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. 2023 Feb 27;70(3):44–47. [Article in German] doi: 10.1007/s35128-023-1820-5

Europäische Aktien holen auf

Carmen Mausbach 1,
PMCID: PMC9968516

Der Jahresauftakt verlief für die großen europäischen Börsen erfolgreich. Denn der makroökonomische Horizont hat sich aufgehellt und die Unternehmensdaten sind recht robust. Ein Blick auf die einzelnen Werte ist aber dennoch erforderlich, denn nicht jede europäische Firma wird die derzeitige Krise unbeschadet überstehen.

Der Euro Stoxx 50, der die 50 größten börsennotierten Unternehmen aus der Eurozone beinhaltet und ein wichtiger Indikator für die Entwicklung des europäischen Aktienmarktes ist, hat seit Beginn des laufenden Jahres um rund neun Prozent zugelegt. Damit markiert der Index ein neues Sechs-Monats-Hoch. Nach Meinung führender Experten dürfte die Rezession in Europa dank stark gefallener Energiepreise und der Aufhebung der Covid-19-Beschränkungen in China vergleichsweise milde ausfallen.

Die Investmentbank Goldman Sachs beispielsweise rechnet in diesem Jahr beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Europa mit einem Anstieg von 0,6 Prozent. Jüngst erwartete die Investmentbank noch einen Rückgang von 0,1 Prozent für 2023. Auch die Inflation ist im Euroraum stärker als erwartet gefallen. Wie das europäische Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte, sanken die Verbraucherpreise im Januar 2023 um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Dezember 2022 betrug die Inflationsrate noch 9,2 Prozent und im November 10,1 Prozent. Die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen somit erste Wirkungen, so dass davon auszugehen ist, dass der Inflationsdruck weiter nachlassen wird. Derzeit liegt der Hauptrefinanzierungssatz, der als wichtigster Leitzins gilt, bei drei Prozent. Weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten sind wahrscheinlich, um die Teuerung in den Griff zu bekommen. Für die Teuerungsrate in Europa sagen die Experten von Goldman Sachs für Ende 2023 einen Wert von 3,25 Prozent voraus. Positive Impulse in Sachen Inflation kommen aus den USA. Dort hat sich die Teuerung zum Jahresende 2022 abgeschwächt und lag im Dezember 2022 bei 6,5 Prozent, nach 7,1 Prozent im November vergangenen Jahres. Sollten nicht neue Unwägbarkeiten hinzukommen, wie etwa ein erneutes Aufflammen der Corona-Pandemie oder auch eine Ausweitung des Ukraine-Kriegs, dürfte sich die Lage weiter entspannen und den Euro Stoxx 50 auf neue Kurshochs hieven.

Europäische Bankenbranche profitiert von Zinswende

Ein weiterer Katalysator für die jüngsten Kursgewinne waren die guten Quartalszahlen vieler börsennotierter Unternehmen. Damit scheint sich abzuzeichnen, dass es ihnen gelungen ist, auch in der konjunkturell schwierigen Phase ordentliche Gewinne zu erzielen. Ein Sektor, der von der Zinswende infolge der stark gestiegenen Inflation unzweifelhaft profitiert, ist die europäische Bankenbranche. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in den Analystenmeinungen zu vielen, im Euro Stoxx 50 vertretenen Bankenwerten wider. Die US-Investmentbank Goldman Sachs gibt etwa für die niederländische ING Group (ISIN: NL0011821202) ein Kursziel von 17 Euro an. Momentan notiert die Aktie bei rund 12,50 Euro. Gleiches gilt für die spanische Großbank Banco Santander (ISIN: ES0113900J37).

Trotz der Geldstrafe von rund 108 Millionen Euro, die die britische Tochter der spanischen Santander Bank wegen fehlerhafter Bekämpfung von Geldwäsche zahlen muss, dürfte das veränderte Zinsumfeld das Ertragswachstum des Geldhauses weiter antreiben. Die Analysten von Goldman Sachs haben ihre Einstufung für das Institut auf "Buy" mit einem Kursziel von 5,10 Euro belassen. Das wäre beim momentanen Kurs von 3,06 Euro ein ordentlicher Kursgewinn von rund 67 Prozent.

Die Analysten der Schweizer Bank Credit Suisse sind nicht ganz so optimistisch, was die im Euro Stoxx 50 vertretene Banco Santander betrifft. Sie halten ein Kursziel von 4,40 Euro für realistisch. Mehr Potenzial trauen sie hingegen der BNP Paribas (ISIN: FR0000131104) zu. Das französische Finanzinstitut, das universelle Leistungen aus dem Privat- und Firmenkundengeschäft weltweit anbietet, zählt zu den "Top Picks" der Analysten von Credit Suisse. Sie stufen das Geldhaus auf "Outperform" ein mit dem Kursziel von 75 Euro.

Eine weitere Branche, für die das laufende Jahr noch positive Überraschungen bereithalten sollte, ist die Elektrotechnologie. Im Euro Stoxx 50 sind einige interessante Technologiewerte vertreten. So etwa die niederländische ASML Holding (ISIN: NL0010273215). Der weltweit tätige Anbieter von Lithografiesystemen, der die Halbleiterindustrie mit Hightech-Produkten versorgt, agiert eher im Hintergrund, denn mit Halbleiterzubehör werden vielmehr bekannte Unternehmen wie Nikon und Canon in Verbindung gebracht. Gegenwärtig ist ASML mit einem Börsenwert von knapp 240 Milliarden Euro weltweit an über 60 Standorten in 16 Ländern vertreten. Im schwierigen Geschäftsjahr 2021 erzielte ASML einen Rekordumsatz von 18,61 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss stieg um knapp zwei Drittel auf 5,88 Milliarden Euro.

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Die neuen Rekordwerte kommen jedoch nicht von ungefähr: Es ist die gigantische Nachfrage der Halbleiterindustrie, die die Auftragsbücher des Konzerns füllt. Denn Computerchips und Mikroprozessoren werden für die Herstellung von Autos, Smartphones, Waschmaschinen und Kühlschränken benötigt, also für viele Dinge des modernen Lebens. Darüber hinaus sind auch die augenblicklichen Megatrends wie autonomes Fahren und Robotics nur mit leistungsfähigen Chips umzusetzen.

Die ASML Holding hat nach Meinung vieler Analysten daher gute Chancen zu wachsen. Bereits seit Anfang dieses Jahres haben die Aktien des Unternehmens per 11. Januar 2023 rund 14,25 Prozent an Wert gewinnen können. Die US-Bank J.P. Morgan hat der ASML Holding vor Kurzem den Status "Positive Catalyst Watch" verliehen und auf "Overweight" mit einem Kursziel von 690 Euro belassen.

Anhaltende Nachfrage nach Chips könnte Infineon pushen

Auch Infineon Technologies (ISIN: DE0006231004) ist ein führender Hersteller von Halbleiterlösungen, der sich bei der Entwicklung seiner Produkte besonders auf die Themen Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit fokussiert hat. Für den Anbieter sieht es ähnlich gut aus. Angesichts eines hohen Auftragsbestands und der wohl anhaltenden Nachfrage nach Computerchips stehen die Chancen gut, dass der positive Trend 2023 anhalten wird. Auch mögliche Übernahmen aus dem Start-up-Sektor stehen zur Diskussion, da sie das Portfolio von Infineon gut ergänzen. Vor diesem Hintergrund hat die Schweizer Bank Credit Suisse die Einstufung für Infineon auf "Outperform" mit einem Kursziel von 47,40 Euro belassen.

Luxusgüter sind enorm gefragt

Hervorragend lief es im vergangenen Jahr für das französische Luxusimperium LVMH (ISIN: FR0000121014), das exklusive Modemarken wie Bulgari, Christan Dior, Fendi, Givenchy, Kenzo, Louis Vuitton, aber auch Champagner- und Edelweinhersteller wie Moët & Chandon und Veuve Clicquot sowie Château Cheval Blanc und Château d'Yquem unter seinem Dach vereint. Trotz der hohen Preise für Energie und Lebensmittel, die Verbraucherinnen und Verbraucher gegenwärtig zahlen müssen, meldete der Luxuskonzern für die ersten neun Monate des Jahres 2022 ein Umsatzwachstum von 28 Prozent auf 56,6 Milliarden Euro. Der französische Wettbewerber Kering (ISIN: FR0000121485) wuchs mit Marken wie Balenciaga Gucci, Bottega Veneta oder Saint Laurent in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um 23 Prozent und erzielte einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro.

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Position der Vermieter gestärkt

Die Unternehmensberatung Bain & Company erwartet für den Luxussektor, dass es für diesen nach dem Rekordjahr 2022 auch in diesem Jahr weiter aufwärts geht. Die Bain-Experten schätzen, dass sich der weltweite Umsatz für Luxushersteller von augenblicklich rund 353 Milliarden Euro bis 2030 auf bis zu 580 Milliarden Euro erhöhen wird. Impulse kommen dabei vornehmlich von der jüngeren Generation, die Luxusmarken immer stärker für sich entdeckt.

Die Aussichten für die Aktie von Vonovia (ISIN: DE000A1ML7J1) sehen gut aus, weil der angespannte Wohnungsmarkt in vielen deutschen Städten die Verhandlungsposition der Vermieter stärkt, höhere Mieten durchzusetzen. Zu Recht wird der Immobilienkonzern, der derzeit rund 550.000 Wohnungen zu seinem Bestand zählt, momentan auch als Stoxx-Europa-Star gehandelt.

Vermittler sollten ihren Blick auch auf europäische Unternehmen lenken, für die es im vergangenen Jahr nicht so gut lief, die allerdings mit einer hervorragenden Dividendenrendite glänzen können. Zu den Stoxx-Europa-Dividendenstars zählt etwa der deutsche Chemieriese BASF (ISIN: DE000BASF111). Für den Konzern war 2022 ein schwieriges Jahr. Die gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe und weitere Abschreibungen auf die Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea haben ihre Spuren bei den Geschäftszahlen hinterlassen. Wie das Unternehmen berichtete, sank der Gewinn nach Steuern im dritten Quartal 2022 um mehr als ein Viertel von 1,25 Milliarden Euro auf 909 Millionen Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn sank ähnlich stark und zwar um 28 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Er lag damit aber noch leicht über den Erwartungen des Marktes.

Als konjunkturzyklisches Unternehmen ist BASF von der Entwicklungen der Weltwirtschaft abhängig und die Expertenmeinungen dazu fallen eher moderat aus. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostiziert, dass das weltweite BIP in diesem Jahr um 2,2 gegenüber dem Vorjahr wachsen wird.

Die Weltbank hingegen sagt für 2023 ein Plus von lediglich 1,7 Prozent voraus. Die Analystenbewertungen zu BASF fallen daher mit Kurszielen um die 55 Euro eher vorsichtig aus. Allerdings ist die Dividendenrendite von BASF attraktiv. Es wird erwartet, dass das Chemieunternehmen, wie bereits im Vorjahr, eine Dividende von 3,50 Euro pro Aktie zahlen wird. Die Dividendenrendite läge dann bei einem momentanen Kurs von rund 53 Euro bei über sechs Prozent.

Die Allianz (ISIN: DE0008404005) führt die Rangliste der Dividendenkönige für 2023 an. Zwar ist das vergangene Jahr für das Versicherungsunternehmen nicht so gut gelaufen, dementsprechend verzeichneten die Titel 2022 einen Verlust von rund drei Prozent im Vergleich zum Gesamtmarkt. Allerdings ist der Konzern mit seinen Kerngeschäften Kranken- und Lebensversicherungen, Schaden- und Unfallversicherungen sowie seinem Asset Management gut aufgestellt, so dass das Management seinen Aktionären 2023 mindestens 10,80 Euro je Aktie auszahlen dürfte. Bei dem derzeitigen Kurs von rund 219 Euro entspräche das einer Dividendenrendite von 4,9 Prozent.

Vermittler sollten Portfolios der Kunden diversifizieren

Zwar hat sich die Weltkonjunktur in den vergangenen Monaten als überraschend robust erwiesen, weil die Gefahren einer echten Energiekrise mit Rationierungen vor allem in Europa deutlich zurückgegangen sind. Dennoch könnte es in 2023 zu größeren Schwankungen kommen, wenn der Inflationsdruck nicht so stark wie erwartet nachlässt. Vermittler sind deshalb gut beraten, die Portfolios ihrer Kunden breit zu diversifizieren. Erreichen können sie eine optimale Risikostreuung in Europa mit Exchange Trades Funds (ETFs), die sich auf den Euro Stoxx 50 fokussieren.

Mit dem iShares Euro Stoxx 50 Ucits ETF (ISIN: DE0005933956) können beispielsweise Anleger von der Wertentwicklung der 50 führenden Unternehmen der Eurozone profitieren, die ihren Sitz in Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, in den Niederlanden und Spanien haben. Top-Positionen sind die ASML Holding mit 7,62 Prozent und LVMH mit 6,43 Prozent. Die Gesamtkostenquote des ETFs liegt bei 0,1 Prozent. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,05 Prozent ist auch der HSBC Euro Stoxx 50 Ucits ETF (ISIN: IE00B4K6B022) eine gute Alternative, um an der Wertentwicklung der 50 führenden Unternehmen der Eurozone zu partizipieren.

Fonds will einen langfristigen Kapitalzuwachs erzielen

Neben passiven Indexfonds sind aktiv gemangte Anlageprodukte eine gute Alternative, um die Risiken zu diversifizieren. Der Allianz Wachstum Europa A EUR Fonds (ISIN: DE0008481821) versucht etwa, Kapitalwachstum auf langfristige Sicht zu erwirtschaften, indem er mindestens 70 Prozent seines Vermögens direkt oder über Derivate in europäische Unternehmen investiert. Als Vergleichsindex wird der S&P Europe Large Cap Growth herangezogen. Einen aktiven Managementansatz verfolgt auch der Carmignac Portfolio-Grande Europe (ISIN: LU0099161993). Ziel des Fonds ist es, seinen Referenzindex, den Stoxx 600 NR EUR, über eine Dauer von mehr als fünf Jahren zu schlagen und einen langfristigen Kapitalzuwachs zu erzielen. Der Fonds investiert hauptsächlich in Aktien der Mitgliedsländer der Europäischen Union. In geringem Umfang fließt die Liquidität aber auch in Aktien europäischer Drittländer oder möglicher Beitrittskandidaten.

Kompakt.

  • Die Prognosen von Ökonomen deuten darauf hin, dass die Rezessionssorgen in Europa weiter zurückgehen und sich die Konjunktur aufhellt.

  • Für Wachstumstitel aus dem Tech-Bereich und auch aus dem Luxusgüterbereich dürfte es deshalb 2023 weiter aufwärtsgehen.

  • Der Euro Stoxx 50 hat seit Jahresbeginn um über neun Prozent zugelegt. Mit ETFs und aktiven Fonds können Kursrücksetzer abgemildert werden.

Carmen Mausbach

ist freie Journalistin in Niederkassel. Sie schreibt schwerpunktmäßig über Geldanlage und betriebswirtschaftliche Themen.graphic file with name 35128_2023_1820_Figb_HTML.jpg


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