der Lungenarterienembolie [8]. Dabei wird über einen dicklumigen i.v. Zugang (grüne Braunüle) das Kontrastmittel mit einem Hochdruckinjektor injiziert und nach Bolustriggerung im Truncus pulmonalis ein Dünnschicht-CT der Lungenarterien in Standarddosistechnik angefertigt. Falls eine relative (z. B. Schilddrüsenautonomie mit dem Risiko der späteren thyreotoxischen Krise) oder schwerwiegende unüberwindbare Kontraindikation gegen Kontrastmittel vorliegt (z. B. GFR < 50 ml/min), ist eine gepaarte Lungenperfusions- und Ventilationsszintigrafie möglichst in SPECT-Technik möglich. Beide Verfahren gehen mit einer Strahlenbelastung um 5 mSv einher, sodass bei strahlenempfindlichen Patienten (z. B. Menschen < 40 Jahren mit normaler Lebenserwartung) eine strahlenfreie Magnetresonanztomografie erwogen werden sollte [9]. Diese kann auch in der Schwangerschaft und notfalls auch ohne i.v. Kontrastmittelgabe erfolgen.
Interstitielle Lungenerkrankungen
Die einzelnen interstitiellen Lungenerkankungen (ILD) sind zwar selten, es handelt sich jedoch um eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen, bei denen es gelegentlich zu einer pulmonalen Manifestation mit Retikulationen, Milchglasinfiltrate, Noduli, Konsolidierungen, Traktionsbronchiektasen oder Honigwaben kommt. Die Erkennung und Differenzierung ist klinisch bedeutsam, da die ILD häufig prognoseentscheidend ist [10]. Inzwischen sind unterschiedliche Medikamente zugelassen, eine unspezifische Immunsuppression für alle ILD wurde verlassen.
Es gilt vielmehr, leitliniengerecht die unterschiedlichen Muster der ILD zu differenzieren und dabei die verschiedenen Formen inklusive ihrer jeweiligen Wahrscheinlichkeitslevel (typisch, wahrscheinlich, möglich, unvereinbar) zu differenzieren und anschließend im multidisziplinären Board zu diskutieren [11]. Die Thoraxübersicht kann diese Aufgabe nicht leisten, sondern dies ist Aufgabe der nativen Dünnschicht-CT in inspiratorischem Atemanhalt bei Standarddosis [12]. Die früher verwendete hochauflösende CT (HRCT) mit Lücken zwischen den Einzelschichten ist aus technischen und Strahlenschutzgründen sowie aufgrund ihrer Probleme bei der Verlaufskontrolle der ILD nicht mehr angezeigt.
Früherkennung von Pneumonien bei immunkompromittierten Patienten
Dass die CT ein schnelles und zuverlässiges Verfahren zur Erkennung von Pneumonien ist, hat sich einmal mehr während der Coronavirus-Pandemie gezeigt [13]. Vielerorts wurde die CT aus organisatorischen Gründen vorrangig zur Polymerase-Kettenreaktion (PCR) angewendet. Dieses Vorgehen wurde aufgrund der langjährigen Erfahrung der betreffenden Kliniken aufgrund des gut etablierten Diagnoseprozesses gewählt, da bereits seit Ende der 1990er-Jahre z. B. immunkompromittierte Patienten nach Transplantationen oder in Neutropenie frühzeitig und unkompliziert der nativen Dünnschicht-CT zugeführt werden. Neben der leichten und zuverlässigen Erkennung eines in der Thoraxübersicht noch okkulten Infiltrats leistet die CT dann bereits eine Differenzierung der mutmaßlich zugrundeliegenden Auslöser einer Dyspnoe. Sie ersetzt keine mikrobiologische Diagnostik, kann aber u. a. Lobärpneumonie, interstitielle Pneumonie, Lungenödem oder Pneumonitis besser als die Thoraxübersichtsaufnahme unterscheiden und Hinweise zum sofortigen Therapiebeginn geben [14].
Prospektive randomisierte Früherkennungsstudien zeigten, dass durch die Erkennung von Frühkarzinomen der Lunge mittels LDCT die lungenkrebsspezifische relative Mortalität um 20 % gesenkt werden kann. Aufgrund der publizierten Daten wurde in Deutschland ein Bewertungsprozess zur Prüfung der LDCT als Früherkennungsmaßnahme für Lungenkrebs eingeleitet (▶Abb. 3).
Im Auftrag des Bundesministeriums hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) eine wissenschaftliche Bewertung gemäß §84 Absatz 3 Strahlenschutzgesetze vorgenommen und am 6. Dezember 2021 im Bundesanzeiger publiziert [15]. Darin wird ein Früherkennungsszenario vorgeschlagen, das leicht zugänglich ist und die erforderlich hohe Qualität des Gesamtprozesses ermöglicht (▶Abb. 4). Die Lungenkrebszentren haben die wichtige Aufgabe, unnötige Abklärungen zu verhindern und eine niedrige Komplikationsrate zu erreichen. Dieser Prozess ist nicht innerhalb der derzeitigen Erstattungssystems zu leisten, da Leistungen durch neuartige Strukturen erbracht werden müssen und invasive Maßnahmen z. B. durch Nutzung von Expertenwissen und Spezialsoftware (▶Abb. 1) sowie Verwertung von Voraufnahmen auch verhindert, statt erbracht werden sollen (▶Abb. 4). Es wird erwartet, dass das Bundesumweltministerium bis Ende 2022 eine Ausführungsbestimmung für eine Früherkennung von Lungenkrebs in Deutschland erlässt. Anschließend dürfte der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) seine Stellung zur Implementierung im deutschen Gesundheitssystem beraten und diese möglicherweise in 2024 veröffentlichen.

Die Metaanalyse von 38 Publikationen zu RCT, in die Daten von 70.000 Personen einflossen, zeigte Hinweise auf einen Nutzen des Früherkennungsverfahrens für starke Raucherinnen und Raucher. In der Gruppe der mit LDCT untersuchten Teilnehmenden reduzierte sich die Lungenkrebsmortalität im Vergleich zur Kontrollgruppe um 15 %. Das bedeutet rechnerisch: Von 1.000 Teilnehmenden sterben in einem Zeitraum von etwa zehn Jahren nach Früherkennungsbeginn drei Menschen weniger an Lungenkrebs als ohne Früherkennung. Zusammenfassend wurde ein Nutzen der Früherkennung mit LDCT für (ehemalige) starke Raucherinnen und Raucher festgestellt, der den Schaden der Maßnahme überwiegt.
Nutzen-Risiko-Awägung
Für Deutschland liegt eine Kalkulation auf Basis der Daten des NLST (National Lung Cancer Screening Trial) vor [1]. Anhand von Befragungsdaten des Robert Koch-Instituts wurde die Zahl der möglichen Teilnehmer an einer Früherkennungsmaßnahme mittels LDCT hochgerechnet. Bei einer anzunehmenden Teilnahmebereitschaft von 50 % werden demnach zirka 1,4 Millionen der schweren Raucher in Deutschland im Alter zwischen 55 und 74 Jahre teilnehmen [16]. Realistisch ist allerdings mit einer niedrigeren Teilnahmebereitschaft und damit weniger CT-Untersuchungen zu rechnen, wenn die Einschlusskriterien korrekt angewendet werden.
Bei einer jährlichen LDCT über drei Jahre wären dies ca. 3,8 Millionen Untersuchungen für die Früherkennung. Bei 50 Untersuchungen pro Arbeitstag pro CT-Gerät würde dies ca. 300 CT-Geräte auslasten. Angesichts von 2.600 CT-Geräten die 2009 in Deutschland installiert waren [17], könnte dies auch aufgrund der seitdem stattgehabten dramatischen Leistungssteigerung der Geräte im Wesentlichen mit der inzwischen vorhandenen CT-Infrastruktur abzubilden sein.
Bei einem jährlichen CT-Intervall würden 916.918 LDCT-Untersuchungen mit kontrollbedürftigen Herden innerhalb von drei Jahren auftreten. Zusätzliche CT-Abklärung würde 456.167 Mal anfallen. Eine invasive Abklärung mittels Bronchoskopie oder Thoraxchirurgie würde in etwa 72.000 Fällen indiziert. Dabei würde bei rund 33.000 Probanden Lungenkrebs diagnostiziert. Es würden 4.155 Lungenkrebstodesfälle vermieden (Number Needed to Screen = 320).
Bei diesem Hochrisikokollektiv würde das Risiko an Lungenkrebs zu sterben nach drei Jahren Früherkennung mit LDCT und 6,5 Jahren Nachbeobachtungszeit um 20 % sinken. Allerdings würden dabei auch mehr als 12.000 Personen mindestens eine Komplikation im Rahmen der invasiven Abklärung erleiden, davon würden ca. 30 % schwerwiegend verlaufen, einschließlich Todesfolge (jeweils etwa die Hälfte der Fälle bei bestätigtem und bei nicht bestätigtem Lungenkrebs).
Kritische Punkte
Vor Implementation der Früherkennung müssen einige kritische Punkte bedacht und diskutiert werden: Die derzeit in den großen Studien randomisierten Probanden wurden mit gezielten Rekrutierungsmaßnahmen (Anschreiben, Anrufe, Anzeigen) zur Studienteilnahme motiviert. Es bleibt daher offen, ob nicht nur eine etwas gesündere und regional in der Nähe der Studienzentren (in der Regel universitäre Ballungsgebiete) lebende Studienpopulation rekrutiert wurde. Auch der Raucherstatus war möglicherweise bereits überhäufig mit Exrauchern.
Dies könnte zu erheblicher Beeinflussung der Ergebnisse geführt haben. Andererseits könnten bereits subklinische Beschwerden einer Tumorerkrankung vorgelegen haben, die zur Studienteilnahme an hochspezialisierten Zentren motivierten. Auch wurden neben auf Raucherstatus und Alter fokussierten Einschlusskriterien gezieltere Risikomodelle wie PLCOM2012 entwickelt, die weitere Parameter wie Bildung, Familienanamnese usw. einbeziehen.
Algorithmen verfeinern die Abklärung
In der neueren Studie wurden Algorithmen zur Abklärung von Lungenherden mit dem Ziel vorgegeben, die Anzahl unnötiger Verlaufs-CTs und unnötiger Biopsien zu senken. Die Ergebnisse der automatischen Analyse wurden vom Radiologen einzeln bestätigt oder verworfen. Die verbliebenen Herde wurden segmentiert und volumetriert (▶Abb. 1). Das Volumen und der Durchmesser sowie die deren Veränderung in der Verlaufskontrolle bestimmten dann aufgrund vorgegebener Entscheidungswege das weitere Vorgehen. Auf diese Weise konnte die Zahl von unnötigen Abklärungen deutlich gesenkt werden.
Bei einer jährlichen Früherkennungs-LDCT im Alter von 50-75 Jahren läge das strahlenbedingte zusätzliche Lebenszeitrisiko für eine Krebserkrankung bei 0,25 % für Frauen und etwa 0,1 % für Männer. Angesichts eines Lungenkrebsrisikos von ca. 1,5 % in dem einzuschließenden Hochrisikokollektiv erscheint dieses Risiko gerechtfertigt.
In der Routineversorgung wird es Risikoprobanden nach drei Jahren Teilnahme an einer Früherkennungsmaßnahme schwer zu vermitteln sein, warum die Untersuchung nicht weiter angeboten wird. Würde ein nationales Früherkennungsprogramm initiiert, müssten hier klare Vorgaben bezüglich Technik, Qualität, Qualifizierung, Befundung, Abklärung, Vorgehensweise bei Auffälligkeiten, Anbindung an Lungenkrebszentren usw. gemacht werden.
Lungenkrebs häufiger bei niedrigem sozioökonomischen Status
Die Empfehlungen des BfS skizzieren dazu ein realistisches Vorgehen, dessen angemessene Finanzierung eine Voraussetzung für einen Nutzen der Lungenkrebsfrüherkennung ist. Eine Unterfinanzierung würde u. U. zu Abstrichen bei der Prozessqualität führen, die z. B. die Anzahl unnötiger Eingriffe und unerkannter Tumoren steigert: Die Einschlusskriterien würden weniger streng angewendet, die Anzahl der betrachteten Voraufnahmen würde möglichst klein gehalten, außerhalb der eigenen Früherkennung eventuell vorhandene Voraufnahmen würden nicht erfragt, eingelesen und somit nicht mit einbezogen, usw. Schon der erforderliche Datenschutz stellt dabei ein Problem dar, der unter Erhalt des Früherkennungsziels nur mit erheblichem Personalaufwand und geeigneter Infrastruktur gewährleistet werden kann. Dies sind organisatorische und nicht technische Schwächen dieser Früherkennungsmaßnahme, die für den Kostenträger nicht oder nur schwer kontrollierbar sind, aber wesentlich zur Prozessqualität beitragen.
Ein weiterer Punkt ergibt sich aus der unklaren Bereitschaft zu einer Teilnahme an einer Früherkennungsmaßnahme. Man muss davon ausgehen, dass sich wahrscheinlich weniger Risikoprobanden einer Früherkennung unterziehen werden als in der Mamma- oder Kolonkarzinomfrüherkennung. Das Lungenkarzinom tritt häufiger in niedrigen sozioökonomischen Gruppen auf als die zuvor genannten Karzinome, was sich sicher in der Akzeptanz und der Finanzierungsbereitschaft eines solchen Programmes bei einem selbst verursachten Risikofaktor niederschlägt. Schon deswegen muss auch ein Raucherentwöhnungsprogramm verpflichtend in ein mögliches Szenario eingebunden werden, denn dessen Nutzen ist bekannt und es bestehen keine Risiken. Die Früherkennung darf nicht zur Rechtfertigung des fortgesetzten Nikotinabusus führen.
Früherkennung von Lungenkrebs durch spezialisierte Zentren
Aus oben genannten Gründen und anlehnend an alle Fachgesellschaften, die eine CT-Früherkennung für das Lungenkarzinom empfehlen, ergeben sich daher sicher Empfehlungen an strukturelle Voraussetzungen zur Durchführung der Lungenkrebsfrüherkennung, vergleichbar den Empfehlungen des "American College of Chest Physicians" (ACCP).
Der größte Nachteil der CT erwächst aus ihrer hohen Sensitivität: Gerade beim Risikokollektiv der Raucher werden zahlreiche Rundherde gefunden, deren invasive Abklärung zu so hohen Patientenbelastungen führen würde, dass deren Komplikationen den Vorteil der Lungenkrebsfrüherkennung bei weitem überwiegen würden. Es ist daher erforderlich, typischerweise nur solche Befunde näher zu untersuchen, die eine relevante Größenzunahme der soliden Anteile zeigen. Gerade vor dem Hintergrund vieler falsch positiver Rundherde und dem damit verbundenen Risiko unnötiger Eingriffe, welches in nicht spezialisierten Zentren höher ist, muss die Früherkennung von Lungenkrebs durch spezialisierte Zentren mit zertifizierten Partnern erfolgen.
Der Nutzen der LDCT zur Früherkennung von Lungenkrebs dürfte sich daher nur bei Risikopersonen und vorwiegend in den Händen erfahrener multidisziplinärer Teams zeigen.
Fazit
Die Niedrigdosis-CT der Lunge ist ein sensitives Verfahren zur Früherkennung von Lungenkrebs.
Im Risikokollektiv der aktiven und ehemaligen (bis 15 Jahre) Raucher (55-74 Jahre) ist die Früherkennung mit einem messbaren Überlebensvorteil verbunden.
Die Qualität des Gesamtprozesses von der Zuweisung über die Durchführung und Befundung bis hin zur Einleitung von Konsequenzen und Abklärung ist kritisch für den tatsächlichen Nutzen der Früherkennung und gehört an spezialisierte Lungenkrebszentren.
Die Niedrigdosis-CT zur Früherkennung von Lungenkrebs ist derzeit in Deutschland nur in Studien zulässig. Eine Genehmigung wird in wenigen Jahren erwarten.
Dr. Gudula Heußel.
Thoraxklinik Heidelberg gGmbH am Universitätsklinikum Heidelberg
Röntgenstraße 1
69126 Heidelberg
gudula.heussel@med.uni-heidelberg.de
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Welche der folgenden Aussagen ist RICHTIG?
Die Dosis ionisierender Strahlung ist bei der Magnetresonsanztomografie (MRT) niedrig.
Die Hounsfield-Skala ersteckt sich ungefähr vom Bereich -1.000 HE bis +1.000 HE.
Die Computertomografie (CT) erfordert zur Diagnostik einer interstitiellen Lungenparenchymerkrankung die Gabe von Kontrastmittel.
Die Lungen-CT wird ausschließlich im Lungenfenster dargestellt.
Die Röntgendosis von Low-dose-CT und Thoraxübersichtsaufnahme in zwei Ebenen sind vergleichbar.
Welche der folgenden Aussagn ist FALSCH?
Die Computertomografie (CT) wurde durch eine Abteilung der NASA entwickelt.
Für die Entwicklung der CT wurde 1979 der Nobelpreises an Godfrey Hounsfield und Allan Cormack verliehen.
Interstitielle Lungenparenchymerkrankung lassen sich mit der Magnetresonanztomografie (MRT) darstellen.
Zur Diagnostik von Lungenembolien bei klinisch stabilen Patienten eignen sich Lungenperfusionsszintigrafie, MRT und CT.
Die Kontrastmittelgabe bei einer Angio-CT erfolgt durch eine Hochdruckinjektion mit z. B 5 ml/s.
Welche der folgenden Aussagen zur Technik der Computertomografie (CT) ist RICHTIG?
Die Verwendung dicker Schichten in der CT ist in der Diagnostik interstitieller Lungenparenchymerkrankung angezeigt.
Das heutige CT-Standardverfahren zur Untersuchung interstitieller Lungenparenchymerkrankung ist die HRCT mit 1 mm Schichtdicke alle 10 mm (sog. Inkremental-CT).
Die typische transversale Bildebene zeigt den Patienten quasi von oben.
MIP und minIP sind Reformatierungen, die bereits am Scanner erzeugt werden müssen; eine nachträgliche Berechnung ist aufgrund fehlender Projektionsdaten nicht mehr möglich.
Die typische koronare Bildebene zeigt den Patienten quasi von vorne bzw. hinten.
Welche Aussage zur Rundherddiagnostik ist RICHTIG?
Die Quantifizierung von Lungenrundherden sollte durch eindimensionale Messung des größten Durchmessers erfolgen.
Eine Tumorverdopplungszeit pulmonaler Rundherde zwischen 20 und 400 Tagen ist verdächtig auf das Vorliegen eines Malignoms.
Die Quantifizierung von Lungenrundherden sollte durch Mittelung der Messung des größten und kleinsten Durchmessers erfolgen.
Lungenherde mit Anteilen von Milchglasdichte sind typischerweise benigne.
Bei symptomfreien Rauchern oder Exrauchern kann zur Früherkennung eines Bronchialkarzinoms eine Niedrigdosis-CT verordnet werden.
Welche Aussage zur Computertomografie (CT) ist RICHTIG?
Bei Vorliegen einer Niereninsuffizienz können eine CT oder Magnetresonsanztomografie nicht durchgeführt werden.
Bei Vorliegen eines autonomen Adenoms der Schilddrüse können CT oder Magnetresonsanztomografie nicht durchgeführt werden.
Alle Menschen ab 55 Jahren können eine Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-CT erhalten.
Die Niedrigdosis-CT kann mit und ohne i.v. Kontrastmittel erfolgen.
Die native CT der Lunge kann pulmonale Rundherde ausreichend darstellen.
Welche Aussage zu interstitiellen Lungenparenchymerkrankungen ist RICHTIG?
Die drei CT-Muster lauten in der aktuellen Leitlinie: 1. sicheres, 2. mögliches und 3. unvereinbar mit UIP-Muster.
Bei Verdacht auf eine berufsbedingte Pneumokoniose muss vor einer Meldung an die Versicherung eine Vorstellung beim Arbeitsmediziner oder Pneumologen erfolgen.
Bei Vorliegen von dreischichtigem Honeycombing im Subpleuralraum der basalen Lungenabschnitte ist eine idiopathische pulmonale Fbrose (IPF) diagnostiziert.
Die Mikronoduli der Sarkoidose sind zentrilobulär verteilt.
Eine Thoraxübersicht in zwei Ebenen im Stehen ist keine ausreichende radiologische Abklärung.
Welche Aussage zur Kontrastmittelgabe ist RICHTIG?
Eine thyreotoxische Krise tritt typischerweise sofort nach der Gabe jodhaltigen Kontrastmittels auf.
Die i.v. Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel ist bei einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) < 50 ml/min kontraindiziert.
Bei den vom Radiologen verwendeten Kontrastmitteln handelt es sich um dieselbe Stoffgruppe.
Bei Vorliegen einer Niereninsuffizienz können eine Computertomografie oder Magnetresonsanztomografie nicht durchgeführt werden
Bei Vorliegen eines autonomen Adenoms der Schilddrüse können eine Computertomografie oder Magnetresonsanztomografie nicht durchgeführt werden.
Welche Aussage zur Teilnahme an einem Programm zur Früherkennung von Lungenkrebs ist RICHTIG?
Es werden weniger als 20 % falsch positive Befunde erwartet.
Es wurde kein Überlebensvorteil durch die Teilnahme gefunden.
Die meisten gefundenen Lungenrundherde sind maligne.
Bei bis zu 5 % der Teilnehmer werden Lungenrundherde gefunden.
Die Inzidenz von Lungenkrebs liegt in der ersten Runde bei 1-3 %.
Welche Aussage zum Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm mittels Computertomografie (CT) ist FALSCH?
Die Teilnahme ist in Deutschland derzeit nur in Studien zulässig.
Ein Einschlusskriterium ist schwerer Raucher oder Ex-Raucher.
Ein Einschlusskriterium ist ein Mindestalter von 50 oder 55 und ein Höchstalter von 74 Jahren.
Die Untersuchung erfolgt mittels kontrastmittelverstärkter Niedrigdosis-CT.
Bei Vorliegen von Rundherden werden diese zunächst im Verlauf mittels CT kontrolliert.
Welche Aussage zum Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm mittels Computertomografie (CT) ist RICHTIG?
Die Teilnahme an routinemäßigen klinischen Programmen ist derzeit in Deutschland möglich.
Die Auswertung der CTs erfolgt auf Bundesländerebene zentral.
Die Möglichkeit zur Genehmigung eines Programms wird in Deutschland ab 2024 erwartet.
Neben den Lungenrundherden werden weitere Zusatzbefunde aus den CTs nicht berichtet.
Nicht nur schwere Raucher und Ex-Raucher profitieren nachweislich hinsichtlich ihres Überlebens von der Teilnahme.
Interessenkonflikt
Die Autorin erklärt, dass sie sich bei der Erstellung des Beitrages von keinen wirtschaftlichen Interessen leiten ließ. Sie legt folgende potenzielle Interessenkonflikte offen: keine.
Der Verlag erklärt, dass die inhaltliche Qualität des Beitrags durch zwei unabhängige Gutachten bestätigt wurde. Werbung in dieser Zeitschriftenausgabe hat keinen Bezug zur CME-Fortbildung.
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